Statsblog #002 - Die Spielanteile

Als einer der wenigen Klubs in der EBEL erhebt, sammelt und analysiert der EC-KAC Advanced Statistics zu den Spielen seiner Kampfmannschaft. Im Statsblog werden Auszüge aus diesen Datensätzen aufbereitet.

Statsblog #002 - Die Spielanteile

Die aktuelle Topscorer-Wertung der Erste Bank Eishockey Liga sieht aus rot-weißer Sicht sehr positiv aus, gleich vier KAC-Cracks rangieren auf den ersten zwölf Plätzen. Das ist erfreulich, in der analytischen Arbeit jedoch nur eine recht oberflächliche, weil absolute Kennzahl. In der National Hockey League, selbstredend weltweiter Vorreiter in der statistischen Aufbereitung und Auswertung des am Eis Gebotenen, werden in vielen der einzelnen Stats-Kategorien auf individueller Ebene relative Werten angegeben: Die jeweiligen Kennzahlen werden in Relation zur Eiszeit des jeweiligen Spielers gesetzt.

Von der Erhebung der Eiszeit jedes Spielers in jeder Partie ist die EBEL noch ein paar Schritte entfernt, allerdings wurden in den vergangenen Wochen und Monaten deutliche Fortschritte in diese Richtung erzielt. Der EC-KAC ist auch hier ein Vorreiter, das Pilotprojekt der "Time-On-Ice"-Erhebung des seit Sommer neuen Statistik-Partners der Liga erlebte bei den letzten beiden Heimspielen der Rotjacken seine Feuertaufe.

 

Im Schnitt 20,1 Wechsel pro Spiel

Im Internen Monitoring des EC-KAC arbeiten wir aktuell neben der aus der Videoanalyse abgeleiteten Time-On-Ice vor allem mit der (etwas gröber gefassten, dafür weniger fehleranfälligen) Anzahl der Shifts jedes Spielers pro Partie.
Steht ein Akteur für ein EBEL-Spiel im Aufgebot der Rotjacken, kommt er in diesem im Schnitt auf 20,1 Wechsel. Bei den Verteidigern ist dieser Wert in der Regel etwas höher als bei den Stürmern, da Head Coach Doug Mason in der Defensive meist acht Spieler aufbietet, davon jedoch wie international üblich nur sechs oder maximal sieben tatsächlich zu Eiszeit kommen, während im Angriff mit vier vollen Blöcken operiert wird.

Shifts pro Spiel (Stürmer)

Unter den Offensivspielern erhielt im bisherigen Saisonverlauf Mittelstürmer Thomas Koch die größten Spielanteile, pro Partie sprang er durchschnittlich 25,4 Mal über die Bande. Gründe für diesen Spitzenwert sind neben der Vielseitigkeit Kochs der (offensive wie defensive) Erfolg seiner Linie sowie der Umstand, dass der Center sowohl in Unter- als auch in Überzahl eingesetzt wird.

Bemerkenswert ist es auch, dass bei den Stürmern gleich fünf österreichische Cracks voran liegen, beim EC-KAC sind es vor allem einheimische Cracks, denen die größten Spielanteile zugestanden werden. Auch die nominell vierte Linie erhält im System der Rotjacken eine ansehnliche Anzahl an Wechseln, mehr als dies in den meisten anderen EBEL-Klubs der Fall ist: Daniel Ban und Markus Pöck kommen auf rund zehn Shifts pro Partie, Mittelstürmer Patrick Harand aufgrund seines Stammplatzes in den Penalty Killing-Formationen auf noch deutlich mehr.

Shifts pro Spiel (Verteidiger)

Aus den acht Verteidigern im Kader haben sich bereits früh in der Saison die Top-Sechs herauskristallisiert, die aktuell das meiste Vertrauen erhalten. Thomas Pöck spielt pro Partie durchschnittlich 27,0 Wechsel, insgesamt kam er in der laufenden Spielzeit bereits auf 486 Shifts. Knapp dahinter folgen Mark Popovic und Martin Schumnig, deren "Shifts/Spiel"-Werte sich in der Region von Stürmer Thomas Koch bewegen. Neuzugang Steven Strong hat sich klar als sechster Verteidiger etabliert, allerdings kam er in den ersten neun Saisonspielen noch auf durchschnittlich zwei Wechsel mehr pro Partie als in den zweiten neun.

 

"Impact Players"

Statistisch betrachtet ist Steven Strong der zuverlässigte aller KAC-Verteidiger. Denn setzt man die Anzahl der Gegentore, bei denen ein Defender am Eis stand, in Relation zur Anzahl der Shifts des jeweiligen Abwehrspielers, zeigt sich, dass die Rotjacken nur bei jedem rund 45. Wechsel von Strong einen Gegentreffer kassieren. Auch Mark Popovic und Jason DeSantis können auf starke Werte knapp unter 40 verweisen (Anm.: ein Top-Sechs-Verteidiger kam beim EC-KAC im bisherigen Saisonverlauf auf durchschnittlich 23,8 Shifts pro Partie).

Shifts (Verteidiger) pro KAC-Gegentor (wenn Spieler am Eis stand)

In der Offensive erwies sich in der Saison 2015/16 bisher Manuel Geier als einflussreichster Spieler: Der Steirer stand bei 27 der 59 KAC-Tore am Eis, in durchschnittlich jedem rund 16. Wechsel von ihm trafen die Rotjacken. Auch die Shifts seiner Linienkollegen Thomas Koch und Oliver Setzinger sind von überdurchschnittlicher Gefahr für das gegnerische Tor gekennzeichnet. Wenig Glück im Angriff hatte bisher der vierte Block, dessen Flügelstürmer Daniel Ban und Markus Pöck bei erst einem erzielten Treffer am Eis standen.

Shifts (Stürmer) pro KAC-Tor (wenn Spieler am Eis stand)

Die Offensivformation mit Thomas Koch, Manuel Geier und Oliver Setzinger überzeugte jedoch nicht nur im Spiel nach vorne: So kassierte der EC-KAC beispielsweise nur in jedem 54,8. Setzinger-Shift einen Gegentreffer, während er selbst rund drei Mal schneller (nach 18,3 Wechsel) zum Torerfolg kam.

Die dargestellten Statistiken erweitern oberflächliche Daten wie die bloße Abrechnung nach Toren und Vorlagen erheblich, sie zeigen, welchen Einfluss der Einsatz eines einzelnen Spielers auf den offensiven oder defensiven Erfolg der Mannschaft hat. Wie üblich gilt: Die Zahlen bilden objektiv die Realität am Eis ab, sie sind jedoch nie die Conclusio, sondern stets der faktische Ausgangspunkt für detailliertere Analysen. Entscheidend sind die korrekte Interpretation der Daten und die Schlüsse, die der Trainerstab daraus zieht, um das Spiel der Rotjacken weiter zu verbessern. (Hannes Biedermann, 6. November 2015)