Auswärtssieg nach klarem Rückstand

Der EC-KAC kämpfte sich am Freitagabend von einem 0:3-Defizit nach 40 Minuten zurück ins Spiel und gewann auswärts gegen Orli Znojmo im Penaltyschießen. 

Foto: Orli Znojmo/Pfeffer

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC holte aus seinen ersten sechs Ligaspielen der neuen Saison acht Zähler und ging damit auf Tabellenplatz sechs liegend in das Auswärtsspiel beim Tabellennachbarn Orli Znojmo. In der vergangenen Woche folgte für die Rotjacken auf einen 1:0-Erfolg in Innsbruck eine 2:4-Heimniederlage gegen Linz. Die Nevoga Aréna ist jene EBEL-Spielstätte, in der die Klagenfurter historisch betrachtet mit 66,7 Prozent die höchste Siegesquote aufweisen können, allerdings mussten sie sich bei jedem ihrer jüngsten drei Auftritte in Tschechien geschlagen geben.

Orli Znojmo ließ auf eine Auftaktniederlage gegen Graz drei Siege hintereinander folgen, in ihrem letzten Spiel am vergangenen Samstag in Salzburg führten die Adler nach Abschnitt eins bereits mit 3:0, unterlagen letztlich aber im Penaltyschießen. Vor eigenem Publikum hatten die Tschechen in der jüngeren Vergangenheit häufig Probleme: Seit dem Vizemeistertitel 2016 gewann Znojmo weniger als die Hälfte (40) seiner ausgetragenen (86) Heimspiele. In Duellen zwischen dem EC-KAC und den Südmähren galt zuletzt jedoch stets der Gastgeber-Vorteil: Sechs Mal in Folge setzte sich die jeweilige Heimmannschaft durch.

 

Die Personalien:

Die Rotjacken mussten in Znojmo weiterhin ohne Steven Strong und Niki Kraus (beide verletzt) auskommen, zudem verzichtete der Trainerstab auf die Mitwirkung von Adam Comrie und Nick Petersen. Für die beiden Legionäre rückten Ramón Schnetzer und Daniel Obersteiner in das Lineup auf. Der Verteidiger war in diesem Auswärtsspiel Teil der vorgesehenen Rotation der sieben Abwehrspieler, der Stürmer nahm die Center-Position zwischen Manuel Ganahl und Lukas Haudum ein. Zudem wechselten gegenüber der Partie gegen Linz im Angriff Stefan Geier und Marco Richter ihre Positionen. Im Tor des EC-KAC stand auch in Tschechien Lars Haugen.

 

Der Spielverlauf:

Der erste Abschluss der Partie kam von den Gastgebern: Aus zentraler Position verzog der aufgerückte Verteidiger Kevin Tansey knapp (1.). Noch ehe die Rotjacken zu einer ersten guten Gelegenheit kamen, führte Znojmo bereits: Bei einem „Drei-gegen-Zwei“-Angriff wurde Tomáš Svoboda zwar recht weit nach Linksaußen abgedrängt, dennoch konnte er Lars Haugen hoch in der kurzen Ecke bezwingen (3.). Sein Gegenüber Teemu Lassila griff bei einem Schlenzer von Lukas Haudum aus Mittelstürmerposition mit der Fanghand zu (4.), auch gegen den unmittelbar vor ihm von Matthew Neal bedienten Thomas Koch blieb der Finne Sieger (6.). Weil Thomas Hundertpfund bei einem Odd Man Rush regelwidrig gestört wurde, kamen die Klagenfurter zu einem ersten Powerplay, dieses brachte jedoch nichts ein. Eine gute Minute nach dem Wiedererlangen der Vollzähligkeit verdoppelte Znojmo seinen Vorsprung: Aus der rechten Ecke heraus brachte Petr Beránek einen (von Stehlík verlängerten) Diagonalpass auf Aleš Sova an, den der Tscheche mit einem mächtigen Schlagschuss in die lange Ecke zimmerte (11.). Nach einem Steal von Petter Hansson in der Angriffszone traf Andrew Kozek die Scheibe nicht richtig (12.), aus halblinker Position verzog wenig später Lukas Haudum (15.). Als Matthew Neal im Zentrum durchbrach und noch gelegt wurde, blieb Adam Sedlák unbestraft (17.), die Rotjacken setzten sich aber auch bei numerischem Gleichstand in der Angriffszone fest: Haudum zog aus dem hohen Slot ab, Daniel Obersteiner verpasste den Abpraller an den Hashmarks nur knapp (19.). 

Die Klagenfurter nahmen ein Powerplay mit in den zweiten Durchgang: David Fischers Kracher streifte noch Metall und traf dann den Schiedsrichter, der kurzzeitig zu Boden ging (21.). Einen Schlenzer von Clemens Unterweger konnte Teemu Lassila einmal mehr nicht festhalten, den von ihm wegspritzenden Puck brachte Andrew Kozek jedoch nicht im Kasten unter (24.). Nach einem recht guten KAC-Überzahlspiel, das jedoch ohne Auswirkung auf den Spielstand blieb, zogen die Gastgeber weiter davon: Einen „Zwei-gegen-Eins“-Angriff schloss Abwehrspieler Antonín Bořuta selbst ab – sein gezogener Wristshot schlug zum 3:0 in der kurzen Kreuzecke ein (26.). In Minute 29 kamen beide Teams zu jeweils einer guten Gelegenheit: Der weit in die Offensivzone vorgedrungene Tansey scheiterte von halblinks an Lars Haugens Schulter, ein Onetimer von Petter Hansson aus dem Slot wurde noch entscheidend neben das Gehäuse abgefälscht. Als Bořuta hinter dem eigenen Kasten die Balance verlor, schaltete Johannes Bischofberger schnell: Er brachte die Scheibe sofort an den Torraum zu Marco Richter, der im ersten Versuch scheiterte und vor dem zweiten gefoult wurde (33.). Das daraus resultierende Powerplay brachte ebenfalls keinen KAC-Treffer. Als der Puck in Minute 36 sekundenlang im Crease lag, behinderten sich im Getümmel die drei Rotjacken-Stürmer und zwei Znojmo-Verteidiger gegenseitig bei ihren Versuchen, irgendwie an das Spielgerät zu kommen.

Wie entschlossen die Klagenfurter dann jedoch zum dritten Abschnitt auf das Eis kamen, demonstrierte Lukas Haudum, der nach einem 40-Meter-Vorstoß, bei dem er vier Tschechen stehen gelassen hatte, nur knapp an Teemu Lassila scheiterte (42.). Schon im nächsten Shift kamen die Rotjacken auf die Anzeigetafel: Mit einem Steilpass von neben dem eigenen Kasten aus setzte Patrick Harand Siim Liivik in Szene, der zwei Gegenspieler abschüttelte und letztlich mit einem Rückhand-Vorhand-Move auch Znojmos Schlussmann tunneln konnte (43.). Nur 73 Sekunden später verkürzte der EC-KAC weiter: Ramón Schnetzer fing mit einem mutigen Schritt einen Rim-Pass der Tschechen ab, wurde gelegt, brachte den Puck aber noch im Fallen ins Zentrum, wo Andrew Kozek Maß nahm und zum Anschlusstreffer einsendete (44.). Rot-Weiß hatte noch nicht genug: Mit der Rückhand nahm Matthew Neal die Scheibe von der Halfwall aus zwischen drei Gegenspielern hindurch mit in den Slot, legte sich das Spielgerät auf die Vorhand und pfefferte es zum Ausgleich in die linke Kreuzecke (47.). Um ein Haar wäre den nun energisch aufspielenden Klagenfurtern wenig später die erstmalige Führung gelungen: Stefan Geier, der den verletzt ausgeschiedenen Manuel Ganahl ersetzte, schlenzte aus halblinker Position über den Kasten (48.). Znojmo konsolidierte sich in der Folge, nach einem noch abgefälschten Bischofberger-Wristshot (52.), kamen die Hausherren in der Schussphase noch zu einigen Halbchancen (Beránek/59., Stehlík/60.), die jedoch allesamt bei Lars Haugen gut aufgehoben waren. 

In der fällig gewordenen Verlängerung hatte der EC-KAC die besseren Möglichkeiten, doch weder Kozek (63.) noch zwei Mal Fischer (63./65.) brachten den Puck in die Maschen. Die aussichtsreichste Gelegenheit der Adler, eine Doppelchance für Anhony Luciani (64.), mündete ebenso wenig in einem Treffer, sodass die Entscheidung im Penaltyschießen fallen musste. Dort vergaben jeweils die ersten drei Schützen beider Teams (bei den Klagenfurtern Kozek, Obersteiner und Neal), ehe Andrew Kozek seinen zweiten Versuch mit der Vorhand unter die Querlatte setzte. Haugen hielt den finalen Versuch von Phil McRae und die Rotjacken konnten sich nach wilder Aufholjagd über einen Charakter-Sieg in der Fremde freuen. (HB)

 

Der Kommentar:

„Insgesamt war das ein Spiel, mit dem wir zufrieden sein können, denn wir haben gesehen, was gut funktioniert und was weniger gut klappt. Im ersten Abschnitt waren wir das bessere Team, kassierten aber zwei Gegentreffer ohne große Vorgeschichte. Durchgang zwei war schwierig für uns, weil wir nicht richtig in den Spielrhythmus gefunden haben, zu hektisch agierten. Das Comeback im dritten Drittel konnte sich dann sehen lassen, letztlich holten wir zwei sehr wichtige Punkte. Die Mannschaft kann sich über einen Charakter-Sieg freuen.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Mit seinem zweiten Auswärtssieg hintereinander verringerte der EC-KAC den Abstand zu Tabellenführer Salzburg auf vier Zähler, die Rotjacken liegen allerdings unverändert auf dem sechsten Rang. Die Möglichkeit, weiteren Boden gut zu machen, ergibt sich für die Klagenfurter bereits am Sonntag (Spielbeginn: 17.30 Uhr), wenn die Graz 99ers in der Stadthalle zu Gast sein werden. Die Steirer besiegten am Freitagabend Dornbirn und kommen als Zweiter im EBEL-Ranking nach Kärnten. Für diese Begegnung sind aktuell noch rund 95 Sitz- und 850 Stehplätze verfügbar, die durchgehend im Online-Ticketshop des EC-KAC sowie am Spieltag ab 16.00 Uhr an der Abendkassa bezogen werden können.