KAC siegt erneut in der Overtime

In einem verrückten Eishockeyspiel hatte der EC-KAC am Sonntagabend das bessere Ende für sich: Die Rotjacken glichen gegen Dornbirn fünf Sekunden vor dem Ende aus und gewannen letztlich mit 7:6 nach Verlängerung.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Mit sechs Siegen in den letzten sieben Partien festigten die Rotjacken ihre Rolle als erster Verfolger von Tabellenführer Wien, vor dem Duell mit Dornbirn, also sieben Runden vor Abschluss der ersten Grunddurchgangsphase wiesen die Klagenfurter drei Zähler Rückstand auf den Leader auf. Gegen die Bulldogs konnte der EC-KAC jedes der bislang drei Saisonduelle für sich entscheiden, in besonders guter Erinnerung blieb dabei der 6:4-Heimerfolg Ende November, mit dem Rot-Weiß damals (erstmals seit über sieben Jahre) den Sprung auf Platz eins der EBEL-Tabelle schaffte.  Auf eigenem Eis punktete Klagenfurt heuer in 16 seiner 19 Partien, sowohl insgesamt (2,19 Gegentore pro Spiel) als auch in vor heimischem Publikum ausgetragen Begegnungen (1,84) präsentierte sich das Team von Head Coach Petri Matikainen 2018/19 als die defensivstärkste aller zwölf EBEL-Mannschaften.

Der Dornbirner EC kehrte nach einer düsteren Phase von Ende September bis Mitte November, als in 16 Runden lediglich zwei Siege gelangen, in den vergangenen Wochen wieder auf die Erfolgsspur zurück: Mit acht Erfolgen aus den jüngsten zehn Begegnungen brachten sich die Bulldogs wieder voll ins Rennen um einen Platz in der Pick Round zurück. In der Fremde siegte die Truppe von Dave MacQueen, dem aktuell längstdienenden Trainer in der Liga, bei vier ihrer letzten fünf Auftritte, darunter auch bei heimstarken Teams wie Graz, Bolzano oder Salzburg. Gegen die Rotjacken lahmte im bisherigen Saisonverlauf allerdings Dornbirns Offensive: In 150:30 Spielminuten bei gleicher Spieleranzahl am Eis gelang dem DEC nur ein einziger Treffer.

 

Die Personalien:

Der EC-KAC bot gegen Dornbirn die exakt gleichen 22 Spieler auf wie beim 2:1-Erfolg in Bolzano am Freitag. Nach wie vor standen Manuel Geier (verletzt) und Patrick Harand (krank) nicht zur Verfügung. Gewechselt wurde bei den Rotjacken auf der Torhüterposition: Gegen seinen Ex-Klub stand David Madlener zwischen den Pfosten, der zuvor in sieben Karriereduellen mit dem DEC sechs Siege eingefahren hatte.

 

Der Spielverlauf:

Die über mehr als 60 Minuten sehr stark auftretenden Gäste aus Vorarlberg kamen früh zu ihren ersten Torchancen: Zunächst tauchte Scott Timmins alleine vor David Madlener auf, scheiterte aber an dessen Schulter (1.), dann parierte Klagenfurts Goalie auch einen Tip-In von Brock Trotter (2.). In Führung ging allerdings der EC-KAC, der in seinem ersten Powerplay nur 14 Sekunden benötigte, um anschreiben zu können: Nach einem Schuss von Thomas Hundertpfund vom rechten Flügel aus drückte der am Torraum postierte Johannes Bischofberger den Abpraller über die Linie (6.). Noch schneller kamen die Rotjacken in ihrem zweiten Überzahlspiel zum Erfolg: Aus halbrechter Position sendete Thomas Koch einen Petersen-Querpass per Onetimer in die kurze Ecke - 2:0 (8.). Noch in der gleichen Spielminute schaffte es allerdings auch der DEC erstmals auf die Anzeigetafel: Brendan O’Donnell krönte einen Alleingang mit einem flachen Schuss in die Ecke. Bei numerischem Vorteil war Dornbirn in der Folge mehrfach nahe am Ausgleich dran, gegen Dupont und Timmins rettete Madlener jeweils im letzten Moment mit seinen Beinschonern (12. bzw. 13.). In der Schlussphase des ersten Durchgangs ergaben sich für die Klagenfurter Chancen auf Treffer Nummer drei im Halbminutentakt: Thomas Koch brachte einen abgefälschten Querpass nur ins Außennetz (18.), Matthew Neal schoss an der kurzen Ecke vorbei, Marco Richter fälschte einen Fernschuss knapp über die Querlatte ab (jeweils 19.) und eine Deflection, erneut von Neal, prallte an den ausgefahrenen Pad von Rasmus Rinne (20.). 

Während einer kurzen Phase doppelter numerischer Überlegenheit für die Gäste früh im zweiten Drittel vergab Brodie Reid aus aussichtsreicher Position (23.), als der EC-KAC seinen vierten Feldspieler zurück aufs Eis bringen konnte, gelang den Rotjacken ein Unterzahltreffer: Im „Zwei-gegen-Eins“-Konter mit Siim Liivik legte Stefan Geier nicht quer, sondern tänzelte Dornbirns Schlussmann aus und schob mit der Rückhand in die kurze Ecke ein (25.). Erneut noch in der gleichen Spielminute schaffte der DEC wieder den Anschluss: Im zweiten Versuch verwertete Olivier Magnan, von hinter dem Kasten aus durch Dupont bedient, zum 3:2 aus KAC-Sicht (25.). Umgehend schrieben aber die Klagenfurter wieder an: Nach starker Arbeit in der Ecke von Richter und Neal war es Andrew Kozek, der einen Rebound von den linken Hashmarks aus in die Maschen setzte (27.). Nur 20 Sekunden später hatten die Bulldogs wieder auf einen Treffer Abstand aufgeschlossen: Bei einem „Drei-gegen-Zwei“-Konter war nach Reid-Zuspiel Julian Zwerger als letzter Spieler an der Scheibe (27.). Bei einem Wrap-Around von Reid (30.) und einem Sololauf von O’Donnell (31.) hielt David Madlener den knappen Vorsprung für Rot-Weiß fest, dann schlug es jedoch ein viertes Mal hinter ihm ein: Der umtriebige Brodie Reid eroberte hinter dem KAC-Kasten die Scheibe, sein Zuspiel vor den Kasten verwertete Timmins in die kurze Kreuzecke (32.). Der Trefferreigen ging munter weiter, nun waren wieder die Hausherren an der Reihe: Marcel Witting und Siim Liivik arbeiteten an der Bande gut, sodass Niki Kraus die vom Finnen an den Crease durchgesteckte Scheibe über die Linie drücken konnte (34.). Exakt 60 Sekunden später leuchtete bereits wieder ein ausgeglichener Spielstand (5:5) von der Anzeigetafel der Stadthalle: Einen schlechten Wechsel der Rotjacken nutzte Brendan O’Donnell zum Konter, den er mit einem satten Schlagschuss aus der Halbdistanz abschloss, der in der langen Kreuzecke einschlug (35.). Noch einmal gab es im zweiten Abschnitt Toralarm: Ein Schlagschuss von Thomas Hundertpfund rutschte Rinne durch, der Finne reagierte aber blitzschnell und konnte die in Richtung Torlinie schlitternde Scheibe noch sprichwörtlich von ebendieser kratzen (38.).

Die sieben Treffer im Mitteldrittel sorgten dafür, dass sich im dritten Durchgang beide Teams wieder ihrer vernachlässigten Defensivarbeit widmeten. Ein Gartner-Schlagschuss flog knapp über die Querlatte (42.), Powerplay-Chancen durch Petersen (47.) und Wahl (48.) vereitelten Rasmus Rinne mit der Fanghand und Raphael Wolf mit einem starken Block. Eine Doppelchance für Johannes Bischofberger und Thomas Hundertpfund resultierte nicht in einem Treffer (54.), ein Tip-In von Thomas Koch nach Fernschuss von Robin Gartner zischte um wenige Zentimeter am Pfosten vorbei (55.). Der KAC-Mittelstürmer vergab in der Schlussphase ebenso wie der aufgerückte Martin Schumnig aus zentraler Position (jeweils 58.), im unmittelbaren Konter schockte Dornbirn das Klagenfurter Publikum: 55 Sekunden vor dem Ende war O’Donnell auf und davon, vor Madlener brachte er einen Rückhandhaken an, ehe er den Puck zum 5:6 unter die Querlatte hob und somit seinen Hattrick komplettierte. Die Rotjacken steckten jedoch nicht auf, rannten mit sechs Feldspielern an und wurden fünf Sekunden vor der Schlusssirene auch belohnt: Aus halblinker Position feuerte Adam Comrie einen Schlagschuss in die kurze Kreuzecke (60.). Und der Verteidiger wurde in der ersten Minute der fällig gewordenen Overtime dann endgültig zum Garanten für den durchaus glücklichen KAC-Sieg: Im „Zwei-gegen-Eins“-Angriff verzögerte Nick Petersen geschickt, sein Zuspiel chippte Comrie zum 7:6-Endstand in die Maschen (61.). (HB)

 

Der Kommentar:

„Das war ein verrücktes Spiel mit jeder Menge Toren. In den beiden ersten Abschnitten agierten beide Mannschaften undiszipliniert und gaben viele, viele Breakaways her. Wir haben am Ende einen Weg gefunden, diese Partie für uns zu entscheiden, den Ausgleich zu erzwingen und in der Overtime erneut zu treffen. Wir haben nie aufgehört, wurden dafür belohnt, aber das war heute eine alles andere als einfache Begegnung.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Nach Medveščak Zagreb und dem HCB Südtirol gelangen dem EC-KAC auch gegen den Dornbirner EC vier Siege in den vier direkten Begegnungen der ersten Phase des Grunddurchgangs. Aufgrund des gleichzeitigen 3:1-Erfolgs der Graz 99ers in Innsbruck verloren die Rotjacken jedoch ihren zweiten Tabellenplatz wieder an die Steirer. Der Abstand zu Platz sieben wuchs hingegen auf 16 Zähler an, sodass die Klagenfurter bereits in ihrem nächsten Spiel, am kommenden Freitag zu Hause gegen Fehérvár AV19 (Spielbeginn: 19.15 Uhr), die Möglichkeit haben, mit einem Sieg den Sprung in die Pick Round und damit auch die vorzeitige Play-Off-Qualifikation zu schaffen. Die zweite Partie in der kommenden Woche trägt der EC-KAC dann wieder auswärts aus: Am Sonntag (17.30 Uhr, live auf servushockeynight.com) kommt es in Wien zum Schlager gegen die erstplatzierten Vienna Capitals.