Furioses Schlussdrittel bringt 7:2-Sieg gegen Wien

Sechs Treffer im dritten Abschnitt bescherten dem EC-KAC am Freitagabend einen 7:2-Heimerfolg gegen den überlegenen und bislang unbezwungenen Tabellenführer, die Vienna Capitals.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC punktete in jedem seiner Ligaspiele seit der knappen 1:2-Niederlage in Wien am 12. Oktober, musste zuletzt jedoch drei Mal in Serie in die Verlängerung bzw. ins Penaltyschießen. Gegen Innsbruck und Dornbirn sicherten sich die Rotjacken dort jeweils den Zusatzpunkt, zu Hause gegen Graz unterlagen sie hingegen im Shootout. Die Klagenfurter, die neun ihrer bisher elf Partien in der Fremde bestreiten mussten, gingen auf Tabellenposition fünf liegend in das Heimspiel gegen den Leader. Zuletzt konnte man die Vienna Capitals in der Stadthalle zwei Mal hintereinander besiegen.

Der Hauptstadtklub kam als überlegene Nummer eins des EBEL-Rankings nach Kärnten, die Truppe von Head Coach Dave Cameron gab lediglich in ihrem ersten Saisonspiel beim Shooutout-Sieg beim EHC Linz einen Zähler ab und holte seither das Maximum von 33 Punkten. Damit egalisierten die Capitals ihren erst im Vorjahr aufgestellten Ligarekord von zwölf Siegen hintereinander zur Saisoneröffnung. In Klagenfurt gaben die Wiener in den vergangenen Spielzeiten meist eine recht gute Figur ab, seit der verlorenen Finalserie gegen den EC-KAC im Frühjahr 2013 gewannen die Vienna Capitals bei zehn ihrer 14 Auftritte in der Stadthalle.

 

Die Personalien:

Der EC-KAC lief gegen Wien erstmals in dieser Spielzeit mit 13 Stürmern auf, Philipp Kreuzer rückte zusätzlich ins Aufgebot. Weiterhin nicht zur Verfügung standen Christoph Duller und Andrew Kozek (beide verletzt) sowie Marco Richter (angeschlagen). Zu Umstellungen kam es in den Angriffsformationen, wo Stefan Geier (zu Thomas Koch/Nick Petersen) und Mitch Wahl (zu Siim Liivik/Manuel Geier) ihre Positionen tauschten. Gewechselt wurde gegenüber dem jüngsten Shootout-Sieg in Dornbirn auch zwischen den Pfosten: Gegen den Tabellenführer kehrte Lars Haugen ins Tor der Rotjacken zurück. Ab der zehnten Spielminute mussten die Klagenfurter in dieser Begegnung ohne ihren Kapitän Manuel Geier auskommen, der sich beim Blocken eines Schusses verletzte und ins Krankenhaus gebracht werden musste, ihm droht nach ersten Untersuchungsergebnissen eine lange Pause.

 

Der Spielverlauf:

In der Anfangsphase der Partie ging es zunächst hin und her: Erste Schlenzer aus der Distanz von Patrick Peter und David Fischer wurden aber zur Beute der beiden Torhüter (jeweils 1.). Ein Schlagschuss von Adam Comrie kam zu zentral auf Goalie J.-P. Lamoureux (3.), bei einem von Taylor Vause verlängerten Querpass Rafael Rotters war Lars Haugen mit den Beinschonern zur Stelle (5.). Wenig später hatte der Kanadier im Trikot des Tabellenführers aber mehr Glück: Von hinter dem Tor aus bediente ihn Rotter, Vause schloss aus spitzem Winkel ab und bezwang Haugen über dessen Pads hinweg (7.). In der nächsten gefährlichen Szene leitete Nick Petersen den Puck auf Thomas Koch weiter, der knapp vor dem Kasten noch einen Haken anbringen konnte, dann aber in Bedrängnis mit der Rückhand über die Scheibe wischte (10.). Anschließend durfte sich erneut der Keeper des EC-KAC auszeichnen, der gegen Kelsey Tessier (Abfälscher nach Fischer-Schuss/15.), Dominic Hackl (Blueliner/16.) und Mat Clark (Schlagschuss aus rechter Position/17.) zur Stelle war. Knapp drei Minuten vor Ende des ersten Abschnitts kamen die Rotjacken zum Ausgleich: Nach einem Schuss von Marcel Witting landete der Rebound direkt im Slot bei Patrick Harand, der aus dem Handgelenk hoch ins Tor einsendete. 

Die Gäste aus Wien waren in den ersten Minuten des Mittelabschnitts das bessere Team und setzen die Rotjacken unter Druck, Lohn dafür war die neuerliche Führung in Minute 23: Mario Fischer schlenzte aus sehr spitzem Winkel, Lars Haugen wehrte ab, doch der Puck sprang von KAC-Verteidiger Robin Gartner zurück in die Gefahrenzone und schlitterte über die Linie. Auf der Gegenseite erkämpfte sich Nick Petersen hoch im Angriffsdrittel der Rotjacken das Spielgerät, ließ Davis mit einem schönen Haken aussteigen, kam aber schlussendlich nicht zum Abschluss (25.). Nachdem Haugen sowohl Benjamin Nissner als auch Peter Schneider in die Schranken gewiesen hatte (jeweils 26.), kamen die Hausherren besser ins Spiel und nach Weitschüssen von Mitch Wahl (28.) und Robin Gartner (29.) in der 30. Spielminute zu ihrer besten Torchance dieser Phase: Johannes Bischofberger stürmte auf das Tor der Wiener zu, überwand mit seinem Wristshot Lamoureux, doch Kurt Davis wischte den sich der Linie nähernden Puck aus dem Torraum. Sehr aktiv präsentierten sich die in veränderten Überzahlformationen angetretenen Klagenfurter im ersten Powerplay der Partie, allerdings scheiterte zunächst Adam Comrie zwei Mal (37.), dann bewahrte ihr Torhüter die Capitals vor dem Ausgleich, als er bei einem Idealpass von Petersen auf Koch die Bewegung mitmachte (38.). Glück hatten die Rotjacken knapp vor der zweiten Sirene, als ein Schlagschuss von Mario Fischer nach Abwehr Haugens knapp vor der Linie liegenblieb.

Im dritten Durchgang spielten die Hausherren dann groß auf, ihnen gelang gegen den überlegenen Tabellenführer nun Tor um Tor. Aus einem „Drei-gegen-Zwei“-Angriff heraus zimmerte Thomas Hundertpfund den Puck zum Ausgleich unters Tordach (43.), danach musste Wiens Ali Wukovits für gleich vier Minuten in die Kühlbox. Der zweite Teil dieser Überlegenheit brachte die erstmalige KAC-Führung: Nick Petersen verzögerte nach Koch-Querpass im Zentrum und schlenzte den Puck unter die Querlatte (46.). Keine zwei Minuten später trafen die Rotjacken erneut, vom Offensivzonen-Faceoff weg schob sich Johannes Bischofberger über links in Richtung Gehäuse und bezwang Lamoureux aus spitzem Winkel in die kurze Ecke (48.). Weil sich Thomas Koch am Ende eines Konterangriffs noch verzettelte (49.), ging der nächste KAC-Treffer auf das Konto von Niki Kraus, der über den rechten Flügel nach innen schnitt und den Puck förmlich in die kurze Ecke stopfte - 5:2 (52.). Dem Tor des gebürtigen Wieners sollten innerhalb von nur 84 Sekunden zwei weitere für die Klagenfurter folgen. Mitch Wahl zimmerte von den Hashmarks aus einen Wristshot zum 6:2 in die Maschen und beendete damit - einmal mehr auf Klagenfurter Eis - den Arbeitstag von J.-P. Lamoureux vorzeitig. Den Schlusspunkt setzte gegen den eingewechselten Goalie Matthias Tschrepitsch schließlich Robin Gartner mit einem satten Schlagschuss aus der Halbdistanz nach einem Konter (54.). Als längst die Welle über die gut besetzten Ränge der Stadthalle wogte, überstanden die Rotjacken auch noch ein 61-sekündiges Unterzahlspiel, eine knappe halbe Minute davon bei „Drei-gegen-Fünf“, unbeschadet, sie avancierten zum ersten EBEL-Team, das die Vienna Capitals in dieser Saison bezwingen konnte. (NB)

 

Der Kommentar:

„Wir waren zu Beginn der Partie etwas zu scheu und passiv, steigerten uns dann aber bei der Beinarbeit, im Zweikampfverhalten und hinsichtlich unseres Zugs zum Tor. Wir hatten sowohl im ersten als auch im zweiten Drittel in den Anfangsminuten zu viel Respekt vor diesem starken Gegner, lernten aber jeweils, damit richtig umzugehen. Im Schlussdrittel brachen dann förmlich alle Dämme und ich bin sehr glücklich für unsere Mannschaft, dass ihre harte Arbeit heute auch in Toren ihren Niederschlag fand. Es war ein großer Sieg, aber wie ich es nach jeder Partie sage: Niemals zu hoch schweben, niemals zu tief fallen, morgen im Training müssen wir wieder fokussiert und konzentriert daran arbeiten, uns auf den nächsten Gegner vorzubereiten.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Mit seinem höchsten Sieg seit November 2017, einem 7:1-Sieg in Székesfehérvár, schraubte der EC-KAC sein Punktekonto auf 21 nach oben, die Rotjacken verbleiben damit jedoch am fünften Tabellenplatz der Erste Bank Eishockey Liga. In den kommenden vier Tagen warten zwei weitere Heimspiele auf die Klagenfurter: Am Sonntag (Spielbeginn: 17.30 Uhr) kommt Schlusslicht Orli Znojmo in die Stadthalle, am Dienstag (19.15 Uhr) empfängt der Rekordmeister dann Fehérvár AV19.