Großartige Aufholjagd bringt Auswärtssieg in Linz

Ein äußerst spielfreudiger EC-KAC verwandelte am Sonntagabend in der Auswärtspartie beim EHC Linz einen 0:3-Rückstand nach dem ersten Drittel noch in einen 5:4-Erfolg.

Foto: BWL/Eisenbauer

 

Die Ausgangssituation:

Die jüngsten vier Niederlagen in Folge ließen den EC-KAC in der Tabelle auf Rang sechs zurückfallen und den Abstand zum Siebten auf vier Punkte schrumpfen. Dennoch hatten es die Rotjacken vor dem schweren Auswärtsspiel beim EHC Linz unverändert selbst in der Hand, sich am Ende der ersten Grunddurchgangsphase einen Platz in der Pick Round und somit die vorzeitige Play-Off-Qualifikation zu sichern. In den bisherigen Saisonduellen mit den Oberösterreichern gab der Rekordmeister über weite Strecken eine gute Figur ab: Beim 3:4 nach Shootout im September verließ man die Untere Donaulände zumindest mit einem Punkt, vor eigenem Publikum kostete im Oktober nur ein schwaches Schlussdrittel (von 4:2 auf 4:6) einen weiteren Zählerzuwachs und im Dezember bedeutete ein 3:2-Heimerfolg den Auftakt zur elf Spiele anhaltenden Siegesserie.
Der EHC Linz steht bereits seit dem Neujahrstag als Play-Off-Teilnehmer fest, für die Mannschaft von Rob Daum geht es in den verbleibenden Runden - Stichwort: Bonuspunkte - nur noch darum, sich eine möglichst gute Ausgangsposition für die Platzierungsrunde zu sichern. Am vergangenen Freitag mussten die Black Wings allerdings eine deutliche 2:8-Niederlage beim EC Salzburg hinnehmen, die den Meister in der Tabelle auch vorbeiziehen ließ, sodass Linz (als zweitbestes Heimteam der Liga) von Rang drei aus in das Duell mit dem EC-KAC ging.

 

Die Personalien:

Auch in Linz musste der EC-KAC auf den gesperrten Thomas Koch und den erkrankten Christoph Duller verzichten. Somit kam es im Vergleich zum letzten Spiel gegen Graz nur zu einer Änderung im Lineup: Ramón Schnetzer war als siebter Verteidiger mit dabei. Im Tor startete Rot-Weiß mit David Madlener, der jedoch nach dem ersten Drittel von Tomáš Duba ersetzt wurde. Es war dies der erste Torhüterwechsel, den der EC-KAC im laufenden Spieljahr während einer Partie vornahm.

 

Der Spielverlauf:

Die Wetter- und Verkehrsbedingungen verzögerten die Anreise des EC-KAC erheblich, sodass die Begegnung erst mit 45-minütiger Verspätung beginnen konnte. Die Rotjacken präsentierten sich jedoch vom ersten Scheibenaufwurf an als hellwach und das deutlich aktivere Team. Erst in Minute sieben brachten die Hausherren ihren ersten Schuss aufs Tor, bis dahin hatten sich die Klagenfurter schon eine Reihe guter Chancen erarbeitet: Linz-Torhüter Mike Ouzas parierte jedoch einen Wristshot von Stefan Geier, eine Direktabnahme von Mitja Robar (jeweils 3.) sowie einen Schlagschuss von David Fischer bei numerischer Überlegenheit (6.). Als auch Žiga Pance (11./nach abgefälschtem Pass freistehend am Torraum) und Matthew Neal (13./Onetimer aus halbrechter Position) ihre "Sitzer" nicht nutzen konnten, kam es, wie es kommen musste: Völlig entgegen dem Spielverlauf gelang den Black Wings der Führungstreffer: Der sich von hinter dem Tor aus ins Zentrum schiebende Daniel Oberkofler legte den Puck im Fallen auf Rick Schofield quer, der aus kurzer Distanz einschießen konnte (15.). Nur 39 Sekunden später verdoppelte der EHC Linz seinen Vorsprung: Vom rechten Flügel aus spielte Rob Hisey einen scharfen Querpass auf Brian Lebler, der seinen Stock im Zentrum vor seinen Gegenspieler brachte und ins Tor abfälschen konnte (16.). Dem nicht genug, schlugen die Oberösterreicher vor der ersten Pause auch noch ein drittes Mal zu: Erneut im Fallen hebelte Oberkofler mit einem Diagonalzuspiel die gesamte rot-weiße Hintermannschaft aus, Schofield musste nur noch einschieben (18.). Trotz deutlicher spielerischer Vorteile und einem Torschussverhältnis von 16:7 sah sich der EC-KAC nach dem ersten Abschnitt mit einem 0:3-Rückstand konfrontiert.

In der ersten Pause nahmen die Rotjacken erstmals in dieser Saison einen Torhüterwechsel vor, fortan hütete Tomáš Duba den Kasten. Er sah sich nach nur wenigen Sekunden mit dem durchbrechenden Brian Lebler konfrontiert, der seinen Schuss allerdings neben das Gehäuse setzte (21.). Linz drückte weiter, mit einer schönen Flugeinlage konnte Mitja Robar bei einem "Zwei-gegen-Eins"-Konter der Black Wings im letzten Moment einen vielversprechenden Querpass verhindern (23.). Schließlich kamen die Rotjacken aber zum ersten Mal in dieser Begegnung auf die Anzeigetafel: Stefan Geier gewann einen Zweikampf in der Ecke, ließ auf Mark Popovic abtropfen und dessen scharfes Zuspiel ins Zentrum fälschte Mark Hurtubise in die Maschen ab (25.). Noch in der gleichen Minute formulierte der EHC Linz seine Antwort in Form eines satten Wristshots von Brian Lebler, der allerdings knapp über die Kreuzecke flog. Auch das nächste Tor sollte den Klagenfurtern gelingen: Mark Hurtubise beendete einen guten Vorstoß über rechts mit einem Zuspiel in die Mitte. Vom Schlittschuh eines Linzer Abwehrspielers gestoppt, kam der Puck unmittelbar vor Manuel Geier zum Liegen, der schließlich zum Anschlusstreffer einsendete (30.). Auch auf dieses Gegentor reagierte der Tabellendritte mit einem druckvollen Angriff, Marco Brucker gelang es jedoch, den einschussbereiten Fabio Hofer noch entscheidend zu stören (31.). Oberwasser erlangten die Rotjacken dann in Folge eines eindrucksvoll überstandenen Unterzahlspiels: Thomas Hundertpfund tankte sich im Zentrum durch, aus spitzem Winkel verfehlte Johannes Bischofberger aber das halbleere Tor (35.). Doch schon im nächsten Angriff durfte Rot-Weiß wieder jubeln: Mit etwas Glück konnte Žiga Pance am rechten Flügel den Puck mit in die Offensivzone nehmen, sein Zuspiel zur Mitte verwandelte der aufgerückte Mitja Robar mit einem präzisen Handgelenksschuss (37). Erneut antwortete der EHC Linz mit einer Großchance: Ein Onetimer von Rob Hisey vom rechten Flügel aus rutschte jedoch nicht nur unter Tomáš Duba hindurch, sondern auch am Gehäuse vorbei (38.).

Nach drei Gegentoren in Folge kamen die Black Wings deutlich fokussierter aus der zweiten Pause, der EC-KAC verteidigte sich jedoch gekonnt. So warf sich etwa Mark Popovic in einen gefährlichen Schlenzer von Brian Lebler (45.). Bei einem "Zwei-gegen-Eins"-Konter der Klagenfurter brachte Johannes Bischofberger den finalen Pass auf Stefan Geier nicht an (46.), wenig später traf Rot-Weiß aber erneut: Nach einem verlorenen Faceoff in der Angriffszone hielt Martin Schumnig die blaue Linie, Manuel Ganahl nahm den Puck an sich, manövrierte sich in eine bessere Position und bezwang Mike Ouzas mit einem satten Wristshot (47.). Nun sollte auch dem EC-KAC ein Doppelschlag gelingen: 94 Sekunden später vollendete Johannes Bischofberger mit einer Deflection eine sehenswerte Fernpass-Stafette über Žiga Pance und Thomas Hundertpfund zum fünften Treffer (48.). Um ein Haar hätten die Rotjacken in dieser Phase ein weiteres Mal zugeschlagen, doch nach einem Getümmel vor dem Linzer Tor kamen weder Manuel Ganahl noch Matthew Neal an den Puck (49.). In den finalen zehn Minuten der Begegnung drängte Linz nun vehement auf den Anschlusstreffer. Diesen konnte Tomáš Duba zunächst noch verhindern, mit den Beinschonern parierte er einen aus dem Slot abgegebenen Onetimer von Sébastien Piché (52.). Bei numerischer Überlegenheit halbierten die Oberösterreicher dann jedoch ihren Rückstand: Dan DaSilva steckte an der blauen Linie auf Brian Lebler durch, dieser konnte seinen Alleingang auch erfolgreich abschließen (53.). Da in der Schlussphase Jonathan D'Aversa einen verdeckten Schlagschuss neben den Kasten setzte (55.) und Duba einen Handgelenksschuss von Rick Schofield mit den Pads abwehren konnte, brachten die Klagenfurter den Vorsprung über die Zeit. Ein von Spielfreude und Zielstrebigkeit gekennzeichneter Auftritt resultierte trotz zwischenzeitlichem 0:3-Rückstand in einem wichtigen 5:4-Auswärtserfolg. (HB)

 

Der Kommentar:

"Wir waren in den ersten knapp 15 Minuten sehr gut, fingen uns dann aber das erste Gegentor ein, was uns kurzzeitig einbrechen ließ und zu zwei weiteren Treffern der Linzer geführt hat. In der Kabine haben wir unsere Problemfelder klar angesprochen, darauf hat unsere Mannschaft sehr gut reagiert und die Partie gedreht und letztlich auch gewonnen. Aus diesem Spiel müssen wir unsere Lehren ziehen. Es geht darum, auf unserem Weg zu bleiben - auch nach erzielten oder kassierten Toren. Insgesamt war es aber natürlich super, wie sich unser Team zurückgekämpft hat, Kompliment!" (Mike Pellegrims, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC hat es nach dem Auswärtssieg in Linz weiterhin selbst in der Hand, sich vorzeitig für die Play-Offs 2017 zu qualifizieren. Drei Punkte aus den verbleibenden drei Spielen würden für die Rotjacken in jedem Fall die Teilnahme an der Platzierungsrunde bedeuten - erstmals seit 2013. Als nächster Gegner wartet allerdings der überlegene Tabellenführer auf den EC-KAC: Die Vienna Capitals gastieren am kommenden Mittwoch (19.30 Uhr, live bei Sky Sport Austria) in Klagenfurt.