Klagenfurt verabschiedete sich von Jamie Lundmark

Mit einer stimmungsvollen Zeremonie ehrten Klagenfurt und der EC-KAC gestern Sonntag den im Sommer in den Eishockey-Ruhestand gewechselten Jamie Lundmark. 

Foto: QSpictures

Sonntag, 27. Januar 2019. Um exakt 17.19 Uhr Ortszeit erheben sich über 4.000 Fans in der Stadthalle Klagenfurt von ihren Plätzen: Jamie Lundmark, der erfolgreichste Import-Torschütze der Vereinsgeschichte, betritt durch das dreidimensionale Vereinslogo, die seit 1920 gebräuchliche KAC-Ellipse, lautstark bejubelt die Eisfläche. Für den Kanadier ist es die Rückkehr in sein sprichwörtliches zweites Wohnzimmer der vergangenen sechs Jahre, denn in Kärnten wurden er und seine Familie sesshaft. 15 Klubs aus sechs Nationen repräsentierte Jamie Lundmark in seinen ersten elf Profisaisonen, nur noch einen, den EC-KAC, in den finalen sechs Spielzeiten seiner Laufbahn.

 QSpictures

Unter den Akklamationen des Publikums und zum Introsong seiner Lieblings-TV-Serie „Game of Thrones“ schreitet Jamie Lundmark zur roten Linie, wo er von den Ehrengästen seiner Verabschiedungszeremonie empfangen wird: Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz, Vizebürgermeister Jürgen Pfeiler, Landessportdirektor Mag. Arno Arthofer, EC-KAC-Präsident Dietmar Krenn und Sportmanager Johannes Reichel begrüßen den ehemaligen Stürmer. Den ersten emotionalen Höhepunkt des Abends liefert der EBEL-Broadcaster ServusTV, dessen liebevoll gestaltetes Video, das in knapp zwei Minuten einige der Höhepunkte von Jamie Lundmarks Zeit im KAC-Trikot zusammenfasst, über den Videowürfel der Stadthalle flimmert.

In der nun abgedunkelten Spielstätte schreiten der Ex-Torjäger und die Ehrengäste zum Mittelkreis des Spielfeldes, platzieren sich zentral auf dem durch die Eisschicht schimmernden Vereinslogo. Als erste ergreift die Bürgermeisterin der Stadt Klagenfurt das Wort, sie bedankt sich bei Jamie Lundmark „für die tollen Eishockeymomente, die du Klagenfurt geschenkt hast“ und betont seine Rolle als „Vorbild und Idol für unsere Jugend“. Gemeinsam mit dem Vizebürgermeister überreicht die Bürgermeisterin anschließend „in Würdigung deiner Verdienste um den Kärntner Eishockeysport“ die gerahmte und mit Schleifen in den Farben der Stadt versehene Dank- und Anerkennungsurkunde der Landeshauptstadt. Das abschließende „Vergiss uns nicht!“ von Dr. Mathiaschitz beantwortet der Kanadier mit einer herzlichen Umarmung.

 QSpictures

Dietmar Krenn, der Präsident des EC-KAC, wendet sich in seiner Laudatio an eine „großartige Persönlichkeit auf dem und abseits des Eises“, er hebt hervor, dass Jamie Lundmark Zeit seiner Vereinszugehörigkeit „stets ein Sportsmann erster Klasse, ein Kämpfer für den KAC und ein Idol für die Jugend“ gewesen sei. Der Präsident leitet damit über zur Übergabe der Geschenke des Klubs an seinen ehemaligen Torjäger. Aus den Händen von Sportmanager Johannes Reichel nimmt der mittlerweile 38-Jährige, den im Verlauf seiner aktiven Karriere immer ein besonders spezielles Verhältnis zu seinem Arbeitsgerät ausgezeichnet hatte, den letzten Schläger, mit dem Jamie Lundmark auf Torjagd für den EC-KAC gegangen war, in Empfang. Dieser wurde von Aribrush-Künstler Rene Bernreiter in ein eigenes rot-weißes Design gebracht, versehen mit den Initialen des Kanadiers, den Eckdaten seiner Laufbahn bei den Rotjacken und einer edlen Plakette.

 QSpictures

Das zweite Präsent des Vereins an Jamie Lundmark ist eine von der Klagenfurter Glaskünstlerin Christine Starzacher designte Trophäe von 47 Zentimetern Höhe. Im oberen Teil mit Blattgold verschönert, wurden auf der Glasskulptur mittels Sandstrahlverfahren die wichtigsten Kennzahlen aus den sechs KAC-Jahren des Kanadiers verewigt. Moderator Kurt Frischengruber verweist darauf, dass die Trophäe in dieser Form noch nicht vollständig ist, und leitet damit zum Auftritt von Thomas Koch über. Der langjährige Linien- und Zimmerkollege Jamie Lundmarks skatet von der Spielerbank zum Mittelkreis, eine schwarze Hartgummischeibe in Händen haltend. Es ist genau jener Puck, mit dem Lundmark am 21. November 2017 im Auswärtsspiel bei Fehérvár AV19 seinen 137. Ligatreffer für die Rotjacken erzielt hatte, mit dem er zum besten Import-Torschützen der Vereinsgeschichte wurde. Koch legt die Scheibe in die dafür vorgesehene Ausnehmung im oberen Teil der Trophäe und übergibt die damit nun komplettierte Skulptur an den Kanadier, die Augen der beiden engen Freunde glänzen im Scheinwerferlicht.

 QSpictures

Nun ergreift der umjubelte Geehrte selbst das Mikrofon und beteuert gleich im ersten Satz seiner Dankesrede, dass für ihn „Klagenfurt in den vergangenen sechs Jahre eine zweite Heimat wurde und dies auch immer bleiben wird.“ Er bedankt sich bei „den vielen Leuten, die meine Reise begleitet haben“ und nennt als erstes seine Kinder Austin, Karter und Chloe, er ist „stolz auf die Menschen, zu denen ihr drei euch entwickelt“. Jamie Lundmark hebt nun seine Frau Erica hervor, „die stärkste Persönlichkeit, die ich je getroffen habe“, als er mit einer Liebesbekundung schließt, brandet in der Stadthalle einmal mehr großer Jubel auf.

 QSpictures

Nun dankt der ehemalige Torjäger der Gönnerin des EC-KAC, Gräfin Heidi Goëss-Horten, dem Vereinsvorstand und dem Management, das „all die Jahre hindurch an mich geglaubt hat“. Namentlich erwähnt er auch den legendären Zeugwart der Rotjacken, Karl Klemen. Jamie Lundmark dreht sich um und richtet seine folgenden Worte direkt an die Spielerbank, auf der mittlerweile die Cracks der Rotjacken Platz genommen haben: „Ohne Euch hätte ich nicht so eine gute Zeit in Klagenfurt gehabt.“ Und er setzt fort: „Es ist ein Privileg, das KAC-Trikot zu tragen, seid jeden Tag stolz darauf, es über euren Kopf zu ziehen, und habt Freude daran, miteinander aufs Eis zu gehen und gemeinsam zu kämpfen.“
„Dago, vom ersten Tag unserer Freundschaft an warst du wie ein Bruder für mich, viel von meinem Erfolg hier in Klagenfurt habe ich dir zu verdanken und es war mir eine Ehre, mit dir zusammen zu spielen“, wendet sich Lundmark an Thomas Koch, um sich dann mit einem dreifachen „Danke“ beim Publikum erkenntlich zu zeigen. „Ihr habt es möglich gemacht, dass ich mich in diesen sechs Jahren stets wie zu Hause gefühlt habe, wenn ich dieses Eis betreten habe.“ Der Satz veranlasst die über 4.000 Fans in der Stadthalle dazu, den Namen des Kanadiers im Chor zu preisen. Eine Ehrerbietung, die Lundmark mit den Worten „Es gibt keinen besseren Platz, um meine Eishockeykarriere zu beenden“ erwidert. 

 QSpictures

Den Beweis dafür treten die Zuschauer in den finalen Minuten der Partie gegen Znojmo an, die der EC-KAC souverän mit 5:0 für sich entscheidet. Unter stehenden Ovationen besingen die Fans der Rotjacken den Import-Torschützenkönig der Klubgeschichte weit über die Schlusssirene hinaus. Die siegreiche KAC-Mannschaft verharrt am Beginn ihrer Ehrenrunde lange unterhalb der Sitzplätze von Jamie Lundmark und seiner Familie im Oberrang und verabschiedet sich auch offiziell gebührend vom ehemaligen Mitspieler, der auf Einladung des Trainerstabes bereits im Anschluss an das Vormittagstraining eine emotionale Ansprache vor dem Team in der Kabine gehalten hatte. Nun folgt der gesellige Teil der Jamie Lundmark Night.

 QSpictures