Blasse Rotjacken zu Hause ohne Tor

Ein uninspirierter Auftritt des EC-KAC gegen sehr passive Gäste hatte am Dienstagabend eine Heimniederlage zur Folge, die Rotjacken unterlagen dem HCB Südtirol mit 0:1.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC konnte drei seiner jüngsten vier Spiele für sich entscheiden und in jeder dieser Partien punkten. Am Sonntag dominierten die Rotjacken das vierte Kärntner Derby der Saison klar und gingen letztlich als 3:0-Sieger vom Eis. In der heimischen Stadthalle konnten die Klagenfurter elf ihrer bislang 16 Partien für sich entscheiden, darunter auch das erste Saisonheimspiel gegen den HCB Südtirol (Ende November mit 3:0). Überhaupt vermochte Rot-Weiß in Heimspielen gegen die Füchse in der jüngeren Vergangenheit meist zu überzeugen, jede der jüngsten sieben Begegnungen in der Landeshauptstadt endete mit einem KAC-Erfolg. 

Der HCB Südtirol kam als Tabellensechster nach Klagenfurt. In der Vorwoche wechselte der Klub als zweiter EBEL-Verein in der laufenden Saison seinen Head Coach, unter der neuen Führung von Greg Ireland kamen die Füchse zu einem knappen, erst in der Schlussphase fixierten 3:1-Erfolg beim HC Innsbruck am Freitag, ehe sie sich am Montagabend vor eigenem Publikum überraschend dem Schlusslicht aus Dornbirn im Penaltyschießen geschlagen geben mussten (2:3). Gegen die Rotjacken war der HCB zuletzt zwei Mal in Folge - ein Mal zu Hause, ein Mal auswärts, Endstand jeweils 0:3 aus Sicht der Italiener - ohne erzielten Treffer geblieben.

 

Die Personalien:

Der EC-KAC bestritt das zweite Heimspiel innerhalb von 50 Stunden mit dem exakt gleichen Aufgebot wie das Kärntner Derby am Sonntag. Neben dem langzeitverletzten Marcel Witting mussten die  Rotjacken unverändert auf Lars Haugen (leicht verletzt), Siim Liivik und Nick Petersen (beide angeschlagen) verzichten. Das Lineup des amtierenden Meisters umfasste damit zum achten Mal in den vergangenen neun Runden weniger als 50,0 Kaderpunkte.

 

Der Spielverlauf:

Die Rotjacken sahen sich nach einem klaren Wechselfehler früh in der Partie mit einer numerischen Unterlegenheit konfrontiert, lösten diese Situation mit insgesamt fünf Befreiungen aber souverän. Sie kamen mit einem Mann weniger sogar zur ersten Torchance der Partie: Patrick Harand zog bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Vorstoß selbst ab, HCB-Goalie Leland Irving parierte mit dem Blocker (2.). Weil dann auch die Gäste falsch wechselten, kam der EC-KAC ebenfalls zu einem frühen Powerplay: Andrew Kozek feuerte eine Direktabnahme auf den Kasten der Südtiroler, Irving konnte parieren und stoppte dann Manuel Ganahl, der es am Nachschuss mit der Rückhand versucht hatte, mit der Schulter (6.). In der achten Spielminute kam ein langer Diagonalpass von Colton Hargrove an der blauen Linie bei Luca Frigo an, der über rechts Meter machte und dann aus dem Handgelenks abzog - von Andrew Kozeks Schläger leicht abgefälscht fand der Puck den Weg via Innenstange in die Maschen. Das Spiel bestimmten zwar unverändert die Hausherren, die Zahl der tatsächlich gefährlichen Gelegenheiten blieb jedoch gering. Bei einem Onetimer von Kozek aus dem Zentrum hielt der Schlussmann der Füchse in der Grätsche (8.), einen Comrie-Schuss nach Torumrundung von Johannes Bischofberger pflückte er mit der Fanghand herunter (9.). Auch einen Rückhand-Versuch des aus der Ecke vor den Kasten gezogenen Patrick Harand hatte Irving mit dem Catcher (12.). Bolzanos einzige gefährliche Aktion im verbleibenden Startdrittel war in Minute 15 ein verdeckter Schlenzer von Tim Daly, den Catenacci aus kurzer Distanz knapp neben die Stange abfälschte. 

Eine gute Möglichkeit auf den Ausgleich fanden die Rotjacken zu Beginn des Mittelabschnittes vor, als Manuel Ganahl von der rechten Seite aus mit der Rückhand am Schoner von Leland Irving scheiterte (24.). Dies war der Auftakt zur besten Phase der Klagenfurter im Spiel: Nach einem satten Unterweger-Blueliner versuchte Bischofberger, den Rebound über die Linie zu arbeiten, wurde dabei jedoch vom Pfiff des Schiedsrichters unterbrochen (25.), als David Fischer den Puck nach einer Torumrundung dem Crease entlang spielte, wischten dort sowohl Marco Richter als auch Lukas Haudum über das Spielgerät (26.). Im zweiten KAC-Powerplay des Abends blieb ein Wristshot von Ganahl von links die einzige nennenswerte Gelegenheit, Irving machte sich breit und parierte (31.). Die beste Chance auf das 1:1 fand dann Johannes Bischofberger vor, der eine Hundertpfund-Vorlage direkt übernahm, den Puck aber auf die Maske des HCB-Goalies setzte (33.). Auch die letzte Offensivaktion im zweiten Abschnitt gehörte den Klagenfurtern: Der von Petter Hansson eingesetzte Matthew Neal schoss aus halbrechter Position über den Kasten und setzte bei seiner zweiten Möglichkeit in diesem Wechsel seinen Abschluss zu zentral auf Leland Irving (jeweils 38.).

Die Klagenfurter starteten energisch in das Schlussdrittel, Adam Comrie knallte einen Distanzschuss aus dem Handgelenk ins Außennetz (41.), Andrew Kozeks Schuss aus geringer Entfernung wurde noch geblockt (42.) und nach Scheibeneroberung von Stefan Geier hinter dem gegnerischen Gehäuse verhinderte Daly am Eis liegend die sehr aussichtsreiche Ablage auf den heranstürmenden Patrick Harand (45.). Danach verfielen die Rotjacken allerdings wieder in den Trott der ersten 40 Minuten, sie agierten, obwohl sie über lange Sequenzen hinweg im Scheibenbesitz waren, zu behäbig und uninspiriert, um tatsächlich aussichtsreiche Gelegenheiten herauszuspielen. Als Daniel Catenacci über die rechte Flanke nach innen zog, verhinderte David Madlener mit beherztem Eingreifen einen weiteren Gegentreffer (49.). Eine feine Einzelaktion von Comrie, der nur mit einem Foul gestoppt werden konnte, mündete im dritten KAC-Powerplay an diesem Abend, dort blieb ein von Ganahl neben das Tor gesetzter Rebound nach Unterweger-Schuss allerdings die einzige gefährliche Möglichkeit (54.). Weil Madlener auch gegen den von Catenacci am Torraum angespielten Sylvestre parierte (57.), blieben die Rotjacken bis in die absolute Schlussphase hinein in Schlagdistanz. Thomas Hundertpfund lenkte einen Fischer-Schlenzer über die Querlatte ab (58.), ein abgefälschter Schlagschuss des Verteidigers flog knapp am Pfosten vorbei (60.) und die Heimniederlage der Klagenfurter war besiegelt. (HB)

 

Der Kommentar:

„Wir waren heute mental überhaupt nicht auf der Höhe und fanden über 60 Minuten hinweg kaum zu unserem Spiel. Bolzano spielte gestern Abend, hatte eine lange Anreise und konnte es sich leisten, bloß die eigene Zone dicht zu machen, um drei Punkte mitzunehmen, weil wir viel zu wenig Zug zum Tor und Nachdruck etablierten. Nach dem großen Sieg am Sonntag im Derby haben wir nicht realisiert, dass es heute um genau gleich viele und gleich wichtige Zähler ging. Unterm Strich bleibt heute kaum etwas Positives, ein enttäuschender Abend.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC blieb am Dienstagabend zum ersten Mal seit dem 11. Februar 2018 oder 58 Heimspielen ohne Torerfolg in der Stadthalle und wurde damit in der Tabelle sowohl von Orli Znojmo (58 Punkte) als auch vom HCB Südtirol (57) überholt. Die nun sechsplatzierten Rotjacken (56) haben allerdings weniger Spiele ausgetragen als die unmittelbar vor ihnen liegenden Teams, nach Verlustpunkten stehen sie unverändert auf Rang drei. Im weiteren Verlauf der Woche bestreiten die Klagenfurter noch zwei Partien: Am Freitagabend (Spielbeginn: 19.15 Uhr) treten sie bei Schlusslicht Dornbirn an, am Sonntag (16.00 Uhr) empfangen sie im Rahmen des nächsten Familientages vor heimischer Kulisse Orli Znojmo.