Unglaublicher 7:5-Sieg des KAC gegen Wien

In einem elektrisierenden und überaus wechselhaften Eishockeyspiel setzte sich der EC-KAC am Freitagabend gegen die Vienna Capitals mit 7:5 durch und schob sich so wieder auf Tabellenplatz zwei.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Nach dem starken Run von Mitte Oktober bis Anfang Dezember, als die Rotjacken 13 von 14 bestrittenen Spielen für sich entscheiden konnten, sah sich die Mannschaft von Steve Walker und Christoph Brandner zuletzt vermehrt mit Niederlagen konfrontiert: Vier der jüngsten fünf Partien gingen verloren, damit rutschte der EC-KAC in der Tabelle wieder einen Zähler hinter Linz auf Rang drei zurück. Gegen die Vienna Capitals hatten die Klagenfurter zuletzt einen schweren Stand, saisonübergreifend setzten sich die Wiener in jeder der jüngsten sechs Begegnungen durch, so auch in den beiden ersten Saisonduellen. Diese gingen aus rot-weißer Sicht zwar jeweils mit drei Toren Differenz verloren, in Situationen mit gleicher Spieleranzahl am Eis war der EC-KAC jedoch zumindest ebenbürtig.

Die Vienna Capitals kamen als regierender Meister und aktueller Tabellenführer in die Stadthalle, unter der Regie von Head Coach Serge Aubin gingen seit dessen Amtsantritt im Sommer 2016 nur 14 von 95 EBEL-Partien in regulärer Spielzeit verloren. Der beeindruckend geölte Motor der Wiener geriet in den vergangenen Wochen allerdings ein klein wenig ins Stottern: In sieben aufeinanderfolgenden Ligaspielen gelangen den Caps maximal drei Tore pro Partie, in Dornbirn und gegen Innsbruck gab es jüngst (zum erst zweiten Mal in der laufenden Saison) zwei Niederlagen hintereinander. Klagenfurt erwies sich in den letzten Jahren jedoch als sehr fruchtbarer Boden für den Hauptstadtklub: Seit der Finalserie 2013, in der sich der EC-KAC mit 4:0-Siegen den 30. Meistertitel seiner Klubgeschichte sicherte, verließen die Capitals die Stadthalle bei acht ihrer zehn Auftritte als Sieger.

 

Die Personalien:

Neben den Langzeitverletzten Richie Regehr und Matthew Neal musste der EC-KAC in diesem Heimspiel gegen den aktuellen Titelträger auch auf Jon Rheault verzichten, der sich in der jüngsten Partie in Znojmo eine Oberkörperverletzung zuzog. An seiner Stelle rückte wieder Philipp Kreuzer ins Aufgebot. Auf der Torwartposition wurde einmal mehr rotiert: David Madlener erhielt gegen die Capitals den Start, somit kamen bei den Rotjacken in dieser Begegnung nur fünf (der neun unter Vertrag stehenden) Legionäre zum Einsatz. Im Verlauf der Partie verlor der EC-KAC mit Ramón Schnetzer (Oberkörper) und Kevin Kapstad (Unterkörper) zwei Verteidiger aufgrund von Verletzungen.

 

Der Spielverlauf:

Der Start in die Partie gehörte den Gästen aus Wien, die sich sofort ein optisches Übergewicht erkämpfen konnten, vorerst allerdings ohne zwingende Möglichkeiten blieben. Die Rotjacken machten in der Offensive erstmals in Minute vier auf sich aufmerksam, als Thomas Hundertpfund versuchte, einen Schuss von David Fischer abzufälschen. Caps-Goalie Jean-Philippe Lamoureux war allerdings mit dem Beinschoner zur Stelle. Genau mit diesem kam er in Minute neun aber zu spät: Fischer zog von der blauen Linie ab, traf flach genau ins lange Eck und ließ es damit Stofftiere regnen. Der US-Amerikaner durfte sich als Schütze des Teddy Bear Toss-Tores 2017 feiern lassen. Das Führungstor war wie eine Initialzündung für die Hausherren, die plötzlich großen Druck auf das Wiener Tor ausübten und sich Chance um Chance erspielten. Kevin Kapstad und Johannes Bischofberger scheiterten zunächst noch im Doppelpack an Lamoureux (10.), in Minute zwölf legten die Klagenfurter aber nach: Im Powerplay setzte Martin Schumnig einen schönen Wristshot zum 2:0 unter die Querlatte. Und weil die Caps auch in der Folge Strafen zogen, durfte der EC-KAC auch weiter in Überzahl ran. Als mit Ryan McKiernan und Tyler Cuma in Minute 15 gar zwei Wiener Akteure auf der Strafbank saßen, schlugen die Rotjacken erneut zu: Jamie Lundmark spielte Stefan Geier optimal im Slot frei und dieser musste den Puck nur noch zum 3:0 ins Tor schupfen. Daraufhin vollzogen die Caps einen Torhütertausch, für Lamoureux kam der junge Matthias Tschrepitsch auf das Eis. Dieser hatte vorerst nicht viel zu tun, da die Gäste eine rasche Antwort in der Offensive suchten, KAC-Schlussmann David Madlener musste etwa gegen MacGregor Sharp sein ganzes Können aufbieten, um vorerst die Null zu halten (19.).

Auch im Mittelabschnitt kamen die Hauptstädter besser aus den Startlöchern. Nach 97 Sekunden fälschte Ali Wukovits einen Schlenzer von Jamie Fraser unhaltbar für Madlener ab und jubelte über das 3:1 (22.). Etwas mehr als vier Minuten danach ergab sich eine ähnliche Situation, diesmal war es Julian Großlercher mit der Deflection und dem Treffer zum 3:2 (26.). Die Wiener waren zurück im Spiel und nun auch hungrig auf mehr -  und als Kevin Kapstad für gleich vier Minuten auf die Strafbank musste, stellte Ryan McKiernan per Onetimer gar auf 3:3 (28.). Erneut vier Minuten danach, just vor dem Beginn eines Powerplays für Rot-Weiß, brachte Caps-Trainer Serge Aubin Lamoureux zurück ins Spiel. Doch dieser sollte heute wahrlich nicht seinen besten Tag haben, denn noch im selben Überzahlspiel musste der US-Amerikaner erneut hinter sich greifen: Manuel Ganahl hämmerte den Puck zur neuerlichen KAC-Führung in die Maschen (34.). Und 76 Sekunden später erlebte der schwarze Abend von Lamoureux seine Fortsetzung, als er neben dem Tor die Scheibe an Marco Brucker verlor, der Stefan Geier im Slot so anspielte, dass dieser den Puck in Baseball-Manier ins Gehäuse bringen konnte (35.). Kurz vor Drittelende hätten dann sowohl die Klagenfurter als auch die Wiener noch einmal anschreiben können. Johannes Bischofberger ging über die linke Seite auf und davon, traf mit seinem Slapshot allerdings nur die Schulter des Wiener Torhüters, auf der Gegenseite stellte sich David Madlener Mario Fischer mit einer sehenswerten Parade in den Weg.

Doch wer dachte, es könnte im dritten Drittel nicht noch verrückter werden, der irrte. Die erste Überraschung gab es schon bei der Rückkehr der Teams auf das Eis: Erneut machte Jean-Philippe Lamoureux zwischen den Pfosten für Matthias Tschrepitsch Platz. Die ersten guten Szenen in der Offensive hatte wie schon in den Durchgängen eins und zwei der amtierende Meister. MacGregor Sharp kam mit dem Rücken zum Tor an den Puck, versuchte, David Madlener mit der Rückhand zu überlisten, scheiterte jedoch am KAC-Keeper (43.). Eine Minute danach waren die Wiener aber zurück im Spiel, als Peter Schneider aus einem Aufbaufehler der mittlerweile aufgrund von Verletzungen dezimierten Rotjacken-Abwehr profitierte und mit einem gezielten Wristshot aus dem Slot auf 5:4 verkürzte (44.). Und damit nicht genug, erzielte Riley Holzapfel 129 Sekunden später bei numerischer Überlegenheit auch noch den (neuerlichen) Ausgleich (46.). Doch auch die Hausherren waren nicht um passende Antworten verlegen. Während eines Powerplays der Gastgeber kam es zu einem unübersichtlichen Getümmel vor dem Caps-Tor, plötzlich drehte Jamie Lundmark jubelnd ab (48.). Die Schiedsrichter berieten sich, schritten zum Videostudium und befanden den Treffer zum 6:5 anschließend für regulär: Der Kanadier hatte nach mehreren Versuchen die hinter dem Wiener Schlussmann liegende Scheibe regelkonform über die Linie gedrückt. Aufgegeben hatten sich die Gäste damit aber noch nicht. In zwei folgenden Powerplays machten die Hauptstädter mächtig Druck, das Abwehrbollwerk des EC-KAC hielt jedoch stand. Nur einmal noch stockte den über 4.000 Zuschauern in der stimmungsvollen Stadthalle der Atem, als ein Schlenzer von Kyle Klubertanz an den Pfosten klatschte (58.). 36 Sekunden vor dem Ende machte Steven Strong mit einem Chip aus der eigenen Zone in den verwaisten Kasten der Vienna Capitals den Abend endgültig zu einem großen aus rot-weißer Sicht, sein Treffer zum 7:5 bedeutete gleichzeitig den Endstand. (PE)

 

Der Kommentar:

„Das war heute eine für die Zuseher sicherlich sehr interessante Partie mit vielen Emotionen. Das sprichwörtliche Momentum wechselte oftmals hin und her, spielerisch war die Vorstellung von unserer Seite sehr okay, wenngleich fünf Gegentore natürlich auch zeigen, dass wir nicht mit allem, was wir heute gemacht haben, zufrieden sein können und dürfen. Aber wir sind happy über die drei Punkte. Besonders freue ich mich darüber, dass das Powerplay so hervorragend geklappt hat, das ist wichtig für unser Selbstvertrauen. Wir möchten die positiven Dinge aus dieser schwungvollen Eishockeynacht mitnehmen und nach Weihnachten in Graz wieder durchstarten.“ (Christoph Brandner, Assistant Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC konnte die Vienna Capitals am Freitagabend zum ersten Mal nach saisonübergreifend sechs Niederlagen hintereinander wieder besiegen und ist damit nun in der Tabelle erneut der erste Verfolger der Wiener. Der Rückstand auf den Leader beträgt freilich noch volle neun Zähler. Nun folgen für die Rotjacken entsprechend der Planung seitens der EBEL sechs Begegnungen mit geographisch nahegelegenen Gegnern: Den Anfang macht das Auswärtsspiel in Graz am kommenden Dienstag (Spielbeginn: 19.15 Uhr), zwei Tage später kommt es dann zum dritten Kärntner Derby der Saison, wenn der EC-KAC den Lokalrivalen aus Villach in der Stadthalle empfängt.