Auch in Wien sieglos

Der EC-KAC musste am Donnerstagabend seine dritte Niederlage im dritten Spiel der Pick Round hinnehmen, bei Tabellenführer Wien unterlagen die Rotjacken mit 1:4.

Foto: Vienna Capitals/Vymlatil

 

Die Ausgangssituation:

Die Rotjacken durchlebten zuletzt die wohl schwierigste Phase der laufenden Saison, erstmals seit Dezember 2015 verloren sie wieder in sechs aufeinanderfolgenden Partien. Ihr jüngster Auftritt bei der 4:5-Heimniederlage gegen den EC Salzburg am vergangenen Sonntag stellte jedoch eine deutliche Steigerung zu den vorangegangenen Begegnungen dar. Den Vienna Capitals standen die Klagenfurter heuer bislang vier Mal gegenüber, drei dieser Duelle gingen an Wien, der EC-KAC siegte nur im denkwürdigen Heimspiel zwei Tage vor Weihnachten (mit 7:5). Auswärts unterlag Rot-Weiß dem Hauptstadtklub zuletzt saisonübergreifend vier Mal in Serie, was der längsten Niederlagenserie in der Albert Schultz-Halle seit dem Ligaeinstieg der Caps im Jahr 2001 entspricht. Der letzte KAC-Sieg in Kagran gelang in der letztjährigen Pick Round, als eine entfesselte Leistung in einem 5:0-Erfolg mündete.

Die Vienna Capitals sind auch im Jahr nach dem zweiten Meistertitel ihrer Klubgeschichte das Maß aller Dinge in der EBEL, sie führten die Liga vom ersten Spieltag an durchgehend auf Rang eins an. Auch der Start in die Pick Round glückte dem Team von Serge Aubin und Craig Streu: Sowohl gegen Zagreb (5:0) als auch in Innsbruck (6:4 nach 5:0-Führung) ließ der Titelverteidiger nichts anbrennen. Insgesamt blieben die Capitals vor dem Duell mit dem EC-KAC in nur neun ihrer 46 Ligaspiele heuer ohne Punktgewinn, mit 2,20 Gegentoren pro Begegnung sind sie zudem das defensivstärkste Team der EBEL. Als brandgefährlich präsentierte sich zuletzt auch wieder das Wiener Überzahlspiel: In jeder der letzten fünf Partien konnten die Caps bei numerischer Überlegenheit anschreiben und kamen dabei auf insgesamt neun Powerplaytreffer.

 

Die Personalien:

Beim EC-KAC kam es gegenüber dem jüngsten Spiel gegen den EC Salzburg in Wien zu nur einer Veränderung im Aufgebot: Der wiedergenesene David Fischer rückte in die Abwehr auf, in der die Rotjacken auf Olympiateilnehmer Mitja Robar verzichten musste. Neben dem Slowenen fehlten auch die Verletzten Thomas Hundertpfund und Andrew Kozek. Auf der Torhüterposition kam es einmal mehr zur Rochade, zum zweiten Mal im fünften Saisonspiel gegen die Capitals starteten die Klagenfurter mit Tomáš Duba zwischen den Pfosten.

 

Der Spielverlauf:

Nach Warnschüssen auf beiden Seiten (Ryan McKiernan geblockt/1., Stefan Geier daneben/2.) mussten die Rotjacken schon früh im ersten Abschnitt bei numerischer Unterlegenheit agieren. Die beste Möglichkeit dieser Phase ergab sich nach einem Schuss von Taylor Vause, als jedoch kein Wiener an den aussichtsreichen Rebound kam (4.). Die Klagenfurter hielten in den Anfangsminuten dank gutem Forecheckings stets dagegen, die Capitals kamen bei Even Strength nur selten geordnet in ihre Angriffszone. Nach zwei von Tomáš Duba gut parierten, verdeckten Fernschüssen (8.) erhielt der EC-KAC nach einem Bandencheck gegen Marco Richter sein erstes Überzahlspiel. Diese erstreckte sich über gleich vier Minuten, Treffer gelang dem Rekordmeister dabei aber keiner. Gegen Johannes Bischofberger von halblinks (9.), bei einem Onetimer von Jamie Lundmark aus dem Slot (11.) und bei zwei Fernschüssen von David Fischer (12.) zeichnete sich Goalie J.-P. Lamoureux jeweils aus. Effektiver bei numerischer Überlegenheit agierte der Tabellenführer: Als Jamie Lundmark in der Kühlbox saß, war der EC-KAC zunächst noch im Glück, als Mario Fischer einen Abpraller vom Torraum aus an den Pfosten stocherte (15.). Besser machte es dann noch im gleichen Powerplay Peter Schneider, der von Rafael Rotter per Querpass bedient vom linken Faceoff-Punkt aus in die kurze Ecke einsendete (16.). Auf der Gegenseite vermochten die Rotjacken auch ihr drittes Überzahlspiel des Abends nicht in einen Torerfolg umzumünzen, Johannes Bischofberger vergab von den Hashmarks aus die beste Gelegenheit, Lamoureux war bei seinem Schlagschuss mit der Fanghand zur Stelle (17.). 

Den besseren Start ins zweite Drittel hatten die Gäste: Manuel Geier tankte sich aus der Ecke der Angriffszone ins Zentrum durch, scheiterte aber gleich doppelt am Wiener Schlussmann. Gleiches galt für Julian Talbot, dessen Direktabnahme aus dem Slot nur wenig später zur Beute von Lamoureux wurde (jeweils 21.). Aus einem flinken Konter heraus verdoppelten die Capitals ihren Vorsprung: Peter Schneider enteilte der rot-weißen Abwehr und setzte die Scheibe mit der Rückhand unters Tordach (24). Nach einer Puckeroberung in der Angriffszone durch Johannes Bischofberger wurde der KAC-Stürmer für gleich vier Minuten auf die Strafbank verbannt. Die Rotjacken verteidigten sich in Unterzahl sehr stark, mussten aber dennoch den (sehr unglücklichen) Verlusttreffer Nummer drei hinnehmen: Ein eher in die Kategorie Verlegenheitsschuss fallender Versuch von McKiernan wurde von Kevin Kapstad ins eigene Tor abgefälscht (32.). Während der nächsten numerischen Überlegenheit stand nur eine großartige Parade von Tomáš Duba mit den Beinschonern zwischen Peter Schneider und dessen Hattrick (34.). Als im Zuge eines weiteren Powerplays für die Hausherren anfangs Konfusion vor dem KAC-Kasten herrschte, die Defensive aber mit vereinten Kräften eine Klärung herbeiführen konnte, war Wien nahe am nächsten Treffer dran. Dieser gelang in der Schlussminute des Mitteldrittels aber auch Jerry Pollastrone nicht, sein Abschluss nach „Drei-gegen-Zwei“-Konter fiel aus dem Slot zu zentral aus.

Wie schon im zweiten gehörte auch im dritten Durchgang die erste gute Gelegenheit den Rotjacken: Jon Rheault vergab allerdings aus dem Slot, Lamoureux parierte (41.). Während die Capitals mit einer Drei-Tore-Führung im Rücken nach vorne fortan eher schaumgebremst agierten, kamen die Klagenfurter zu besseren Gelegenheiten, allerdings nie mit jenem Nachdruck, der ein Kippen der Partie wahrscheinlich gemacht hätte. Nach flinkem Antritt über links versuchte es Johannes Bischofberger mit einem Wrap-Around, verzog jedoch (46.), ein Ganahl-Wristshot aus dem Zentrum landete mittig am Caps-Goalie (47.) und ein Schuss von Kapstad aufs kurze Eck nach gutem Offensivzonen-Shift der Brucker-Linie fand ebenfalls nicht den Weg in die Maschen (49.). In Folge eines Aufbaufehlers der Rotjacken hatte auf der Gegenseite Taylor Vause die gute Gelegenheit auf den vierten Treffer des Abends, unter Mithilfe des Gestänges rettete aber Tomáš Duba (50.). Weil danach auch Kapstad und Ganahl Präzision vermissen ließen (jeweils 50.), erhöhte der Tabellenführer während eines weiteren Powerplays auf 4:0: Zwei Querpässe hebelten die Box des EC-KAC aus, letztlich konnte Riley Holzapfel den Puck aus kurzer Distanz über die Linie drücken und sich somit auch im fünften Saisonduell mit Klagenfurt als Torschütze feiern lassen (56.). Knapp drei Minuten vor dem Ende fand Rot-Weiß doch noch einen Weg, um auf die Anzeigetafel zu kommen: Beim (eigentlich missglückten und daher eine Abseitsstellung auslösenden) Versuch, die blaue Linie zu halten, schoss Christoph Duller auf den Kasten, Julian Talbot fälschte am Crease noch ab und die Schiedsrichter entschieden auf Tor für den EC-KAC (58.). 4:1 lautete schließlich auch das Endresultat, da sich in den finalen Zügen der Partie Tomáš Duba noch zwei Mal auszeichnen konnte: Als Taylor Vause die halbe Hintermannschaft der Klagenfurter überlief und in Penalty Shot-Manier vor dem Tschechen auftauchte (58.), blieb dieser ebenso siegreich wie beim erneuten Versuch des Kanadiers aus kurzer Distanz wenige Sekunden vor der Schlusssirene. (HB)

 

Der Kommentar:

„Ein enttäuschendes Spiel. Wir nahmen viel zu viele Strafen und Wien hat uns mit seinem bekannt starken Powerplay dafür bitter bestraft. Mit der Führung im Rücken haben es die Capitals dann clever geschafft, uns in unseren Möglichkeiten zu limitieren. Letztlich setzte sich insgesamt betrachtet der Trend der letzten Wochen fort: Jene Spieler, die bei uns dafür vorgesehen sind, die Tore zu erzielen, müssen sich steigern, sonst werden wir auch weiterhin Probleme haben, Spiele für uns zu entscheiden.“ (Steve Walker, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Mit der dritten Niederlage im dritten Spiel der Pick Round verlor der EC-KAC seinen vierten Tabellenplatz an Medveščak Zagreb, die Kroaten siegten in Innsbruck zeitgleich mit dem rot-weißen Verlust in Wien mit 5:3. Erstmals seit dem 27. Oktober 2017 liegen die Klagenfurter damit nicht mehr im ersten Drittel des EBEL-Rankings. Bei noch sieben ausständigen Partien in der Zwischenrunde fehlen den Rotjacken weiterhin sechs Zähler auf Rang drei, der das „Pick Right“ bedeuten würde. Die Möglichkeit, diesen Abstand zu verringern, eröffnet sich dem EC-KAC am kommenden Sonntag (Spielbeginn: 17.30 Uhr) vor eigenem Publikum: Am Familientag gastiert dann - am letzten Spieltag vor der Länderspielpause - der HC Innsbruck in der Stadthalle.