Comeback-Sieg bringt KAC ins Halbfinale

Mit einer starken Energieleistung verwandelten die Rotjacken im fünften Viertelfinalspiel gegen Titelverteidiger HCB Südtirol einen 0:2-Rückstand noch in einen 5:3-Sieg und stiegen damit in das Halbfinale der Erste Bank Eishockey Liga auf.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC musste nach drei Siegen in den ersten drei Viertelfinalspielen (5:4 und 4:3 nach Verlängerung, 4:1) am Dienstagabend eine 2:4-Auswärtsniederlage hinnehmen, wodurch die Klagenfurter die erste von vier Möglichkeiten verpassten, den Aufstieg in das Halbfinale sicherzustellen. In das Heimspiel gingen die Rotjacken demnach mit einer 3:1-Serienführung, die für sie ein gutes Omen sein sollte: In seiner Klubgeschichte führte der EC-KAC in einer „Best-of-Seven“-Serie bislang zehn Mal mit 3:1, jedes Mal entschied er die Serie für sich, in den jüngsten neun Fällen sogar gleich im fünften Spiel. Von den zehn Saisonduellen mit den Italienern konnte Rot-Weiß acht für sich entscheiden.

Der HCB Südtirol stand im Heimspiel am Dienstag angesichts eines 0:3-Rückstands in der Serie bereits mit dem Rücken zur Wand, konnte den ersten „Matchpuck“ der Rotjacken jedoch abwehren. Nach wie vor gilt aber: Jede Niederlage in einer der drei kommenden Partien bedeutet für den Titelverteidiger das vorzeitige Saisonende. In der Fremde hatten die Füchse zuletzt einen schweren Stand, sie verloren jedes ihrer letzten neun Auswärtsspiele. Auch in der Stadthalle reichte es für den HCB heuer noch zu keinem Erfolgserlebnis, sämtliche fünf Saisonbegegnungen auf Klagenfurter Eis gingen an den EC-KAC.

 

Die Personalien:

Bei den Rotjacken kam es gegenüber Spiel vier am Dienstag nur zu einer Veränderung im Lineup: Johannes Bischofberger, der für vorerst unbestimmte Zeit ausfällt, verlängerte die Verletztenliste beim EC-KAC (Robin Gartner, Nick Petersen, Manuel Geier, Marco Richter) auf bereits fünf Stammspieler. In das Lineup zurück kehrte der nach seiner Krankheit wiedergenesene Christoph Duller, der angeschlagene Thomas Hundertpfund erhielt nach dem Morning Skate am Spieltag grünes Licht für einen Einsatz. Aus diesen personellen Veränderungen ergaben sich neben den bestehenden Blöcken um Thomas Koch und Siim Liivik zwei neu kombinierte Angriffsformationen: Daniel Obersteiner und Stefan Geier flankierten Mitch Wahl, Thomas Hundertpfund centerte Philipp Kreuzer und Dennis Sticha. Die Rotjacken, bei denen wieder Lars Haugen das Tor hütete, gingen also mit nur sieben Importspielern und insgesamt einer Aufstellung mit nur 47,5 Kaderpunkten in die Begegnung.

 

Der Spielverlauf:

Die Anfangsminuten der Partie gehörten den offensiv deutlich präsenteren Rotjacken, dennoch konnten die Gäste früh mit 1:0 in Führung gehen:  Bei numerischer Überlegenheit lenkte der völlig frei im Zentrum stehende Ivan Deluca einen scharfen Geiger-Diagonalpass mit der Kufe in die Maschen ab, auch nach Videostudium der Referees wurde der Treffer als regulär eingestuft (5.). Als die Klagenfurter wenig später erneut mit einem Mann weniger auskommen mussten, kamen sie trotz dieses Nachteils zu den besseren Möglichkeiten, Thomas Hundertpfund wischte im Zentrum über den Puck (6.), ein Hammer von Martin Schumnig streifte nur wenige Zentimeter am Tor vorbei (7.). Auch danach stürmten vornehmlich die Klagenfurter: Torhüter Jake Smith parierte mit dem Beinschoner gegen Stefan Geier (8.), der einem vermeintlichen Icing hinterherstürmende Schumnig legte auf Witting zurück, der am Torraum die Scheibe jedoch nicht richtig unter Kontrolle brachte (12.). In ihrem ersten Powerplay kamen die Rotjacken dem Ausgleich sehr nahe, Andrew Kozek fälschte eine scharfe Koch-Hereingabe aber knapp über den Kasten ab (16.), bei der folgenden Chance konnte die HCB-Abwehr das Spielgerät in höchster Not aus der Gefahrenzone dreschen (jeweils 16.). Offensive Akzente setzte weiterhin nur der EC-KAC: Clemens Unterweger fing einen Pass ab, scheiterte frei vor Smith jedoch an ebendiesem (18.), das gleiche Prozedere folgte keine Minute später mit Mitch Wahl als Protagonisten (19.). Noch vor der ersten Pause flog eine Neal-Deflection nach Koch-Schuss marginal am Kasten vorbei, ein Schumnig-Kracher wurde geblockt (jeweils 20.)

Während des zweiten Überzahlspiels der Klagenfurter kam Bolzano zur besten Gelegenheit, Marco Insams Schuss nach Breakaway streifte allerdings nur Metall (25.). Besser machte es wenig später Kapitän Anton Bernard, dessen verdeckter Rückhandabschluss aus dem Slot durch die Beine von Lars Haugen ins Tor ging (26.). Der Norweger verhinderte dann mit einer Großtat einen weiteren rot-weißen Nackenschlag, beim von Luca Frigo abgeschlossenen „Drei-gegen-Eins“-Konter rettete er famos (29.). Davor waren die Rotjacken nicht vom Glück verfolgt, als ein Wristshot von Adam Comrie lediglich an den Pfosten klatschte (27.). Den Turnaround leitete dann Interimskapitän David Fischer ein, der nach einer weiten Torumrundung im hohen Slot noch lange verzögerte und den Puck schließlich aus dem Handgelenk zum Anschlusstreffer in die kurze Kreuzecke setzte (30.). Die vom endlich erzielten Tor euphorisierten Klagenfurter spielten den Titelverteidiger nun für Minuten in dessen eigener Zone fest: Thomas Koch schoss aus spitzem Winkel ins Außennetz (32.), Siim Liivik setzte den Puck nach einem Konter an die Maske des HCB-Schlussmanns (34.), ein Schlenzer von Wahl wurde ebenso von Smith pariert und auch bei einer Dreifach-Chance durch Hundertpfund, Wahl und Comrie wollte der Puck nicht über die Linie (jeweils 36.). Doch das nun enorm druckvoll auftretende KAC-Team ließ sich vom einstweiligen Misserfolg nicht beirren, stürmte weiter und konnte so unmittelbar vor der Pause das Score drehen: Nach gewonnenem Offensivzonen-Faceoff von Thomas Koch war Adam Comrie mit einem Wristshot aus der Distanz erfolgreich (39.) und sechs Sekunden vor der Sirene arbeitete Matthew Neal den Puck sprichwörtlich in die kurze Ecke - 3:2 (40.)

Im dritten Abschnitt blieben die Klagenfurter zunächst im Powerplay erfolglos (Neal/43., Wahl/44.), zudem fing sich der HCB Südtirol nach klarer Unterlegenheit im zweiten Drittel wieder und setzte offensiv einige Nadelstiche: Bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Konter über Daniel Catenacci kam der Querpass auf Marco Insam nicht an (46.), als sich wenig später eine ähnliche Möglichkeit für die Italiener ergab, entschied sich Mike Blunden gegen den Querpass und schloss letztlich erfolgreich selbst zum 3:3 ab (49.). Nur kurz kehrte in der Stadthalle Stille ein, dann folgte die nächste Stimmungseruption: Die an diesem Abend bestens aufgelegte Linie um Siim Liivik arbeitete den Puck förmlich in die Maschen, Marcel Witting stocherte einen Abpraller unter Goalie Smith hindurch zum 4:3 für Rot-Weiß über die Linie (50.). Und damit war dieses fünfte Viertelfinalspiel entschieden, denn in den finalen zehn Minuten der Begegnung setzten sich die scheinbar vor Kraft strotzenden Klagenfurter nahezu durchgehend in der Offensivzone fest, sodass dem amtierenden Meister jede Chance genommen wurde, das vorzeitige Saisonende noch abzuwenden. Den Schlusspunkt setzte Andrew Kozek mit einer trockenen Direktabnahme aus dem Slot, die ein wunderbarer Bewegungsablauf von Matthew Neal hinter dem Tor, der damit zwei Gegenspieler narrte, ermöglicht hatte (60.). Begleitet von stehenden Ovationen des Klagenfurter Publikums, das eine große Energieleistung seiner Mannschaft gebührend anerkannte, verebbten die finalen Sekunden der Partie, die Rotjacken zogen ins Halbfinale ein. (NB/HB)

 

Der Kommentar:

„Es ist sehr schwer, den vierten Sieg in einer Serie einzufahren, aber wir haben heute sehr viel Charakter bewiesen. Schon beim Morning Skate hatte ich das Gefühl, dass unsere Mannschaft sehr gut vorbereitet auf diese Aufgabe ist und darauf brennt, diese Partie zu gewinnen. Dieser Spirit war heute auch immer da, selbst als wir 0:2 zurücklagen. Wir hatten als Team den absoluten Willen und haben uns so diesen sehr schönen Sieg geholt, der wichtig für unsere gesamte Organisation war und ist.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Nach dem vierten Sieg im fünften Viertelfinalspiel gegen den Titelverteidiger HCB Südtirol steht der EC-KAC nach einem Jahr Pause wieder im Halbfinale der Erste Bank Eishockey Liga. Auf wen die Rotjacken dort ab Freitag der kommenden Woche treffen werden, steht noch nicht fest, da zwei der vier Serien in dieser ersten Play-Off-Runde (zumindest) noch ein sechstes Spiel am Sonntag erleben werden. Mögliche Semifinalkontrahenten sind neben den Graz 99ers (erstes Spiel auswärts) der EC Salzburg und Fehérvár AV19 (erstes Spiel zu Hause).