Rotjacken unterliegen in Tschechien

Zum ersten Mal seit knapp drei Jahren musste sich der EC-KAC am Dienstagabend in einem Auswärtsspiel bei Orli Znojmo geschlagen geben, die Tschechen siegten mit 3:1.

Foto: Orli Znojmo/Pfeffer

 

Die Ausgangssituation:

Bereits vor zwei Tagen, am Sonntagabend, stand der EC-KAC Orli Znojmo gegenüber, auf heimischem Eis siegten die Rotjacken ohne jemals groß in Bedrängnis zu geraten mit 3:0. Damit kehrten die Klagenfurter einerseits (nach drei Niederlagen hintereinander) auf die Siegerstraße und andererseits auf Tabellenplatz zwei zurück. Auch in der Fremde ist Rot-Weiß aktuell die zweitbeste Mannschaft der EBEL: 23:19 Punkte und 44:41 Tore aus den ersten 14 Auswärtsspielen der Saison sind eine durchaus erfreuliche Bilanz. Ganz besonders wohl fühlten sich die Rotjacken zuletzt in Znojmo, wo sie bei jedem ihrer jüngsten zehn Auftritte siegreich blieben. Die letzte KAC-Niederlage in Südmähren lag knapp drei Jahre zurück und datierte vom 28. Dezember 2014.

Orli Znojmo empfing die Klagenfurter auf der neunten Position im Ranking liegend, der Abstand des Teams von Head Coach Roman Šimíček zu Rang sechs und damit einer Platzierung, die nach 44 Runden die vorzeitige Play-Off-Qualifikation bedeuten wurde, wuchs durch Innsbrucks Shootout-Sieg am Montagabend auf bereits sechs Zähler an. Nach Punkten pro Partie ist die aktuelle Znojmos schlechteste Saison seit dem Premierenjahr in der EBEL (2011/12). Obwohl die Adler an den ersten 29 Spieltagen mit 80 exakt gleich viele Treffer wie die Rotjacken erzielen konnten, lagen sie in der Tabelle vor dieser Begegnung 18 Zähler hinter den Klagenfurtern. Dies ist vor allem der recht verwundbaren Abwehr der Tschechen geschuldet: Ligaweit ließen zwar nur zwei Teams (der EC-KAC und die Vienna Capitals) weniger Torschüsse zu als Znojmo, gleichzeitig kassierten aber auch nur zwei Mannschaften (Fehérvár AV19 und die Graz 99ers) mehr Gegentore pro Partie.

 

Die Personalien:

Mit Ausnahme von Richie Regehr und Matthew Neal standen beim EC-KAC unverändert alle Kaderspieler zur Verfügung, dementsprechend ergab sich gegenüber dem Heimspiel gegen Znojmo am Sonntag nur eine Änderung im Aufgebot: Die Trainer verzichteten mit Philipp Kreuzer auf einen 13. Stürmer. In den Angriffsformationen tauschten wie schon im letzten Abschnitt des „Hinspiels“ Jamie Lundmark und Jon Rheault ihre Positionen, auf der Torhüterposition erhielt nach David Madleners jüngstem Shutout wieder Tomáš Duba das Vertrauen.

 

Der Spielverlauf:

Die Rotjacken kamen gut in die Partie und gleich nach 21 Sekunden zu ihrer ersten Überzahlgelegenheit. Während dieser fand Thomas Hundertpfund die beste Chance vor, als er nach einer flinken Passstafette frei vor Goalie Marek Schwarz auftauchte, mit seinem zu zentralen Abschluss aber an diesem scheiterte (2.). Der frühe Führungstreffer für die Klagenfurter sollte schließlich erst nach Ablauf der Strafzeit gegen Znojmo gelingen: Manuel Geier beschäftigte zwei Gegenspieler, sodass Julian Talbot von hinter dem Tor aus an die Hashmarks zurücklegen konnte. Jamie Lundmark entschied sich dort gegen den Schuss und für den Querpass auf David Fischer, dessen Direktabnahme aus halblinker Position in den Maschen zappelte (4.). Im ersten Überzahlspiel für die Tschechen konnte sich Tomáš Duba gegen Erik Němec mit den Beinschonern auszeichnen (6.), auch bei einem Sololauf von Jiří Beroun über links parierte der KAC-Schlussmann stark (8.). Ein unglücklich von der Bande vors Gehäuse der Klagenfurter zurückspringender Puck zwang wenig später Ramón Schnetzer zum Foulspiel, im folgenden Powerplay zeichnete sich Duba bei Schüssen von Antonín Bořuta und Colton Yellow Horn aus der Halbdistanz aus (13.). Und auch eine dritte Unterzahl überstand Rot-Weiß im ersten Abschnitt unbeschadet, weil Duba mit der Fanghand gegen Yellow Horn zur Stelle war (17.). Dazwischen hätte Manuel Ganahl das Score in die Höhe schrauben können, doch sein Rückhand-Versuch aus zentraler Position segelte knapp über die Querlatte (15.). In der Schlussminute des Startdrittels kamen die Hausherren dann aber zum Ausgleich: Nach einem Fernschuss von Bořuta schaffte es die KAC-Abwehr nicht, den Abpraller aus der Gefahrenzone zu befördern, Jan Lattner stand goldrichtig und schlenzte den Puck aus kurzer Distanz ins Tor (20.).

Drittel Nummer zwei ähnelte von der Charakteristik zunächst dem ersten Durchgang, bei gleicher Spieleranzahl am Eis hatten die Klagenfurter das Spiel unter Kontrolle. Thomas Koch bekam bei einem Konter mit Jon Rheault nicht genügend Druck auf seinen Schläger (21.), Manuel Ganahl wurde nach einem „Drei-gegen-Zwei“-Angriff noch aus der heißen Zone abgedrängt (22.) und Marco Richter geriet nach einem Spitzenpass von David Fischer frei vor Schwarz so in Schieflage, dass sein Abschluss nicht genau genug ausfiel (23.). Fast aus dem Nichts gelang den Tschechen schließlich der Führungstreffer: Aus einem Gerangel hinter dem KAC-Tor sprang die Scheibe eher zufällig ins Zentrum, Radim Matuš stand richtig und wuchtete den Puck mit einem Onetimer in die lange Kreuzecke (29.). Quasi im direkten Gegenzug waren die Klagenfurter nahe am Ausgleich dran, nach einem Querpass von Martin Schumnig lag die Scheibe im Aktionsradius des kurzzeitig orientierungslosen Schlussmannes der Adler, doch kein KAC-Crack schaffte es, das Spielgerät über die Linie zu drücken (30.). Stattdessen verdoppelten wenig später die Gastgeber ihren Vorsprung: Nach schlechter Rückwärtsbewegung der Rotjacken hielt Tomáš Plíhal die blaue Linie, spielte steil auf Yellow Horn, der plötzlich frei vor Duba stand und diesen in der kurzen Ecke bezwingen konnte (31.). Obwohl noch nahezu die Hälfte der Spielzeit vor beiden Teams lag, ließe sich der weitere Verlauf der Partie überspitzt in einem Satz zusammenfassen: Znojmo stellte nahezu sämtliche Offensivbemühungen ein, der EC-KAC rannte mit unlauteren Mitteln und letztlich zu wenig Präzision gegen eine sprichwörtliche Wand, die die Tschechen aufgezogen hatten.
Bei einem Ausflug hinter das eigene Tor war Torhüter Marek Schwarz im Glück, dass der sichtlich überraschte Thomas Hundertpfund den Puck vor dem leeren Gehäuse nicht richtig unter Kontrolle brachte (34.). Seinen Fehler machte der Schlussmann wenig später wieder gut, in dem er einen Schlenzer von Manuel Ganahl aus zentraler Position sicher parierte (36.). Znojmos einzige Chance in den verbleibenden Minuten des zweiten Drittels ließ Tomáš Guman liegen: Sein Abschluss nach einem Sololauf, der sich aus Zuordnungsfehlern der Klagenfurter ergeben hatte, wehte Tomáš Duba in höchster Not ins Hintertornetz ab (39.).

Die Hausherren igelten sich im Schlussdrittel förmlich in der Defensive ein, Znojmo brachte ab Minute 40 nur noch zwei magere Schüsse auf den KAC-Kasten, fabrizierte aber gleich acht unerlaubte Weitschüsse. Die Rotjacken rannten sich immer wieder im von den Tschechen angerührten Abwehrbeton fest: Thomas Hundertpfund wurde beim Verwerten eines Bischofberger-Zuspiels noch entscheidend gestört (42.), ein Querpass auf Marco Richter fiel zu ungenau aus (43.) und ein Schuss von Manuel Geier klatschte gegen den Beinschoner von Schwarz, dem in dieser Situation die Sicht genommen wurde (47.). Jamie Lundmark verfehlte aus der Drehung den Kasten (51.) und ein Tip-In-Versuch Stefan Geiers bei einem Kapstad-Querpass flog deutlich über das Tor (55.). Aus einer Einzelaktion resultierte die einzige gefährliche Aktion der Adler in dieser Phase: Petr Mrázek hatte sich über halbrechts gut durchgetankt, wischte beim Abschluss vor Duba aber über den Puck (53.). Langsam aber sicher verebbte die Hoffnung der Rotjacken auf den Anschlusstreffer dann in Minute 57: Ein Hundertpfund-Pass an den langen Pfosten zum freistehenden David Fischer wurde abgefangen und bei einer Direktabnahme nach Steilpass von Fischer traf Bischofberger aus spitzem Winkel den Puck nicht richtig. Znojmos Möglichkeit zur endgültigen Entscheidung ließen bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Konter Yellow Horn und Plíhal aus (58.), doch die Klagenfurter vermochten es auch spät in der Partie nicht mehr, in diese zurückzukommen. Als längst ein sechster Feldspieler aufgeboten wurde, rettete Schwarz in der Grätsche gegen Ganahl (60.), die erste KAC-Niederlage in Znojmo nach zehn Siegen am Stück war Realität. (HB)

 

Der Kommentar:

„Unser Start in die Partie war gut, das resultierte auch in der frühen Führung. Drei teilweise fragwürdige Tripping-Strafen brachten uns dann etwas aus dem Tritt und wir fanden diesen auch nach den Gegentoren nicht mehr richtig. Man muss Znojmo Respekt zollen, sie haben heute in ihrer eigenen Zone sehr konsequent und aufopferungsvoll agiert, viele Schussbahnen genommen und insgesamt sehr intensiv gearbeitet. Wir hatten unsere Chancen, in die Partie zurückzukommen, aber es gibt eben Abende, an denen das nicht gelingt, an denen der Aufwand nicht reicht. Das Resultat ist enttäuschend, wir müssen und werden es aber so akzeptieren.“ (Steve Walker, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Nach acht Siegen gegen Orli Znojmo in Serie mussten die Rotjacken am Dienstagabend erstmals wieder eine Niederlage gegen die Tschechen hinnehmen. Damit schob sich in der Tabelle auch der EHC Linz wieder am EC-KAC vorbei, die Oberösterreicher weisen nun einen Zähler Vorsprung auf die drittplatzierten Klagenfurter auf. Für Rot-Weiß wartet nun vor Weihnachten nur noch ein Spiel, nämlich der große Schlager gegen Leader Wien am kommenden Freitag. Bei dieser Partie (Spielbeginn: 19.15 Uhr) findet auch der traditionelle Teddy Bear Toss statt. Für das Duell mit den Vienna Capitas läuft der Vorverkauf ausgezeichnet, aktuell sind an den Vorverkaufsstellen und im Online-Ticketshop des EC-KAC nur noch rund 80 Sitzplätze erhältlich. Stehplätze sind aber noch zur Genüge verfügbar, sodass am Spieltag (ab 17.45 Uhr) auch die Abendkassa geöffnet haben wird.