Kämpferische Rotjacken stellen auf 1:1

Ein von Thomas Hundertpfund und Stefan Geier abgefälschter Schuss von Adam Comrie blieb im zweiten EBEL-Finalspiel der einzige Treffer, die Rotjacken siegten vor ausverkauftem Haus mit 1:0 und glichen die Serie somit aus.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC lag im ersten Finalspiel am vergangenen Sonntag nach Abschnitt eins mit 0:2 im Hintertreffen, ehe er das Score im zweiten und dritten Drittel noch ausglich, um letztlich in der Verlängerung zu unterliegen. Damit starteten die Athletiker wie schon vor zwei Jahren mit einer Auswärtsniederlage in die Endspielserie gegen die Capitals, wenngleich diese spielerisch und auch vom Ergebnis her weniger deutlich ausfiel als jene von 2017 (1:4). Die Rotjacken sahen sich im Vorfeld des zweiten Finalspiels somit erstmals in der laufenden Post Season mit einem Rückstand konfrontiert. Vor eignem Publikum, wo sie heuer jedes ihrer bislang fünf Play-Off-Spiele gewinnen konnten, strebten die Klagenfurter nun den Serienausgleich an.

Die Vienna Capitals konnten am Sonntag zum achten Mal in Folge ihr erstes Spiel einer Play-Off-Serie gewinnen. In 13 von 18 Fällen in ihrer Klubgeschichte entschieden die Wiener eine Konfrontation nach 1:0-Führung am Ende auch für sich, fünf Mal setzte sich ihr jeweiliger Gegner durch (davon drei Mal sogar mit 4:1, zuletzt im Halbfinale des Vorjahres der HCB Südtirol). In der Fremde stotterte der Play-Off-Motor des Teams von Head Coach Dave Cameron heuer noch etwas, drei von fünf Spielen gingen verloren. Im Grunddurchgang überzeugten die Capitals hingegen fernab der Heimat: Zwei Drittel (18) der (27) Begegnungen wurden gewonnen, darunter auch zwei der drei Partien in der Stadthalle Klagenfurt.

 

Die Personalien:

Beim EC-KAC füllten sich vor Finalspiel Nummer zwei die Reihen, lediglich Manuel Geier und Philipp Kreuzer standen unverändert nicht zur Verfügung: Marco Richter, der sich im letzten Grunddurchgangsspiel so verletzt hatte, dass eine Operation nötig war, kehrte in das Lineup zurück, auch Thomas Hundertpfund, der seine leichte Erkrankung gut überstanden hatte, konnte wieder mitwirken. Somit kam es zu Änderungen in zwei der vier Angriffsformationen: Thomas Hundertpfund centerte Stefan Geier und Nick Petersen, Marco Richter bildete mit Johannes Bischofberger das Flügelpaar von Daniel Obersteiner. Die Rotjacken gingen demnach mit drei Abwehrpärchen plus Robin Gartner als zusätzlichem Verteidiger sowie vier Angriffsformationen plus Mitch Wahl als ergänzendem Stürmer in die Begegnung.

 

Der Spielverlauf:

Die Rotjacken starteten sehr druckvoll und angriffslustig in die Begegnung, umgehend kamen sie auch zu besten Einschussgelegenheiten: Niki Kraus traf an den Hashmarks ungedeckt den Puck nicht richtig (2.), den sehr aussichtsreichen Abschluss von Daniel Obersteiner parierte Wiens Goalie J.-P. Lamoureux in der Grätsche (3.), der von Nick Petersen auf die Reise geschickte Thomas Hundertpfund scheiterte mit seinem Haken auf die Vorhand ebenfalls am Schlussmann der Gäste (5.). In einem ersten KAC-Powerplay verzog Thomas Koch eine Direktabnahme von rechts, die Neal-Deflection eines Fischer-Fernschusses ging nur knapp neben den Pfosten (jeweils 7.). Die Capitals vermochten in der Folge auch mit dem zweiten Überzahlspiel der Klagenfurter gut umzugehen, in Spielminute 13 kamen sie zu ihrer bis dahin größten Gelegenheit: Benjamin Nissner legte auf Alex Wall zurück, dessen Schuss aus der Halbdistanz Lars Haugen noch förmlich um die Stange drehen konnte. Nach einem Faceoff in der Angriffszone gelang dem EC-KAC schließlich der zu diesem Zeitpunkt nicht unverdiente Führungstreffer: Adam Comrie zog von halblinks per Schlagschuss ab, Thomas Hundertpfund (mit dem Stock) und Stefan Geier (mit der Hose) fälschten gleich doppelt ab und der Puck zappelte in den Maschen (18.). Nach einer Torumrundung von Riley Holzapfel machte Haugen die kurze Ecke zu (18.), auf der Gegenseite ließ Lamoureux einen Schuss von Clemens Unterweger fallen, doch kein Rotjacken-Angreifer gelangte an den Rebound (20.).

Die spielerischen Vorteile der Hausherren im ersten Abschnitt wechselten in den Anfangsminuten des zweiten Drittels zu den Capitals: Die KAC-Abwehr vergaß auf Nissner, der völlig blank am Crease stehend an Lars Haugen scheiterte (22.). Großartig parierte der Norweger wenig später mit seinen Pads gleich mehrfache Versuche von Taylor Vause, einen Abpraller über die Linie zu drücken (25.). Die Rotjacken lösten sich in der Folge aus der sprichwörtlichen Umklammerung: Niki Kraus setzte einen Rebound an die Schulter von Lamoureux (26.), bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Konter bei numerischer Unterlegenheit wurde der von Petersen schön bediente Thomas Hundertpfund noch im letzten Moment am erfolgreichen Abschluss gehindert (27.). Bei einem Rückhandschuss von Marc-André Dorion und dem noch im gleichen Shift folgenden Schlagschuss des Verteidigers konnte sich Lars Haugen jeweils auszeichnen (29.). Wieder waren die Klagenfurter aus einem flink vorgetragenen Angriff heraus gefährlich: Nach Bischofberger-Querpass tippte der mitgelaufene Patrick Harand den Puck in Richtung Kreuzecke, Wiens Torhüter vermochte noch zu parieren (36.). Gleiches galt für einen gezogenen Schlenzer Nick Petersens im Powerplay (37.). Ein verdeckter Schuss von David Fischer landete kurz vor der zweiten Pause unmittelbar vor Kraus, der seinen Backhander aus kurzer Distanz allerdings über die Querlatte setzte (40.).

Die erste Gelegenheit im Schlussdrittel hatten ebenfalls die Klagenfurter, den von Geier abgefälschten Schumnig-Schuss konnte Lamoureux jedoch bändigen (44.). Dann drückten die Gäste auf den Ausgleich: In einer chaotischen Situation vor dem KAC-Kasten suchten alle Beteiligten nach der Scheibe, die Dorion schließlich knapp am kurzen Pfosten vorbeistocherte (45.), eine Direktabnahme von Chris DeSousa nach Aufbaufehler der Rotjacken flutschte via Haugen noch über die Querlatte (46.). Im nächsten rot-weißen Powerplay verzog Andrew Kozek von den Hashmarks aus nur knapp, förmlich im Gegenzug stoppte der KAC-Goalie einen „Drei-gegen-Zwei“-Angriff der Capitals, den Dorion aus schon recht spitzem Winkel abgeschlossen hatte (jeweils 48.). Knapp am Gestänge vorbei flogen ein Onetimer von Patrick Mullen (52.) und ein Rückhandschuss Marcel Wittings aus dem Zentrum (53.). Der gebürtige Tiroler fälschte wenig später auch einen Unterweger-Schuss um Zentimeter neben den Pfosten ab (55.), bei einem rasch vorgetragenen Angriff der Wiener über links wurde der Winkel für Peter Schneider schon zu spitz, um Lars Haugen noch bezwingen zu können. Im Verbund mit seinen aufopferungsvoll kämpfenden Vorderleuten hielt der Norweger in der Schlussphase sein drittes Play-Off-Shutout fest, der EC-KAC stellte in der Finalserie auf 1:1. (HB)

 

Der Kommentar:

„Wir haben uns im Vergleich zum ersten Spiel gesteigert. Die intensive Auseinandersetzung mit den Charakteristika der Partie vom Sonntag im Videostudium hat uns gezeigt, wo wir uns verbessern müssen, und das konnten wir insgesamt auch so umsetzen. Auch mental gingen wir anders an diese Begegnung heran und das hat uns letztlich auch den Sieg ermöglicht, wir haben mehr Mut bewiesen. Jetzt haben wir den ersten Erfolg auf unserem Konto, doch auch aus dem heutigen Spiel gilt es, die richtigen Schlüsse zu ziehen und zu lernen.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Anders als die Finalserien von 2013 und 2017 zwischen dem EC-KAC und den Vienna Capitals, die jeweils mit einem Sweep für eine der beiden Mannschaften endete, steht es im Endspielduell 2019 nach zwei Begegnungen 1:1. Spiel drei folgt am Gründonnerstag (Spielbeginn: 19.15 Uhr, live auf servushockeynight.com und bei Sky Sport Austria) in Wien, zur nächsten Konfrontation auf Klagenfurter Eis kommt es dann am Karsamstag (17.00 Uhr). Beide diese Begegnungen sind bereits restlos ausverkauft.