Furiose Rotjacken holen ersten Endspielsieg

Der EC-KAC startete am Sonntagabend mit einem tollen 6:0-Auswärtserfolg beim HCB Südtirol in die Finalserie der bet-at-home ICE Hockey League.

Foto: HCB Südtirol/Antonello

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC prolongierte seine gute Form der vergangenen Monate auch in den bisherigen Playoffs: Von ihren 32 im Kalenderjahr 2021 ausgetragenen Partien haben die Klagenfurter gleich 25 gewonnen, in der KO-Phase der Meisterschaft setzten sie sich im Viertelfinale gegen den EC VSV und im Halbfinale gegen den EC Salzburg jeweils klar mit 4:1 durch. Die Rotjacken zogen damit zum insgesamt 22. Mal in ihrer Klubgeschichte in die Finalserie in Österreichs höchster Spielklasse ein. Vor dem ersten Endspiel konnte der Rekordmeister auch die beste Saisonbilanz aller elf Teams der bet-at-home ICE Hockey League vorweisen, im Schnitt wurden im Spieljahr 2020/21 bislang 2,02 Punkte pro Partie eingefahren. Auch Auswärts performten die Rotjacken heuer bislang gut: 19 von 28 Spielen wurden gewonnen, zwei auch gegen den Grunddurchgangssieger aus Italien.

Der HCB Südtirol lag über weite Strecken der laufenden Saison auf dem ersten Tabellenplatz und übersprang auch die beiden ersten Playoff-Hürden insgesamt recht souverän: Im Viertelfinale wurden die Bratislava Capitals nach einer Heimniederlage zum Auftakt noch mit 4:1 besiegt, im Halbfinale sicherte der einzige Auswärtssieg der Serie in Spiel sechs am Mittwoch einen 4:2-Erfolg gegen die Vienna Capitals. Unter der Führung von Head Coach Greg Ireland lieferten die Füchse im achten Jahr ihrer Ligazugehörigkeit bisher die deutlich beste Saisonbilanz ab, 40 von bislang 59 Begegnungen wurden gewonnen. Schwer taten sich die Italiener allerdings gegen den EC-KAC, in sechs Saisonduellen setzten sie sich nur zwei Mal durch, alle Konfrontationen waren jedoch sehr hart umkämpft und dem Ergebnis nach eng: In fünf der sechs Spiele trennte die beiden Mannschaften am Ende nur ein Treffer.

 

Die Personalien:

Der EC-KAC musste auch zum Auftakt der Finalserie auf die Langzeitverletzten David Fischer (bisher kein Saisonspiel), Paul Postma und Dennis Sticha (beide seit Mitte Februar out) verzichten. Alle übrigen Kaderspieler waren einsatzfähig, die Rotjacken traten demnach mit dem exakt gleichen Lineup an, das sechs Tage zuvor auf eigenem Eis den Finaleinzug fixiert hatte. Im 17. Ligaspiel hintereinander standen lediglich fünf Legionäre im Aufgebot der Klagenfurter, weniger waren es bei einem Finalspiel zuletzt im Jahr 2004.

 

Der Spielverlauf:

Die ersten erwähnenswerten Offensivaktionen setzten die Klagenfurter in Person von Steven Strong: Seinen Wristshot aus dem hohen Slot nach starkem Antritt hatte Goalie Leland Irving sicher, den nächsten Schlenzer des Verteidigers von Rechtsaußen fälschte Daniel Obersteiner an der kurzen Stange vorbei ab (jeweils 3.). In einem ersten Überzahlspiel der Hausherren parierte Sebastian Dahm einen Fournier-Schlagschuss aus der Distanz ohne Probleme, als die Rotjacken „Zwei-gegen-Eins“ konterten, verfehlte Manuel Ganahl von halblinks den Kasten (jeweils 6.). Ein Querpass von Thomas Koch von der linken Seite an den Crease fand keinen Abnehmer, auf der Gegenseite fälschte Anthony Bardaro im Zentrum einen Robertson-Schuss gefährlich ab, Dahm war mit den Beinschonern aufmerksam (jeweils 11.). Dann ging der EC-KAC in Führung: Martin Schumnig ging am rechten Flügel tief, brachte den scharfen und flachen Querpass an den Torraum an, von der Pad-Spitze von Torhüter Irving aus sprang die Scheibe in die Maschen (12.). Bei einem Schuss von Gleason Fournier von weit Linksaußen war Sebastian Dahm die Sicht verstellt, der Puck landete auf seiner Maske (13.). Es folgte eine lange Phase ohne Unterbrechungen, dann kam es nach einem Handgemenge an der KAC-Spielerbank zu einem Doppelausschluss (Ganahl/Giliati). Während dieser „Vier-gegen-Vier“-Sequenz hatte wiederum Rot-Weiß die aussichtsreichste Gelegenheit: Nach guter Rotation in der Angriffszone setzte Clemens Unterweger einen Rückhandschuss vom rechten Faceoff-Punkt aus flach an der langen Stange vorbei (19.).

Früh in Durchgang zwei sprang der Puck nach einem eigentlich vom EC-KAC gewonnenen Faceoff in der Defensivzone zurück an den linken Faceoff-Kreis, von wo aus Gleason Fournier per Direktabnahme abzog, Sebastian Dahm war aufmerksam und parierte den strammen Schuss auf die kurze Ecke mit dem Pad. Im direkten Gegenzug wurde Thomas Koch am Torraum aus der Ecke heraus angespielt, er brachte den Puck auch auf den Kasten, wurde dabei aber so bedrängt, dass die Scheibe von Torhüter Irving gestoppt werden konnte (jeweils 22.). Nach einer chancenarmen Phase verdoppelten die Rotjacken in Minute 29 ihren Vorsprung: Martin Schumnig schlenzte aus der Distanz, Nick Petersen fälschte ab und Fournier klärte den Puck erst, als dieser schon zur Gänze hinter der Torlinie war, wie das Review der Referees in der nächsten Spielunterbrechung belegte. Nun folgte die offensiv gefährlichste Periode des HCB Südtirol an diesem Abend: Daniel Catenacci zog von der rechten Ecke aus ungestört vors Tor, Dahm rettete mit dem Beinschoner (29.), ein Querpass fand am langen Pfosten den aufgerückten Ben Youds, der sofort abzog, jedoch an der rechten Schulter des KAC-Goalies scheiterte (30.). Als Luca Frigo im Solo auf die Reise geschickt wurde, wischte er am Ende über den Puck, dieser wäre dennoch im Tor gelandet, hätte er sich nicht in Sebastian Dahms linkem Pad verfangen (32.). Nachdem Manuel Ganahl am Ende einer fein vorgetragenen Kombination im Tempoangriff noch aus zentraler Position gescheitert war (37.), kamen die Klagenfurter zu ihrem ersten Überzahlspiel der Partie. Dieses konvertierten sie nach nur fünf Sekunden in einen Treffer: Thomas Koch gewann das Faceoff, Rok Tičar verlängerte auf Nick Petersen, dessen Onetimer aus zentraler Position an der blauen Linie Luca Frigo blocken konnte. Die Scheibe landete erneut bei Petersen, der ein zweites Mal aufzog und den Puck halbhoch in die rechte Ecke des Gehäuses knallte - begünstigt vom Umstand, dass Anton Bernard seinem Goalie die Sicht nahm (39.). Als bei einem Wrap-Around auf die Vorhand von Dennis Robertson Dahm die kurze Ecke schloss, entwickelte sich danach ein kleines Geplänkel zwischen Strong und Frank, aus dem jedoch keine Strafzeiten resultierten (40.).

In Bolzanos zweitem Überzahlspiel der Partie verteidigten sich die Rotjacken so hervorragend, dass Robertson gegen Manuel Geier zum Frustfoul griff (49.), die folgende „Vier-gegen-Vier“-Sequenz brachte Klagenfurts vierten Treffer: Nach Doppelpass mit Thomas Hundertpfund and der linken Halfwall zog Lukas Haudum zentral in den hohen Slot und schloss zwischen zwei Gegenspielern hindurch ab. Leland Irving konnte parieren, der Abpraller landete aber genau beim KAC-Stürmer, der ihn mit der Rückhand locker in den Maschen unterbringen konnte (49.). Keine zwei Minuten später schrieb der EC-KAC erneut an: Von der eigenen Zone aus nahm Thomas Hundertpfund am rechten Flügel Tempo auf, sein Schuss vom Faceoff-Punkt aus sprang vom HCB-Schlussmann zu ihm zurück, aus spitzem Winkel brachte er die Scheibe erneut aufs Tor und erwischte Irving dabei durch die Beine (51.). Eine der wenigen guten Gelegenheiten der Gastgeber im dritten Durchgang fand Ivan Deluca vor, der aus der Ecke angespielt den Puck jedoch nicht richtig traf, Dahm konnte am Kasten vorbei ablenken (53.). Den Schlusspunkt in dieser Begegnung setzte dann erneut das Auswärtsteam aus Kärnten, Nick Petersen komplettierte seinen Hattrick: Ein guter Forecheck von Ganahl auf rechts ermöglichte es Tičar, den Aufbaupass innerhalb der blauen Linie abzufangen, er legte auf Petersen ab, dessen scharfer gezogener Schlenzer vor Irving unglücklich am Eis aufsprang und somit zwischen Beinschoner und Fanghand des Goalies hindurch segelte (55.). (HB)

 

Der Kommentar:

„Insgesamt war das ein guter Auftritt der gesamten Mannschaft, zu diesem Sieg hat jeder Spieler seinen Teil beigetragen. Wir waren in der ersten Hälfte der Partie für mein Empfinden eisläuferisch und kämpferisch nicht ganz an unserem Optimum. Doch wir haben unsere Chancen gut verwertet und standen defensiv stark. Das Ergebnis ist keines, auf dem wir uns ausruhen werden, ganz im Gegenteil, das werden wir sehr schnell aus unseren Köpfen verdrängen, um Raum für die Fokussierung auf die Partie am Dienstag zu schaffen. Denn vor uns liegt eine lange und toughe Serie.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Nach dem Viertel- (5:1 gegen den EC VSV) und dem Halbfinale (4:2 gegen den EC Salzburg) eröffnete der EC-KAC auch die dritte Playoff-Runde mit einem Sieg. Der 20. Auswärtserfolg in der laufenden Spielzeit ermöglichte den Rotjacken früh in der Finalserie das angestrebte Break, sie führen in der „Best-of-Seven“-Konfrontation mit dem HCB Südtirol nun mit 1:0. Bereits übermorgen Dienstag findet das erste Heimspiel der Klagenfurter im Finale statt, Spielbeginn ist um 19.30 Uhr, erneut übertragen Puls24 und Sky Sport Austria im TV bzw. Stream sowie Radio Kärnten.