KAC gibt bei 99ers Führung aus der Hand

Trotz eines Drei-Tore-Vorsprungs nach dem ersten Abschnitt musste sich der EC-KAC am Sonntagabend im Auswärtsspiel in Graz mit 3:6 geschlagen geben.

Foto: Graz 99ers

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC punktete in jeder seiner letzten sieben Partien und konnte fünf davon für sich entscheiden, jüngst gelang am Freitagabend ein auf starker Defensiv- und ansehnlicher Offensivleistung basierender 2:1-Heimsieg über den EC Salzburg. Mit der Eishalle in Graz-Liebenau verbinden die Rotjacken mehrheitlich gute Erinnerungen, historisch betrachtet konnten sie 64,3 Prozent der Auswärtsspiele gegen die 99ers gewinnen, von allen aktuellen EBEL-Arenen fuhren die Klagenfurter nur in der eigenen mehr Siege ein als in Graz (36). Zuletzt siegte der EC-KAC in der Steiermark saisonübergreifend drei Mal hintereinander mit 4:1.

Die Graz 99ers starteten hervorragend in die EBEL-Saison 2018/19, wie der EC-KAC blieben die Steirer bislang erst in drei Begegnungen ohne Punktgewinn, was dem Bestwert unter allen Mannschaften entspricht. Speziell auf eigenem Eis agierte das Team von Head Coach Doug Mason sehr erfolgreich, alle sieben Heimspiele im bisherigen Verlauf des Spieljahres wurden gewonnen. Bei ihren beiden Partien in der laufenden Woche blieb Graz sowohl in Znojmo (4:0) als auch gegen Wien (3:0) ohne Gegentreffer, im ersten Saisonduell mit dem EC-KAC setzten sich die 99ers Mitte Oktober auf Klagenfurter Eis (mit 3:2) im Penaltyschießen durch.

 

Die Personalien:

Der EC-KAC musste in Graz ohne die Langzeitverletzten Christoph Duller und Manuel Geier sowie den gesperrten Niki Kraus antreten. Zudem fiel der als Starting Goalie vorgesehene Lars Haugen kurzfristig aufgrund einer Erkrankung aus, sodass David Madlener zu seinem fünften Saisoneinsatz kam und Jakob Holzer den Backup gab. Die einzige personelle Veränderung bei den Feldspielern betraf gegenüber dem Heimsieg gegen Salzburg in der Abwehr, wo Michael Kernberger fehlte, da er zeitgleich im AHL-Heimspiel des Farmteams gegen Feldkirch auflief.

 

Der Spielverlauf:

Beflügelt von sieben Heimsiegen in Serie starteten die Hausherren sehr ambitioniert in die Partie: Eine Deflection nach Schuss von Matt Caito ging knapp vorbei, der von der Bande zurückspringende Puck landete bei Ty Loney, der aus spitzem Winkel jedoch an David Madlener scheiterte (3.). Auch bei einem über rechts vorgetragenen Angriff der Grazer war der KAC-Goalie bestens im Bilde, den Schlenzer von Daniel Oberkofler auf die kurze Ecke hatte er mit der Fanghand sicher (7.). Aus einer kuriosen Situation heraus resultierte wenig später die Führung für Klagenfurt: Nick Petersen fälschte an der roten Linie eine Befreiung Martin Schumnigs ab, der Puck stieg hoch in die Luft, sprang knapp vor Torhüter Robin Rahm auf und an diesem vorbei ins Tor (7.). Die 99ers reagierten mit noch mehr Offensive, zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Schlagschüsse von Matt Caito wurden von Marcel Witting geblockt bzw. von David Madlener mit den Beinschonern pariert (11.). Die beste Möglichkeit auf den Ausgleich fand Colton Yellow Horn vor, seinen gezogenen Schuss von den Hashmarks aus parierte der rot-weiße Schlussmann aber bravourös (13.). In den verbleibenden Minuten des ersten Abschnitts kamen die Rotjacken dann zu einigen Möglichkeiten: Marco Richter scheiterte nach einem Sololauf an Rahm (14.), bediente in seinem nächsten Shift aber von hinter dem Kasten aus Patrick Harand so ideal, dass dieser aus kurzer Distanz zum 2:0 aus KAC-Sicht einschießen konnte (17.). Und knapp vor der Pause konnten die Rotjacken ein weiteres Mal anschreiben: Nach dem Eindringen in die Offensivzone verzögerte Harand geschickt, seinen diagonalen Steilpass fälschte Richter mit dem Schlittschuh in die kurze Ecke ab (20.).

Die komfortabel wirkende Der-Tore-Führung hielt im zweiten Durchgang nur kurz: Bei einem Schlagschuss von Erik Kirchschläger aus der Distanz standen gleich fünf Spieler in der Fluglinie des Pucks, sodass dieser David Madlener durch die Beine rutschte (22.). Die folgenden Möglichkeiten gehörten nahezu allesamt dem EC-KAC: Nach sauberem Querpass von Thomas Hundertpfund scheiterte Nick Petersen mit einem zu zentral angetragenen Abschluss an Rahm (23.), der Grazer Goalie parierte auch einen Wristshot von Robin Gartner aus der Halbdistanz (24.). Großes Pech hatten die Klagenfurter zur Hälfte der Spielzeit, als Mitch Wahl nach energischem Shift seiner Formation aus dem Slot abzog, die Scheibe aber um Haaresbreite am rechten Pfosten vorbeizischte (30.). Bei numerischer Überlegenheit verkürzten die 99ers weiter: Colton Yellow Horn schoss vom rechten Flügel, vom Schlittschuh Madleners sprang der Puck direkt auf die Schaufel von Matt Caito, der ins halbleere Gehäuse einschieben konnte (34.). Die Klagenfurter ließen in der Folge zwei weitere Gelegenheiten aus: Von Richter bedient, chippte Witting über Rahm aber auch über den Kasten (36.), Bischofberger scheiterte aus guter Position am schwedischen Schlussmann (39.). So kamen die Hausherren noch vor der Pause zum Ausgleich: Robin Jacobsson spielte ideal in den Lauf von Ty Loney, der zwischen den beiden KAC-Verteidigern durchschnitt und damit freistehend David Madlener bezwingen konnte (40.).

Früh im dritten Drittel kam wieder Rot-Weiß zu Chancen: Johannes Bischofberger zog aus der Ecke hinter dem Tor kommend vor den Kasten, scheiterte in der kurzen Ecke aber an Rahm (41.), ein gut getimtes Richter-Zuspiel von der Grundlinie setze Patrick Harand neben den Pfosten (42.) und Adam Comrie platzierte von den Hashmarks aus einen Abpraller nach Schuss von Marco Richter zu zentral (43.). Für die erstmalige Führung der Steirer zeichnete dann erneut Ty Loney verantwortlich: Nach einem Faceoff vor dem KAC-Tor schwindelte er sich an seinem Gegenspieler vorbei und zimmerte den Puck in die kurze Kreuzecke (48.). Danach scheiterte Comrie nach feiner Finte von Koch einmal mehr an Rahm (49.), ehe auf der Gegenseite Loney den Rebound nach Wrap-Around von Yellow Horn am Gehäuse vorbeischaufelte (51.) und Madlener in der Grätsche gegen Zuševics rettete (52). Weil ein Schlagschuss von David Fischer nur am Außenpfosten landete (53.), konnten die Grazer wenig später für die Vorentscheidung sorgen: Exakt mit Ablauf einer Strafe gegen Thomas Hundertpfund schloss Ken Ograjenšek eine schöne Passkombination vom Torraum aus erfolgreich ab, es stand 5:3 für die 99ers (57.). Die Rotjacken gaben sich noch nicht geschlagen und kamen durch Andrew Kozek noch zu zwei guten Möglichkeiten, sowohl am kurzen Pfosten (58.) als auch aus dem Slot mit der Rückhand (59.) brachte er den Puck jedoch nicht an Robin Rahm vorbei. So waren es die Hausherren, die durch einen Empty Net-Treffer von Matt Caito von der neutralen Zone aus den Schlusspunkt setzten (59.), der 6:3-Sieg brachte die Steirer auf Tabellenplatz eins. (HB)

 

Der Kommentar:

„Ein verrücktes Spiel, in dem wir glücklich in Führung gegangen sind. Obwohl der erste Abschnitt ausgeglichen war, führten wir mit 3:0, der zweite verlief dann ganz ähnlich, nur dass eben Graz drei Mal anschreiben konnte. Wir hatten sehr viele sehr gute Torchancen, ihr Torhüter spielte im zweiten und dritten Drittel aber herausragend. Mit sechs Gegentoren gewinnt man in der Regel kein Eishockeyspiel, ich sah heute aber auch gute Dinge von uns, insgesamt fehlte uns aber ein wenig der letzte Punch. Vom Spielerverlauf her war diese Niederlage eine bittere, doch unser Weg geht weiter und ich denke, dass das Bild, das wir derzeit insgesamt abgeben, ein gutes ist.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Die Rotjacken blieben bei ihrem letzten Auftritt vor der Länderspielpause zum ersten Mal seit dem 1:2-Verlust in Wien am 12. Oktober ohne Punktgewinn und stehen daher weiterhin auf dem fünften Tabellenplatz. In der Erste Bank Eishockey Liga ruht der Spielbetrieb nun für neun Tage, der EC-KAC ist erst wieder am 13. November im Einsatz, wenn er in der Stadthalle den EHC Linz empfängt (Spielbeginn: 19.15 Uhr).