Auswärtserfolg nach famosem Schlussdrittel

Der EC-KAC verwandelte im Auswärtsspiel in Salzburg am Freitagabend einen Rückstand nach 40 Minuten noch in einen 5:2-Erfolg. 

Foto: GEPA/RedBull/Walter

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC punktete zwar in 13 seiner letzten 16 Ligaspiele, verpatzte jedoch seinen Start in die Pick Round: Nach einer 1:2-Overtime-Heimniederlage gegen die Vienna Capitals am Sonntag unterlagen die Rotjacken am Dienstag in Folge von zwei Gegentreffern in den beiden letzten Spielminuten auch bei Fehérvár AV19 (mit 3:5). Klagenfurt nahm das Auswärtsspiel in Salzburg damit von Tabellenrang drei aus in Angriff. In der Fremde war Rot-Weiß im bisherigen Saisonverlauf das erfolgreichste Team der Liga, 14 von 21 Partien wurden gewonnen, darunter auch das letzte Auswärtsspiel in der Mozartstadt: Vor drei Wochen setzte sich der EC-KAC dank zweier Powerplay-Tore und einem Empty-Net-Treffer mit 3:1 durch.

Der EC Salzburg bestritt in der Zwischenrunde erst ein Spiel und verlor dieses (am Sonntag) auswärts beim überlegenen Spitzenreiter HCB Südtirol mit 2:4. Überhaupt hatte der Ligakrösus in den vergangenen Wochen mit seiner Form zu kämpfen, in elf der jüngsten 14 Partien gab man zumindest einen Punkt ab. Gegen den EC-KAC siegten die Bullen im ersten Saisonduell im Oktober zu Hause mit 4:2, seither gingen sie jedoch drei Mal in Folge als Verlierer vom Eis: Die Rotjacken siegten auf eigenem Eis mit 4:1 und 6:3 sowie auswärts mit 3:1. In der Zwischenrunde agierte Salzburg in der Vergangenheit allerdings sehr erfolgreich: Historisch betrachtet holte nur der nicht mehr in der Liga vertretene HC Orli Znojmo (1,83) mehr Punkte pro Pick-/Qualification Round-Begegnung als die roten Bullen (1,75).

 

Die Personalien:

Die Rotjacken mussten in Salzburg ohne David Fischer, Paul Postma und Niki Kraus (alle langzeitverletzt) sowie Dennis Sticha (verletzt) auskommen. Gegenüber dem Spiel in Székesfehérvár am Dienstag standen hingegen Sebastian Dahm und Lukas Haudum wieder zur Verfügung. Dadurch wechselte Samuel Witting in die Formation zu Hundertpfund/Bischofberger, Daniel Obersteiner komplettierte den Block mit Geier/Geier. Als zusätzlicher siebter Verteidiger wurde Michael Kernberger aufgeboten, 13. Stürmer im Lineup war Neuzugang Alexander Cijan, dessen 350. Spiel in Österreichs höchster Spielklasse somit sein erstes für seinen Stammverein EC-KAC war. Im 43. Saisonspiel unterboten die Klagenfurter die Marke von 50 Kaderpunkten zum 43. Mal.

 

Der Spielverlauf:

In einem an Torchancen gut bestückten Startdrittel hatten die Gastgeber die erste Gelegenheit, Ex-KAC-Crack Stefan Espeland kam im Slot zum Abschluss, sein Schuss wurde jedoch geblockt (1.). In ihrem nächsten Angriff waren die Bullen erfolgreicher: Jack Skille kam mit drei Haken von der linken Halfwall bis an den Torraum und schob den Puck im zweiten Versuch am Schoner Sebastian Dahms vorbei (2.). Noch in der gleichen Minute traf der von hinter dem Tor aus vor den Kasten gestochene Tim Harnisch aus spitzem Winkel den Außenpfosten. Richtig ins Spiel fanden die Rotjacken erst im Zuge ihres ersten Powerplays, in dem Möglichkeiten von Petersen (3.), Haudum und Hundertpfund (jeweils 4.) aber ungenutzt blieben. Danach traf Rok Tičar aus dem Slot und der Drehung das Gehäuse nicht (5.), auf der Gegenseite setzte Alexander Rauchenwald den Abschluss einer feinen Kombination aus bester Position über die Querlatte (7.). Der von Thomas Hundertpfund steil geschickte Lukas Haudum scheiterte bei seinem Sololauf an der Stockhand von Jesper Eliasson (9.), danach holte Stefan Geier auch das zweite KAC-Powerplay des Abends heraus: Die beste Gelegenheit bei numerischem Vorteil hatte Matt Fraser, der, von Tičar von hinter dem Tor aus bedient, von den linken Hashmarks aus aber nur Lukas Schreier traf (15.). Wenig später fand Johannes Bischofberger von der blauen Linie aus den frei am Crease positionierten Stefan Geier, der den scharfen Diagonalpass seines Tramkollegen aber deutlich über das Gehäuse abfälschte (17.). Der muntere Schlagabtausch setzte sich fort: Filip Varejcka nahm Kele Steffler den Puck ab und bediente dem im Zentrum freien Alexander Rauchenwald, doch Sebastian Dahm ließ seine Fanghand hochschnellen (18.). Quasi im Gegenzug belohnten sich die Rotjacken mit dem längst verdienten Ausgleich: Von links versuchte Manuel Ganahl den Querpass auf den mittig vorgestoßenen Rok Tičar, die Scheibe landete aber auf der rechten Seite bei Nick Petersen, der aus recht ungünstigem Winken gedankenschnell abschloss und somit das Score ausglich (18.). 

Klagenfurt killte ein in den zweiten Abschnitt mitgenommenes Unterzahlspiel gut und kam dann selbst zu Chancen, doch Thomas Kochs Schlagschuss von rechts traf Eliasson, der Versuch Manuel Ganahls aus ähnlicher Position streifte das Gestänge (jeweils 22.). Dann fanden die Gastgeber zwei großen Gelegenheiten vor: Nico Feldner setzte das Finale eines „Drei-gegen-Eins“-Angriffs über das Tor (25.), als Austin Ortega halblinks an einen Rebound gelangte und das halbleere Gehäuse vor sich hatte, rettete Sebastian Dahm mit einer starken Grätsche (27.). Bei einem Odd Man Rush der Rotjacken schoss Kele Steffler von rechts selbst, Eliasson parierte mit dem Blocker, Salzburg konterte und der eben noch in der Offensiv knapp gescheiterte KAC-Verteidiger musste in der Defensive zum Foul greifen. In dieser „Vier-gegen-Drei“-Situation gingen die Roten Bullen auch neuerlich in Führung: Alexander Rauchenwald scheiterte noch vom Torraum aus, aber den bei Jack Skille landenden Abpraller verfrachtete dieser gekonnt in die kurzen Kreuzecke (32.). Im nächsten Salzburger Powerplay kam John Hughes aus aussichtsreicher Position zum Abschluss, Manuel Ganahl rutschte im letzten Moment dazwischen und blockte stark (34.). Danach hatten wieder die Gäste die besseren Möglichkeiten: Der über die Bande von Petersen steil geschickte Thomas Vallant zog von links nach innen, blieb aber am Beinschoner des Torhüters hängen (36.), als der Defender wenig später einen Onetimer am Fraser-Screen vorbeiknallte, war Eliasson erneut mit den Pads zur Stelle (38.). Die letzte Offensivaktion im zweiten Durchgang hatte Rot-Weiß bei numerischem Vorteil: Ein sattes Pfund aus der Distanz von Gregorc fälschte Tičar hauchdünn am Pfosten vorbei ab (39.).

Früh im dritten Abschnitt stellten die Rotjacken das Score auf den Kopf, als sie innert 18 Sekunden gleich doppelt anschreiben konnten. Zunächst ließ Rok Tičar hinter dem gegnerischen Gehäuse seinen Gegenspieler mit einem „Doppelpass mit dem Gestänge“ stehen, bediente den über rechts heranbrausenden Nick Petersen und dieser sendete zum Ausgleich ein. Dann band Samuel Witting an der linken Halfwall zwei Gegenspieler, sodass Johannes Bischofberger den Querpass an den rechten Faceoff-Kreis spielen konnte, von wo aus Thomas Hundertpfund per aufgeknietem Onetimer erfolgreich war (jeweils 43.). Salzburg zeigte eine gute, giftige Reaktion auf den erstmaligen Rückstand und spielte sich mehrere große Gelegenheiten heraus: Bei einem Solo von Derek Joslin parierte Dahm, der Rebound landete genau bei Ortega, der aus kurzer Distanz erneut am gut aufgelegten KAC-Goalie scheiterte (44.). Der US-Amerikaner kam im nächsten Überzahlspiel für sein Team zu einer weiteren kapitalen Möglichkeit: Von John Hughes am Torraum bedient, wischte er allerdings über die Scheibe (51.). Als die Rotjacken mit einem Mann mehr agieren durften, scheiterten Matt Fraser mit einem Onetimer (52.) und Manuel Geier mit einem gestocherten Versuch an Jesper Eliasson (53.), nach Ablauf der Strafzeit tippte im Gedränge am Crease Thomas Koch einen Rebound neben das Gehäuse (54.). Ein spätes Überzahlspiel, das insgesamt fünfte des Abends für den EC-KAC, brachte dann die Entscheidung: Manuel Ganahl schlenzte aus dem Rückraum scharf an den Torraum, wo Manuel Geier seine Deflection so setzte, dass der Puck in der Kreuzecke einschlug (58.). Salzburg riskierte noch einmal alles, spielte „Sechs-gegen-Vier“, doch bei einem Abstimmungsproblem an der blauen Linie spritzte Thomas Hundertpfund dazwischen, der die Scheibe aus der neutralen Zone und mit der Rückhand ins verwaiste Tor beförderte und somit dem Endstand von 2:5 fixierte (59.). (HB)

 

Der Kommentar:

„Salzburg begann sehr druckvoll, wir wirkten teilweise überrumpelt, das ist nicht, wie wir auftreten wollen. Aber nach ein paar Minuten haben wir zu unserem Rhythmus gefunden und agierten, obwohl uns der Gegner über die gesamte Spielzeit hinweg unter Druck setzte, sehr solide. Wir haben uns im Verlauf der Partie Schritt für Schritt gesteigert, verbesserten uns im Schlussdrittel vor allem hinsichtlich unserer Lauf- und Bewegungsmuster. Spiele wie dieses werden meist nur durch einen Bounce entschieden, heute hatten wir diesen auf unserer Seite, denn es war ja keineswegs so, dass Salzburg im Schlussabschnitt schlecht gespielt hat. Wir haben gewonnen, das ist schön und macht uns froh, aber wir möchten zukünftig mehr Abschlüsse suchen als in den ersten 40 Minuten, mehr Drecksarbeit vor dem gegnerischen Tor verrichten und so Treffer erzwingen.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Mit seinem ersten Sieg in der Pick Round, dem insgesamt bereits vierten in Folge gegen den EC Salzburg, kehrte der EC-KAC wieder auf den zweiten Tabellenplatz zurück. Die Rotjacken halten nun - wie die Vienna Capitals, die am Freitag bei Fehérvár AV19 einen 11:3-Kantersieg feiern konnten - bei sechs Zählern. Die einzige vor den Klagenfurtern platzierte Mannschaft ist auch der nächste Gegner für Rot-Weiß: Am Sonntag (Spielbeginn: 17.30 Uhr) empfängt der EC-KAC den HCB Südtirol in der Stadthalle. Diese Begegnung wird wieder TV-gerecht über die Liga-Plattform live.ice.hockey gestreamt, Sendungsbeginn ist um 17.15 Uhr.