Siegesserie endet nach schlechtem Start

Nach sieben Siegen am Stück musste der EC-KAC am Freitagabend in Linz wieder eine Niederlage hinnehmen. Drei Gegentore in den ersten 199 Sekunden der Partie waren zu viel für die Rotjacken, die letztlich mit 2:4 unterlagen.

Foto: BWL/Eisenbauer

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC reiste nach sieben Siegen in Serie mit breiter Brust nach Oberösterreich, lag seine letzte Niederlage (am 5. November zu Hause gegen den EC Salzburg) doch schon mehr als einen Monat zurück. Auch in der Fremde verließ Rot-Weiß in jeder der letzten sieben Begegnungen das Eis als Sieger. Zuletzt waren die Klagenfurter sogar drei Mal hintereinander ohne Gegentreffer geblieben, die Torsperre des KAC-Goalietandems erstreckte sich über mehr als 181 Minuten. Auf Tabellenplatz zwei liegend gingen die Rotjacken mit einem Sechs-Punkte-Vorsprung auf den unmittelbar hinter ihnen platzierten EHC Linz in das direkte Duell.

Die Black Wings fanden in der Vorwoche mit Erfolgen in Salzburg (5:4) und gegen den HCB Südtirol (4:1) aus einer schwierigen Phase, zuvor war man in sechs aufeinanderfolgenden Spielen nur ein Mal siegreich geblieben. Wie schon in den vergangenen Saisonen ist auch heuer die Offensivabteilung das Prunkstück der Oberösterreicher: Im Schnitt 3,44 erzielte Treffer in jeder der ersten 25 Runden entsprachen dem zweitbesten Wert im ligainternen Vergleich hinter Leader Wien (3,54). Gegen die Rotjacken hatte der EHC Linz in der jüngeren Vergangenheit aber speziell auf heimischem Eis einen schweren Stand, die Klagenfurter gewannen jedes ihrer letzten drei Spiele an der Donaulände und punkteten bei sieben ihrer letzten acht Auftritte dort. In der direkten Konfrontation mit dem EC-KAC hatten die Black Wings dennoch die bessere Saisonbilanz vorzuweisen: Sie unterlagen zwar Mitte November zu Hause mit 2:3 nach Verlängerung, nahmen aus dem ersten Duell dieser Spielzeit Ende September in Klagenfurt (1:0) aber drei Zähler mit.

 

Die Personalien:

Bereits vorzeitig stand fest, dass die Rotjacken in diesem Spiel ohne die verletzten Richie Regehr, Jamie Lundmark und Matthew Neal ihr Auslangen finden mussten. Kurzfristig erkrankte dann auch noch der aktuelle KAC-Topscorer Johannes Bischofberger, der daher ebenfalls nicht zur Verfügung stand. An seiner Stelle rückte Florian Kurath in das Aufgebot, der Farmteam-Stammspieler kam somit zu seinem 50. EBEL-Einsatz im Trikot der Rotjacken. Die übliche, in den vergangenen Wochen so erfolgreiche Rochade gab es auf der Torhüterposition, wo in dieser Partie wieder Tomáš Duba zum Zug kam, er wurde allerdings nach wenigen Minuten von David Madlener abgelöst.

 

Der Spielverlauf:

Den knapp 5.000 Fans in der Eissporthalle an der Unteren Donaulände wurde die vermutlich spektakulärste Anfangsphase einer EBEL-Begegnung im bisherigen Spieljahr geboten, zum Leidwesen der vielen mitgereisten KAC-Anhänger waren es aber die Hausherren, die mit exzellenter Chancenverwertung schon früh zu einer beachtlichen Führung kamen. Nachdem Linz-Goalie Mike Ouzas nach nur zwölf Sekunden gegen Stefan Geier die kurze Ecke dichtmachen konnte, bliesen die Black Wings zu einer ansehnlichen Startoffensive, deren ersten Produkt der Führungstreffer war: Marco Richter scheiterte beim Versuch der Klärung eines hoppelnden Pucks, Corey Locke kam dadurch aus halbrechter Position zum Abschluss und sendete trocken ein (2.). Auf der Gegenseite verzog Thomas Hundertpfund von den Hashmarks aus, dann stoppte Tomáš Duba einen Sololauf von Patrick Spannring (jeweils 2.). Schon im nächsten Shift verdoppelte Linz seinen Vorsprung: Nach einem Turnover in der neutralen Zone kamen die Black Wings zu einem „Zwei-gegen-Eins“-Konter, den Rick Schofield nach Zuspiel von Dan DaSilva erfolgreich abschloss (4.). Nur fünf Sekunden(!) später sollte es für den EC-KAC noch schlimmer kommen: Das auf den zweiten Treffer folgende Faceoff gewann Thomas Hundertpfund, doch die zurückgelegte Scheibe konnte Brian Lebler erobern, der sich mit vollem Körpereinsatz bis in den Slot nach vor arbeitete und von dort aus zum 3:0 einschoss. Die Rotjacken wechselten ihren Torhüter, doch auch David Madlener musste nach nur gut einer Minute hinter sich greifen: Beim Schlenzer von Sébastien Piché aus der Distanz wurde der Schlussmann von Rick Schofield aber so behindert, dass die Schiedsrichter dem Treffer nach Videostudium die Anerkennung verweigerten (5.). In der Folge ebbte das Anfangsfurioso langsam ab, die Chancen der Gastgeber, wie etwa ein Piché-Fernschuss (8.) oder ein Versuch von Locke ins Außennetz (11.) waren nun weniger zwingend. Ein Foul von Patrick Spannring in der Angriffszone führte schließlich zur ersten Überzahlmöglichkeit für die Klagenfurter und obwohl das Powerplay zunächst zu wenig zielgerichtet aufgezogen wurde, gelangte der EC-KAC drei Sekunden vor dem Ablauf der Strafzeit doch auch erstmals auf die Anzeigetafel: Nach einem Blueliner von Kevin Kapstad verwertete Thomas Hundertpfund den Abpraller aus kurzer Distanz (14.). Der Treffer gab den Rotjacken Auftrieb, fortan konnten sie sich endgültig aus der sprichwörtlichen Umklammerung der Oberösterreicher lösen, ein von Ouzas souverän gefangener Wristshot von Julian Talbot blieb vorerst aber die einzige wirklich aussichtsreiche Möglichkeit (14.). Eine gut gekillte Unterzahl gegen Ende des ersten Durchgangs gab den Klagenfurtern allerdings weiteren Auftrieb.

Früh im zweiten Abschnitt, nachdem Manuel Geier am kurzen Pfosten stehend vergeben hatte (21.), kamen die Black Wings zu ihrem zweiten Powerplay. Dieses wurde nur in den ersten knapp 40 Sekunden richtig gefährlich, da waren die Rotjacken aber im Glück, als kein Linzer Spieler an die mehrfach freiliegende Scheibe kam. Ab dem Erlangen der vollen numerischen Stärke blühte der EC-KAC dann auf, im weiteren Verlauf des Mitteldrittels sollten die Klagenfurter ganz klar den Ton angeben. Thomas Hundertpfund an den Hashmarks (24.), Jon Rheault mit der Rückhand (25.) und Manuel Geier aus einem flinken Gegenstoß nach Piché-Fehler (26.) vergaben jedoch ebenso wie der mit einem famosen 40-Meter-Zuspiel von Goalie Madlener auf die Reise geschickte Manuel Ganahl (28.). Der sich ankündigende Anschlusstreffer sollte schließlich aber auch gelingen: Aus der Rundung heraus spielte Julian Talbot einen klugen Querpass, Rheault schloss sofort ab, der Puck rutschte Ouzas durch die Schoner und der am Torraum eingeparkte Marco Richter musste nur noch einkehren (28.). Die Rotjacken hatten nun endgültig Blut geleckt, während sich die Black Wings vermehrt zu Strafen hinreißen ließen. Im Zuge eines Powerplays tankte sich Ganahl über den rechten Flügel durch, setzte die Scheibe aus dem Handgelenk aber nur an den Pfosten (30.). Einen der wenigen Linzer Angriffe dieser Phase unterband Steven Strong, als er einen Steilpass auf Brian Lebler abfing (32.). Drei gute Gelegenheiten auf ihren dritten Treffer fanden die Klagenfurter noch vor: Ein Abschluss von Martin Schumnig bei numerischer Überlegenheit aus schon recht spitzem Winkel wurde im letzten Moment geblockt (36.) und ein Tip-In von Ganahl nach Kreuzer-Vertikalpass spritzte knapp am Gestänge vorbei (38.). Im Pech war auch der vom Linzer Publikum freundlich empfangene Manuel Geier, der aus dem Slot und aus der Drehung an Mike Ouzas und dessen Beinschienen scheiterte (39.).

Schon im ersten Wechsel des Schlussdrittels kam Rot-Weiß zur bereits fünften Überzahlmöglichkeit der Partie, eine Deflection von Marco Brucker flog allerdings neben das Gehäuse (41.) und bei einem Onetimer von Martin Schumnig war Ouzas aufmerksam (42.). Die Black Wings verstanden es in weiterer Folge gut, den Raum des EC-KAC zur spielerischen Entfaltung drastisch einzuschränken. Während eines Linzer Powerplays hätte es um ein Haar zum nächsten Treffer für die Hausherren gereicht, doch Mitja Robar warf sich heroisch in eine aussichtsreiche Direktabnahme von Corey Locke und Fabio Hofer klopfte nur auf Metall (jeweils 46.). Die Klagenfurter wurden nun nur noch vereinzelt nachdrücklich gefährlich, so etwa bei einem feinen Querpass Ganahls nach geschickter Verzögerung, den der aufgerückte Ramón Schnetzer neben den Pfosten abfälschte (48.). Auf der Gegenseite vergab Fabio Hofer erneut nur sehr knapp (49.). Nachdem sich Mike Ouzas bei einem Hammer von Kevin Kapstad aus der Distanz auszeichnen konnte (54.), sorgte Joel Broda für die endgültige Entscheidung: Bei angezeigter Strafe gegen die Rotjacken feuerte er einen Schlagschuss von der blauen Linie aus auf den Kasten, dort sprang Schofield geschickt ins Blickfeld von David Madlener, der sich somit zum ersten und einzigen Mal an diesem Abend geschlagen geben musste (59.). Kleinere Scharmützel in der Schlussphase blieben ohne Auswirkung auf das Score, Linz siegte mit 4:2 und der EC-KAC musste zum ersten Mal seit dem 5. November wieder als Verlierer vom Eis. (HB)

 

Der Kommentar:

„Wir hatten einen guten ersten Shift, wurden dann aber hinten kalt erwischt. Dieser frühe Gegentreffer löste quasi einen Schneeball-Effekt aus und es ist schwer, in einem Auswärtsspiel gegen einen solchen Gegner nach einem 0:3 nach gut drei Minuten zurückzukommen. Unsere Mannschaft hat das aber sehr gut gemeistert, war im zweiten Drittel spielbestimmend und arbeitete sich so auch in die Partie zurück. Es hat am Ende nicht gereicht, aber ich denke, dass wir insgesamt über 56 Minuten ein gutes Spiel gemacht haben.“ (Steve Walker, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Trotz der Auswärtsniederlage behielt der EC-KAC seinen zweiten Tabellenplatz, der Punktevorsprung auf den EHC Linz schrumpfte jedoch von sechs auf drei Zähler. Vor den Rotjacken liegt nun ein weiteres schwieriges Auswärtsspiel, am Sonntagabend (Spielbeginn: 17.45 Uhr, live auf servushockeynight.com) gastieren sie beim EC Salzburg, dem man in den beiden bisherigen Saisonduellen jeweils unterlegen war. Die Bullen sind dann am kommenden Freitag, dem 15. Dezember, auch der KAC-Gegner im nächsten Spiel auf Klagenfurter Eis.