Trotz frühem Rückstand dritter KAC-Sieg in Serie

Ungeachtet eines 0:2-Defizits nach weniger als vier Spielminuten siegte der EC-KAC am Freitagabend in Bolzano mit 5:4 und rückte damit ins erste Drittel der Tabelle auf. 

Foto: HCB Südtirol

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC tankte zuletzt mit Siegen gegen den Dornbirner EC und bei den Graz 99ers Selbstvertrauen, in beiden Partien mussten die Klagenfurter nur jeweils einen Gegentreffer hinnehmen. Für das insgesamt schussfreudigste Team der Erste Bank Eishockey Liga machte sich die in den vergangenen Begegnungen gesteigerte Effizienz vor dem gegnerischen Tor auch in der Tabelle bemerkbar, in der sich die Rotjacken wieder in die obere Hälfte schoben. Mit der PalaOnda/Eiswelle musste der EC-KAC in dieser Runde jedoch in einer Arena antreten, in der man in der Vergangenheit nur beschränkt erfolgreich agierte: Von den zehn Auswärtsspielen in Bolzano in der EBEL-Historie konnten nur zwei gewonnen werden.

Der HCB Südtirol wechselte im Sommer einmal mehr den Großteil der Imports in seinem Kader aus, so richtig gefunden schien sich die neu formierte Mannschaft in den ersten 14 Partien der Spielzeit noch nicht zu haben: Für den Champion von 2014 standen vor dem Duell mit dem EC-KAC lediglich fünf Saisonsiege zu Buche. Jüngst zeigte die Formkurve der Italiener aber nach oben, am vergangenen Wochenende unterlag man bei Leader Wien nur knapp mit 2:3, ehe man in Znojmo beim 4:3 nach Verlängerung zwei Zähler entführen konnte. In der ersten Saisonbegegnung mit den Rotjacken musste sich der HCB Ende September in Klagenfurt mit 1:2 geschlagen geben, wobei das Ergebnis nicht die damals deutliche spielerische Überlegenheit des EC-KAC widerspiegelte.

 

Die Personalien:

Die Rotjacken gingen mit dem exakt gleichen Lineup wie in den beiden jüngsten Partien in das Auswärtsspiel in Südtirol. Weiterhin nicht zur Verfügung standen Steven Strong (gesperrt), Richie Regehr, Mitja Robar, Manuel Geier und Patrick Harand (alle verletzt). Im Tor erhielt gegen den HCB David Madlener den Start, er machte im Verlauf der Begegnung allerdings für Tomáš Duba Platz.

 

Der Spielverlauf:

Der EC-KAC startete gefällig in dieses schwierige Auswärtsspiel, Stefan Geier prüfte in Minute zwei Bolzanos Schlussmann Marcel Melicherčík mit einem Schuss aus der Drehung. Obwohl die Klagenfurter in der Anfangsphase meist im Scheibenbesitz agierten, fingen sie sich zwei frühe Gegentreffer ein: Zunächst fälschte Mike Angelidis im Slot einen Fernschuss von Robin Gartner unhaltbar in die Maschen ab (2.), dann verdoppelte Travis Oleksuk (Rebound nach einem Wristshot von Luca Frigo) den Vorsprung der Südtiroler sogar (4.). Mit der Führung im Rücken tat sich der HCB zunehmend leichter, doch ein schöner Diagonalpass von Chris Carlisle fand am langen Pfosten keinen Abnehmer (8.) und ein Rückhandschuss von Michele Marchetti flog am Tor vorbei (11.). Nun arbeitete sich der EC-KAC in die Partie zurück, mit zwei von der Entstehungsgeschichte her nicht unähnlichen Treffern glichen die Klagenfurter das Score aus. Bei einem „Drei-gegen-Zwei“-Konter über die linke Seite bediente Manuel Ganahl mit einem feinen Querpass Matthew Neal, der am langen Eck trocken einschoss (11.). Wenig später überlief Thomas Koch - ebenfalls am linken Flügel - seinen Gegenspieler, er entschied sich jedoch gegen den weiten Querpass auf Johannes Bischofberger und legte stattdessen auf Stefan Geier ins Zentrum, der einen Handgelenksschuss halbhoch neben die Stange in die Maschen setzte (15.). In der Schlussphase des ersten Drittels drehten die Rotjacken den Zwischenstand dann sogar noch gänzlich zu ihren Gunsten: Im sehenswerten ersten Powerplay der Begegnung, das von großer Präzision im Passspiel und gut koordinierter Rotation geprägt war, stellte Martin Schumnig mit einem Onetimer vom linken Bullykreis aus auf 3:2 für den EC-KAC (19.).

Bei den Gastgebern ersetzte in der ersten Pause Jake Smith den glücklosen Melicherčík auf der Torhüterposition und der Kanadier hatte gleich alle Hände voll zu tun: Nachdem Thomas Hundertpfund mit der Scheibe nahezu eine vollständige Runde durch die Angriffszone drehte, am Ende aber keiner seiner Mitspieler aus dem Getümmel vor dem Tor einschießen konnte, parierte der eingewechselte Schlussmann gegen Manuel Ganahl (jeweils 24.). Im direkten Gegenzug glichen die Füchse aus: Domenic Monardo stahl an den Hashmarks die freiliegende Scheibe, verzögerte und bezwang KAC-Goalie David Madlener schließlich in der kurzen Ecke (24.). Nur gut drei Minuten später schnürte der Stürmer, der schon im ersten Saisonduell mit den Rotjacken getroffen hatte, seinen Doppelpack - allerdings ich recht glücklicher Manier: Nachdem die Kärntner den Puck nicht aus ihrer eigenen Zone brachten, tauchten plötzlich zwei Südtiroler frei vor Madlener auf, den Querpass zwischen diesen beiden fälschte der zurückeilende Kevin Kapstad ins eigene Tor ab (28.). Nun wechselte auch der EC-KAC seinen Torhüter, Tomáš Duba kam in die Partie und hielt seinen Kasten in der Folge auch sauber. Auf den neuerlichen Rückstand reagierten die Rotjacken mit einem schönen Vorstoß über Thomas Hundertpfund, der Goalie Smith schon verladen hatte, seinen Schuss dann aber neben das Gehäuse setzte (30.). Nach der bravourös überstandenen ersten Unterzahlsituation kam Rot-Weiß postwendend zum 4:4-Ausgleich: Am Ende eines guten Offensivzonen-Shifts legte Marco Brucker auf die blaue Linie zurück, von wo aus der an diesem Abend sehr schussfreudige Thomas Hundertpfund eine aufgekniete Direktabnahme einsendete (35.).

In den dritten Durchgang legten die Klagenfurter dann einen Traumstart hin: Julian Talbot gewann das Faceoff in der Angriffszone, er legte auf Hundertpfund zurück, der kurz verzögerte, dann einen scharfen Vertikalpass anbrachte, den der mittlerweile wieder freigelaufene Talbot zum 5:4 aus rot-weißer Sicht in die Maschen setzte. Erst 28 Sekunden war das Schlussdrittel zu diesem Zeitpunkt alt. Die in den ersten beiden Abschnitten noch teilweise instabil wirkende KAC-Abwehr lief nun zur Hochform auf und ließ nur noch wenige Offensivaktionen der Hausherren zu. Bei einem Scheibenverlust von Tomáš Duba hinter dem eigenen Tor war der EC-KAC auch etwas im Glück, kein Crack Bolzanos kam zum Abschluss (48.). Die besseren Möglichkeiten hatte weiterhin Rot-Weiß: Ein Versuch von Matthew Neal aus halbrechter Position wurde im letzten Moment von einem Gegenspieler geblockt (47.), nach einem kraftvollen Vorstoß über den linken Flügel setzte Jon Rheault seinen Rückhandschuss über die Querlatte (55.). Brenzlig wurde es vor dem Gehäuse der Klagenfurter nur noch einmal, in einem Getümmel mehrerer Spieler am Torraum behielt Schlussmann Duba allerdings die Übersicht (55.). Als Bolzano in der Schlussphase mit sechs Feldspielern stürmte - in den finalen 18 Sekunden der Partie sogar gegen nur vier Rotjacken - hielt die KAC-Abwehr dicht, trotz zweimaligem Rückstand entschied der österreichische Rekordmeister die Begegnung zu seinen Gunsten und feierte damit seinen dritten Sieg in Folge. (HB)

 

Der Kommentar:

„Wir gaben dem Gegner in der Anfangsphase zu viel Raum zur Entfaltung. Eigentlich hatten wir die Oberhand, Bolzano ging aber nach einem guten Tip-In und einem Rebound früh mit 2:0 in Führung. Unsere Mannschaft hat aber ihren Weg nicht verlassen und sich wieder in die Partie zurückgebracht. Insgesamt haben wir eine positive Leistung abgeliefert, das Unterzahlspiel war gut, im Powerplay haben wir ein wichtiges Tor gemacht. Drei schöne Punkte aus einem nicht einfach zu spielenden Road Game, ich denke, die Richtung, in die wir uns entwickeln, passt.“ (Steve Walker, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Nach den Erfolgen gegen Dornbirn und in Graz konnte sich der EC-KAC in Bolzano zum ersten Mal in dieser Saison über einen dritten Sieg in Serie freuen. Dieser ließ die Rotjacken in der Tabelle auf den vierten Platz nach vor rücken. Als nächstes steht für die Klagenfurter nun am Sonntag (Spielbeginn: 17.45 Uhr) das zweite Kärntner Derby der laufenden Spielzeit am Programm. Für dieses Heimspiel gegen den EC VSV, bei dem auch der legendäre Zeugwart des EC-KAC, Karl Klemen, nach 48 Dienstjahren in den verdienten Ruhestand verabschiedet wird, sind Sitzplätze bereits restlos ausverkauft. Die letzten rund 300 Stehplatzkarten sind im Online-Ticketshop des EC-KAC sowie am Spieltag an der Abendkassa erhältlich.