Wien geht wieder in Führung

Der EC-KAC musste sich auch im zweiten Auswärtsspiel in der Finalserie in Wien knapp mit 2:3 geschlagen geben, die Capitals liegen damit im Kampf um den Titel wieder voran.

Foto: Vienna Capitals/Vymlatil

 

Die Ausgangssituation:

Mit dem 23. Play-Off-Shutout der Vereinsgeschichte, dem dritten von Lars Haugen, sicherte sich der EC-KAC am vergangenen Dienstag beim 1:0-Erfolg vor eigenem Publikum seinen ersten Finalsieg seit über sechs Jahren, aus der „Best-of-Seven“- wurde somit de-facto eine „Best-of-Five“-Endspielserie. Auswärtsspiele in Wien brachten für die Rotjacken in der jüngeren Vergangenheit eher durchwachsene Ergebnisse, acht der letzten neun Partien in Kagran gingen verloren, darunter drei der vier in der laufenden Spielzeit ausgetragenen Begegnungen. In der bisherigen Post Season überzeugten die Klagenfurter vor allem in der Defensive: 2,00 Gegentreffer pro Spiel entsprechen (in der 32. Play-Off-Saison der Klubgeschichte) dem zweitniedrigsten Wert nach 2012/13 (1,80).

Durch die Niederlage in Kärnten am Dienstag, dem bereits vierten Verlust im sechsten Auswärtsspiel in den diesjährigen Play-Offs, mussten die Vienna Capitals den Serienausgleich hinnehmen, bei der fünften Finalteilnahme in der Klubhistorie steht es damit nach zwei Spielen zum erst zweiten Mal (nach 2005, als es ebenfalls gegen den EC-KAC ging) 1:1. Vor eigenem Publikum wussten die Wiener in der aktuellen Post Season jedoch zu überzeugen: In acht Begegnungen wurden sie nie in regulärer Spielzeit besiegt, sieben Erfolgen steht eine Overtime-Niederlage gegen Salzburg gegenüber. Obwohl die Capitals am Dienstag zum ersten Mal seit 62 Post Season-Partien ohne Treffer geblieben waren, lag ihr Schnitt an Toren pro Spiel in nur einer ihrer jüngsten sieben Play-Off-Kampagnen über ihrem heurigen (3,29).

 

Die Personalien:

Der EC-KAC trat zum dritten Finalspiel mit exakt jenen 22 Akteuren an, die am Dienstag beim 1:0-Heimerfolg zum Serienausgleich aufgeboten wurden. Die angestammten drei Abwehrpärchen wurden durch Robin Gartner als siebten Verteidiger ergänzt, im Angriff kamen 13 Spieler zum Einsatz, wobei Mitch Wahl an Stelle von Daniel Obersteiner als Mittelstürmer zwischen Johannes Bischofberger und Marco Richter agierte. Zwischen den Pfosten kam Lars Haugen zu seinem elften Start in Serie.

 

Der Spielverlauf:

In einem spektakulären Startdrittel waren es die Vienna Capitals, die als erste anschreiben konnten: Patrick Peter scheiterte nach einem Wrap-Around zunächst noch mit der Rückhand, kam jedoch nur Sekunden später zu einer ganz ähnlichen Gelegenheit und konnte KAC-Goalie Lars Haugen nun unter dessen rechtem Arm hindurch bezwingen (4.). Eine erste Gelegenheit für die Rotjacken vereitelte Wiens Schlussmann, mit der Spitze seines Beinschoners kam J.-P. Lamoureux gerade noch an einen aus der Drehung abgegebenen Schuss von Stefan Geier (4.). Als sich Haugen gegen Marc-André Dorion auszeichnen konnte, wurde im Getümmel nach dem Rebound die erste Strafe der Partie ausgesprochen: Nach nur wenigen Powerplay-Sekunden für die Capitals tippte Taylor Vause einen Querpass von Sondre Olden knapp neben den Pfosten (6.). Doch bei numerischer Unterlegenheit kamen die Klagenfurter zum Ausgleich: Lars Haugen machte das Spiel schnell, Matthew Neal verzögerte in der neutralen Zone so lange, bis er einen idealen Steilpass in den Lauf von Thomas Koch anbringen konnte, der Mittelstürmer bezwang Lamoureux nach Sololauf sehenswert mit der Rückhand (7.). Bei einem weiteren Alleingang der Gäste, nun durch Nick Petersen, musste der zurückeilende Mario Fischer regelwidrig eingreifen, beim dafür verhängten Penalty Shot, ausgeführt vom KAC-Topscorer persönlich, rettete Wiens Goalie mit dem Blocker (12.). Zur erstmaligen Führung kamen die Rotjacken dann im Zuge ihres ersten, enorm druckvoll vorgetragenen Überzahlspiels: Einen Diagonalpass von Thomas Koch fälschte Andrew Kozek genau zum neben dem Pfosten positionierten Matthew Neal ab, der Lamoureux aus spitzem Winkel bezwingen konnte (14.). Doch exakt 120 Sekunden später gelang auch den Capitals ein Powerplay-Treffer: Einen Dorion-Schlenzer aus der Distanz, der bereits durch Kontakt mit David Fischers Schlägerspitze leicht die Richtung geändert hatte, fälschte der am Torraum freie Chris DeSousa zum 2:2 in die Maschen ab (16.). Als Nick Petersen versuchte, den im Zentrum ungedeckten Thomas Hundertpfund in Szene zu setzen, blockte Patrick Mullen beide Passversuche gut ab (17.), auf der Gegenseite setzte Julian Großlercher eine Rotter-Vorlage aus kurzer Distanz neben den Pfosten (18.). Und noch einmal wurde Wien im Auftaktabschnitt gefährlich: Nach einem Aufbaufehler der Klagenfurter kam Olden in halbrechter Position zum Abschluss, sein Rückhandschuss touchierte allerdings nur die Querlatte (19.). 

In Durchgang Nummer zwei kam Mitch Wahl zur ersten guten Gelegenheit, seinen Wristshot aus der Halbdistanz vermochte Mario Fischer jedoch zu blocken (23.). In einer „Vier-gegen-Vier“-Phase setzte Neal eine Direktabnahme über das Gestänge (27.), dann ging Wien zum zweiten Mal in dieser Begegnung in Führung: Emil Romig chippte den Puck aus der Ecke scharf vor den Kasten, vom Körper von KAC-Verteidiger Clemens Unterweger sprang dieser über Haugens Beinschoner hinweg über die Linie (29.). Haarig wurde es für die Rotjacken, als Andrew Kozek und David Fischer hintereinander auf die Strafbank geschickt wurden und die Capitals 67 Sekunden lang mit zwei Mann mehr am Eis standen: Gegen Peter Schneiter rettete Lars Haugen, Chris DeSousa verzog von rechts (jeweils 30.) und noch einmal kam Schneider zur goldenen Gelegenheit, fand seinen Meister jedoch erneut im rot-weißen Goalie, der mit starker Seitwärtsbewegung parieren konnte (31.). Nach den schadlos überstandenen Strafzeiten schrammten die Rotjacken nur hauchdünn am Ausgleichstreffer vorbei: Bei einer feinen Kombination über Wahl und Bischofberger stand beim finalen Querpass auf den einschussbereiten Marco Richter nur ein Schläger eines Wiener Verteidigers im Weg (33.). Der EC-KAC konnte weiterhin Druck aufbauen: Martin Schumnig scheiterte von halbrechts mit zwei Schlagschüssen allerdings gleich zwei Mal (34.). Nach einem verdeckten Comrie-Schuss aus der Distanz beförderte die Hintermannschaft der Capitals die Scheibe gerade noch vor den auf den Rebound lauernden Petersen und Geier weg (36.). In der Schlussphase des zweiten Abschnitts kam Wien zu seinem bereits fünften Powerplay der Partie, ein von Riley Holzapfel knapp neben den kurzen Pfosten abgefälschter Slapshot von Alex Wall blieb dabei aber die einzige gefährliche Möglichkeit (38.).

Im Schlussdrittel gingen die ersten dicken Gelegenheiten allesamt auf das Konto der Hausherren: Nach Oldens Torumrundung bugsierte der an der langen Ecke lauernde Kelsey Tessier den Puck knapp am Tor vorbei (41.), Goalie Lars Haugen besserte einen schlechten Wechsel seiner Vorderleute gegen den im Slot bedienten Holzapfel mit einer starken Parade aus (44.). Benjamin Nissner fälschte einen Mullen-Querpass über die Querlatte ab (46.), Holzapfel traf aus spitzem Winkel nur die Außenstange (48.). Im erst zweiten (und bereits letzten) KAC-Powerplay der Partie parierte Lamoureux einen Comrie-Schlagschuss problemlos (52.), davor hatte Patrick Mullen bei einem Konter bei numerischer Unterlegenheit verzogen (51.). Nach einer sehr kleinlichen Hinausstellung gegen Patrick Harand spielte Wien wieder mit einem Mann mehr, Vause verschoss jedoch aus kurzer Distanz (53.). Erst gegen Ende des dritten Durchgangs wurden die Rotjacken offensiv wieder gefährlicher: Kozek stocherte am Crease über einen schwer zu nehmenden Flip-Pass Kochs aus der Ecke, Lamoureux fror das Spielgerät nach einem Fischer-Fernschuss gerade noch vor dem KAC-Mittelstürmer ein (jeweils 56.). Der aufgerückte Martin Schumnig traf einen durch den Slop hoppelnden Puck nicht richtig (57.), als er wenig später auf der Gegenseite für ein Beinstellen gegen Großlercher ausgeschlossen wurde, war die Partie gelaufen: Im Zuge ihrer siebten numerischen Überlegenheit des Abends ließen sich die Wiener die sprichwörtliche Butter nicht mehr vom Brot nehmen und stellten in der Finalserie somit auf 2:1. (HB)

 

Der Kommentar:

„Insgesamt hat es mir gut gefallen, wie wir aufgetreten sind: Im Gegensatz zu unserem ersten Auftritt hier in Wien waren wir mental, körperlich und taktisch vom ersten Moment an bereit, konnten viel mehr von dem umsetzen, das wir uns vorgenommen hatten. Der Siegestreffer der Capitals im zweiten Abschnitt kam sehr glücklich zustande, wir werden uns jedoch nicht beklagen oder zu viel darüber nachdenken. Wenn es etwas Negatives gibt, dann sicher den Umstand, dass wir zu viele Strafzeiten überstehen mussten, insgesamt haben wir heute aber wieder einen Fortschritt gegenüber dem letzten Spiel gemacht und diesen Weg setzten wir in dieser sicherlich noch langen Serie unbeirrt fort.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC liegt nach der neuerlichen 2:3-Auswärtsniederlage zum ersten Mal seit dem Halbfinale 2017 gegen den EC Salzburg in einer Play-Off-Serie mit 1:2 im Rückstand, die Rotjacken haben aber bereits übermorgen Samstag (Spielbeginn: 17.00 Uhr) vor eigenem Publikum die Möglichkeit auf den neuerlichen Ausgleich. Die Stadthalle Klagenfurt ist für diese Begegnung bereits seit vergangener Woche restlos ausverkauft, ServusTV, Sky Sport Austria (jeweils im TV und als Stream) sowie Radio Kärnten übertragen live.