Smarter KAC gewinnt in Graz

Defensiv stabile und von über 800 mitgereisten Anhängern famos unterstützte Rotjacken festigten ihren zweiten Tabellenplatz am Dienstagabend mit einem 4:1-Erfolg bei den Graz 99ers.

Foto: KAC/Biedermann

 

Die Ausgangssituation:

Die Rotjacken kehrten am Freitagabend mit einem 7:5-Erfolg in einem begeisternden Eishockeyspiel gegen die Vienna Capitals auf den zweiten Tabellenplatz zurück. Damit stockte der EC-KAC sein Punktekonto auf 57 Zähler (aus 31 Partien) auf und prolongierte seinen Weg in Richtung vorzeitiger Play-Off-Qualifikation: Im Vorjahr reichten dazu nach 44 Runden bekanntlich 66 Punkte. Nach Graz reisten die Klagenfurter als zweitbestes Auswärtsteam der Erste Bank Eishockey Liga, allerdings blieb man zuletzt in drei Spielen in der Fremde hintereinander ohne Punktgewinn. In Liebenau lief es für Rot-Weiß in der jüngeren Vergangenheit recht gut, sechs der jüngsten acht Partien dort wurden gewonnen, so auch das erste Saisonduell mit den 99ers auf Grazer Eis, bei dem der EC-KAC mit vier Treffern in den ersten 16 Minuten die Weichen schon frühzeitig auf Sieg stellte (Endstand: 4:1).

Die Graz 99ers absolvierten bislang eine recht konstante Saison ohne längere Sieges- oder Niederlagenserien. In das Heimspiel gegen den Rekordmeister ging die Truppe von Head Coach Doug Mason auf Tabellenposition acht und fünf Zähler „unter dem Strich“ liegend. Zwar punkteten die Steirer in fünf ihrer letzten zehn Partien, dabei gelang jedoch (beim 4:3 gegen Linz) nur ein einziger Sieg nach regulärer Spielzeit. Vor eigenem Publikum präsentierte sich Graz heuer bislang durchaus überzeugend, 30 der insgesamt 40 Punkte wurden in Heimspielen eingefahren. In 15 Partien verließen die 99ers ihr schmuckes Stadion nur vier Mal als Verlierer (je ein Mal gegen die drei aktuell Erstplatzierten im Ranking sowie gegen Dornbirn, Anm.).

 

Die Personalien:

Beim EC-KAC verlängerte sich die Verletztenliste im letzten Spiel vor Weihnachten um zwei weitere Namen: Zu Richie Regehr, Matthew Neal und Jon Rheault gesellten sich auch die Verteidiger Kevin Kapstad und Ramón Schnetzer. Somit reisten die Rotjacken mit einem ausgedünnten Aufgebot mit nur fünf Legionären und weniger als 45,0 Kaderpunkten zu dieser Partie in die Steiermark. Patrick Harand agierte gegen die 99ers in der Defensive, aus dem Farmteam wurden Verteidiger Michael Kernberger und Stürmer Kevin Schettina hochgezogen. Neuzugang Stefan Espeland sah in Graz erstmals seinen neuen Kollegen auf die Kufen, vorbehaltlich dem rechtzeitigen Abschluss der Anmeldeformalitäten könnte der Norweger am Donnerstag gegen den EC VSV oder zwei Tage später in Zagreb sein EBEL-Debüt geben. Im Tor der Rotjacken stand in dieser Auswärtspartie wieder Tomáš Duba.

 

Der Spielverlauf:

Die 99ers starteten, ganz anders als im ersten Saisonduell mit den Rotjacken auf Grazer Eis, furios in diese Begegnung, ein abgefälschter Fernschuss von Clemens Unterweger zischte nach 65 Sekunden nur knapp am Gehäuse vorbei. Auch während ihres ersten Überzahlspiels kamen die Steirer zu guten Gelegenheiten: Aus kürzester Distanz brachten weder Daniel Oberkofler noch Daniel Woger den Puck über die Linie (3.), ein Onetimer vom Kurtis McLean nach saubrerem Setzinger-Querpass klatschte an den kurzen Pfosten (4.). Wenig später musste Ex-Rotjacken-Crack Markus Pirmann in seinem 500. Ligaspiel für gleich zwei Mal zwei Minuten in die Kühlbox, das Powerplay der Klagenfurter blieb bis auf einige Versuche aus der Distanz jedoch eher ungefährlich. Als der EC-KAC ein zweites Mal bei numerischer Unterlegenheit agieren musste, war Graz wieder brandgefährlich: Einen strammen Wristshot von Daniel Oberkofler vom rechten Faceoff-Punkt aus parierte Tomáš Duba mit der Schulter, bei einem Weihager-Schlagschuss von der blauen Linie aus durch den Verkehr hindurch war der Schlussmann mit seinen Beinschonern zur Stelle (13.). Die sich langsam legende Anfangseuphorie der Gastgeber führte in der Folge zu mehr Platz und Zeit im Spielaufbau für Rot-Weiß, bei zwei fast identen „Zwei-gegen-Eins“-Angriffen ging eine Direktabnahme von Thomas Hundertpfund knapp über (14.), eine von Marco Richter um Haaresbreite neben das Tor (18.). Dazwischen verabsäumten es auf Seiten der 99ers bei einer Doppelchance sowohl Oberkofler als auch Zuševics, aus besten Positionen die Führung für die im ersten Durchgang gefälligen Hausherren sicherzustellen (15.).

Im zweiten Drittel war es die vierte Klagenfurter Formation um Kevin Schettina, die mit einem starken Shift die ersten Akzente setzte: Marco Richter schob einen Abpraller nach einem Distanzschuss von Mitja Robar aber knapp neben das Tor, Philipp Kreuzer schlenzte aus kurzer Distanz zwar an Torhüter Thomas Höneckl, gleichzeitig aber auch am Kasten vorbei (jeweils 24.). In ihrem dritten Überzahlspiel der Begegnung gelang den im zweiten Abschnitt deutlich verbesserten Rotjacken dann schließlich der Führungstreffer: Manuel Ganahl machte über die rechte Seite Dampf, kam in der Folge an seinen eigenen Rebound und sendete in die lange Ecke ein (31.). Den knappen Vorsprung bewahrte der bestens aufgelegte Tomáš Duba: Einen Schlenzer von Brock Higgs parierte er mit der Schulter (32.), bei einem schön vorgetragenen Konterangriff der Grazer mit präzisen Querpässen agierte er aufmerksam (33.) und einen mächtigen Hammer von Robin Weihager entschärfte er mit seiner Maske (34.). Nachdem der KAC-Goalie auch noch einen Sololauf Oliver Setzingers stoppen konnte (36.), wurde er schließlich doch noch - und das eher unglücklich - bezwungen: Ein Rückhandschuss von Florian Iberer aus spitzem Winkel wurde von Steven Strong unhaltbar ins eigene Tor abgefälscht (37.). Doch die Klagenfurter antworteten prompt: Diesmal war es Thomas Koch, der über rechts Druck machte, nach feiner Kreuzung mit Marco Brucker tanzte dieser Torhüter Höneckl aus und stopfte den Puck in die kurze Ecke (38.).

Die Steirer kamen im dritten Abschnitt noch einmal sehr giftig aus der Kabine: Florian Iberer legte die Scheibe aus spitzem Winkel neben das halbleere KAC-Gehäuse (41.), Duba zeichnete sich gegen den frei im Slot zum Abschluss gekommenen Justin Buzzeo aus (43.). Auch wenige Shifts später stoppte der Goalie den durchbrechenden kanadischen Angreifer, nun mit den Pads (49.). Bisweilen war der Schlussmann auch vom Glück verfolgt, so flog ein Snapshot von Oliver Setzinger nur hauchdünn über die Querlatte (47.), während ein abgefälschter Weihager-Schuss aus der Distanz an den Pfosten klatschte (49.). Bei doppelter numerischer Überlegenheit sorgten die smart agierenden Rotjacken dann für eine Vorentscheidung: Thomas Koch verzögerte rechts an den Hashmarks geschickt und hämmerte den Puck schließlich halbhoch in die lange Ecke (51.). Und der Mittelstürmer sorgte in der Schlussphase - erneut im Powerplay - auch für den Endstand: Nach einem Lundmark-Schlagschuss stand er ungedeckt im Slot und konnte den Rebound zum 4:1 über die Linie schieben (59.). Die mehr als 800 mitgereisten KAC-Fans feierten den Auswärtssieg frenetisch, lange nach der Schlusssirene drehten die Rotjacken noch eine zusätzliche Ehrenrunde am Grazer Eis. (HB)

 

Der Kommentar:

„Man merkte, dass Graz verbissen um eine Verbesserung in Richtung Top sechs kämpfte, sie waren heute ein nicht einfach zu bespielender Gegner. Tomáš Duba hatte stets die ersten Saves, die Abwehr hat dann einen guten Job beim Eliminieren der zweiten und dritten Gelegenheiten gemacht. Im zweiten Drittel haben wir uns spielerisch und eisläuferisch gesteigert, gingen in Führung und zeigten nach dem unglücklichen Gegentor auch Widerstandsfähigkeit. Im dritten Durchgang konnten wir die Partie dann im Powerplay zu unseren Gunsten entscheiden. Ein wohltuender Sieg, bei dem die im Lineup aufrückenden Spieler im Angesicht von gesteigerter Eiszeit eine gute Leistung geboten haben.“ (Steve Walker, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Mit ihrem neunten Auswärtssieg der laufenden Spielzeit bewahrten die Rotjacken ihren zweiten Tabellenplatz, der Punktevorsprung auf die unmittelbaren Verfolger Linz fünf Zähler) und Salzburg (sechs) konnte aufgrund der Auswärtsniederlagen der Black Wings und der Bullen am Dienstagabend sogar ausgebaut werden. Schon am Donnerstag treten die Klagenfurter zu ihrer nächsten Partie an, dann empfangen sie im dritten Kärntner Derby der Saison den EC VSV in der heimischen Stadthalle (Spielbeginn: 19.15 Uhr, live bei Sky Sport Austria).