Erstes Endspiel geht in der Verlängerung an Wien

Der EC-KAC holte zum Finalauftakt am Sonntagnachmittag auswärts bei den Vienna Capitals einen 0:2-Rückstand auf, musste sich letztlich aber in der Overtime mit 2:3 geschlagen geben.

Foto: Vienna Capitals/Vymlatil

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC übersprang in den beiden ersten Play-Off-Runden die Hürden HCB Südtirol (4:1) und Graz 99ers (4:0) und qualifizierte sich somit recht souverän zum 21. Mal in seiner Geschichte für eine Finalserie in Österreichs höchster Spielklasse. Wie schon bei den beiden jüngsten Auftritten der Klagenfurter in Endspielen (2013 und 2017) sind dort auch heuer die Vienna Capitals der Gegner der Rotjacken. Dem Grunddurchgangssieger war der Rekordmeister in vier der sechs bisherigen Saisonbegegnungen unterlegen, die beiden letzten Duelle im Rahmen der Platzierungsrunde gewannen die Wiener jeweils mit 4:1. In der Fremde präsentierte sich die Mannschaft von Petri Matikainen und Jarno Mensonen in den vergangenen Wochen allerdings in guter Form: Im Kalenderjahr 2019 wurden elf der 15 ausgetragenen Auswärtsspiele gewonnen.

Die Vienna Capitals beendeten die Regular Season der Erste Bank Eishockey Liga zum dritten Mal in Folge auf dem ersten Rang, 47 Siege in 66 Partien entsprachen mit 71,2 Prozent der zweithöchsten Winning Percentage in 18 Erstligasaisonen des Vereins. Die Wiener erzielten im bisherigen Saisonverlauf mit 3,82 pro Begegnung die meisten Treffer seit 14 Jahren. In die Finalserie starteten die Capitals voll im Saft stehend, erst am Freitagabend qualifizierten sie sich im siebten und entscheidenden Halbfinale gegen den EC Salzburg für die Endspiele, als sie im dritten Abschnitt einen 0:1-Rückstand noch in einen 3:1-Erfolg verwandeln konnten. In Heimbegegnungen mit dem EC-KAC agierten die Hauptstädter zuletzt sehr erfolgreich, sie gewannen zehn der letzten 13 vor eigenem Publikum ausgetragen Partien gegen die Klagenfurter.

 

Die Personalien:

Im Aufgebot des EC-KAC gab es gegenüber dem 4:2-Heimerfolg gegen Graz im vierten und letzten Halbfinalspiel vor neun Tagen nur eine Veränderung: Johannes Bischofberger, der die vergangenen fünf Partien aufgrund einer Verletzung verpasst hatte, kehrte wiedergenesen in das Lineup zurück. Nicht zur Verfügung stand hingegen (neben den längerfristig verletzten Manuel Geier und Philipp Kreuzer) Thomas Hundertpfund, der aufgrund einer Erkrankung verzichten musste und somit, nachdem er in jedem der letzten 27 Finalspiele mit KAC-Beteiligung zum Einsatz gekommen war, die Fortsetzung einer eindrucksvollen Serie verpasste. Daher rückte Stefan Geier als Mittelstürmer zwischen Daniel Obersteiner und Ramón Schnetzer, Johannes Bischofberger ergänzte Mitch Wahl und Nick Petersen.

 

Der Spielverlauf:

Aus ersten Möglichkeiten beider Teams ergaben sich keine Treffer: Der sich über die rechte Seite durchtankende Sondre Olden scheiterte an Torhüter Lars Haugen (2.), Mitch Wahl, der mit viel Speed über links in die Angriffszone eingedrungen war, setzte seinen Wristshot knapp über die kurze Kreuzecke (4.). In einem ersten Powerplay für die Capitals wischte Kelsey Tessier in aussichtsreicher Position über den Puck, weil er noch von Siim Liivik gestört wurde (8.), insgesamt verteidigten sich die Rotjacken bei der insgesamt mehr als dreiminütigen Unterlegenheit, 50 Sekunden davon sogar bei „Drei-gegen-Fünf“, sehr gut. Als am Eis wieder numerischer Gleichstand herrschte, gelang den Vienna Capitals der Führungstreffer: Taylor Vause zog vom rechten Flügel bis an die linken Hashmarks und konnte Haugen schließlich aus spitzem Winkel mit einem Rückhandschuss in die kurze Ecke bezwingen (11.). Und Wien legte nach: DeSousa fälschte im Zentrum einen Querpass von Linksaußen gekonnt ab, die Scheibe rutschte dem KAC-Goalie durch die Beine. Zwar konnte Patrick Harand den Puck noch im letzten Moment von der Markierung schlagen, von Haugens Schoner abprallend rutschte er jedoch endgültig über die Linie (14.). Nachdem ein Vorhandschuss von Thomas Koch aus dem Slot noch über die Querlatte abgefälscht wurde (16.), ergab sich für Wiens Ali Wukovits aus einem Konter heraus die gute Möglichkeit auf einen dritten Treffer für die Gastgeber, Haugen stoppte den Sololauf jedoch (17.). Spät im ersten Spielabschnitt kamen auch die Rotjacken zu ihrem ersten Überzahlspiel, während dem sie allerdings vornehmlich in den ersten Sekunden gefährlich wurden: Zwei Schüsse von David Fischer parierte Torhüter J.-P. Lamoureux jeweils mit seinen Beinschonern (18.). 

Früh im zweiten Abschnitt kam der EC-KAC im Zuge seines zweiten Powerplays des Nachmittags, das letztlich nur acht Sekunden dauern sollte, zum Anschlusstreffer: Thomas Koch gewann den Scheibenaufwurf, Nick Petersen verzögerte an der Bande gut und bediente dann Andrew Kozek, dessen präziser Handgelenksschuss aus dem Slot in den Maschen zappelte (23.). Während einer weiteren Klagenfurter Überzahlsituation kamen die Hausherren zur besten Gelegenheit, Vause setzte den Abschluss eines Sololaufs allerdings neben das Gehäuse (25.). Wenig später drängte Niki Kraus über rechts energisch in die Angriffszone, sein Rückhandschuss streifte noch die Außenstange (27.), auf der Gegenseite waren die Rotjacken im Glück, als Peter Schneider nach einem von Haugen parierten Wall-Schlenzer über den Rebound wischte (32.). In den folgenden Minuten waren die Gäste einem Torerfolg etwas näher, doch eine Direktabnahme von Adam Comrie klatschte nur an den Pfosten (32.) und ein viertes Powerplay blieb vom EC-KAC ungenutzt. Weil in der Schlussphase Thomas Koch und Marcel Witting in die Kühlbox geschickt wurden, ergab sich für Wien erneut die (wenngleich nun nur 21-sekündige) Möglichkeit doppelter numerischer Überlegenheit, gegen den in halblinker Position schön freigespielten Taylor Vause rettete Lars Haugen in dieser Phase mit einer tollen Seitwärtsbewegung (40.).

Durchgang Nummer drei sah nach einem Unterweger-Schuss aus der Halbdistanz, der am Kasten vorbeiflog (43.), ein weiteres gutes Penalty Killing der Rotjacken, bei einem Schuss von Andreas Nödl aus zentraler Position brachte sich ein KAC-Verteidiger noch zum Block in Position (47.). Eine schöne Kombination der Klagenfurter in der Offensivzone führte wenig später zum Ausgleich: Einen Diagonalpass von Mitch Wahl legte Martin Schumnig tief vom rechten Flügel aus schön ins Zentrum ab, wo Nick Petersen per Onetimer auf 2:2 stellen konnte (49.). Die Capitals versuchten es über weite Strecken des dritten Drittels mit Distanzschüssen, Lars Haugen behielt dabei jedoch stets den Überblick. Turbulent wurde es dann gut drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit: Zunächst scheiterte Wahl zwei Mal aus aussichtsreichen Positionen, dann rettete auf der Gegenseite Haugen gegen Peter Schneider in der Grätsche (jeweils 57.). Noch einmal vermochte sich der Norweger auszuzeichnen: Sondre Olden verlängerte an den Hashmarks einen Blueliner von Alex Wall, mit der Spitze seines rechten Beinschoners blieb der KAC-Schlussmann Sieger.

Weil es nach 60 Minuten regulärer Spielzeit unentschieden stand, wurde im ersten Finalspiel eine Verlängerung nötig, in die Klagenfurt mit numerischem Vorteil starten konnte. Umgehend ergab sich auch die große Chance auf die Entscheidung für Rot-Weiß: Thomas Koch schickte mit einem Steilpass Nick Petersen, der alleine auf das Capitals-Tor zulief, mit seinem zu zentral angetragenen Abschluss aber an Goalie Lamoureux scheiterte (61.). So schlug das Pendel letztlich doch noch zu Gunsten der Gastgeber aus: Emil Romig gewann an der eigenen blauen Linie einen Zweikampf und steckte vertikal auf Sondre Olden durch. Der Norweger suchte im sich so ergebenden „Zwei-gegen-Eins“-Konter selbst den Abschluss und bezwang seinen Landsmann im KAC-Kasten in der kurzen Ecke zur Wiener Serienführung. (HB)

 

Der Kommentar:

„Wir sind gut zurückgekommen nach dem Rückstand, insgesamt bin ich mit unserer Leistung in diesem ersten Finalspiel aber nicht zufrieden. Die ersten fünf, zehn Minuten waren okay, danach wirkten wir aber etwas zu eingerostet. Da gab es zu viele Scheibenverluste, es fehlte an der Disziplin zur völligen Präzision in der Umsetzung unseres Systems. Wir müssen uns steigern und wir werden uns steigern, denn unser Anspruch an uns selbst ist es, von Spiel zu Spiel besser zu werden.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC sieht sich nach dem ersten der Endspiele der Erste Bank Eishockey Liga zum ersten Mal in der laufenden Post Season mit einem Serienrückstand konfrontiert. In neun der letzten zehn Play-Off-Serien mit rot-weißer Beteiligung setzte sich jene Mannschaft durch, die mit 1:0 in Führung ging. Diesem Trend wollen die Klagenfurter bereits im zweiten Finalspiel am kommenden Dienstag entgegenwirken, wenn sie die Vienna Capitals in der heimischen Stadthalle empfangen. Für diese um 19.15 Uhr beginnende Begegnung, die von Servus TV (als Stream auf servushockeynight.com) und Sky Sport Austria live übertragen wird, sind sämtliche Tickets restlos ausverkauft, auch für das vierte Endspiel am kommenden Samstag ist keine einzige Eintrittskarte mehr erhältlich.