Rotjacken unterliegen nach 3:0-Führung

Trotz eines frühen Drei-Tore-Vorsprungs musste sich der EC-KAC im Heimspiel gegen den HC Innsbruck am Familientag mit 5:6 nach Penaltyschießen geschlagen geben. 

Foto: Florian Pessentheiner

 

Die Ausgangssituation:

Die Rotjacken mussten das Eis in vier ihrer jüngsten fünf Partien als Verlierer verlassen, seit dem Auswärtssieg im Kärntner Derby in Villach unterlag man sowohl den Graz 99ers (1:2) als auch bei den Vienna Capitals (1:3) knapp. Zum überhaupt ersten Mal in der laufenden Spielzeit sah sich der EC-KAC zuletzt mit zwei Heimniederlagen hintereinander (gegen Zagreb und Graz) konfrontiert. Dennoch benötigen die Klagenfurter aus den finalen sechs Runden der ersten Grunddurchgangsphase nur noch drei Zähler, um sich vorzeitig für die Platzierungsrunde und damit auch die Play-Offs zu qualifizieren.

Der HC Innsbruck reiste als die aktuell formstärkste Mannschaft der Erste Bank Eishockey Liga nach Klagenfurt: Seit Weihnachten haben die Haie mit Ausnahme eines knappen 1:2-Verlusts gegen Dornbirn sechs von sieben Spielen gewonnen, darunter zuletzt fünf Partien in Serie. Auch für die Tiroler, die alleine in den letzten drei Runden 17 Treffer erzielen konnten, scheint der Weg direkt in die obere Gruppe der Zwischenrunde zu führen. In Kärntens Landeshauptstadt war der HCI bislang aber nur bescheiden erfolgreich: Von den 49 Stadthallen-Gastspielen in der Ligageschichte gingen 39 verloren, zuletzt verließ die Truppe von Head Coach Rob Pallin Klagenfurt vier Mal hintereinander ohne einen einzigen Punkt.

 

Die Personalien:

Beim EC-KAC kehrte Kevin Kapstad nach seiner Verletzung wieder ins Lineup zurück, der Verteidiger musste seit dem Heimspiel gegen Wien am 22. Dezember pausieren. Sein Debüt im Trikot der Rotjacken gab Neuzugang Andrew Kozek, der eine Angriffsformation mit Marco Brucker und Manuel Ganahl bildete. Die beiden ersetzten Defender Christoph Duller und Forward Philipp Kreuzer, die am Samstag wieder im Farmteam aufliefen. Unverändert nicht zur Verfügung standen den Klagenfurtern die Verletzten Thomas Hundertpfund und Matthew Neal sowie der Erkrankte Tomáš Duba, der als Backup von Florian Vorauer ersetzt wurde.

 

Der Spielverlauf:

Der EC-KAC war von der ersten Sekunde an danach bestrebt, die Weichen so rasch als nur irgendwie möglich in Richtung eines Heimerfolges zu stellen. Sofort setzte man die Gäste in deren Zone unter Druck, nach nicht einmal zwei Minuten fand Thomas Koch die erste gute Möglichkeit vor, als er eine Hereingabe von Jamie Lundmark nur um Zentimeter verpasste. Wenig später war es Marco Richter, der plötzlich freistehend im Slot an den Puck kam, sein Rückhandschuss wurde jedoch zur Beute von HCI-Keeper René Swette (3.). In Minute sechs war der ehemalige Klagenfurter aber erstmals geschlagen: Nach einem schönen Konterangriff und einer Kombination der Geier-Brüder bugsierte Manuel den Puck zur Führung in die Maschen, der erste Treffer des so lange ausgefallenen Kapitäns in der Stadthalle seit dem 26. März des Vorjahres! Die Rotjacken versuchten, sofort nachzusetzen, David Fischer und Julian Talbot brachten die Scheibe nicht an Swette vorbei (9.), doch noch in der gleichen Minute durften die mehr als 3.500 Fans in der Stadthalle wieder jubeln: Patrick Harand nutzte einen defensiven Stellungsfehler der Gäste aus, legte für Marco Richter quer und dieser schoss aus kurzer Distanz zum 2:0 ein. Unmittelbar nach diesem zweiten KAC-Treffer zeigte erstmals auch Innsbruck eine Reaktion, Hunter Bishop hatte mit einem Stangenschuss Pech (10.). Doch sofort übernahmen wieder die Hausherren das Kommando, nach einem der im Startdrittel zahlreichen Abspielfehler in der Tiroler Defensive kam Thomas Koch an den Puck und bedankte sich mit seinem 300. Treffer in der höchsten Spielklasse und der 3:0-Führung (11.). Daraufhin konsumierte Innsbruck schon seine Auszeit und Schlussmann René Swette machte seinem Kollegen Patrik Nechvátal Platz. Auch dieser sollte im weiteren Verlauf des ersten Abschnitts noch einiges zu tun bekommen, bei besserer Chancenauswertung hätte der EC-KAC das Score gut und gerne noch um einen oder zwei Treffer in die Höhe schrauben können. 

Abschnitt zwei begann mit einem Powerplay für die Klagenfurter und der nächsten Großchance: Jamie Lundmark legte für Johannes Bischofberger quer, doch Patrik Nechvátal fuhr den Beinschoner aus und parierte den Schuss stark (22.). Danach kamen die Gäste zu einigen Überzahlmöglichkeiten, ein Mal sogar für vier  Minuten am Stück, als Patrick Harand für ein unglückliches Vergehen mit dem Hohen Stock in die Kühlbox musste (26.). Doch die Rotjacken verteidigten sich geschickt und überstanden all diese brenzligen Situationen unbeschadet. Doppelt bitter war es dann, dass die Haie, just als der EC-KAC wieder komplett auf dem Eis stand, zum ersten Mal an diesem Abend zuschlagen konnten: Andrew Yogan setzte den Puck zum 3:1 in die kurze Kreuzecke (38.). Und weil Julian Talbot in den Schlusssekunden des zweiten Drittels die Großchance auf das 4:1 ausließ, durfte der HC Innsbruck noch mit berechtigten Hoffnungen in das Schlussdrittel gehen.

Und in diesem ging es dann Schlag auf Schlag: Nach einem Stellungsfehler in der KAC-Hintermannschaft musste Hunter Bishop nur noch zum 3:2 einschieben (42.) und als Ondřej Šedivý nur 50 Sekunden danach zum 3:3-Ausgleich einschoss, begann die Partie quasi von neuem. Der EC-KAC erkannte aber umgehend den Ernst der Lage und legte wieder einen Zahn zu. Johannes Bischofberger erkämpfte sich den Puck tief in der Zone der Gäste, legte für David Fischer ab und dieser tunnelte Patrik Nechvátal sehenswert zur neuerlichen Führung für die Walker-Truppe (44.). Doch die Hausherren sollten sich selbst um diesen knappen, hart erarbeiteten Vorsprung bringen: Nach einem kapitalen Abspielfehler in der eigenen Defensive ging Andrew Yogan auf und davon und besorgte das 4:4 (53.). Und damit nicht genug, ermöglichte man den Tirolern aufgrund eines weiteren Schnitzers in der eigenen Zone gar das 4:5, zum zweiten Mal an diesem Nachmittag hieß der Torschütze Ondřej Šedivý. Doch die Rotjacken hatten zum Glück die blitzschnelle Antwort parat: Manuel Ganahl schoss sein Team nur 14 Sekunden nach diesem Gegentreffer mit dem 5:5 in die Overtime, als er nach energischem Robar-Vorstoß den Abpraller einkehrte.

Trotz guter Möglichkeiten auf beiden Seiten sollte es in den fünf Minuten der Verlängerung keine weiteren Treffer geben, somit musste das Penaltyschießen über den Sieger der Partie entscheiden. Dort waren es dann ausgerechnet die beiden Ex-KAC-Cracks Tyler Spurgeon und John Lammers, die ihre Versuche - jeweils mit der Rückhand - verwerten und den Rotjacken somit eine doch recht bittere Niederlage zufügen konnten. (PE)

 

Der Kommentar:

„Mit hat unser erster Abschnitt sehr gefallen, alle Linien haben sich gut bewegt, wir kamen mit viel Geschwindigkeit durch die neutrale Zone. Im zweiten Drittel hat sich die Kontrolle über die Partie dann von uns wegbewegt, auch, weil wir über lange Strecken in Unterzahl agieren mussten, was wir freilich gut gelöst haben. Im dritten Durchgang produzierten wir dann viel zu viele Fehler bei Scheibenbesitz, was ein Team mit der offensiven Qualität Innsbrucks auszunutzen wusste. Respekt vor dem heutigen Gegner, der nicht aufgesteckt, sondern uns am Ende vermehrt zu falschen Entscheidungen gedrängt hat.“ (Steve Walker, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC verlor mit der nunmehr dritten Heimniederlage am Stück seinen dritten Tabellenplatz an den EC Salzburg. Viel Zeit, Trübsal zu blasen, bleibt den Rotjacken jedoch nicht: Bereits morgen in der Früh reist die Mannschaft nach Ungarn, wo am Abend (Spielbeginn: 17.45 Uhr) gegen Fehérvár AV19 das nächste Spiel ansteht. Mit dem Gewinn von zwei Zählern könnten die Klagenfurter in dieser Begegnung die Teilnahme an den Play-Offs 2018 fixieren.