In Klagenfurt Wurzeln geschlagen

Bereits seit 1999 lebt Ryan Foster in Österreich. In Klagenfurt hat er seine Familie gegründet und sich zur Saison 2016/17 einer neuen Herausforderung gestellt: Er fungiert als Head Coach des neu etablierten Farmteams des EC-KAC.

In Klagenfurt Wurzeln geschlagen

Für kac.at: Valentina Witting

Am 2. November 1974 in Brampton, Ontario, geboren, zog sich Ryan Foster bereits im zarten Alter von vier Jahren zum ersten Mal die Schlittschuhe an. Der Kanadier war grundsätzlich ein sehr sportliches Kind, spielte nicht nur Eishockey, sondern auch noch Fußball und Baseball. Als er 14 war, stand er vor der Entscheidung, sich auf eine der Sportarten zu konzentrieren, im Mutterland des Eishockeys fiel ihm diese Wahl nicht sonderlich schwer. Drei Jahre lang repräsentierte er die Capitals aus seiner Heimatstadt Brampton in der Central Ontario Junior Hockey League (COJHL), in der letzten Saison davon verbuchte er 107 Scorerpunkte in nur 36 Spielen. Sein Weg führte ihn jedoch (vorerst) nicht ins Profigeschäft, vielmehr entschied er sich dazu, seine schulische Ausbildung fortzuführen. An der University of Guelph, beheimatet der Kleinstadt im Westen Torontos, konnte er sein Studium mit seiner Leidenschaft, dem Eishockey, verknüpfen, er spielte für die Gryphons, das Team an seinem College. "Für mich war das die perfekte Kombination, ich schloss mein Studium der Kinderpsychologie ab und konnte nebenbei auch Eishockey spielen", erzählt Ryan Foster rückblickend. Nach seiner Graduierung stand wieder der Sport im Vordergrund, er schloss sich dem Team Canada an, das damals (1998/99) noch ganzjährig durch die Hockeywelt tourte und Turniere sowie Freundschaftsspiele bestritt.  

Im Sommer 1999 verließ der damals 24-jährige Nordamerika, um sein Glück in Europa zu (ver-)suchen (und auch zu finden): "Ein damaliger Nachwuchstrainer lotste mich nach Zell am See, wo ich vorerst für drei Jahre blieb. In der ersten Saison verloren wir das Nationalliga-Finale gegen die Graz 99ers, doch da die Bundesliga in diesem Jahr crashte, stiegen wir auch als Vizemeister in die erste Liga auf."
Die Saison 2001/02 beendete Ryan Foster in Übersee bei den Bakersfield Condors, in der folgenden Spielzeit landete er nach kurzen Abstechern nach Villach und Leksand wieder in Zell am See. Für die Eisbären und Dornbirn gelangen dem Stürmer in den folgenden 99 Nationalliga-Partien unglaubliche 257 Scorerpunkte, die seinen Weg zurück in die EBEL ebneten. 2005 kam er zum EC-KAC: Nach einer von Verletzungen geprägten Saison lief es 2006/07 für ihn persönlich besser, die Rotjacken verpassten jedoch zum zweiten Mal hintereinander die Play-Offs. Abseits des Eises gab es für den Kanadier deutlich mehr Anlass zur Freude: Er erhielt während seiner Zeit in Klagenfurt die österreichische Staatsbürgerschaft und - viel wichtiger - lernte in Kärnten seine spätere Ehefrau Barbara kennen.
Seine sportliche Karriere setzte Ryan Foster in der Nationalliga fort, wo er sowohl 2009 als auch 2010 Torschützenkönig und 2011 (mit der VEU Feldkirch) auch Meister werden konnte. Nach einer weiteren Saison bei den Vorarlbergern ließ er seine in Österreich so erfolgreiche aktive Laufbahn (796 Scorerpunkte in 473 Einsätzen in den beiden höchsten Spielklassen) ausklingen und übersiedelte mit der mittlerweile vierköpfigen Familie (Sohn Ben und Tochter Zoe) zurück nach Klagenfurt.

Bei den Rotjacken war der nunmehrige Austro-Kanadier zunächst als Nachwuchstrainer in der U16 und U18 aktiv, ab 2014/15 unterstützte er den zweimaligen Interimstrainer Alexander Mellitzer auch im Coaching der Kampfmannschaft. Nachdem er im Sommer 2016 seinen Diplomtrainerkurs abschloss, übernahm er gemeinsam mit Kirk Furey das neu geschaffene Farmteam des EC-KAC in der Sky Alps Hockey League:  "Ich habe diese Herausforderung natürlich gerne angenommen. Schon in der Vergangenheit war ich der Meinung, dass der Sprung von der U20 zu den Profis einfach zu groß war. Es bedurfte einer Veränderung, um unser Output aus dem Unterbau heraus zu vergrößern, einer Zwischenstufe vom Junioren- in den Seniorenbereich. Diese Brücke haben wir geschlagen und ich denke, dass der EC-KAC damit absolut am richtigen Weg ist", beschreibt Foster das neue Zukunftsprojekt des Klubs. Schon nach drei Monaten im Trainings- und Spielbetrieb ortet er deutliche Verbesserungen: „Die Spieler wachsen an der Herausforderung, viele von ihnen haben bereits einige Schritte nach vorne gemacht. Die Resultate sind vorerst zweitrangig, es geht um die Entwicklung und die ist zweifellos positiv.“

Rückblickend gibt der heute 42-jährige zu, dass das vor vier Jahren erfolgte Ende seiner aktiven Karriere auch von einer gewissen Unsicherheit gekennzeichnet war: "Mir war nicht klar, wohin mich mein Lebensweg führen würde, schließlich war es 14 Jahre lang mein Beruf gewesen, Eishockey zu spielen." Die Entscheidung, in den Trainerbereich zu wechseln, hat er nicht bereut, ganz im Gegenteil: "Ich lebe unglaublich gerne in Klagenfurt, habe hier mit meiner Familie Wurzeln geschlagen. Im Klub herrscht in den letzten Jahren eine sehr positive, professionelle Atmosphäre, es ist toll, den Weg in die Zukunft, den dieser traditionsreiche Verein EC-KAC eingeschlagen hat, mitzugehen. Besonders schön ist es, mit jungen Spielern zu arbeiten und sie beim Herantasten an das Profileben anzuleiten und zu unterstützen."

 

In Klagenfurt Wurzeln geschlagen
EC-KAC II Head Coach Ryan Foster mit seiner Frau Barbara und den Kindern Ben und Zoe.