Overtime-Sieg in Graz

Nur ein Treffer, jener von Andrew Kozek in der Verlängerung, entschied das packende Auswärtsspiel der Rotjacken in Graz: Der EC-KAC siegte, gestützt auf einen famosen Lars Haugen im Tor, mit 1:0.

Foto: Graz 99ers/Krainbucher

 

Die Ausgangssituation:

Nach drei Niederlagen am Stück gelang dem EC-KAC am Freitagabend sein dritter Sieg im Rahmen der Pick Round, die Klagenfurter bezwangen den aktuellen EBEL-Champion HCB Südtirol vor eigenem Publikum mit 5:2. Damit vergrößerten die drittplatzierten Rotjacken ihren Vorsprung auf die unmittelbaren Verfolger auf vier Zähler, gleichzeitig verkleinerte sich der Rückstand auf die auf Rang zwei liegenden Graz 99ers auf sieben Punkte. Gegen die Steirer hatte der EC-KAC in der laufenden Spielzeit einen schweren Stand: Auf eine 2:3-Heimniederlage im Shootout im Oktober folgten gleich vier Verluste in regulärer Spielzeit, saisonübergreifend konnten die Murstädter Rot-Weiß sogar sechs Mal hintereinander bezwingen.

Die Graz 99ers starteten als Tabellenerster und mit vier Siegen am Stück in die Pick Round, mussten zuletzt aber - auswärts mit 3:8, zu Hause mit 3:4 - zwei Niederlagen gegen die Vienna Capitals einstecken. Die Wiener zogen damit auch in der Tabelle am Team von Head Coach Doug Mason vorbei. Dennoch ist die heurige die deutlich beste Saison in der Erstliga-Historie der Steirer, die bislang 35 ihrer 50 Partien gewinnen konnten. Auch die gegenwärtige Form der 99ers stellt sich beeindruckend dar: In den vergangenen 21 Runden mussten sie das Eis nur vier Mal als Verlierer verlassen, drei dieser 17 Erfolge gelangen gegen den EC-KAC.

 

Die Personalien:

Der EC-KAC musste auch in Graz auf Manuel Geier (verletzt) und Patrick Harand (krank) verzichten. Der im Samstagtraining von einem Puck im Gesicht getroffene Adam Comrie gab nach entsprechender ärztlicher Versorgung nach dem Morning Skate grünes Licht für einen Einsatz. Somit blieb es bei den Rotjacken gegenüber dem Heimsieg gegen Bolzano am Freitag bei einer personellen Veränderung im Lineup: An Stelle von Ramón Schnetzer wurde Philipp Kreuzer als zusätzlicher Stürmer aufgeboten. Das KAC-Tor hütete erneut Lars Haugen.

 

Der Spielverlauf:

In einer ausgeglichenen Anfangsphase neutralisierten sich beide Teams in der neutralen Zone, zwingende Torchancen gab es nur selten. Curtis Hamilton zögerte im Slot zu lange (4.), während einer ersten guten Offensiv-Periode der Grazer kamen die Abschlüsse meist nur von weit außen (7.). Auf Seiten der Klagenfurter flogen Fernschüsse von Martin Schumnig (5.) und Adam Comrie am Kasten vorbei (6.), bei einem Wristshot aus dem hohen Slot von Andrew Kozek war Goalie Simon Rönning mit der Fanghand zur Stelle (8.). Schließlich übernahmen die Rotjacken das Kommando, sie spielten sich nun eine Reihe guter Gelegenheiten heraus. Thomas Koch setzte im Fallen einen Rebound neben das Tor (8.), ein Rückhand-Versuch von Mitch Wahl aus spitzem Winkel landete an den Beinschonern des Grazer Schlussmanns (8.), Bischofberger und Hundertpfund verpassten Abpraller nach einem Schlenzer Gartners aus der Distanz (9.). Weil Robin Weihager Niki Kraus legte, kam der EC-KAC als erstes Team zum zweiminütigen numerischen Vorteil, nicht jedoch zum Torerfolg: Eine Deflection von Kozek nach Fischer-Blueliner streifte noch den Pfosten (15.). Als wieder „Fünf-gegen-Fünf“ gespielt wurde, leitete Adam Comrie mit einem 40-Meter-Pass die beste Rotjacken-Chance im ersten Durchgang ein: Marco Richter machte auf rechts Meter, legte mit der Backhand ins Zentrum, wo Stefan Geier den leicht hoppelnden Puck zwar traf, aber an die Brust von Rönning setzte (18.). Erst in den finalen Minuten vor der ersten Pause wurden auch die 99ers offensiv wieder gefährlicher: Gegen den am Crease frei zum Abschluss gekommenen Ty Loney besserte Lars Haugen einen Comrie-Fehler aus (19.) und auch bei einem Wrap-Around von Dominik Grafenthin war der KAC-Schlussmann mit dem Beinschoner aufmerksam (20.).

Den besseren Start in den Mittelabschnitt erwischten die Hausherren: Bei angezeigter Strafe gegen die Rotjacken nahm Travis Oleksuk am linken Flügel Tempo auf, setzte seinen Wristshot-Abschluss aber an die Querlatte (21.). Im folgenden Überzahlspiel für die 99ers stand Dwight King im Mittelpunkt: Zunächst verpasste er am langen Pfosten einen Loney-Querpass (21.), dann stocherte ihm nach einem Rebound Lars Haugen den Puck von der Schaufel (22.). Weil Simon Rönning auch einen Schlagschuss von Mitch Wahl aus halbrechter Position parieren konnte (24.) und Ken Ograjenšek ein Oberkofler-Zuspiel verpasste (27.), ging es torlos in das zweite Powerplay für Graz. Während diesem hatten allerdings die Klagenfurter die beste Möglichkeit: Nach idealem Poke-Check von Stefan Geier an der eigenen blauen Linie eröffnete sich die Solochance für Matthew Neal, der mit der Vorhand abzog, die Scheibe aber halbhoch an die Stange pfefferte (30.). Während des zweiten Überzahlspiels für die Rotjacken klingelte es (für sie) ein drittes Mal an diesem Abend am Metall: Ein satter Schlagschuss von David Fischer, abgegeben von der blauen Linie aus, klatschte an den rechten Pfosten (34.). Eine gute Möglichkeit eröffnete schließlich ein starker Forecheck von Marco Richter: Über Neal kam der Puck ins Zentrum zu Geier, der sofort abzog, allerdings nur die Schulter des 99ers-Torhüters traf (37.).

Die spielerische Überlegenheit der Rotjacken in den beiden ersten Abschnitten kehrte sich im Schlussabschnitt um, nun waren es die Graz 99ers, die zu den besseren Möglichkeiten kamen, ihren Meister aber ein ums andere Mal in Lars Haugen fanden. Den Rebound aus kurzer Distanz nach Weihager-Schlagschuss stoppte er nach Hechtsprung mit seinem Schläger (42.), gegen Daniel Oberkofler, der ihm hinter dem Kasten den Puck abgeluchst hatte, besserte der Norweger seinen eigenen Fehler aus (43.). Vor dem einmal mehr proppenvollen Auswärtssektor vergaben Johannes Bischofberger (Abschluss nach „Drei-gegen-Zwei“-Konter zu zentral/47.) und Martin Schumnig (von den rechten Hashmarks aus in die Fanghand Rönnings/48.) gute Chancen für den EC-KAC, dann drückten wieder die Steirer: Aus aussichtsreichsten Positionen konnten jedoch weder Ty Loney (51.) noch - bei numerischer Überlegenheit - Dwight King (53.) den Schlussmann der Klagenfurter überwinden. Bei einem Drive aus der Ecke zum Tor von Travis Oleksuk rettete Haugen mit einem Poke-Check (56.), ein Tip-In von Loney flog an den Pfosten, wäre aber wohl aufgrund hohen Stocks ohnehin nicht als Treffer anerkannt worden (57.). Mit seinem Schlittschuh und in der Grätsche rettete der KAC-Goalie ein weiteres Mal gegen King und weil Loney den Abpraller aus spitzem Winkel über die Querlatte zimmerte (59.), ging die packende Begegnung torlos in die Verlängerung.

Auch in der Overtime stand zunächst Lars Haugen im Mittelpunkt: Er stoppte den über rechts durchbrechenden Matt Garbowsky (62.) und verneinte auch Dwight Kings Abschluss eines „Zwei-gegen-Eins“-Angriffs mit Oleksuk (63.). 50 Sekunden vor dem Ende der zusätzlichen Spielzeit vermochten es die Rotjacken, ihre einzig wirklich zwingende Torchance in dieser Verlängerung auch zu nutzen: Mitch Wahl fing in der eigenen Zone einen Pass der Grazer ab, ging steil, verzögerte nach Zoneneintritt lange, sodass der mitgelaufene Andrew Kozek in Position kommen konnte, der den starken Simon Rönning mit einem halbhohen Vorhand-Schlenzer bezwingen konnte und somit den ersten Saisonsieg des EC-KAC über Graz fixierte. (HB)

 

Der Kommentar:

„Auch wenn in der regulären Spielzeit keine Treffer fielen, so denke ich, dass das für die Zuschauer ein tolles Eishockeyspiel war. Beide Teams hatten in einer sehr emotional geführten Partie viele Chancen, insgesamt hatte diese Begegnung sicherlich Play-Off-Charakter. Auf unserer Seite war sicherlich nicht alles gut, aber wir haben wieder kleine Fortschritte in unserem Spiel gemacht. Im dritten Abschnitt haben wir zwei Unterzahlsituationen stark verteidigt, das unterstrich unsere sehr gute kämpferische Leistung heute, die am Ende auch mit dem Sieg belohnt wurde.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Mit seinem vierten Sieg im siebten Pick Round-Spiel vergrößerte der EC-KAC seinen Vorsprung auf Rang fünf auf sechs Zähler, die Rotjacken können sich also mit vier Punkten aus den drei ausständigen Partien endgültig das Heimrecht im Play-Off-Viertelfinale sichern. Außer Reichweite ist für die Klagenfurter seit Sonntagabend der erste Tabellenplatz, den aktuell die Vienna Capitals einnehmen, die sich nach ihrem 6:2-Heimerfolg über Fehérvár AV19 auch als zweites EBEL-Team für die Champions Hockey League qualifizieren konnten. Die Wiener sind übermorgen Dienstag auch der nächste Gegner der Rotjacken, das Spiel in der Stadthalle Klagenfurt beginnt um 19.15 Uhr und wird von Sky Sport Austria übertragen. Eintrittskarten für diesen Schlager sind im Online-Ticketshop des EC-KAC sowie an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.