Irre Schlussphase bringt ersehnten KAC-Heimsieg

Mit zwei Treffern innerhalb der letzten 19 Sekunden der Partie sicherte sich der EC-KAC am Mittwochabend gegen Medveščak Zagreb noch einen 4:3-Erfolg.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC musste zuletzt acht Niederlagen in Folge hinnehmen, was der längsten Verlustserie seit dem Übergang zwischen den Spielzeiten 2004/05 und 2005/06 entsprach. In der Pick Round konnten die Klagenfurter ihren Bonuspunkt aus dem Grunddurchgang durch ein 4:5 gegen Salzburg nach Penaltyschießen verdoppeln, die übrigen drei Begegnungen dieser zweiten Saisonphase gingen jedoch allesamt in regulärer Spielzeit verloren, jene in Linz und gegen Innsbruck sogar ohne erzielten Treffer. Damit rutschten die Rotjacken auf den sechsten Tabellenplatz ab, zu Rang vier, der in der ersten Play-Off-Runde den Heimvorteil bedeuten würde, beträgt die Distanz aber nur einen einzigen Punkt.

Medveščak Zagreb erging es in der Zwischenrunde bislang nur ein wenig besser als dem EC-KAC: Die Bären mussten sich in drei ihrer vier Partien geschlagen geben, lediglich ein 5:3-Auswärtserfolg beim HC Innsbruck brachte Zähler auf ihr Konto. Überhaupt waren die Kroaten in der Fremde zuletzt recht gut unterwegs, zwar unterlag man bei Leader Wien mit 0:5, davor gelangen jedoch Erfolge in Székesfehérvár und Znojmo. Auch in den direkten Saisonduellen mit den Rotjacken kann Medveščak bislang auf eine positive Bilanz verweisen: Obwohl die Klagenfurter meist mehr vom Spiel hatten, was sich beispielsweise in 145 zu 115 Torschüssen manifestierte, agierten die Bären effizienter und kamen auf 13:10 Tore und 8:4 Punkte. In der Stadthalle tat sich Zagreb in der Vergangenheit jedoch trotz des jüngsten Erfolges am Neujahrstag (4:3 nach Verlängerung) recht schwer, sie gaben in Klagenfurt bei jedem ihrer letzten sieben Auftritte zumindest einen Zähler ab.

 

Die Personalien:

Die Rotjacken konnten im fünften Spiel der Pick Round nahezu auf ihren kompletten Kader zurückgreifen, lediglich Verteidiger Mitja Robar (Olympia) und Stürmer Julian Talbot (gesperrt) fehlten. Die Arbeitsgenehmigung für Nick St. Pierre traf rechtzeitig ein, der Neuzugang kam in der Abwehr zu seinem EBEL-Debüt. Im Angriff kehrten die zuletzt verletzt ausgefallenen Thomas Hundertpfund und Andrew Kozek zurück ins Lineup, im Tor startete Rot-Weiß mit David Madlener.

 

Der Spielverlauf:

Quasi mit der ersten dicken Möglichkeit des Spiels gingen die Gäste aus Kroatien schon in Führung: Mike Avianis Querpass landete bei Jozef Balej, der die Scheibe über den Schoner von David Madlener hob und die Bären zum ersten Mal jubeln ließ (2.). In der vierten Minute bot sich eine Doppelchance für die Rotjacken auf den Ausgleich, Johannes Bischofberger scheiterte aber zunächst vom linken Bullykreis aus, ehe sich Torhüter Kevin Car einem Koch-Schuss aus kurzer Distanz in den Weg stellte. Anschließend musste sich der EC-KAC erstmals in Unterzahl beweisen: Zagreb brachte in dieser Phase zwar einige Schüsse in Richtung Madlener, dieser musste allerdings nur einmal wirklich eingreifen, als er Mikko Lehtonen mit einem schönen Pad-Save einen Strich durch die Rechnung machte (5.). Nach dem Wiedererlangen der vollen Mannstärke folgte dann beinahe das 1:1: Kevin Kapstads Kracher von der blauen Linie aus wurde vor dem Tor noch gefährlich abgefälscht, doch die Scheibe kullerte knapp am Pfosten vorbei (9.). Die nächste aussichtsreiche Möglichkeit gab es dann wieder auf Seiten der Kroaten zu verzeichnen: Nach einem feinen „Coast-to-Coast“-Antritt von Michael Boivin konnte David Madlener mit Stock und Schoner den zweiten Gegentreffer aber vorerst noch verhindern (12.). Doch in der 16. Minute war der Goalie des EC-KAC erneut geschlagen: Sondre Olden platzierte seinen Schuss aus der Drehung genau im kurzen Kreuzeck und verdoppelte damit den Vorsprung der Gäste. Die letzten Minuten des Startdrittels gehörten - auch dank eines Powerplays - den Klagenfurtern, doch Bischofberger, Kapstad und Neal scheiterten allesamt am Schlussmann der Kroaten. 

Der Mittelabschnitt begann mit zwei unglücklichen Angriffsaktionen der Gäste, die jeweils in Gegenstößen und Torchancen für die Rotjacken endeten. Ein Blueliner von Mark Čepon wurde von Matthew Neal so geblockt, dass dieser Manuel Ganahl auf die Reise schicken konnte, der dann aber seinen Meister erneut im Goalie der Bären fand (22.). In der nächsten Situation nutzte Patrick Harand einen Fehlpass Medveščaks in der Angriffszone aus, sein Schlagschuss verpasste aber knapp das Ziel (23.). Die erste gute Chance für Zagreb im zweiten Durchgang hatte Topscorer Tyler Morley, der von Sondre Olden perfekt im Slot bedient wurde, dann allerdings an Madlener scheiterte (24.). Viele Powerplays auf beiden Seiten blieben im zweiten Drittel ungenutzt, insgesamt wurden im Mittelabschnitt gleich fünf Bankstrafen ausgesprochen. Zur besten Überzahlmöglichkeit kamen die Rotjacken in Person von Andrew Kozek, der mit einer Direktabnahme aus dem Slot scheiterte, ehe Kevin Kapstad auch den Rebound neben das Gehäuse stocherte (34.).

Das Schlussdrittel brachte schließlich mehr Torszenen, die erste zwingende davon nutzten die Klagenfurter zum lange ersehnten Treffer: Nach einer Torumrundung kam Manuel Ganahl im Slot an seinen eigenen Rebound und schoss diesen in die lange Ecke - 1:2 (42.). Als wenig später Kevin Kapstad für einen Bandencheck gegen Adam Deutsch fünf Strafminuten (und eine Spieldauerdisziplinarstrafe) ausfasste, gelang es den Bären jedoch, ihren Zwei-Tore-Vorsprung wiederherzustellen: Mike Aviani lupfte den Puck über den Schoner von Madlener und Jozef Balej musste nur mehr ins leere Tor einschieben (45.). Anschließend boten sich durch Schnetzer, Ganahl (beide 49.), Bischofberger (50.) und Neal (51.) zwar einige Möglichkeiten für die Rotjacken, Treffer resultierte daraus aber keiner. Es dauerte bis zur 56. Spielminute, ehe Andrew Kozek mit seinem Anschlusstreffer zum 2:3 die Wende einleitete, der Kanadier kam über rechts in die Angriffszone und bezwang Carr unter dessen Schonern. Knapp zwei Minuten vor dem Ende hatte Tero Koskiranta die Riesenchance auf die vermutliche Entscheidung zu Gunsten Zagrebs, doch David Madlener rettete mit einer tollen Seitwärtsbewegung. So blieb das Spiel offen und die Schlussphase heiß, die Kroaten, die nahezu über die komplette Dauer der Partie hinweg in Führung gelegen waren, schmissen die Nerven weg und zogen Strafe um Strafe. Dadurch kamen die Klagenfurter in den finalen 57 Sekunden zu einer doppelten Überzahl, in der sie die dürftige Ausbeute der zahlreichen vorangegangenen Powerplays vergessen ließen: 19 Sekunden vor dem Ende drückte Martin Schumnig einen Abpraller nach einem Schuss von Nick St. Pierre über die Linie und stellte doch noch auf 3:3. Damit hatten die Rotjacken jedoch noch nicht genug: Vom Faceoff weg stürmten sie (weiterhin gegen nur drei Zagreb-Feldspieler) umgehend wieder nach vor, erneut ergab sich ein Rebound, den sechs Sekunden vor der Sirene Manuel Ganahl so aufs Tor brachte, dass die Scheibe nach kurzem Kontakt mit Andrew Kozeks Schläger in den Maschen zappelte. Unter den Akklamationen des nun frenetischen Publikums durften die Klagenfurter erstmals seit dem Kärntner Derby am 28. Dezember wieder eine Ehrenrunde nach einem Heimsieg drehen. (NB)

 

Der Kommentar:

„Ich empfand unseren Start als in Ordnung, wir gingen gut auf den Körper und spielten uns zahlreiche Möglichkeiten heraus, es lief vorerst aber so wie schon zuletzt, nämlich dass der Gegner trotz weniger Chancen zu Toren kam. Drittel zwei war dann recht zerfahren, fast zehn Minuten lang standen die Special Teams am Eis, beide Mannschaften agierten recht schlampig. Wir haben dann im dritten Abschnitt, auch als wir zwei Tore zurücklagen, Widerstandskraft gezeigt und an uns geglaubt. Vielleicht war der Ausgang am Ende etwas glücklich, aber wir konnten zwei Powerplays verwerten und so einen Sieg einfahren, den sich das Team nach den harten letzten Wochen zweifellos sehr redlich verdient hat. Uns fehlte zuletzt das Selbstvertrauen, aber dieser Spielverlauf heute bringt hoffentlich einen emotionalen Schub für uns.“ (Steve Walker, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC durchbrach mit dem Heimsieg vom Mittwochabend die düstere Serie von zuletzt acht Niederlagen am Stück und rückte in der Tabelle wieder auf den fünften Rang nach vor. Der Vierte, der HC Innsbruck, weist aktuell wie die Rotjacken fünf Zähler auf, die Haie sind am kommenden Sonntag auch (der übernächste) Gegner der Klagenfurter. Zuvor wartet jedoch am Freitagabend (Spielbeginn: 19.15 Uhr) das „Rückspiel“ in Zagreb auf die Mannschaft von Steve Walker und Christoph Brandner. In Kroatien verlor der EC-KAC zuletzt vier Mal in Serie, der letzte Sieg dort datiert vom 4. Januar 2013.