Entfesselte Rotjacken feiern Shutout-Sieg in Salzburg

Dem EC-KAC gelang am Freitagabend ein herausragender 6:0-Auswärtssieg beim EC Salzburg, mit dem sich die Klagenfurter vorzeitig das Pick-Recht für das Play-Off-Viertelfinale sicherten.

Foto: GEPA/RedBull/Mandl

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC musste am vergangenen Dienstag eine klare 1:4-Heimniederlage gegen die Vienna Capitals hinnehmen, sicherte sich aufgrund der Ergebnisse in den Parallelspielen aber dennoch bereits vorzeitig das Heimrecht im Play-Off-Viertelfinale. Um den dritten Rang nach der Regular Season und somit auch das Gegnerwahlrecht für die erste Runde der KO-Phase der Meisterschaft zu fixieren, benötigen die Rotjacken einen Sieg in Salzburg. Misslingt dieses Unternehmen, bietet sich den Klagenfurtern am Sonntag im Heimspiel gegen Fehérvár AV19 eine zweite Chance: Ein Punkt (im Falle einer Niederlage in Salzburg nach Verlängerung oder Penaltyschießen) oder drei Zähler gegen die Ungarn würden dann im zweiten Anlauf dafür sorgen, dass Rot-Weiß im Ranking vor den Bullen auf Platz drei landet, selbst wenn diese bei Tabellenführer Wien reüssieren.

Der EC Salzburg bestritt gegen den EC-KAC sein viertes Ligaspiel nach dem Trainerwechsel von Greg Poss zu Andreas Brucker. Unter dem Neo-Head Coach siegte der Vizemeister in Székesfehérvár und Bolzano, ehe es am Dienstag vor eigenem Publikum einen knappen 1:2-Verlust gegen die Graz 99ers setzte. Für die Mozartstädter war vor dem Spiel gegen die Rotjacken rechnerisch noch jede Abschlussplatzierung zwischen den Rängen drei und sechs möglich, mit einem Sieg gegen Klagenfurt in regulärer Spielzeit hätten sie jedoch bereits vorzeitig und aus eigener Kraft das Heimrecht im Viertelfinale fixiert. Von den fünf Saisonbegegnungen mit dem EC-KAC konnte der EC Salzburg nur zwei für sich entscheiden, im ersten Duell in der Pick Round siegte der Rekordmeister Mitte Februar zu Hause mit 6:2.

 

Die Personalien:

Neben dem langzeitverletzten Manuel Geier musste der EC-KAC in Salzburg auch auf Torhüter Lars Haugen und Stürmer Philipp Kreuzer verzichten, die beide unter der Woche leicht erkrankten. Zudem wurde der angeschlagene Angreifer Thomas Hundertpfund geschont. Seinen Platz im Block mit Mitch Wahl und Johannes Bischofberger nahm Patrick Harand ein, der nach seiner Erkrankung am Donnerstag ins Mannschaftstraining zurückgekehrt war. Im Tor kam David Madlener zu seinem 13. Saisonstart, Jakob Holzer fungierte zum vierten Mal in dieser Spielzeit als Backup. Gegenüber der Heimniederlage am Dienstag rückte zudem Ramón Schnetzer als zusätzlicher Verteidiger ins Aufgebot.

 

Der Spielverlauf:

In den ersten Minuten der Begegnung agierten beide Teams sehr kompakt, folge dessen blieben zwingende Torchancen selten. Der erste Treffer der Partie resultierte somit aus dem ersten Powerplay für den EC-KAC: Nick Petersen nahm in der eigenen Zone Chris VandeVelde den Puck ab, setzte zum Sololauf an und ließ dabei sämtliche drei verbliebenen Gegenspieler und nach einem Haken letztlich auch Torhüter Lukas Herzog stehen (6.). Nur wenig später durften die Rotjacken erneut bei numerischem Vorteil agieren, die beste Möglichkeit dieser Phase hatten jedoch die Hausherren, allerdings fand bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Angriff der aus der rechten Ecke abgegebene Regner-Querpass den mitgelaufenen Mario Huber nicht (8.). Als Salzburg bei Even Strength erneut einen gefährlichen Konter fuhr, klärte der zurückeilende Marcel Witting stark (9.). Patrick Harand stocherte einen Rebound nach Gartner-Schuss knapp am Kasten vorbei (10.), dann erhöhten die Rotjacken aber ihren Vorsprung: Marco Richter behauptete hinter dem Tor den Puck, in der Ecke verzögerte Matthew Neal gut, sein präzises Zuspiel verwertete Stefan Geier per Direktabnahme zum 2:0 aus Klagenfurter Sicht (11.). Salzburgs erste gute Tormöglichkeit fand Michael Schiechl vor, frei vor David Madlener scheiterte er von den Hashmarks aus aber am KAC-Schlussmann (12.). Als Johannes Bischofberger aus kurzer Distanz versuchte, Torhüter Herzogs Pads als Bande zu nutzen, steckte Patrick Harand den Abpraller neben den Pfosten (14.), in der Schlussphase des ersten Durchgangs erhöhte Rot-Weiß das Score dann noch einmal: Bei numerischer Überlegenheit pfefferte David Fischer die Scheibe aus der Entfernung auf das Gehäuse, Neal stand richtig und drückte den Abpraller über die Linie (19.). 

Auch in Drittel Nummer zwei änderte sich an der Charakteristik der Partie nur wenig, die Klagenfurter agierten in der Defensive staubtrocken und in der Vorwärtsbewegung sowohl kreativ als auch druckvoll. Einen Schlagschuss Harands nach Tempovorstoß hielt Herzog (22.), Liivik fing eine sprichwörtliche Flanke Fischers aus der Luft, stocherte den Puck dann aber am Tor vorbei (23.). In der folgenden Spielminute wurden die Rotjacken schließlich mit einem weiteren Treffer belohnt: Mitch Wahl gewann ein Offensivzonen-Faceoff zurück auf Martin Schumnig, der ausholte, anstatt zu schießen jedoch scharf auf Johannes Bischofberger spielte, der zum 4:0 in die Maschen abfälschte (24.). Weil bei Salzburg Brent Regner (25.) und bei Klagenfurt Niki Kraus (27.) Möglichkeiten ausließen, fiel das nächste Tor erst nach einem Handgemenge vor der KAC-Bank aus dem insgesamt fünf Hinausstellungen resultierten: Bei numerischer Unterlegenheit fing Thomas Koch in der Angriffszone einen Salzburger Aufbaupass ab, er deutete einen Slapshot an, schlenzte den Puck dann aber aus der zweiten Welle ins Tor (32.). Somit war auch der nach dem 4:0 ins Tor der Bullen eingewechselte Steve Michalek erstmals geschlagen. Nach schöner Ablage von Neal vergab Stefan Geier die Chance auf seinen Doppelpack (35.), als Salzburg Powerplay spielte, ließ Dustin Gazley die beste Möglichkeit für die Hausherren aus (37.). In der vorletzten Minute des Mittelabschnitts kamen die Klagenfurter dann ein weiteres Mal auf die Anzeigetafel: Andrew Kozek bediente vom rechten Flügel aus den heranstürmenden Clemens Unterweger, der seinen Onetimer an die Pads des Salzburger Goalies setzte, seinen eigenen Rebound jedoch zum 6:0 einsendete (39.). Die letzte große Torchance in Drittel zwei gehörte den Gastgebern, John Hughes gab einem aus der Höhe fliegenden Puck in Baseball-Manier aber zu wenig Richtung mit, sodass dieser seine Flugbahn parallel zur Torlinie fortsetzte (40.).

Der rot-weißen Dominanz der ersten 40 Minuten begegnete Salzburg im letzten Durchgang mit einem Versuch des Aufbäumens, insgesamt erwischten die Bullen jedoch einen schwarzen Abend, an dem ihnen kaum etwas gelingen wollte. Bei einem Schlenzer von Hughes (41.) und einer Deflection von Schiechl (43.) war Madlener zur Stelle, auch als ihn Dario Winkler nach flinkem Antritt schon fast umkurvt hatte, rettete der KAC-Goalie (46.). Adam Comrie verzog nach Rückpass von Marco Richter aus halblinker Position nur um wenige Zentimeter (47.), der vom zentral Tempo machenden Patrick Harand bediente Niki Kraus schoss im „Drei-gegen-Zwei“-Angriff an der kurzen Stange vorbei (54.). Weil Salzburg am Ende auch sein drittes Überzahlspiel der Begegnung nicht nutzen konnte, blieb es beim 6:0-Auswärtssieg der Rotjacken, ihrem höchsten Erfolg in der Mozartstadt seit dem EBEL-Einstieg der Bullen im Jahr 2004. Mit mehr als sechs Treffern Differenz hatten die Klagenfurter im Volksgarten zuletzt am 19. Januar 1980 - beim damaligen 16:7-Sieg gegen den HC Salzburg - gewonnen. (HB)

 

Der Kommentar:

„Wir wollten heute beweisen, dass das Gesicht, das wir am Dienstag gegen Wien gezeigt haben, nicht unser wahres war, und ich denke, das ist uns auch über weite Strecken gelungen. Wir brachten Kampfeslust, Wille und Tempo aufs Eis, natürlich hatten wir beim einen oder anderen Treffer auch Glück. In der letzten Zeit gelangen uns häufig nicht viele Tore, heute hat sich das geändert, sechs verschiedene Spieler haben getroffen. Mir hat unsere Vorstellung im dritten Abschnitt gefallen, als wir trotz klarer Führung fokussiert geblieben sind und nur wenige Torchancen des Gegners zugelassen haben. Es gibt keinen Grund für Überschwang, weder in der Niederlage noch im Sieg, wir gehen unseren Weg und heute hat uns dieser zu einem klaren Sieg in einer Halle geführt, in der es für Auswärtsteams in der Regel nicht einfach ist.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Mit dem klaren Auswärtserfolg vom Freitagabend fixierte der EC-KAC vorzeitig und endgültig den dritten Tabellenplatz nach der Regular Season, die Rotjacken verfügen also über das drittgereihte Wahlrecht ihres Gegners im Play-Off-Viertelfinale. Zuvor beschließen die Klagenfurter den Grunddurchgang der EBEL-Saison 2018/19 aber noch mit einem Heimspiel: Am Sonntagabend (Spielbeginn: 17.30 Uhr, live auf servushockeynight.com) wird Fehérvár AV19 in der Stadthalle zu Gast sein. Während der Ausgang dieser Partie für die Rotjacken keine Auswirkung mehr auf ihre Platzierung in der Abschlusstabelle haben wird, kämpfen die Ungarn nach dem freitägigen Heimerfolg über Graz noch um Rang vier und damit das Heimrecht im Viertelfinale. Dazu müssten die Roten Teufel in Klagenfurt zwei Punkte mehr holen als der EC Salzburg in seinem zeitgleichen Auswärtsspiel bei den Vienna Capitals.