Vierter Sieg bringt KAC ins Finale

Der EC-KAC verwandelte im vierten Halbfinalspiel gegen Graz am Freitagabend einen 0:2-Rückstand noch in einen 4:2-Sieg und steht damit im EBEL-Finale 2019.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC konnte die ersten drei Begegnungen im Halbfinale allesamt für sich entscheiden, auswärts siegten die Klagenfurter mit 1:0 nach Verlängerung und 3:0, zu Hause mit 3:2 in der Overtime. Damit verfügten die Rotjacken vor dem vierten Duell zum achten Mal in ihrer Klubgeschichte über eine 3:0-Führung in einer „Best-of-Seven“-Serie. In jedem der bisherigen sieben Fälle entschied der Rekordmeister die jeweilige Serie mit 4:0 oder 4:1 für sich. In den drei Halbfinalspielen gegen die 99ers, die sich über insgesamt 221:38 Minuten erstreckten, kassierte der EC-KAC lediglich zwei Gegentreffer, Torhüter Lars Haugen parierte 108 der 110 auf ihn abgegebenen Torschüsse.

Die Graz 99ers, die heuer erstmals in ihrer Erstligageschichte eine Play-Off-Runde überstehen konnten, agierten in den ersten drei Begegnungen der Serie optisch gefällig, insgesamt aber zu ineffektiv. Zwar konnten die Steirer die Mehrheit der neun Saisonduelle mit dem EC-KAC für sich entscheiden, jede der jüngsten vier Konfrontationen ging allerdings an Rot-Weiß. Die 99ers bestritten am Freitag in ihrer 19. Spielzeit in der höchsten Spielklasse zum 13. Mal ein Elimination Game, also eine Partie, in der eine Niederlage das Saisonende bedeutet. Von den bisherigen zwölf konnte Graz nur drei gewinnen (2017 gegen Salzburg, 2009 zwei Mal gegen Wien).

 

Die Personalien:

Der EC-KAC trat zum vierten Halbfinalspiel mit der exakt gleichen Aufstellung an wie beim jüngsten 3:0-Erfolg in Graz. Es fehlten Manuel Geier (verletzungsbedingtes Saisonende), Marco Richter, Philipp Kreuzer (beide verletzt) sowie Johannes Bischofberger (rekonvaleszent). Verteidiger Ramón Schnetzer wurde somit wieder im Sturm aufgeboten. Im Tor der Rotjacken stand unverändert der in den Play-Offs bislang überragende Lars Haugen (Post Season-Gegentorschnitt: 1,38).

 

Der Spielverlauf:

Die Graz 99ers starteten schwungvoll in die Partie und testeten Lars Haugen bereits in der ersten Spielminute: Colton Yellow Horn suchte über links den Abschluss, Oliver Setzinger feuerte von der blauen Linie aus, doch der Klagenfurter Keeper war bereits hellwach. Die erste Möglichkeit auf Seiten der Rotjacken leitete Thomas Hundertpfund ein, der gleich drei Gegenspieler auf sich zog, abwartete und schließlich den Pass auf den heranstürmenden Patrick Harand anbrachte, doch dessen Schuss verfehlte das Ziel knapp (2.) In der siebten Spielminute ließ Robin Rahm einen Backhander von Steven Strong nach vorne prallen, stellte sich anschließend aber den Nachschüssen von Andrew Kozek und Thomas Koch erfolgreich in den Weg. Nachdem Daniel Obersteiner die Scheibe vom linken Faceoff-Kreis aus über die Querlatte gesetzt hatte (8.), kamen die Gäste zu ihrer bis dahin besten Torchance: Dwight King eroberte an der Bande den Puck und bediente im Slot Zintis Zuševics, der umgehend auf Erik Kirchschläger weiterleitete, doch Lars Haugen war einmal mehr zur Stelle (8.). In der nächsten Situation musste sich der Torhüter aber geschlagen geben: Colton Yellow Horn eroberte hinter dem Kasten das Spielgerät und setzte zum Wrap-Around an, die Scheibe landete allerdings zwischen den Hashmarks bei Matt Garbowsky, der sofort abzog und genau in die Kreuzecke einsendete (10.). Erstmals in dieser Halbfinalserie lagen die 99ers in Führung, bei numerischer Überlegenheit vermochten sie diese sogar auf 2:0 auszubauen: Der aus der Rundung von Ken Ograjenšek in Szene gesetzte Matt Caito legte in bester Einschussposition noch einmal quer, Daniel Oberkofler schloss unter einem Haugen-Hechtsprung hindurch erfolgreich ab (14.). Nun hatten die Rotjacken aber eine passende Antwort parat: Im Powerplay agierend suchte Thomas Koch vom rechten Faceoff-Punkt aus eine Anspielstation, schoss dann aber selbst und setzte den Puck aus dem Handgelenk präzise in die kurze Kreuzecke (15.). Mitch Wahl hatte wenig später gleich zwei Mal den Ausgleich am Schläger: Er stocherte einen Harand-Steilpass knapp über die Querlatte und fälschte einen Hundertpfund-Schlagschuss nur um Zentimeter neben den Pfosten ab (jeweils 16.).

In einem temporeichen zweiten Abschnitt mit wenigen Unterbrechungen hatten die Klagenfurter zunächst bei numerischem Vorteil gute Gelegenheiten: Der über links nach innen ziehende Nick Petersen bekam nicht mehr genügend Richtung auf seinen Abschluss (21.), Thomas Hundertpfund klopfte mit der Rückhand einen Rebound aus der Luft knapp neben das Gestänge (23.). Ein Schlagschuss von Robin Weihager klatschte nur an Haugens Maske (27.), auf der Gegenseite brachte Rahm bei einem überraschenden Schlenzer von Thomas Koch noch gut seine Schulter in Position (31.), ein Tip-In von Siim Liivik nach Schuss von Robin Gartner verfehlte sein Ziel nur knapp (33.). In der Schlussphase des zweiten Durchgangs drehten die Rotjacken dann das Score, weil sich Graz zu zwei mit Strafen belegten Fouls in der Angriffszone hinreißen ließ und das an diesem Abend sehr starke KAC-Powerplay daraus auch zwei Mal Kapital schlug. Beim Ausgleichstreffer zum 2:2 war aus Klagenfurter Sicht allerdings gleich doppelt Glück dabei: Einerseits, weil Matt Caito den Petersen-Schuss in die Maschen abfälschte, andererseits, weil die Schiedsrichter dem Treffer nach von den Steirern gefordertem Videobeweis die Anerkennung zusprachen, obwohl am Crease zwischen Kozek und Rahm zweifellos Körperkontakt bestanden hatte (37.). Die erstmalige Führung für Rot-Weiß besorgte dann Matthew Neal, der sich von der rechten Seite dem Torraum entlang schob, mit seinen ersten beiden Versuchen noch scheiterte, die Scheibe dann aber zum 3:2 über die Linie schieben konnte (40.)

Die nun nur noch 20 Minuten vom möglichen Saisonende entfernten 99ers brannten in der Anfangsphase von Drittel drei ein regelrechtes Feuerwerk ab: Matt Caito schnitt durch die gesamte KAC-Hintermannschaft, scheiterte am Ende jedoch an Lars Haugen (41.), der noch in der gleichen Minute auch einen Weihager-Fernschuss parieren konnte. Dazwischen hatte Ken Ograjenšek einen durch den Slot hoppelnden Puck nur hauchdünn neben den Pfosten gesetzt. Die Hausherren konsolidierten sich, ordneten ihre Defensive wieder so, wie sie es über weite Strecken der Serie bereits vermocht hatten, und kamen ihrerseits zu Gelegenheiten: Nach einer tollen Kombination über Neal und Kozek verzog Thomas Koch von den Hashmarks aus (44.). Moralischen Rückenwind verlieh den Rotjacken dann das unbeschadete Überstehen einer 62-sekündigen doppelten numerischen Unterlegenheit, diesen Boost nutzte Andrew Kozek schließlich zur Vorentscheidung: Mit seinem ersten Versuch aus halbrechter Position scheiterte er noch am Pfosten, der Abpraller sprang jedoch exakt zu ihm zurück, sodass er das Spielgerät zum 4:2 in die Maschen setzen konnte (49.). Graz gab sich noch nicht geschlagen: Von Ty Loney von hinter dem Tor aus angespielt wischte Garbowsky bei einem aufgeknieten Versuch über die Scheibe (50.), Lars Haugen rettete mit starkem Poke-Check gegen Robin Jacobsson (52.) und als erneut Loney einen „Drei-gegen-Eins“-Angriff der Steirer selbst abschloss, parierte der KAC-Goalie sowohl beim ersten als auch beim zweiten Versuch hervorragend (55.). Befeuert von den stehenden Ovationen der knapp 5.000 Fans in der Stadthalle spielten die Rotjacken die finalen Minuten souverän von der Uhr, auch der Einsatz eines sechsten Feldspielers statt Goalie Robin Rahm ließ die 99ers nicht mehr herankommen. Der EC-KAC entschied die Partie mit 4:2 und die Halbfinalserie mit 4:0 für sich und darf nun auf seinen Finalgegner warten. (NB/HB)

 

Der Kommentar:

„Ich freue mich extrem für unsere Mannschaft, sie hat die Aufgabe heute Abend und auch insgesamt in dieser Halbfinalserie sehr gut gelöst. Die 99ers waren die Favoriten in diesem Duell, wir haben sie aber mit 4:0 besiegt, weil wir ihnen ihre Stärken genommen haben. Wir präsentierten uns in den Play-Offs bisher in körperlich sehr guter Verfassung, daran haben wir seit vergangenem Sommer gearbeitet und das macht sich jetzt bezahlt. Auch mental sind wir über die vergangenen Monate immer stärker geworden, wir stecken Rückschläge weg, weil wir an uns glauben. Insgesamt ein unglaublich wichtiger Sieg für unsere Organisation: Jetzt können wir vor dem Finale durchschnaufen, vielleicht einige verletzte Spieler zurück ins Lineup bringen und uns dann der nächsten Zielsetzung widmen. Es wird nicht einfach, aber lasst uns nach dem Gold greifen.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Am sechsten Jahrestag seines letzten Meistertitels qualifizierte sich der EC-KAC nach einem 4:0-Seriensieg gegen die Graz 99ers für das Finale der Erste Bank Eishockey Liga, das am Sonntag, dem 14. April, beginnen wird. Wer der Gegner der Rotjacken in den bis zu sieben Endspielen sein wird, steht noch nicht fest, im Duell zwischen den Vienna Capitals und dem EC Salzburg steht es aktuell 2:2. Informationen zum Ticketing bei Heimspielen der Finalserie 2019 veröffentlicht der EC-KAC am Montagnachmittag.