Capitals stoppen KAC-Siegesserie

Ein Doppelschlag der Vienna Capitals vor und nach der ersten Drittelpause war für die Rotjacken am Sonntagabend im Auswärtsspiel in Wien eine zu große Hypothek, sie unterlagen mit 1:4.

Foto: Vienna Capitals/Vymlatil

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC gewann seine beiden ersten Partien in der Pick Round zu Hause gegen Salzburg (6:2) und Auswärts in Székesfehérvár (4:1) und reiste mit insgesamt fünf Siegen in Serie im Gepäck in die Bundeshauptstadt. Mit 31 Erfolgen in 46 Saisonspielen (67,4 Prozent) weisen die Rotjacken ihre höchste Winning Percentage seit zehn Jahren auf, 2008/09 lag dieser Wert gar bei 70,4 Prozent. Die Klagenfurter sind die statistisch gesehen beste Defensivmannschaft der Erste Bank Eishockey Liga, vor dem Auftritt in Wien kassierten sie im gesamten Saisonverlauf nur 99 Gegentreffer. In der Fremde präsentierte sich der EC-KAC zuletzt sehr stark: Bei einem Torverhältnis von 23:9 wurden sieben der jüngsten acht Auswärtsspiele gewonnen.

Die Vienna Capitals starteten ebenfalls mit zwei Erfolgen (gegen den HCB Südtirol und beim EC Salzburg) in die Zwischenrunde, insgesamt blieben die Wiener seit Anfang Dezember in 22 Partien nur drei Mal ohne Punktgewinn. Nachdem sowohl die Capitals (2:1, 2:1) als auch die Rotjacken (7:2, 3:2 n.P.) jeweils zwei der vier bisherigen Saisonduelle für sich entscheiden konnten, gingen die Wiener mit einem Zähler Vorsprung auf die Klagenfurter in diese fünfte Konfrontation im laufenden Spieljahr. Das Team von Head Coach Dave Cameron holte vor eigenem Publikum bislang 52 von 69 möglichen Zählern, empfing den Rekordmeister also als heimstärkstes Team der Liga.

 

Die Personalien:

Der EC-KAC musste unverändert auf Manuel Geier (verletzt) sowie Adam Comrie und Matthew Neal (rekonvaleszent) verzichten, alle drei reisten jedoch mit der Mannschaft nach Wien. Daher traten die Rotjacken in Wien mit den exakt gleichen 22 Spielern an, mit denen am Freitag der 4:1-Auswärtserfolg bei Fehérvár AV19 gelang. Ramón Schnetzer in der Abwehr und Daniel Obersteiner im Angriff standen als zusätzliche Personalreserven im Lineup. Gewechselt wurde auf der Torhüterposition, wo diesmal David Madlener den Vorzug erhielt, der bei jedem seiner letzten drei EBEL-Einsätze siegreich geblieben war und insgesamt zu seinem zwölften Start in der laufenden Saison kam.

 

Der Spielverlauf:

In einem temporeichen ersten Abschnitt blieb die Anzahl an großen Tormöglichkeiten eher gering. Einen ersten Warnschuss auf das Klagenfurter Gehäuse, abgegeben von Peter Schneider vom rechten Flügel aus, parierte David Madlener souverän (2.). Näher am ersten Treffer waren in ihrem ersten Überzahlspiel die Rotjacken dran: Wieder einmal fand ein Petersen-Querpass auf der rechten Seite Thomas Koch, der direkt abzog, Goalie J.-P. Lamoureux reagierte mit einer guten Seitwärtsbewegung und konnte den Schuss halten (5.). Nach einem starken Forecheck von Stefan Geier wurde Nick Petersen gefoult, doch auch aus ihrem zweiten Powerplay konnten die Gäste kein Kapital schlagen. Die bis dahin größte Chance des Spiels fand nach einem „Drei-gegen-Zwei“-Konter Thomas Hundertpfund vor, der den Schlussmann der Wiener bereits ausgetanzt hatte, ehe dieser seinen Beinschoner noch so aufs Eis brachte, dass er den Rückpass an den Torraum, wo zwei Klagenfurter warteten, blockieren konnte (15.). Auf der Gegenseite war Torhüter Madlener hellwach, nach einem abgefangenen Aufbaupass des EC-KAC hatte ihn Andreas Nödl in der kurzen Ecke geprüft (17.). Als Steven Strong in die Kühlbox musste und die Capitals damit zu ihrem ersten Überzahlspiel kamen, war Sondre Olden der auffälligste Mann der Gastgeber: Sämtliche drei Schüsse des Norwegers aus halbrechter Position konnte Madlener parieren, der dritte sprang von den Beinschonern des Goalies allerdings genau auf die Schlägerschaufel von Riley Holzapfel, der aus kurzer Distanz keine Probleme hatte, den Puck zum Führungstreffer in die Maschen zu setzen (19.). Weil sich ein Konter der erneut sehr angriffslustigen Wahl-Linie im Abwehrverbund der Wiener verfing (20.), ging es mit einer knappen 1:0-Führung für die Gastgeber zum ersten Mal zurück in die Kabinen. 

Der zweite Durchgang startete mit einer sprichwörtlichen kalten Dusche für die Klagenfurter: Bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Angriff der Capitals spielte Kelsey Tessier vom rechten Flügel aus einen Querpass auf den mitgelaufenen Sondre Olden, der den Puck am Torraum noch so berührte, dass er unter Madlener hindurch zum 2:0 über die Linie schlitterte (21.). Nachdem Marc-André Dorion wenig später einen satten Schlagschuss aus dem hohen Slot knapp neben den Kasten gesetzt hatte (22.), kam der EC-KAC zum nächsten Powerplay, die beste Gelegenheit der Rotjacken, Thomas Koch aus halbrechter Position, vereitelte der stark aufspielende Schlussmann Lamoureux (22.). Als Wien bei numerischer Überlegenheit agierte, lag der dritte Treffer der Gastgeber in der Luft, mehrfach konnte sich David Madlener jedoch gegen Abschlüsse von Olden und Holzapfel auszeichnen. Aus einem Konter heraus ergab sich für den EC-KAC nach Wiedererlangen der vollen Mannstärke eine goldene Gelegenheit: Thomas Koch steckte vertikal auf Stefan Geier durch, der sich den Puck auf die Rückhand legte, ihn jedoch nicht über den weit unten attackierenden Goalie brachte (28.). Die Gäste überstanden dann ein Wiener Powerplay weitestgehend ungefährdet, unmittelbar im Anschluss war große Kunst von David Madlener gefragt, als er einen Olden-Versuch nach Torumrundung halten konnte (35.). Ein Schlagschuss Thomas Hundertpfunds vom rechten Faceoff-Kreis aus wurde zur Beute für Lamoureux (38.), ehe der Hauptstadtklub noch vor der zweiten Pause ein Vorentscheidung herbeiführen konnte: Weil Steven Strong und Stefan Geier vor der eigenen blauen Linie zusammenstießen, ergab sich für die Capitals eine „Drei-gegen-Zwei“-Möglichkeit: Der sehr umsichtige Patrick Mullen legte nach halblinks ab auf Abwehrpartner Alex Wall, der den Puck per Schlagschuss in den Kasten setzte (39.).

Früh im dritten Drittel sorgte David Madlener dafür, dass der Rückstand nicht weiter anwuchs, als er einen Sololauf von Riley Holzapfel stoppte (41.). Nachdem Robin Gartner von den linken Hashmarks aus vergeben hatte (43.), gelang den Klagenfurtern der Anschlusstreffer: Nick Petersen schlenzte aus der Halbdistanz, der Abpraller landete genau bei Thomas Koch der zum 1:3 aus KAC-Sicht verkürzen konnte (44.). Die Möglichkeit auf den Doppelschlag ließ nur Sekunden später Thomas Hundertpfund aus, als er aus dem Slot an der Schulter von Lamoureux scheiterte (44.). In einem folgenden Powerplay für Rot-Weiß verfehlten Fischer und Petersen aus der Distanz das Gehäuse (46.), danach verteidigten sich die Wiener gut und ließen den Gästen wenig Raum zur Entfaltung. Als bei numerischer Überlegenheit für die Hausherren der von Holzapfel bediente Benjamin Nißner frei vor David Madlener auftauchte, konnte sich dieser erneut auszeichnen (49.). Als Niki Kraus nach einem Konter über die rechte Seite versuchte, an seinen eigenen Rebound zu kommen, war sein Stock zu hoch, im daraus resultierenden Powerplay für die Capitals agierte Madlener gegen DeSousa und Tessier stark (55.). Die Rotjacken versuchten in der Schlussphase noch einmal alles, erweiterten ein Überzahlspiel durch Herausnahme ihres Torhüters auf eine „Sechs-gegen-Vier“-Überlegenheit, während der Schüsse von Petersen (geblockt) und Koch (gehalten) jedoch nicht den Weg ins Wiener Tor fanden. So gelang den Capitals in der Schlussminute noch ein Empty Net-Treffer: Robin Gartner sprang ein Querpass an den Schlittschuh, Kelsey Tessier nahm den Puck auf und sendete ihn aus der neutralen Zone zum 4:1-Endstand ins verwaiste KAC-Tor. (HB)

 

Der Kommentar:

„Wien kam sehr druckvoll aus der Kabine, wir sind damit aber gut umgegangen. Einen Rückschlag hat das Gegentor im ersten Shift im zweiten Drittel dargestellt, von da an lief das Spiel mehr auf Seiten der Capitals. Dass es uns nicht gelungen ist, nachhaltig zurückzuschlagen, hat viel damit zu tun, dass wir zu viel auf der Strafbank saßen, das hat den Rhythmus unseres Spiels empfindlich gestört. Der Gegner hat aber eine insgesamt sehr starke Leistung geboten, das steht außer Frage.“ (Jarno Mensonen, Assistant Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Nach der ersten Niederlage im dritten Pick Round-Spiel bleibt der EC-KAC auf Tabellenplatz drei, der Rückstand auf die vor den Rotjacken platzierten Graz 99ers und Vienna Capitals beträgt nun sieben bzw. vier Zähler. Die Möglichkeit, diesen Abstand maßgeblich zu verringern, bietet sich bereits im nächsten Spiel: Am kommenden Freitag (Spielbeginn: 19.15 Uhr) ist der Tabellenführer aus der Steiermark in Klagenfurt zu Gast. Für diese Begegnung sind noch rund 170 Sitz- und 950 Stehplätze im Online-Ticketshop des EC-KAC sowie an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.