Rotjacken unterliegen dem HCI erneut

Der EC-KAC verpasste im Auswärtsspiel in Innsbruck am Sonntagabend eine Vorentscheidung im Kampf um den vierten Tabellenplatz und unterlag mit 2:4.

Foto: KAC-Vikings

 

Die Ausgangssituation:

Nach acht Niederlagen am Stück zogen sich die Rotjacken in ihren ersten beiden Begegnungen nach dem International Break selbst aus dem Abwärtsstrudel, sie bezwangen in der laufenden Woche Medveščak Zagreb sowohl am Mittwoch zu Hause (4:3) als auch am Freitag auswärts (4:2) und schoben sich damit wieder auf den vierten Tabellenplatz nach vor. Diesen galt es nun gegen den auf Rang fünf liegenden HC Innsbruck zu verteidigen, gegen die Tiroler verlor der EC-KAC zuletzt drei aufeinanderfolgende Duelle.

Die Haie konnten wie die Rotjacken zwei ihrer sechs Partien der Pick Round für sich entscheiden, sie siegten beim letzten Auftritt vor der Länderspielpause in Klagenfurt mit 4:0 und beim ersten nach dem Break gegen Linz im Shootout. Insgesamt spielten die Tiroler bislang eine sehr erfolgreiche Saison, sie halten bereits bei 27 Siegen und damit einem Wert, den man zuletzt im Spieljahr 2006/07 übertreffen konnte. Vor allem die Offensive des HCI präsentiert sich meist als brandgefährlich, wovon 164 erzielte Tore zeugen, denen beispielsweise nur 133 Saisontreffer des EC-KAC gegenüberstehen. Vor eigenem Publikum sind die Haie aktuell das viertbeste Team der EBEL, sie sammelten in ihrer Heimspielstätte heuer bereits 47 Zähler.

 

Die Personalien:

Bei den Klagenfurtern kehrte Mitja Robar nach seiner erfolgreichen Olympiateilnahme mit der slowenischen Nationalmannschaft in das Aufgebot zurück. Um den Abwehrspieler wieder in den aktiven Roster aufnehmen zu können, trennte sich der EC-KAC am Samstag von Matthew Neal. Verzichten mussten die Rotjacken in diesem Auswärtsspiel auf den gesperrten Verteidiger Kevin Kapstad und den angeschlagenen Stürmer Marco Richter. Als zusätzlicher Angreifer rückte aus dem Farmteam Niki Kraus ins Lineup. Im Tor erhielt wie schon am Mittwoch in Zagreb Tomáš Duba den Vorzug.

 

Der Spielverlauf:

In der Anfangsphase dieser Partie waren zwingende Tormöglichkeiten Mangelware, ein erster Warnschuss von Thomas Koch flog über das Gehäuse, einen Versuch von Andrew Yogan nach Duba-Ausflug hinters Tor blockte Steven Strong (jeweils 1.). Wirklich gefährlich wurde es auch während einer ersten Überzahl für die Rotjacken nicht, das ursprünglich vierminütige Powerplay nach Wehrs-Foul an Manuel Ganahl wurde durch eine Hinausstellung gegen Jon Rheault verkürzt. So blieb es den Gastgebern vorbehalten, den ersten Treffer der Begegnung zu erzielen: Aufgrund schlechter Zuordnung der Rotjacken in der neutralen Zone ergab sich ein „Zwei-gegen-Eins“-Konter des HCI: Nick St. Pierre versuchte noch, den Passweg zuzumachen, Hunter Bishop brachte die Scheibe aber noch auf den mitgelaufenen John Lammers, der ins de-facto leere Tor einschieben konnte (9.). Die große Chance auf den Ausgleich fand in der 12. Minute Jon Rhault vor, der den Puck, nachdem sich David Fischer aus der rechten Ecke stark ins Zentrum durchgetankt hatte, auch an Goalie René Swette vorbei brachte, ehe ein Innsbrucker Abwehrspieler die durch den Torraum schlitternde Scheibe aus der Gefahrenzone befördern konnte. Nach einer überstandenen Unterzahl-Situation kam Thomas Koch zur nächsten Gelegenheit, in Rücklage traf der das Spielgerät aber nicht richtig, sodass der HCI-Schlussmann im zweiten Versuch zupacken konnte (15.). Noch in der gleichen Spielminute verdoppelten die Haie ihren Vorsprung: Verteidiger Jérémie Blain hatte an der blauen Linie viel Raum und Zeit, entschied sich aber gegen den Schuss und stattdessen für einen präzisen Steilpass auf Andrew Yogan, der am langen Pfosten nur noch die Schlägerschaufel hinhalten musste, um zum 2:0 abzufälschen. Als Clemens Paulweber Jon Rheault legte, kamen die Rotjacken zu ihrer dritten Überzahlgelegenheit im Startdrittel, während der ein von Swette fallengelassener Fischer-Fernschuss, bei dem kein Rotjacken-Spieler an den Rebound gelangte, die einzige echte Torchance blieb (17.). Die letzte Offensivaktion im ersten Durchgang gehörte den Hausherren, nach einem „Drei-gegen-Zwei“-Konter verzog Kevin Wehrs jedoch (20.).

Auch im zweiten Durchgang prägten zunächst Strafzeiten auf beiden Seiten das Spielgeschehen. Nach einem stark überstandenen Unterzahlspiel kamen die Rotjacken umgehend zur nächsten Powerplaygelegenheit, Manuel Ganahl scheiterte aus der Drehung aber an den Beinschonern von Swette (25.). Weil der HCI-Goalie auch mit einem strammen Schlagschuss von Nick St. Pierre nicht zu bezwingen war (27.), konnten die Tiroler ihren Vorsprung weiter ausbauen: Der Spielaufbau der Klagenfurter verhedderte sich in der neutralen Zone, Innsbruck fuhr den „Drei-gegen-Zwei“-Konter, bei dem John Lammers seine Nebenleute aber ignorierte und aus halblinker Position selbst abzog, Dubas Fanghand zuckte beim Handgelenksschuss des Kanadiers zu spät hoch - 3:0 (29.). Nur gut eine Minute später durfte dann auch der EC-KAC erstmals jubeln: Jon Rheault verzögerte beim Eintritt in die Angriffszone geschickt, ehe er auf den aufgerückten Steven Strong querlegte, der unbedrängt zum Anschlusstreffer einschießen konnte (29.). Um ein Haar hätte Rot-Weiß weiter verkürzt, innerhalb eines Shifts vergaben jedoch sowohl Thomas Hundertpfund als auch Andrew Kozek und Manuel Ganahl (32.). Auch nach einer gut zehnminütigen Unterbrechung aufgrund eines technischen Gebrechens (gelöste Glasscheibe in der Innsbrucker Zone, Anm.) hatte diese Sturmformation die erste gute KAC-Chance: Hundertpfund steckte auf Kozek durch, der bei seinem Rückhandschuss aber noch so behindert wurde, dass es ein weiteres Powerplay für die Kärntner gab (35.). Dieses zog die Truppe von Steve Walker und Christoph Brandner auch ansehnlich auf, jedoch kamen weder Rheault aus der Drehung noch Schumnig mit einem Schlagschuss aus der Distanz zum Erfolg (36.). Als in der Schlussphase des zweiten Drittels dann Julian Talbot in die Kühlbox musste, stellte der HCI seinen Drei-Tore-Vorsprung wieder her: Thomas Koch gewann das Faceoff in der eigenen Zone nach hinten, wo sich allerdings Morten Poulsen gegen Steven Strong durchsetzen konnte, der Däne schob sich mit der Scheibe den Torraum entlang und bezwang Duba aus kurzer Distanz (38.). Und die Haie hätten noch vor der zweiten Sirene nachlegen können, der KAC-Torhüter Tomáš Duba war aber sowohl gegen Wehrs mit den Pads (39.) als auch gegen Blain im Nachfassen (40.) zur Stelle. 

Im dritten Abschnitt passierte zunächst nicht viel, ein Ganahl-Schuss nach schöner Hundertpfund-Vorarbeit wurde geblockt (44.), war aber die einzige erwähnenswerte Offensivaktion der Anfangsminuten dieses Drittels. Danach verdichtete sich die Handlung: Manuel Ganahl lief frei auf René Swette zu und schloss mit einem Slapshot ab, der in der Fanghand des Innsbrucker Torhüters landete (48.). Quasi im Gegenzug kam Andrew Yogan zur Solochance, wurde dabei aber so gehakt, dass er einen Penalty Shot zugesprochen bekam, bei dem er in der Folge mit der Vorhand vergab (48.). Noch immer lief die 48. Spielminute, dem EC-KAC gelang sein zweiter Treffer: In der Rückwärtsbewegung holte sich Julian Talbot den Puck, durchquerte mit einem Doppelpass mit Martin Schumnig die neutrale Zone, ehe er sich zwischen zwei Gegenspielern hindurch vor den Kasten drängte und einschießen konnte. Nun stürmten die Rotjacken druckvoll nach vor: Ein Versuch von Niki Kraus aus einem Getümmel heraus wurde geblockt (50.), Manuel Ganahl verzog aus halbrechter Position (51.) und bei einem Querpass von David Fischer verpassten im Zentrum gleich zwei Klagenfurter den Tip-In (53.). Der HC Innsbruck verlegte sich auf die Verteidigung des Vorsprungs, ein Wrap-Around von Yogan, bei dem der Abschluss an der langen Ecke vorbeiflog, blieb die einzige gefährliche Aktion der Haie in der Schlussphase (54.). Der EC-KAC ließ in Minute 56 eine Doppelchance aus: Bei einem verdeckten Fernschuss von Mitja Robar gab Swette den Rebound her, kein Angreifer gelangte aber an den Abpraller. Danach bediente Thomas Koch von hinter dem Tor aus dem im Slot freistehenden Johannes Bischofberger, dessen Abschluss zur Beute des HCI-Schlussmannes wurde. Als sich die Klagenfurter in den finalen zwei Minuten der Partie mit sechs Feldspielern versuchten, kamen sie noch zu einigen Gelegenheiten, doch weder die Deflection von Manuel Geier nach Fischer-Schuss (59.) noch ein Handgelenksversuch von Bischofberger (60.) fanden den Weg in die Maschen, die Auswärtsniederlage der Rotjacken in Innsbruck war besiegelt. (HB)

 

Der Kommentar:

„Für Innsbruck stand im Hinblick auf den Kampf um den vierten Platz viel am Spiel, das spürte man auch von Beginn an, sie kamen sehr ambitioniert aus der Kabine. Beim ersten Gegentor pinchten wir zu forsch, was den Haien den Odd Man Rush ermöglichte, beim zweiten Treffer war unsere Zuordnung in der eigenen Zone nicht gut und Innsbruck fand den freien Mann. Im zweiten Drittel waren wir dann einfach zu schlampig in unserem Spiel, sodass wir uns im dritten Abschnitt öffnen mussten, um Offensive zu kreieren. Unsere Mannschaft hat bis zum Schluss nach vorne gespielt, mehr als ein Treffer gelang uns in dieser Phase aber nicht mehr. Es war nicht unser Abend.“ (Steve Walker, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Durch seinen Heimsieg konnte der HC Innsbruck in der Tabelle nach Punkten wieder mit dem EC-KAC gleichziehen, die Haie nehmen aufgrund der besseren Tordifferenz wieder Rang vier ein. Die Rotjacken müssen nun aufgrund des verlorenen direkten Duells in den verbleibenden drei Runden einen Zähler mehr einfahren als die Tiroler, um sich letztlich vor ihnen zu platzieren. Als nächstes am Programm stehen für die Klagenfurter zwei Heimspiele: Am kommenden Mittwoch empfangen sie die Vienna Capitals in der Stadthalle, zwei Tage später den EHC Linz (Spielbeginn jeweils um 19.15 Uhr).