Ein Sweep gegen den Schweizer Meister!

Die Teilnahme des EC-KAC an der Champions Hockey League 2015/16 schlägt ein neues Kapitel im von großen Erfolgen und legendären Begegnungen geprägten Buch rot-weißer Auftritte auf europäischer Ebene auf. Bereits 1965, im Gründungsjahr des Europacups, waren die Rotjacken im internationalen Geschäft vertreten. Anlässlich des bevorstehenden CHL-Auftakts blickt kac.at zurück auf das allererste KAC-Spiel im Europacup.

Torhüter Karl Pregl und Abwehrspieler Guy LaFrance mit vereinten Kräften gegen Berns Mittelstürmer Peter Stammbach.

Kräftevergleiche mit internationalen Gegnern haben bei den Rotjacken eine große Tradition. Bereits im Januar 1929, nur gut 13 Monate nachdem erstmals eine KAC-Mannschaft ein Eishockeyspiel bestritten hatte, gastierte mit BBTE (Budapesti Budai Torna Egylet) erstmals ein ausländisches Team in Klagenfurt. Begegnungen mit Mannschaften, die jenseits der österreichischen Grenzen beheimatet waren, gehörten fortan zum fixen Bestandteil des Spieljahres. Da in der nationalen Meisterschaft meist nur deutlich weniger als zehn Partien angesetzt waren, nutzte der KAC in der Zwischenkriegszeit häufig die Gelegenheit, sich mir internationalen Kontrahenten zu messen. Die Mannschaft bereiste die verschiedensten Länder Mittel- und Osteuropas, um Freundschaftsspiele zu bestreiten, im Dezember 1935 wurde sie erstmals zum renommierten Spengler-Cup nach Davos eingeladen.
 
Die Tradition internationaler Spiele wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt, bereits im Dezember 1946 gastierte mit Podolí Praha aus der Tschechoslowakei erstmals wieder ein ausländisches Team in Klagenfurt. Die Eröffnung der Eishalle am Messegelände im Jahr 1959 machte die Austragung von Spielen wetterunabhängig, aufgrund der damit einhergehenden höheren Planungssicherheit stieg die Anzahl an Gastspielen internationaler Klubs in der Landeshauptstadt weiter an.
Doch all die Begegnungen mit europäischen Gegnern von 1929 bis in die 1960er-Jahre hatten - egal ob auswärts oder zu Hause - stets eines gemeinsam: Sie waren freundschaftliche Duelle, keine Bewerbsspiele.
 
Dies änderte sich 1965, als beim IIHF-Kongress in Tampere, Finnland, nach dem Vorbild Fußball die Einführung des Europapokals beschlossen wurde. An diesem neuen Bewerb teilnahmeberechtigt waren die jeweiligen nationalen Titelträger und damit in der Premierensaison 1965/66 als österreichischer Meister auch der KAC. Insgesamt 14 Teams aus ebenso vielen Nationen bildeten das Starterfeld der ersten Auflage des Europapokals, der in vier Runden ausgetragen wurde, wobei die zugelosten Gegner pro Runde jeweils vier Mal (je zwei Mal Heimrecht pro Team) aufeinandertrafen.
Während der tschechische und der deutsche Meister (TJ ZKL Brno und EV Füssen) für die erste Runde ein Freilos erhielten, wurde dem KAC im Achtelfinale der Schweizer Titelträger SC Bern als Gegner zugelost.

In den ersten beiden Begegnungen genossen die Rotjacken Heimrecht, das erste Europacup-Spiel der Vereinsgeschichte ging also am Freitag, dem 22. Oktober 1965, in der Klagenfurter Stadthalle über die Bühne. Da die Bundesliga erst Mitte November startete, war das Duell mit dem SC Bern das erste Bewerbsspiel der Saison, die Mannen rund um Kapitän Erich Romauch waren erst gut zehn Tage zuvor ins Eistraining eingestiegen. Diesen Trainingsrückstand merkte man den Rotjacken jedoch kaum an: Bereits in der zweiten Spielminute hatten die rund 2.500 Zuschauer erstmals Grund zum Jubel, Josef Puschnig vollendete einen schönen Sololauf mit dem Tor zum 1:0. Danach wogte das Spiel hin und her, die österreichischen Schiedsrichter verloren zunehmend den Überblick und verhängten in dieser Partie insgesamt 13 Zwei-Minuten-Strafen - für damalige Verhältnisse ein sehr hoher Wert.
Das Powerplay der Rotjacken funktionierte so früh in der Saison nur dürftig, im Mittelabschnitt ließ der KAC eine fast vierminütige doppelte Überzahlmöglichkeit ungenutzt. So waren es zur Hälfte des Spiels die Gäste aus der Schweiz, die mit 4:2 in Führung lagen. Dem fünften Treffer des SCB, der wohl die Vorentscheidung bedeutet hätte, wurde durch die Referees die Anerkennung versagt. Für Rot-Weiß ein Weckruf: Adelbert Saint John verkürzte in Minute 33 nach Zuspiel von Verteidiger Guy LaFrance auf 3:4. Knapp zwei Minuten vor der zweiten Drittelpause nahm sich der Kanadier dann selbst ein Herz: Nach einem unwiderstehlichen Solo über nahezu das gesamte Spielfeld bezwang er den starken Schweizer Goalie René Kiener - der Ausgleich zum 4:4.

Im Schlussabschnitt münzte der KAC seine optische Feldüberlegenheit dann in weitere Tore um: Erneut war es Guy LaFrance, an diesem Abend stärkster Akteur im rot-weißen Trikot, der nach Puschnig-Pass zur Führung einschoss (49.). Endgültig zu ihren Gunsten entschieden die Rotjacken die Partie dann in Minute 58 mit einem Doppelschlag. Der anstelle des angeschlagenen Erich Romauch in die zweite Linie aufgerückte Paul Samonig assistierte Dieter Kalt zum sechsten Treffer Klagenfurts, im folgenden Angriff fixierte er selbst den Endstand von 7:4.

Nach zähem Ringen ging der KAC als Sieger aus seinem Europacup-Debüt hervor!

Am Ende der Achtelfinalserie gegen den SC Bern konnte Rot-Weiß einen Sweep für sich verbuchen, sämtliche vier Partien gingen an den KAC. Dem hart erkämpften 7:4 im ersten Europapokalspiel auf Klagenfurter Eis folgte am nächsten Tag ein klares 10:3. In Bern siegten die Rotjacken am Allerheiligentag des Jahres 1965 mit 3:2 und im letzten Duell - ausgetragen in Zürich - feierte man einen 4:3-Erfolg. Nach dieser Begegnung streute SCB-Trainer Ernst Wenger dem Gegner Blumen: "Der KAC ist eine große Mannschaft. Wir haben unseren Abschied aus diesem Bewerb bereits bei der Auslosung, als der KAC als unser Gegner feststand, erwartet. Wir kannten die Mannschaft von den Spielen beim Spengler-Cup und machten uns deshalb auch gar keine Illusionen."
Auch in der nächsten Runde vermochte Rot-Weiß zu überzeugen: Gegen Újpesti Dózsa Budapest gelang erneut ein Sweep, vier Siege und ein eindrucksvolles Torverhältnis von 24:6 ebneten den Weg ins Halbfinale. Dort wartete mit TJ ZKL Brno jedoch ein übermächtiger Gegner: 2:7, 3:4, 3:4, 3:11 lauteten die Einzelergebnisse, die Tschechen stiegen ins Endspiel auf, wo sie gegen Füssen schließlich ebenso ungeschlagen blieben.

Bei seinem ersten Antreten im Europapokal scheiterte der KAC also im Halbfinale am späteren Sieger, Brno gewann den Bewerb in der Folge drei Mal in Serie - bis 1968/69 erstmals auch der sowjetische Meister im Europapokal antrat. In Klagenfurt konnte man mit dem Abschneiden also durchaus zufrieden sein: Acht Siege, vier Niederlagen und ein Torverhältnis von 59:44 lautete die Bilanz zur Premierensaison. Als besonders treffsicher erwiesen sich der kanadische Legionär Adolph Tambellini (17 Tore), der eingebürgerte Adelbert Saint John (15) sowie der "Karawankenbär" Josef Puschnig (10).

 

Die technischen Details zum ersten Europacup-Spiel des KAC:

Die technischen Daten zum ersten Europacup-Spiel des KAC