Klubblog #008 - 31 Anekdoten zum 31. Titel

An jedem der letzten 31 Tage vor dem ersten Ligaspiel des EC-KAC 2019/20 wird dieser Artikel um eine Anekdote rund um den Weg zum 31. Meistertitel der Rotjacken ergänzt.

31 Anekdoten zum 31. Titel

 

#01 – Harri Pinters Handwerker (April 2019)

Im Jahr 2017 erhielt der EC-KAC neben „Lindi“ quasi ein zusätzliches Maskottchen: Harri Pinter, die „Drecksau“, Protagonist des gleichnamigen Kinofilms, wurde förmlich zu einem Repräsentanten des Vereins. Die fiktive Klublegende versprühte in der an Kärntens Kinokassen so erfolgreichen Komödie robusten Charme, glänzend dargestellt vom gebürtigen Klagenfurter Jürgen Maurer spielte sich der in die Jahre gekommene, leicht tollpatschig wirkende Ex-KACler nicht nur in die Herzen der den Rotjacken verbundenen Kinobesucher. Und Harri Pinter, angeblicher Teil der rot-weißen Meistermannschaft von 1987, war auch am tatsächlichen Run des EC-KAC durch die Play-Offs 2019 beteiligt. Sekunden nach dem Überzahl-Tor von Adam Comrie im zweiten Halbfinalspiel gegen Graz drückt die „Drecksau“ am Videowürfel der Stadthalle seine Zufriedenheit über die 2:0-Serienführung aus. (Bild) Harri Pinters dem Film entnommene Kabinenansprache (Video) flimmert unmittelbar vor Finalspiel vier ebenfalls über den Jumbotron - und verfehlt seine Wirkung nicht: Die Mannschaft nimmt sich das „A KACler verliert nit“ zu Herzen, siegt drei Mal am Stück und kürt sich tatsächlich zum Champion. Und um ein Haar wäre es im Rahmen der Meisterfeier am Neuen Platz auch noch zu einer persönlichen Begegnung mit dem fiktiven Altstar gekommen: Jürgen Maurer hatte sein Kommen bereits zugesagt, er war dafür vorgesehen, auf der Bühne vor dem Rathaus die Karl Nedwed-Trophy zu überreichen. Kurzfristig muss der Schauspieler den Termin jedoch absagen, Handwerker hielten den Zeitplan beim Umbau seiner Privatimmobilie in Wien nicht ein. Die charmante Stornierung des Auftritts („Da Harri hot Eich so g‘feiert, der konn unmöglich auf die Autobohn!“) kommt in Verbindung mit der Zusage, dass „Harri Pinter“ in der kommenden Saison ein Mal in der Stadthalle zu Gast sein würde.

 

#02 – "Der KAC wird heuer Meister" (April 2019)

Wenige Stunden vor dem ersten Faceoff im 51. Ligaspiel der Saison, der Auswärtspartie in Graz in der Pick Round am 3. März, erreicht den EC-KAC die traurige Nachricht über das Ableben eines seiner prominentesten Anhänger. Der in Klagenfurt aufgewachsene kulturelle Tausendsassa Werner Schneyder war an diesem Nachmittag im 83. Lebensjahr verstorben. Über mehr als sieben Jahrzehnte hindurch hatte sich der Kabarettist, Autor, Schauspieler und Regisseur zu den Rotjacken bekannt, schon in den späten 1940er-Jahren hatte ihn sein Vater mit auf damaligen KAC-Platz in der Glangasse genommen. Wenig später schloss er sich als Nachwuchsspieler der Fußballsektion an, bei den Heimspielen der rot-weißen Eishockeymannschaft verdiente sich der Sprössling als Eiskehrer ein kleines Taschengeld. Zeit seines Lebens sprach und schrieb Schneyder über den Klagenfurter Athletiksport-Club, seine Feststellung „Ich hatte keine rot-weiße Brille. Ich hatte ein rot-weißes Herz“ wurde zum geflügelten Wort. Wenige Tage nach Schneyders Tod meldet sich sein enger Freund, der Kabarettist, Moderator und Journalist Dieter Chmelar beim EC-KAC. Der langjährige Wegbegleiter des Verstorbenen erzählt von einem letzten Zusammentreffen, einem gemeinsamen Mittagessen, nur Stunden vor dem Abschied für immer. Als sich Werner Schneyder nach dem Mahl auf den Heimweg machte, ließ er seine Freunde wissen: „Ich sag’s Euch, der KAC wird heuer Meister.“ Gute sieben Wochen später erweist sich diese Prophezeiung als wahr, die Rotjacken holen den Titel. Nach 28 Championaten, die Werner Schneyder persönlich miterlebt hat, ist es der erste Meisterschaftsgewinn seit 1935 ohne den - im wahrsten Sinne des Wortes - großen KAC-Fan. Und doch denkt man in der Nacht vom 24. zum 25. April in Klagenfurt an ihn, denn kaum trifft die Karl Nedwed-Trophäe in der Kabine ein, wird sie mit einem Bild des legendären Anhängers und seiner mutigen Prognose von Anfang März dekoriert. (Bild)

 

#03 – Die Mission (April 2019)

Neben dem omnipräsenten #3EL1EVE-Slogan werden die Rotjacken auch von einem Song durch die Play-Offs 2019 begleitet. Einzelnen Spielern war der Track als Hintergrundmusik in der US-Amerikanischen TV-Serie Suits aufgefallen, die eingängige Melodie und der ziemlich genau die vereinsinterne Stimmungslage wiedergebende Text finden in der Mannschaft so großen Anklang, dass sie „Man on a Mission“, gesungen von „Oh The Larceny“, zum Kampagnensong für die Post Season auswählt. Vom Beginn der Play-Offs an wertet das Lied jedes vom Klub veröffentlichte Instagram-Video (beginnend mit diesem zum Viertelfinalstart) auf, nach jedem Heimsieg untermalt die Nummer die Ehrenrunde der Mannschaft nach dem Spiel musikalisch. Selbstverständlich dröhnt „Man on a Mission“ dann auch zum krönenden Abschluss der Saison durch die Boxen in der Stadthalle, nämlich als Kapitän David Fischer am 24. April um 23.29 Uhr die Karl Nedwed-Trophy im Goldglitter-Regen stemmt. (Video) Die Mission ist erfolgreich beendet!

 

#04 – Zwölf Aufkleber (April 2019)

Durch ihre sechs Play-Off-Wochen werden die Rotjacken von einem Bild begleitet, das sowohl zu Hause wie auch auswärts an der Kabinenwand angebracht wird. Darauf zu sehen ist neben dem #3EL1EVE-Schriftzug, der die rot-weiße Post Season prägt, die Karl Nedwed-Trophy, auf deren drei Ringen, die das Fundament des Pokals bilden, zwölf kreisrunde Flächen eingezeichnet sind. Jeder Ring repräsentiert eine Play-Off-Runde, jede Fläche einen der jeweils nötigen vier Siege. Nach einem gewonnenen Spiel nominieren die Trainer am Ende ihrer Kabinenansprache den internen Spieler des Abends, der dann die Ehre hat, einen der vorbereiteten Aufkleber, der vom Logo des jeweiligen Gegners geziert wird, auf der entsprechenden Stelle am Bild anzubringen. Hier beispielsweise der „Stand“ vor Viertelfinalspiel vier in Bolzano. (Bild) Das Anbringen des Aufklebers nach einem Sieg wird zum stimmungsvollen Ritual der Mannschaft, die den Vorgang mit lautem Gejohle zelebriert. Kaum dass der Kleber am Bild haftet, richtet sich der Fokus des Teams aber wieder auf die bevorstehende Aufgabe. Am Vormittag des 24. April hängt Zeugwart Ingo Loibnegger den Rahmen ein letztes Mal an die Wand, elf der kreisförmigen Flächen sind bereits mit einem Sticker beklebt. (Bild) Wenige Stunden später, am 25. April um 0.44 Uhr, hält Head Coach Petri Matikainen vor den meisterlichen Cracks und deren Familien die letzte Kabinenansprache der Saison 2018/19. Er fasst sich kurz, übergibt an seinen Assistenten Jarno Mensonen, der den Schützen des entscheidenden Treffers, Adam Comrie, zur Schlüsselfigur des Abends ernennt. Der Verteidiger genießt den Moment, lässt sich beim Abziehen der Klebefolie lange Zeit. Als er den Sticker endlich auf die Glasfläche pappt, kennt der Jubel keine Grenzen (Video) - aus #3EL1EVE wurde endgültig der #M31STER.

 

#05 – Für die Familie (April 2019)

Erst am späten Abend des 12. April, einem Freitag, steht fest, wem die Rotjacken in den zwei Tage später beginnenden EBEL-Finals gegenüberstehen werden. Zur Trainingseinheit am Samstag sollen die Spieler, so der Wunsch der Trainer, Bilder ihrer engsten Familienmitglieder mitbringen. Petri Matikainen und Jarno Mensonen verstehen nur allzu gut, dass hinter den Cracks, die im Verlauf der Spielzeit zu einer verschworenen, von positiver Gruppendynamik geprägten Einheit wurden, ihre nächsten Verwandten - ihre Ehefrauen und Freundinnen, ihre Kinder, ihre Geschwister, ihre Eltern - stehen, ohne deren fortwährende Unterstützung die Fokussierung auf das Eishockey und die individuellen wie kollektiven Leistungen nicht möglich wäre. Aus den mitgebrachten Bildern („Zeigt uns, für wen ihr spielt, für wen ihr gewinnen wollt!“) gestalten die Trainer an der Wand der Rotjacken-Kabine eine Collage. (Bild) Die Familien-„Wall of Fame“ hat die gesamte Finalserie hindurch Bestand, sie erinnert jeden Kaderspieler an jedem Tag beim Betreten der Kabine daran, für wen er sich am Eis ins Zeug legt.

 

#06 – Die Idee im Traum (April 2019)

Die Rotjacken bringen in den ersten drei Halbfinalspielen gegen Graz eine große kämpferische Leistung aufs Eis, sie stehen in der Defensive, gestützt auf einen famosen Lars Haugen, sehr kompakt, bringen viel Physis und unbändigen Willen in jede Partie. Sie gewinnen das erste und das zweite Duell jeweils in der Verlängerung und sorgen im dritten spät im finalen Abschnitt für die Entscheidung zu ihren Gunsten. Während der EC-KAC in Unterzahl brilliert und jedes der 14 Überzahlspiele der 99ers in diesen drei Begegnungen unbeschadet übersteht, gestaltet sich das Powerplay noch recht holprig (ein Treffer bei zehn Versuchen). Die Trendumkehr im Spiel bei numerischem Vorteil nimmt in der Nacht zum vierten Halbfinalspieltag ihren Ausgang: Mittelstürmer Thomas Koch, im Powerplay an der Half Wall eine fixe Größe, wacht aus einem Traum auf, in dem er einen Überzahlspielzug visualisiert hatte. Geistesgegenwärtig greift er zu Stift und Papier und skizziert das „Erlebte“. Vor dem Vormittagstraining am Spieltag diskutiert er seine nächtliche Idee mit den Trainern und den Mitgliedern seiner Powerplay-Formation, alle erachten den Vorschlag als umsetzenswert. Im abendlichen Spiel führt Graz früh mit 2:0, in Minute 14 kommen die Rotjacken zu ihrer ersten Überzahlmöglichkeit der Partie. Thomas Koch selbst ist es, der den rot-weißen Rückstand mit dem erfolgreichen Abschluss eines Spielzuges, der exakt so umgesetzt wird, wie es am in den Nachtstunden bekritzelten Spickzettel vorgesehen war, halbiert. Bis zur zweiten Pause erhält der EC-KAC drei weitere Powerplay-Gelegenheiten, zwei davon werden in einen Torerfolg umgemünzt, der Spielstand damit endgültig gedreht. Alle drei Treffer bei numerischem Vorteil erzielen die Klagenfurter mit den exakt gleichen fünf Feldspielern am Eis (neben Thomas Koch auch David Fischer, Nick Petersen, Andrew Kozek und Matthew Neal): Graz ist geschlagen (Video-Zusammenfassung des Spiels), der Weg in die Finalserie somit frei.

 

#07 – Knochenjob (März 2019)

Vier Siege in fünf Spielen sorgen dafür, dass die Rotjacken die erste Play-Off-Hürde HCB Südtirol souverän nehmen und die Saison des Titelverteidigers damit bereits im Viertelfinale beenden. Im exakt eine Woche später startenden Halbfinale gegen die Graz 99ers wartet die nächste schwierige Aufgabe auf den EC-KAC, führten die Steirer nach der ersten Phase des Grunddurchgangs doch die EBEL-Tabelle an. Zudem hatte das Team von Ex-KAC-Coach Doug Mason fünf der sechs vorherigen Saisonduelle mit den Klagenfurtern für sich entscheiden können. Schon im Vorhinein ist klar, dass den Rotjacken in dieser Vorschlussrunde ein Knochenjob bevorstehen würde. Head Coach Petri Matikainen vermittelt diesen Umstand dem Team auch bildlich: Als die Mannschaft am Tag der ersten Halbfinalpartie zum Morning Skate erscheint, hatte der Trainer die Kabine „dekoriert“. Von der Decke hängen - fein säuberlich an Schlittschuh-Schuhbändern - vier große Knochen, wie sie in Zoohandlungen verkauft werden. (Bild) Die Message an das Team ist klar: Wie Hunde wolle man sich vier Mal sprichwörtlich im Gegner verbeißen. Eine Aufgabenstellung, die von der Mannschaft bravourös gemeistert wird, entscheidet Rot-Weiß doch jedes der hart umkämpften vier Duelle für sich und zieht somit in das Finale ein.

 

#08 – Das Feldlazarett (März 2019)

Die Viertelfinalserie gegen Titelverteidiger HCB Südtirol ist zwar nach fünf Begegnungen vorüber, dauert insgesamt aber mit 361:32 Spielminuten mehr als sechs Standard-Partien lang. Sie geht an die Substanz und dünnt das Lineup der Rotjacken auch merklich aus: Robin Gartner, Manuel Geier und Marco Richter kommen im Verlauf der Serie verletzungsbedingt gar nicht zum Einsatz, Nick Petersen verpasst drei Spiele, Johannes Bischofberger eines. Dazu kommt ein gutes halbes Dutzend an Cracks, die angeschlagen sind, aber stets entweder die Zähne zusammenbeißen oder vom KAC-Sportphysiotherapeuten Harald Wagner (dem in der intensiven Play-Off-Zeit zusätzlich der ehemalige Bundesliga-Kicker Günther Vidreis als zweiter Therapeut zur Seite steht) so behandelt werden, dass sie spielfähig sind. Der Trainerstab wertschätzt die Arbeit des für die physischen Belange zuständigen Personals - Ärzte, Therapeuten, Off-Ice Coaches - so, dass er während der von Verschleiß gekennzeichneten Viertelfinalserie kurzerhand ein selbstgemaltes „War Hospital“-Schild („Feldlazarett“) an der Türe zum Behandlungsraum anbringt. (Bild)

 

#09 – Erschöpfung (März 2019)

Die Rotjacken starten mit einiger Mühe in die Play-Offs, im ersten Viertelfinalspiel zu Hause gegen den HCB Südtirol steht es nach 60 Minuten 4:4. Die Verlängerung dauert nur 41 Sekunden, bleibt aber dennoch in Erinnerung, weil die Klagenfurter den Gegner, der im Zuge dieser drei Shifts nur vier Mal die Scheibe berührt, förmlich niederpowern und schließlich dank eines Kozek-Treffers den Serienauftakt auch für sich entscheiden. Bereits am Folgetag reist der EC-KAC nach Italien, um sich vor Ort auf die zweite Viertelfinalpartie vorzubereiten, die letztendlich zu einer historischen Begegnung wird. In der PalaOnda gehen die Rotjacken zwei Mal in Führung, zwei Mal gleicht der HCB aus, nach 39:45 Minuten steht es 3:3. Was zu diesem Zeitpunkt niemand weiß: Es sollten mehr als 81 weitere Spielminuten, also mehr als eine ganze zusätzliche Partie, vergehen, ehe ein weiterer - dann entscheidender - Treffer fällt. In der vierten Overtime, nach exakt 120 Minuten und 51 Sekunden, beendet Johannes Bischofberger mit einem aus der Luft in Baseball-Manier übernommenen Rebound das längste Spiel in der Geschichte der Erste Bank Eishockey Liga. (Mitschnitt der entscheidenden Minuten in der Radio-Liveübertragung von Radio Kärnten) Der Abend der Superlative bringt die Klagenfurter Cracks (okay, mit Ausnahme von David Fischer) an die Grenzen ihrer körperlichen Belastbarkeit. Besonders seine Spuren hinterlässt das Marathon-Spiel, das um 19.15 Uhr beginnt und erst am nächsten Tag um 0.08 Uhr endet, bei Goalie Lars Haugen. Der Norweger stellt sich an diesem Abend 81 Torschussversuchen der Hausherren (von insgesamt 208(!) im Spiel) entgegen, 15 Abschlüssen aus dem Slot, insgesamt 46 Shots on Goal. Er ist nach den knapp 121 Minuten reiner Spielzeit so ausgezehrt und kraftlos, dass er sich noch am Eis von Teilen seines Equipments trennt: Kollege David Madlener, der ihn nach dem entscheidenden Treffer lange herzt, nimmt ihm Schläger, Helm, Fang- und Stockhand ab, um sie in die Kabine zu bringen. (Bild) Erst lange nach Sonnenaufgang am Samstag kommen die Rotjacken wieder zu Hause in Klagenfurt an, Sonntag steht bereits das nächste Spiel auf dem Programm. Doch es ist der EC-KAC, der die Strapazen der Rekordpartie, die in dieser Serie bereits für eine mentale Vorentscheidung sorgte, besser wegsteckt: Die Klagenfurter lassen nach einem dominanten Auftritt einen 4:1-Heimsieg folgen, fünf Tage später stehen sie im Halbfinale und haben erfolgreich Revanche für das Viertelfinalaus gegen die Füchse im Jahr zuvor genommen.

 

#10 – Fearless Heart (März 2019)

Eine Woche vor dem Ende der Regular Season gibt Head Coach beim Management die Produktion eines T-Shirt-Sets für alle Kaderspieler und Betreuer in Auftrag. Gehalten in Rot, Aufdrucke in weiß, wobei das Design fast nebensächlich ist, geht es doch um die Message(s), die das Bekleidungsstück transportieren soll. Drei Sätze, die die Play-Off-Mentalität der Rotjacken begründen und definieren sollen. Die zentrale Nachricht auf der Vorderseite: „Trust our Way“ („Vertraue unserem Weg“). Im Brustbereich rechts das KAC-Logo, links, also über dem Herzen, der Schriftzug „Fearless Heart“ („Furchtloses Herz“), auf der Rückseite die Nachricht an die Mitspieler: „I work for you, you work for me“ („Ich arbeite für Dich, Du arbeitest für mich“), am Ärmel die Rückennummer des jeweiligen Spielers bzw. das Namenskürzel des Betreuers. (Bild) Als die Rotjacken am 13. März, dem Tag des ersten Viertelfinalspiels, nach dem Morning Skate zurück in die Kabine kommen, spricht Petri Matikainen zum Team, danach verteilt er die Shirts. Trotz ihrer Schlichtheit im Design werden die Bekleidungsstücke ob ihrer starken und an das Kollektiv appellierenden Message(s) zum durchgehenden Begleiter aller Spieler und mit der Mannschaft arbeitenden Betreuer während der exakt sechs Wochen bis zum 24. April. Das Shirt wird zum Dresscode im Kabinentrakt, gleich nach dem morgendlichen Eintreffen in der Halle streifen es sich alle Spieler über, kaum kommen sie von einer Einheit oder einem Spiel vom Eis, schlüpfen sie umgehend wieder in das rote Bekleidungsstück. Selbst bei Flash-Interviews vor oder nach den Partien legen einzelne Akteure das Shirt nicht ab. (Bild) Das in den 43 Play-Off-Tagen so vor sich her getragene Motto vom Vertrauen in den eingeschlagenen Weg bleibt keine leere Worthülse: Der EC-KAC gewinnt zwölf seiner 15 Post Season-Partien und kürt sich zum Champion der Erste Bank Eishockey Liga.

 

#11 – Blutsbrüder (März 2019)

Nach Auftaktsiegen gegen Salzburg und in Székesfehérvár müssen die Rotjacken in den folgenden drei Spielen im Rahmen der Platzierungsrunde jeweils Niederlagen (in Wien und Bolzano sowie gegen Graz) hinnehmen. Vor dem Start in die zweite Hälfte dieser zweiten Saisonphase greifen die Trainer Petri Matikainen und Jarno Mensonen daher wieder in die motivatorische Trickkiste, um den ergebnismäßigen Trend umzukehren: Vor dem Abschlusstraining zum Heimspiel gegen Meister HCB Südtirol zückt der Head Coach am Ende seiner Ansprache ein kleines Fläschchen, das mit einer roten, recht dicken Flüssigkeit gefüllt ist, die an Blut erinnert. Das Etikett des Behältnisses, stilecht mit Eishockey-Tape gestaltet, gibt Aufschluss über den Inhalt: „Character & Brothers Bottle“, die „Charkater und Brüderlichkeits-Flasche“. (Bild) Diese macht vor dem Training die Runde, jeder Spieler und Betreuer nimmt einen Schluck vom Getränk, das symbolisch verbinden soll. Die flüssige Einschwörung der gesamten Gruppe auf ein gemeinsames Ziel verfehlt ihre Wirkung nicht: Die rot-weiße Kampfmannschaft hat zu diesem Zeitpunkt noch 20 Saisonspiele vor sich, 15 davon wird das Kollektiv für sich entscheiden.

 

#12 – Reisegruppe Kozek (Februar 2019)

Zum Auswärtsspiel in Székesfehérvár am 15. Februar, einem Freitag, reisen die Rotjacken schon am Tag zuvor an. Allerdings begibt sich vorerst nicht die gesamte Mannschaft nach Ungarn: Ramón Schnetzer und Daniel Obersteiner stehen am Donnerstagabend noch im AHL-Einsatz, Stürmer Andrew Kozek ist kurz davor, zum zweiten Mal Vater zu werden und strebt daher danach, so viel Zeit wie möglich mit seiner hochschwangeren Frau Lindsay zu verbringen, um sie entsprechend unterstützen zu können. So formiert sich am Vormittag des Spieltags, während der Rest des Teams in Ungarn den Morning Skate absolviert, in Klagenfurt die „Reisegruppe Kozek“. Der rekonvaleszente Kapitän Manuel Geier stellt sich in den Dienst seiner Kollegen und übernimmt die Rolle als Fahrer. Im Achtsitzerbus der Nachwuchsabteilung chauffiert er den Kanadier und die beiden Farmteam-Cracks zum Spiel nach Ungarn und danach wieder zurück. (Bild) Als die Rotjacken zwei Tage später in Wien gastieren, wiederholt sich das Schauspiel in ähnlicher Manier: Andrew Kozek sitzt im Mannschaftsbus, dem Manuel Geier mit dem Kleinbus folgt, damit jederzeit ein Fahrzeug für eine Rückreise verfügbar ist, sollte es mit der Geburt des zweiten Kozek-Sprösslings ernst werden. Der junge Kit lässt seine Eltern und seine große Schwester jedoch noch einige Zeit warten, er wird erst am 24. Februar das Licht der Welt erblicken. Papa Andrew ist bei der Geburt dabei, denn weil schon in der Nacht zu diesem Sonntag die Wehen bei seiner Frau einsetzen, lässt der Stürmer das Auswärtsspiel der Rotjacken in Bolzano aus verständlichen Gründen aus.

 

#13 – Der Koch-Tausender (Februar 2019)

Die Rotjacken beenden die erste Phase des Grunddurchgangs auf Tabellenplatz drei, in die Platzierungsrunde starten sie unmittelbar nach dem International Break im Februar mit einem 6:2-Heimerfolg gegen den EC Salzburg. Drei Tage später, am 15. Februar, folgt der nächste Höhepunkt: Der EC-KAC gastiert bei Fehérvár AV19 und siegt mit 4:1. Mehr als das Ergebnis und die drei weiteren Punkte für das rot-weiße Konto steht an diesem Abend jedoch Thomas Koch im Mittelpunkt: Der Eigenbauspieler des Rekordmeisters bestreitet in Ungarn nämlich sein exakt 1000. Spiel in Österreichs höchster Spielklasse! Für den Center schließt sich damit ein Kreis, denn in der gleichen Halle und gegen den gleichen Gegner hatte er als 16-jähriger Stürmer im Jahr 2000 seinen ersten Einsatz in der Kampfmannschaft des EC-KAC absolviert und dabei auch seinen ersten Treffer erzielt. Seine Mitspieler überraschen den Klagenfurter bereits am Vormittag des Spieltags: Nach dem Morning Skate in Székesfehérvár überreicht ihm die Mannschaft ein speziell angefertigtes Trikot, dem Anlass entsprechend mit der Rückennummer 1000 aufgedruckt. (Bild) Dass Thomas Koch in seinem Jubiläumsspiel groß aufspielt, kommt wenig überraschend, in Minute 53 assistiert er Stefan Geier zum Game Winning Goal. Bis zum Ende der Saison kommen beim Klagenfurter 24 weitere Einsätze hinzu, sodass sein Counter an bestrittenen Partien als Profi (inklusive Ligaspielen in Schweden, Europacupbegegnungen und Länderspieleinsätzen) im Sommer bei 1.326 steht. (Artikel zur bisherigen Karriere von Thomas Koch)

 

#14 – Maskenball (Februar 2019)

Über den einen oder anderen Narren, der sich zur Faschingszeit verkleidet auf Abendveranstaltungen begibt, kann Lars Haugen vermutlich nur milde lächeln, dauert sein ganz persönlicher Maskenball zu dieser Zeit doch bereits Monate. Als im Mai sein Wechsel nach Klagenfurt feststeht, gibt er beim Airbrusher seines Vertrauens, Landmann Dennis Haanshuus, das Design für seine neue Kopfbedeckung in Auftrag. Neben dem großflächigen österreichischen Bundesadler als Hintergrund, seiner Trikotnummer und dem KAC-Logo ziert die Rückseite des Helmes eine Reminiszenz an den ersten Norweger, der einst für die Rotjacken auflief und der in Klagenfurt innerhalb weniger Monate zum absoluten Publikumsliebling avancierte: Bjørn Skaare. (Bild) Doch dem Meisterwerk ist keine lange „Lebensdauer“ beschieden, noch bevor der EC-KAC sein erstes Heimspiel bestreitet, geht die Maske im Auswärtsspiel in Wien am 12. Oktober kaputt. Mit einem Ersatz, einem gänzlich in Schwaz gehaltenen Helm, geht Haugen in die Stadthallenpremiere gegen Innsbruck, im Mitteldrittel reißt ein Riemen, sodass der Norweger wieder auf das beschädigte Originalteil zurückgreifen muss. Die bestellten Ersatzteile zur Reparatur treffen wochenlang nicht in Klagenfurt ein, als sie endlich ankommen, passen sie nicht, letztlich muss der Helm an den Produzenten retourniert werden, die Geschichte zieht sich wie der sprichwörtliche Strudelteig. Als der KAC-Schlussmann Ende Januar noch immer das wenig ansehnliche schwarze Teil tragen muss, lässt er sich seine Kopfbedeckung aus dem Nationalteam zuschicken, für einige Partien trägt er in Ligaspielen Norwegens Farben. So auch im Rahmen der Jamie Lundmark-Night am 27. Januar, wo dies dem Klagenfurter Airbrusher, der für die Vergoldung des letzten Schlägers der Nummer 74 verantwortlich zeichnet, auffällt. Während der Länderspielpause im Februar entwirft er kurzerhand ein neues Design für den nunmehr vierten Haugen-Helm der Saison. Der „Maskenball“ findet dann erst nach dem Gewinn des Championats seine Fortsetzung, zur Saison 2019/20 liefert Dennis Haanshuus ein neues Layout: Tropisch angehaucht, die Skyline Klagenfurts am Kinn, den M31STER-Schriftzug breit über den Scheitel gezogen - und erneut mit einer Erinnerung an Bjørn Skaare im Genick. (Bild)

 

#15 – Lundmarks Spuren (Januar 2019)

Schon zu Saisonbeginn steht fest, dass eines der Heimspiele der Rotjacken Jamie Lundmark gewidmet werden würde, dem Rekordstürmer des EC-KAC, der seine große Karriere im Frühjahr - mit einem Play-Off-Aus auf fremdem Eis - beendet hatte. Die letzte Partie in der ersten Grunddurchgangsphase wird somit zur Jamie Lundmark-Night: Der Kanadier reist mit seiner kompletten Familie aus Übersee an, Videonachrichten seiner Wegbegleiter aus sechs Jahren in Klagenfurt bilden den Social Media-Countdown in den sieben Tagen vor dem großen Abend. Am 27. Januar verabschiedet sich Klagenfurt in würdigem Rahmen von seinem Star, der mit 141 mehr Ligaspieltreffer erzielt hatte als jeder andere Legionär in der langen Vereinsgeschichte. (Video der kompletten Zeremonie, Artikel) Die Bürgermeisterin der Landeshauptstadt lässt es sich, obwohl sie an diesem Tag selbst ihren Geburtstag feiert, nicht nehmen, Jamie Lundmark am Eis der Stadthalle zu verabschieden und ihn mit Klagenfurts Dank- und Anerkennungsurkunde auszuzeichnen. Von den Rotjacken gibt es danach zwei besondere, weil emotionale Geschenke: Zunächst den (vergoldeten) letzten Schläger, mit dem der Kanadier für den EC-KAC spielte, dann - von seinem langjährigen Mitspieler und engem Freund Thomas Koch überreicht - eine speziell designte und angefertigte Glastrophäe, deren sprichwörtliche Krone der originale Puck bildet, mit dem er einst seinen 137. Ligatreffer - ewiger Klubrekord für Imports - erzielt hatte. (Bild) Am Abend vor der Zeremonie sind Jamie Lundmark und seine Familie im Betrieb der Künstlerin zu Gast, die für Design und Umsetzung der Trophäe verantwortlich zeichnet. Christine Starzacher bittet die KAC-Legende dabei, seine Hand- und Fußabdrücke im dafür vorbereiteten Schaumstoff zu hinterlassen. (Bild) Später werden diese mit Gips ausgefüllt, sodass heute dreidimensionale Steinstrukturen darauf warten, in ein zu errichtendes Rotjacken-Museum in Klagenfurt aufgenommen zu werden. Denn die Nummer 74 hat am Wörthersee sprichwörtlich Spuren hinterlassen.

 

#16 – Nur Klagenfurt spricht (Januar 2019)

Auf Tabellenplatz drei liegend reisen die Rotjacken am 20. Januar in die Bundeshauptstadt, um sich dem Duell mit den die Tabelle anführenden Vienna Capitals zu stellen. In der Erste Bank Arena hatte es zuvor saisonübergreifend sechs Leermeldungen am Stück gesetzt, bei fünf dieser Auftritte gelang dem EC-KAC nur ein einziger Treffer. Auch in dieser Begegnung liegt das Team von Petri Matikainen und Jarno Mensonen nach dem ersten Abschnitt in Rückstand, Drittel zwei eröffnet eine wahre Strafen-Orgie gegen den Rekordmeister, der innert 71 Sekunden mit gleich vier Zwei-Minuten-Strafen belegt wird. Sich heroisch verteidigend übersteht Rot-Weiß diese kritische Phase und schöpft so neuen Mut: Weil im weiteren Spielverlauf jedoch nur Wiens Peter Schneider trifft, liegen die Klagenfurter bis zur 57. Minute mit 0:2 im Hintertreffen. Dann inszenieren die Rotjacken ein kolossales Comeback: Thomas Koch im Powerplay und Nick Petersen - 23 Sekunden vor der Sirene, als der EC-KAC bereits mit sechs Feldspielern stürmt - gleichen aus, zweiterer entzückt damit nicht nur seine zu Hause vor dem TV-Gerät mitfiebernde Tochter Kayla (Animation). Der kanadische Topscorer ist nach torloser Verlängerung auch der einzige von acht Shootout-Schützen, der seinen Versuch verwerten und somit den Sieg fixieren kann. In Erinnerung bleibt die Partie jedoch nicht nur aufgrund des spektakulären Spielverlaufs, sondern auch ob der doch denkwürdigen TV-Übertragung: Die an diesem Sonntag exakt 172 Sendeminuten der Servus Hockey Night werden von insgesamt neun Interviews, zwei voraufgezeichneten und sieben live geführten, aufgepeppt. Alle neun werden mit Spielern oder Trainern des EC-KAC geführt, da sich ServusTV und die Vienna Capitals nicht auf die Rahmenbedingungen für Gespräche mit Akteuren der Wiener einigen können. Doch weder die hohe Anzahl an Interviews noch die teilweise prekären Situationen, in denen sie geführt werden (Sekunden vor dem ersten Faceoff oder in den zwei knappen Minuten zwischen regulärer Spielzeit und Overtime - Bild), können die Klagenfurter an diesem Abend aus dem Konzept bringen.

 

#17 – Schlafen unter Tage (Januar 2019)

Ausgehend vom spielerisch wenig rühmlichen, jedoch sehr wichtigen Derbysieg gegen den EC VSV am 28. Dezember gewinnen die Rotjacken sieben von acht aufeinanderfolgenden Partien. Damit klettern sie in der Tabelle bis zum 13. Januar von Rang vier auf drei und halbieren den Punkterückstand auf Platz eins von acht auf vier Zähler. Der Tag nach dem furiosen 7:6-Heimerfolg über Dornbirn ist anders als andere Montage in Wochen ohne Dienstagsspiel jedoch nicht trainingsfrei, vielmehr absolviert die Mannschaft eine kurze Off-Ice-Einheit in Klagenfurt, um anschließend geschlossen den Teambus zu besteigen. Destination ist Bad Bleiberg, wohin die Truppe von einem Sponsor eingeladen wurde. Erste Station ist der Heilklimastollen Friedrich: Bei konstanten neun Grad Temperatur und einer Luftfeuchtigkeit von 99 Prozent entspannen die Rotjacken. Tief unter der Erdoberfläche erholen sich die dick eingepackten Spieler von den Strapazen der zwölf Meisterschaftsspiele in den vorangegangenen 27 Tagen, der eine oder andere Crack nickt im Stollen gar ein. (Bild) Im Bleibergerhof lässt das Team den Anti-Stress-Montag mit einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.

 

#18 – Vermeintlicher Pfiff (Januar 2019)

Am 13. Januar werden 3.301 Zuseher in der Stadthalle Zeugen des trefferreichten Spiels der Saison mit KAC-Beteiligung: Nach nur gut sieben Minuten führen die Rotjacken gegen Dornbirn nach zwei Powerplaytoren mit 2:0, bis zur Schlusssekunde von Spielminute 35 fallen insgesamt zehn Treffer (5:5). Als Brendan O’Donnell 55 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit seinen Hattrick komplettiert und die Bulldogs mit 6:5 in Führung bringt, muss Klagenfurt in der verbleibenden Spielzeit alles riskieren. Mit sechs Feldspielern rennt der EC-KAC an und setzt sich in der Angriffszone fest: Elf Sekunden vor der Sirene spielt Mitch Wahl vom rechten Flügel aus einen scharfen Querpass ins Zentrum, es ertönt ein Pfiff, sämtliche Spieler und auch die Schiedsrichter sind verwundert, drehen aber instinktiv ab. Allerdings hatte keiner der vier Referees seine Pfeife betätigt, vielmehr kam das akustische Signal aus einem zu diesem Zeitpunkt über den Videowürfel der Stadthalle flimmernden Werbespot. Dass dieser just in diesem Moment abgespielt wurde, war Resultat einer unglücklichen Verkettung von Fehlern bzw. Unachtsamkeiten von insgesamt drei externen Mitarbeitern. Nach der Erörterung dieser ungewöhnlichen Situation und intensiven Diskussionen setzen die Schiedsrichter die Partie mit noch elf Sekunden Restspielzeit mit einem Faceoff in der DEC-Zone fort. Dieses gewinnt Mitch Wahl (gegen Scott Timmins), über David Fischer auf Rechtsaußen und Nick Petersen an der blauen Linie kommt der Puck auf den halblinks aufgerückten Adam Comrie, der ihn - fünf Sekunden vor Ablauf der Spielzeit - mit einem satten Schlagschuss in die kurze Ecke setzt. Die fällig gewordene Overtime entscheidet der US-Verteidiger nach nur 32 absolvierten Sekunden mit einem weiteren Treffer zu Gunsten der Rotjacken, die damit einen nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg feiern können, sodass sie sechs Runden vor dem Ende der ersten Grunddurchgangsphase nur noch ein voller Erfolg von der vorzeitigen Play-Off-Qualifikation trennt. Die Stadthalle wird nach dieser dramatischen Schlussphase zum Tollhaus, den EC-KAC kommt der vermeintliche Pfiff jedoch teuer zu stehen: Die Rechtskommission der Liga spricht gleich zwei Geldstrafen, zusammengerechnet in fünfstelliger Höhe, gegen den Verein aus.

 

#19 – Ausrüstung zum Auslüften (Januar 2019)

Eine Verschiebung und der Tausch des Heimrechts im November-Duell führen dazu, dass die beiden Heimspiele der Rotjacken gegen Medveščak Zagreb innerhalb von nur knapp 50 Stunden Anfang Januar ausgetragen werden. Die Kroaten sind zu diesem Zeitpunkt, knapp eineinhalb Jahre nach dem Ende ihres letztlich die wirtschaftliche Existenz des Klubs ruinierenden KHL-Abenteuers, nur noch in die Kategorie Trainingsgegner einzuordnen: Beim ersten ihrer beiden Klagenfurt-Gastspiele, ausgetragen am 6. Januar, reisen die Bären mit lediglich 17 Kaderspielern an, bis auf zwei Legionäre, den Schweden Björn Svensson und den Slowenen Mitja Robar, der von 2016 bis 2018 bekanntlich für die Rotjacken aufgelaufen war, stehen ausschließlich einheimische Cracks im Lineup, mehrheitlich Amateure aus der zweiten Mannschaft. Das nach der (aus Zagreber Sicht mit 0:12 endenden) Partie im Teambus kredenzte Abendessen bezahlt der EC-KAC, Fanclubs der Klagenfurter stellen sich bei den aufopfernd kämpfenden Kroaten mit Getränkten für die Heimfahrt ein, einzelne Spieler erhalten beim EC-KAC ausgemusterte Ausrüstungsgegenstände, um die Saison in Ermangelung eines aufrechten Equipment Supplier-Vertrags des Vereins noch zu Ende bringen zu können. An einen geordneten Trainingsbetrieb ist längst nicht mehr zu denken, müssen sich die zum Großteil erwerbstätigen Medveščak-Spieler doch schon für die EBEL-Spieltage in ihren Brotberufen freinehmen. Der ehemalige KAC-Verteidiger Mitja Robar hat zu diesem Zeitpunkt ein sehr konkretes Vertragsangebot eines in der Tabelle weit oben angesiedelten Klubs vorliegen, lehnt dieses aber ab, weil er stattdessen lieber mithelfen will, dass Zagrebs Verlegenheitsteam seine letzten Wochen in der Liga einigermaßen würdevoll über die Bühne bringen kann. Zu diesem Zeitpunkt lebt der Slowene längst nicht mehr in Kroatiens Hauptstadt, sondern bereits wieder in seiner eigenen Wohnung in Maribor, zu den Spielen in Klagenfurt reist er von dort aus im Privatauto an. Nach dem ersten Auftritt in der Stadthalle am Sonntagabend klopft der Ex-KACler an die Türe von Zeugwart Ingo Loibnegger und fragt, ob seine Ausrüstung bis zum Spiel am Dienstag zum Auslüften gleich in der Kabine verbleiben kann. Im Umkleideraum für Gästetrainer hängt das Equipment zwei knappe Tage lang (Bild), dann fährt Robar wieder mit seinem Mini Cooper am Schotterparkplatz hinter der Stadthalle vor, streift sich die getrocknete Ausrüstung über und bestreitet mit Medveščak das fällige zweite Auswärtsspiel gegen Rot-Weiß (0:6).

 

#20 – Das Team mit Eigenschaften (Januar 2019)

Am 4. Januar müssen die Rotjacken im vierten Saisonduell mit den Graz 99ers die vierte Niederlage hinnehmen, einmal mehr waren sie dabei weniger am Gegner denn mehr an sich selbst gescheitert. Der Trainerstab erkennt dies, ortet teilweise fehlenden Glauben des Teams an sich selbst und seine Stärken. Um diese zu betonen, greifen Petri Matikainen und Jarno Mensonen zu einem Kniff: Am nächsten Morgen sind die Namensschilder der Cracks oberhalb ihrer jeweiligen Sitzplätze in der Kabine überklebt. (Bild) Die Coaches haben weiße Plaketten für jeden Akteur angefertigt, die zweifärbig beschriftet sind. In Rot werden die drei positivsten Eigenschaften des betreffenden Spielers angeführt, in der Zeile darunter und in grünen Lettern haben die Trainer die drei wesentlichsten Aspekte angeführt, die der jeweilige Spieler zum angestrebten Erfolg des Kollektivs beitragen kann und soll. Die so charakterisierte Rotjacken-Mannschaft - die Summe aus Vorzügen und Eigenschaften, nicht Namen - nimmt die Zuschreibungen an und findet sich darin auch wieder: Sie wird in der Folge 25 ihrer verbleibenden 35 Saisonspiele gewinnen und sich letztlich zum Meister der Erste Bank Eishockey Liga küren.

 

#21 – Cookies for Everyone (Dezember 2018)

Die verschworene Gemeinschaft, die das Team des EC-KAC in der Saison 2018/19 bildet, reicht über die Wände des Kabinentrakts hinaus, auch im Privaten verstehen sich die Spieler sehr gut, die Ehefrauen und Freundinnen der Cracks unternehmen viel gemeinsam und bilden eine eigene Clique. In der Adventszeit entschließen sich die Ladies zudem dazu, sich gemeinsam in den Dienst der guten Sache zu stellen. Zunächst stehen sie in der letzten Woche des Advents dem Tierschutzkompetenzzentrum zur Verfügung, an dessen Stand in den City Arkaden Kunden des Einkaufszentrums ihre Weihnachtsgeschenke gegen eine Spende an das TIKO von den Spielerfrauen und -freundinnen einpacken lassen können. (Bild) Bei den Heimspielen gegen Linz und Graz rund um den Jahreswechsel veranstalten die Partnerinnen der Rotjacken-Cracks dann ihre zweiteilige Spielerfrauen-Charity. Tagelang werden Kekse gebacken und Snacks zubereitet (Video), die dann bei der Partie gegen die Black Wings drei Tage vor dem Heiligen Abend gegen Spenden in der Stadthalle verteilt werden. Als am 4. Januar schließlich die 99ers in Klagenfurt zu Gast sind, verkaufen die Frauen und Freundinnen der Spieler Lose an das Publikum (Bild). Nach dem Ende der Partie zieht Interimskapitän David Fischer direkt am Eis zehn Gewinner, fünf erhalten DaySpa-Gutscheine für den Bleibergerhof, fünf gewinnen ein Dinner Date mit einem KAC-Akteur ihrer Wahl. Die an diesen beiden Tagen gesammelten Spenden werden aus der Mannschaftskassa noch einmal aufgerundet, sodass letztlich die stolze Summe von 5.500 Euro zusammenkommt. Unterstützt werden damit die schwer erkrankte Lia (25) aus Klagenfurt und eine Familie aus Finkenstein, die durch einen Brand der Grundlage ihrer wirtschaftlichen Existenz beraubt wurde. Rund um Weihnachten sind die Frauen und Freundinnen der Spieler nicht nur ihren eishockeyspielenden Männern eine unersetzliche Stütze, sie beweisen mit ihrem gemeinnützigen Engagement auch ihr großes Herz für die Allgemeinheit.

 

#22 – Der Fischer mit dem Kompass (November 2018)

Im Heimspiel gegen Wien Ende Oktober hat ein satter Schlagschuss von Patrick Peter die Kniescheibe von Manuel Geier förmlich zertrümmert und - wie sich Monate später herausstellte - die Saison des Stürmers vorzeitig beendet. Die Rotjacken stehen vorerst ohne Kapitän da. Unter den drei Alternate Captains fällt die Wahl betreffend der Vertretung Geiers als Spielführer auf Verteidiger David Fischer, der im Kreis der Mannschaft hohes Ansehen genießt. Der US-Amerikaner, in seinem dritten Jahr in Klagenfurt, erfüllt die neue Rolle vorzüglich, Team und Trainerstab sind von seinem Leadership gleichermaßen angetan - und lassen ihn das auch wissen. Als er am 27. November zum Heimspiel gegen Dornbirn in die Kabine kommt, klebt am Boden vor seinem Sitzplatz eine Grafik, die die Coaches dort angebracht hatten. Darauf zu sehen: Ein Kompass und ein Schriftzug: Der Fischer(man), der Kapitän, gibt die Richtung vor! (Bild) Und diese Richtung stimmt: Angeführt von einer an diesem Abend überragenden Nummer drei erzielen die Rotjacken alleine im Schlussabschnitt fünf Treffer, letztlich bezwingen sie die Bulldogs mit 6:4, feiern ihren sechsten Sieg in Folge und klettern - zum ersten Mal seit über sieben Jahren - auf Tabellenplatz eins der Erste Bank Eishockey Liga.

 

#23 – Verkleidungen (November 2018)

Im ersten Heim-Derby der Saison revanchieren sich die Rotjacken am 18. November in der erstmals in dieser Spielzeit ausverkauften Stadthalle für die unnötige Auswärtsniederlage in Villach sechs Wochen zuvor. Mit einem 5:2-Erfolg sichert der EC-KAC Tabellenplatz vier ab, der Rückstand auf Leader Graz, der bereits eine Partie mehr ausgetragen hat, beträgt lediglich fünf Zähler. Der dem Derbytag folgende Montag ist traditionell trainingsfrei, die Mannschaft versammelt sich dennoch vollzählig. Dem dichten Terminplan zum Monatsübergang vom Oktober in den November geschuldet mit einiger Verspätung geht an diesem Abend die jährliche Halloween-Party des Teams über die Bühne. Trainer und Betreuer sind nicht eingeladen, die Spieler und ihre Lebenspartnerinnen bleiben unter sich. Gemietet wird ein Klagenfurter Innenstadtlokal, das an diesem Tag für andere Gäste geschlossen bleibt. Oberster Grundsatz der Festivität: Verkleidung verpflichtend! (Bild) Und dieser Regel entsprechend lassen sich die Cracks und ihre Frauen hinsichtlich der Kostümierung einiges einfallen. Patrick Harand kommt als Dalmatiner-Hund, seine Freundin Julia mimt die dazugehörige Cruella De Vil. Mitch Wahl überzeugt als Guns n’ Roses-Gitarrist Slash, Thomas Koch und seine Partnerin Ivana kommen als Mario und Luigi verkleidet. Robin Gartner legt seinen Auftritt sportlich an, er wird für einen Abend zum Double seines Landsmanns Björn Borg (Bild).

 

#24 – Cristiano Ronaldo und Kommunisten (Oktober 2018)

Am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober, empfangen die Rotjacken auf Tabellenplatz fünf liegend den Tabellenführer, die Vienna Capitals. Die Wiener waren famos in die Saison gestartet, lachten von der Spitze des Klassements und hatten bis dahin jedes ihrer zwölf Spiele gewonnen. Für die Begegnung mit dem die Liga dominierenden Team baute der Trainerstab die Sturmlinien um, in denen aufgrund von Verletzungen Andrew Kozek und Marco Richter fehlten. Im Morning Skate am Vormittag des Spieltags weisen einige der Formationen noch Abstimmungsprobleme auf, Pässe und Laufwege passen nur teilweise. Der Trainerstab nimmt dies wahr und gibt während der Mittagspause im Vereinsbüro einige Ausdrucke in Auftrag. Keine unnötige Komplexität, sondern Geradlinigkeit ist gefordert. Head Coach Petri Matikainen charakterisiert jede der vier Angriffslinien mit exakt einem Bild oder Symbol, das vereinfacht die geforderte Identität des jeweiligen Blocks ausdrücken soll (Bild). Die Prints werden im Anschluss oberhalb der Sitzplätze der Cracks in der Kabine aufgehängt, als die Rotjacken ab zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn im Locker Room eintrudeln, werden sie mit diesen simplifizierten, bildlich dargestellten Charakterisierungen ihrer Linien konfrontiert. Block eins mit Thomas Koch, Nick Petersen und Stefan Geier sind die „Shooter“, symbolisiert durch ein Bild Cristiano Ronaldos, die zweite Linie mit Siim Liivik, Manuel Geier und Mitch Wahl wird mit einem Tyrannosaurus Rex dargestellt und soll hungrig und nach nach sprichwörtlichen Opfern suchend auftreten. Von der dritten Formation mit Thomas Hundertpfund, Johannes Bischofberger und Daniel Obersteiner wird Geschwindigkeit erwartet, sie wird vom Bild eines Rennwagens symbolisiert, während Block vier - Patrick Harand, Marcel Witting, Niki Kraus - am Kollektiv orientiert hart arbeiten soll und vom kommunistischen Stern mit Hammer und Sichel repräsentiert wird. Die von den Coaches bildlich gesetzte Message kommt beim Team an, am Ende überrollen die Rotjacken den bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer aus der Bundeshauptstadt mit 7:2.

 

#25 – Spontanaktion Purzelbaum (Oktober 2018)

Erst gut vier Wochen nach dem Start der Erste Bank Eishockey Liga-Saison kommt das Klagenfurter Publikum in den Genuss des ersten Heimspiels: Mehr als 3.700 KAC-Fans erleben im Duell mit dem HC Innsbruck eine ob der Stadthallenpremiere nervöse Rotjacken-Mannschaft, die zwar zwei Mal in Führung geht, sich nach 60 Minuten jedoch mit einem Unentschieden begnügen muss. Die somit fällige Verlängerung entscheidet Adam Comrie zu Gunsten der Rotjacken, die Erleichterung über den geglückten Heimauftakt ist den rot-weißen Cracks an den Gesichtern abzulesen. Als das Team nach Spielende seine Ehrenrunde am Eis dreht, branden erstmals Sprechchöre für KAC-Schlussmann Lars Haugen auf, zur Spielerbank zurückkehrend, sucht der Norweger nach einer Möglichkeit, die Akklamationen zu erwidern. Nach kurzem Zwiegespräch mit dem den Sponsor des Abends betreuenden Marketingleiter des Klubs, Daniel Schildorfer („You need to do something special.“ – „What should I do?“), fällt die Entscheidung, die Danksagung in Form eines Purzelbaums am Eis zu gestalten. Ein spontaner Einfall und etwas, das Lars Haugen noch bei keinem seiner bisherigen Vereine gemacht hat. Den Fans gefällt’s, im Verlauf der weiteren Saison wird die Rolle nach Siegen zum Markenzeichen des Torhüters. Als die Rotjacken am 24. April auf eigenem Eis den Meistertitel erringen, stellt die Mannschaft noch vor der Pokalübergabe aktionistisch klar, wie groß Haugens Anteil an diesem Championat ist: Die letzten Purzelbäume des Spieljahres schlägt das Team im Kollektiv gemeinsam mit seinem Goalie.

 

#26 – Handschlag mit Symbolcharakter (Oktober 2018)

Die Umbauarbeiten in der Stadthalle führen dazu, dass der EC-KAC mit acht Auswärtsspielen am Stück in die Liga startet, erst am 14. Oktober - und damit so spät wie zuletzt im Jahr 1972 - bestreiten die Rotjacken ihr erstes Bewerbsspiel der Saison auf Klagenfurter Eis. Die lange Wartezeit auf den Heimauftakt und der (trotz der langen Serie an in der Fremde ausgetragenen Partien) gute vierte Tabellenplatz sorgen dafür, dass die KAC-Anhänger der Begegnung mit dem HC Innsbruck mit großer Vorfreude entgegenblicken. Um das treue Stammpublikum symbolisch in der neuen Spielzeit zu begrüßen, wartet der Klub mit einer Überraschung auf: An den an diesem Spieltag eigens für Abonnenten vorgesehenen Eingängen zur Stadthalle stehen ab Einlass eine gute Stunde vor dem ersten Faceoff Head Coach Petri Matikainen, General Manager Oliver Pilloni und Sportmanager Johannes Reichel. Sie schütteln den Dauerkartenbesitzern die Hände, begrüßen sie in der Saison und schwören sie so auf das neue Spieljahr ein. (Bild) (Video)

 

#27 – Im Keller (September 2018)

Nach 42 langen Jahren, einem im Profisport fast unvorstellbar langen Zeitraum, innerhalb dem sich so ziemlich jede Anforderung an die Akteure und den Klub verändert hat, erhölt die Stadthalle im Sommer 2018 endlich einen neuen Kabinentrakt. Während der Umbauarbeiten werden die Rotjacken im Keller der Sepp Puschnig-Halle einquartiert, wo grundsätzlich weder ausreichend Platz vorhanden ist noch entsprechende hygienische Standards gewährleistet werden. Für die bis zu 34 Kaderspieler und Trainer stehen lediglich vier Duschen zur Verfügung, die Anzahl der Trainierenden übersteigt jene der Sitzplätze im Locker Room deutlich, physiotherapeutische Behandlungen müssen bisweilen am kalten Gang (Bild) durchgeführt werden, Spiel- und Trainingskleidung werden neben Heizkesseln getrocknet und verstrahlen entsprechende Aromen. Als besonders schlimm erweisen sich die Trainings an Samstagen, also dem Tag zwischen zwei Spielen: Eine Mischung aus Zigarettenrauch (Eisstockschützen hatten sich just oberhalb der beiden einzigen Fenster zur KAC-Kabine einen Raucherplatz ausgesucht) und Bierdunst (Hobbyspieler beim Socializen nach ihrer Samstagmorgeneinheit) durchzieht den Korridor, auf dem es von sich nervös auf Partien vorbereitenden Nachwuchsspielern und deren Eltern nur so wimmelt. Zwischen der Rückkehr vom Ligaspiel in Székesfehérvár in den frühen Samstagmorgenstunden und der Abreise zur Begegnung in Bolzano am Samstagnachmittag ist die Situation so chaotisch, dass die Rotjacken am folgenden Wochenende vom freitägigen Spiel in Linz direkt zum Sonntagsgegner Dornbirn anreisen, um den für Profisport unhaltbaren Zuständen im heimischen Klagenfurt zu entgehen. Verzögerungen beim Neubau des Kabinentrakts führen dazu, dass der EC-KAC, der ohnehin mit acht Auswärtspartien am Stück in die EBEL-Saison gestartet war, auch seine ersten sechs Heimspiele von der Kellerkabine aus in Angriff nehmen muss. Die respektive Gastmannschaft ist dabei in zwei Kabinenräumen, jeweils nicht größer als ein durchschnittliches Wohnzimmer, unmittelbar neben den Räumlichkeiten der Rotjacken untergebracht, sodass angesichts der dünnen Wände Pausenansprachen mit Taktikbezug eher mittels Gesten und Handzeichen denn akustisch bewerkstelligt werden. Wenn Spieler und Trainer nach dem Gewinn des Meistertitels 2019 im April darauf verweisen werden, doch zu bedenken „wo und wie man in die Saison gestartet“ war, meinen sie nicht nur die sieben Testspielniederlagen in Serie, sondern auch die hinsichtlich der infrastrukturellen Situation sehr herausfordernden zehn Wochen im Keller.

 

#28 – Nachts in der Scheune (August 2018)

Die Rotjacken nehmen die Saison mit weitreichenden personellen Änderungen in Angriff, am Ende der Spielzeit werden es - neben dem gesamten Trainerstab - insgesamt zehn Cracks sein, die 2018/19 ihre ersten Ligaspiele für den EC-KAC bestritten haben. Dementsprechend muss sich die Mannschaft in der Pre-Season erst finden, wozu auch ein zweitägiger Teambuilding-Trip nach Osttirol beitragen soll. Als sich die Spieler nach einem ausgedehnten Rafting-Ausflug nach einem weichen Hotelbett sehnen, werden sie bitter enttäuscht: Als Nachtquartier ist eine Scheune vorgesehen, geschlafen wird auf Stroh. Im ungewohnten Umfeld steht zunächst jedoch die Geselligkeit im Vordergrund, beim gemeinsamen Essen und Zusammensitzen lernt sich das in weiten Teilen neu zusammengestellte Team besser kennen, schon bald wird gemeinsam musiziert. Zu späterer Stunde jagen dann verschiedene Cracks ihre Stimmungssongs durch die Boxen, der banalste davon findet mehrheitliche Zustimmung, auch die der deutschen Sprache nicht firmen Akteure lernen den Text recht schnell. Das „Lied“, gesungen von „Ingo ohne Flamingo“, wird zum Winning Song für die Saison, nach jedem der folgenden 46 Siege bis zum Championat 2019 dröhnt die Nummer aus den Boxen in der Kabine. Wenige Stunden vor der Meisterfeier werden Patrick Harand und Thomas Hundertpfund in der Live-Sendung der Antenne Kärnten die „Geschichte“ dieses Liedes schließlich erzählen. (Mitschnitt).

 

#29 – Dialog mit Eminem (August 2018)

Die von einem Magen-Darm-Virus geschwächten Rotjacken müssen zum Pre-Season-Auftakt beim Turnier in Zvolen drei Niederlagen am Stück hinnehmen, vor ihnen liegen - fünf in der Vorbereitung, acht in der Meisterschaft - 13 weitere Auswärtspartien hintereinander. Als die Mannschaft nach der Rückkehr aus der Slowakei und zwei freien Tagen wieder ins Training zurückkehrt, wendet sich vor der ersten Eis-Einheit Head Coach Petri Matikainen an das Team. Seine Ansprache ist ein Vorgeschmack auf unzählige unkonventionelle Reden und Herangehensweisen, mit denen der Finne in den folgenden Monaten die KAC-Mannschaft konfrontieren wird: Der Trainer integriert sein Statement in eine eigens um instrumentale Zwischenstrecken ergänzte Version des Videoclips zu Eminems „Lose Yourself“, der mit voller Lautstärke über den Großbildschrim in der Kabine flimmert. Gut vier Wochen vor dem ersten Bewerbsspiel der Saison wird klar, dass bei den Rotjacken in vielerlei Hinsicht neue Wege gegangen werden. The moment, you own it, you better never let it go...

 

#30 – Slowakische Viren (August 2018)

Nach eineinhalb harten Eis-Trainingswochen zum Start in die unmittelbare Saisonvorbereitung reisen die Rotjacken in die Slowakei, um in Zvolen die ersten drei Testspiele des Spieljahres zu absolvieren. Neben den Grundwehrdienern Ramón Schnetzer, Philipp Kreuzer und Marco Richter fehlt dabei auch Neuzugang Adam Comrie - und der Verteidiger sollte nicht der einzige kurzfristig Erkrankte im Kader bleiben. Im Teamhotel in Zvolen, das die Klagenfurter mit den ebenfalls betroffenen Graz 99ers teilen, kursiert ein Magen-Darm-Virus, der förmlich von einem Spieler zum nächsten springt. Vor dem ersten Turnierspiel fällt ihm Andrew Kozek zum Opfer, am zweiten Tag erwischt es Robin Gartner, in der letzten Partie fehlen David Fischer und Stefan Geier. Beide reisen letztlich vom Team separiert zurück nach Klagenfurt, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die so entstehenden Lücken im Aufgebot vermögen andere Spieler zu nutzen: Marcel Witting, eigentlich zunächst für Einsätze im Farmteam vorgesehen, rückt im dritten Turnierspiel wieder ins Lineup, zu dessen festem Bestandteil er für die verbleibenden 74(!) Saisonspiele avanciert. Die Ausfälle in der Abwehr nutzt der erst 16-jährige Thimo Nickl, der im Auftaktspiel in Zvolen gemeinsam mit David Fischer das erste Verteidigungspaar bildet, zu einer echten Talentprobe. (Onetimer im ersten DrittelBackhand-Assist zum Tor von Wahl)

 

#31 – Tuokkolas Gravur (August 2018)

Das erste Come Together der Erste Bank Eishockey Liga bildet in jeder Spielzeit traditionell der Media Day, abgehalten in der Red Bull-Akademie in Salzburg. Die Klubs schicken ihre Trainer und fünf bis sechs von den TV-Partnern der Liga ausgewählte Spieler für einen Tag in die Mozartstadt, wo sie den Medien für Interviews, Foto-, Ton- und Videoaufnahmen zur Verfügung stehen. Im Stationsbetrieb kommt die Rotjacken-Abordnung auch zum Raum, in dem das Medienteam der EBEL Videosequenzen mit den Spielern aufnimmt, die dann im Verlauf der Saison über die Social Media Kanäle der Liga ausgespielt werden. Während Stefan Geier und Johannes Bischofberger interviewt werden, hat KAC-Verteidiger Robin Gartner die in der Ecke stehende Karl Nedwed-Trophy im Visier. Der Neuzugang der Klagenfurter, frischgebackener Meister mit dem HCB Südtirol, zückt sofort sein Mobiltelefon, zoomt auf die Gravuren am Sockel des Pokals und drückt ab: „Das Bild muss ich Pekka Tuokkola schicken, er hat seinen Namen auf der Trophäe bisher noch nicht gesehen!“ (Bild) Der ehemalige Rotjacken-Goalie hatte bekanntlich sehr wesentlichen Anteil am Titelgewinn der Füchse wenige Monate zuvor, am Weg zum Championat hatten die Italiener mit ihrem starken finnischen Schlussmann im Viertelfinale auch den EC-KAC ausgeschaltet. Binnen weniger Sekunden beantwortet Tuokkola Gartners Nachricht, der schwedische Verteidiger weiß zu diesem Zeitpunkt freilich noch nicht, dass er gut acht Monate später - wieder mit einer auf einen famosen nordeuropäischen Goalie gestützten Mannschaft - den Meisterpokal erneut gewinnen wird.