HCB entscheidet die Partie in Abschnitt drei

Der EC-KAC gab im Spitzenspiel bei Tabellenführer HCB Südtirol am Dienstagabend einen Zwei-Tore-Vorsprung aus der Hand und unterlag letztlich mit 3:4. 

Foto: HCB Südtirol/Antonello

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC konnte vor dem Schlagerspiel auf sein zweites Sechs-Punkte-Wochenende hintereinander zurückblicken, der 4:3-Heimerfolg gegen den Dornbirner EC am Sonntag war der bereits sechste Sieg der Rotjacken in Folge. Noch erfolgreicher agierten die Klagenfurter zuletzt in der Fremde: In jedem ihrer jüngsten zehn Auswärtsspiele konnten sie punkten, neun davon auch gewinnen. Im Verlauf der letzten fünf Partien als Gastmannschaft kassierte Rot-Weiß insgesamt nur drei Verlusttreffer. Im Januar siegte der Rekordmeister in zehn seiner elf Ligaspiele, geschlagen geben musste er sich nur dem HCB Südtirol, dem man vor drei Wochen zu Hause mit 2:3 unterlag. In Bolzano hatten die Rotjacken die Möglichkeit, auf den ersten Tabellenplatz nach vor zu rücken, dazu benötigten sie einen Erfolg in regulärer Spielzeit.

Der HCB Südtirol dominierte die bet-at-home ICE Hockey League über weite Strecken der bisherigen Saison, in nur sieben von 37 Partien blieb man ohne Punkt. Der hochwertig und tief besetzte Kader von Head Coach Greg Ireland entwickelte sich im Verlauf der Spielzeit zu einem schwer zu bezwingenden Kollektiv, gemeinsam mit dem EC-KAC kassierten die Füchse (mit 71) bislang ligaweit die wenigsten Gegentreffer aus dem Spiel heraus. Auf eigenem Eis schrieb der HCB in 16 von 18 Begegnungen an. Den Rotjacken standen die Italiener heuer bisher drei Mal gegenüber, am Ende jeder dieser Begegnungen trennte die beiden Teams nur ein Treffer: Klagenfurt gewann im Dezember auswärts (3:2) und im Januar zu Hause (1:0) jeweils nach Verlängerung, dazwischen war der HCB Südtirol in der Stadthalle (3:2) erfolgreich.

 

Die Personalien:

Beim EC-KAC kam es gegenüber dem 4:3-Heimsieg gegen Dornbirn am Sonntag zu nur einer Änderung im Aufgebot: Torhüter Sebastian Dahm erhielt am Dienstag seine vorgesehene Pause und reiste auch nicht mit nach Italien. Als Backup für Starting Goalie David Madlener stand daher Florian Vorauer im Lineup. In der Abwehr rotierten erneut sieben Mann, auch die vier Sturmlinien blieben hinsichtlich der personellen Zusammensetzung unverändert. Als zusätzlicher Angreifer stand wieder Samuel Witting im Aufgebot.

 

Der Spielverlauf:

Die Hausherren kamen zunächst zu den besseren Möglichkeiten: Als Daniel Catenacci von links aus spitzem Winkel abzog, konnte David Madlener die Scheibe im Nachfassen arretieren (3.), aus ganz ähnlicher Position zog der HCB-Stürmer dann auch im ersten Powerplay für seine Mannschaft ab, erneut war Klagenfurts Schlussmann zur Stelle (4.). Als in den finalen Sekunden des Überzahlspiels der Füchse Brett Findlay zwischen drei Gegenspielern hindurch zentral vorstieß und vor David Madlener auftauchte, schloss dieser im letzten Moment die Beine und konnte somit parieren (5.). Danach standen die Rotjacken in der Defensive stabiler, als Ivan Deluca im Slot etwas glücklich an einen Rebound kam und sofort abzog, blockte ein KAC-Verteidiger famos (14.). Entgegen dem Spielverlauf ging der EC-KAC wenig später in Führung: Aus der rechten Rundung kommend legte Manuel Ganahl zurück auf die blaue Linie, von wo aus Steven Strong direkt übernahm, im Zentrum brachte Nick Petersen den Schaft seines Schlägers so an den Puck, dass dieser entgegen der Bewegungsrichtung von Goalie Leland Irving in die kurze Ecke abgefälscht wurde (14.). In der Folge kamen beide Teams zu Halbchancen, die dichten Abwehrreihen verhinderten aber wirklich gefährliche Szenen. Einzige Ausnahme vor der ersten Pause war ein Solo von Angelo Miceli, der sich durch die Mitte durchtankte, am Ende die Scheibe auch an Madlener vorbeischob, ihr jedoch zu wenig Geschwindigkeit mitgab, sodass sie von den Klagenfurtern noch aus dem Torraum geklärt werden konnte (17.).

Früh im zweiten Abschnitt stellte sich Torhüter Irving zwei Abschlüssen von Clemens Unterweger entgegen (21. bzw. 22.), auf der Gegenseite parierte Madlener einen Stollery-Blueliner mit der Fanghand, ehe Lukas Haudum den Abpraller aus der Gefahrenzone befördern konnte (25.). Der KAC-Stürmer lupfte die Scheibe wenig später bei einem Konter in den Lauf von Manuel Ganahl, ein HCB-Crack fälschte den Pass noch entscheidend ab, sodass er sein Ziel nicht erreichte (26.). Ein druckvoller Shift der Tičar-Linie brachte Chancen für Nick Petersen und den Slowenen selbst, jedoch keinen weiteren Torerfolg (26.). Als Dennis Robertson aus der Distanz abzog, traf er Marco Insam von dem aus der Puck knapp am Gestänge vorbeischlüpfte (31.). Bei einem Entlastungsangriff über Unterweger arbeite Stefan Geier gut nach und holte damit Klagenfurts erstes Powerplay heraus, das nach nur 41 Sekunden im zweiten KAC-Treffer des Abends resultierte: Onetimer Petersen von halblinks, Matt Fraser fälschte am Crease gekonnt in die Maschen ab (33.). Nur eine gute Minute später schlug aber auch Bolzano zu: Daniel Frank ging hinter der Abwehr der Klagenfurter quer und brachte den Puck am Torraum entlang zum freistehenden Dustin Gazley, der ihn über David Madleners Schoner hinweg in die kurze Ecke hob (34.). Es ging weiterhin Schlag auf Schlag, nur 46 Sekunden später schrieben wieder die Rotjacken an: Matt Fraser und Thomas Koch banden im Zweikampf hinter dem gegnerischen Kasten ihre Gegenspieler, Lukas Haudum erfasste die Situation flink und schlich an der Stange vorbei vors Tor, wo er die Scheibe mit der Rückhand in die kurze Kreuzecke lupfte (35.). Im wenig später folgenden zweiten Bolzano-Powerplay des Abends stocherte Stefan Geier zunächst noch einen gefährlichen Querpass am Torraum weg (37.), dann verkürzten die Gastgeber das Score aber wieder: Erneut war es der kürzlich naturalisierte Gazley, der per Onetimer von halblinks zum 2:3 einschoss (38.). Auch eine Ausgleichschance bot sich dem Tabellenführer vor der zweiten Pause noch: Stefano Giliati ging über rechts in die Angriffszone und ließ für Luca Frigo liegen, dessen Schuss vom rechten Faceoff-Punkt aus aber zu zentral auf Madlener kam (39.).

Die finalen Minuten des zweiten Drittels waren, wie sich herausstellte, ein Vorbote für Abschnitt drei, in dem der HCB Südtirol das bessere Team war und das Score schließlich auch drehen konnte. Der über links nach innen gezogene Findlay chippte den Puck an David Madlener aber knapp auch am Gehäuse vorbei (42.), machte es wenig später aber besser: Nach einem Petersen-Turnover ging Gazley steil, legte vor dem Kasten noch einmal quer auf Brett Findlay und dieser schob den Puck an David Madlener vorbei flach zum 3:3 ins Tor (45.). Dann bewahrte der KAC-Goalie sein Team zwei Mal vor einem Rückstand: Als Giliati ein „Zwei-gegen-Eins“ von Rechtsaußen selbst abschloss (49.), war er ebenso zur Stelle, wie bei einer Halmo-Großchance aus dem Slot (50.). Head Coach Petri Matikainen nahm ein Timeout, konnte damit das Spiel der Rotjacken im dritten Durchgang aber nicht von seiner Fahrigkeit befreien: „Drei-gegen-Zwei“-Konter der Füchse, nach Doppelpass mit Gazley auf rechts schloss Findlay nicht selbst ab, sondern kurvte um das Gehäuse, um den heranstürmenden Dennis Robertson zu bedienen, der den Puck zur erstmaligen HCB-Führung in der langen Ecke versenkte (52.). Diese ließ sich der Leader dann auch nicht mehr nehmen: Dem zweiten KAC-Überzahlspiel des Abends fehlte der Nachdruck und ein letztes Aufbäumen in den finalen zwei Spielminuten unterbanden die Gastgeber mit beeindruckendem Forechecking. (HB)

 

Der Kommentar:

„Wir waren im ersten und zweiten Drittel gut unterwegs, doch die beiden Zwei-Tore-Führungen haben uns letztlich nicht gutgetan: Der positive Zwischenstand machte sich in unseren Köpfen zu breit, wir wurden zu schlampig im Aufbau, brachten den Puck nur noch aus der eigenen Zone und agierten zu wenig kreativ und gestalterisch. Besonders aufgefallen ist das in den ersten zehn Minuten des dritten Abschnitts, als Bolzano dann das Score gedreht hat. Als wir das realisierten und uns wieder sammelten, war es schon zu spät. Es ist schade, dass wir verloren haben, aber so, wie das Spiel verlaufen ist, war das auch eine mentale Erfahrung für unsere Mannschaft: Wir waren kurzzeitig Tabellenführer und haben uns das nehmen lassen, weil wir zu wenig Kaltschnäuzigkeit und Geradlinigkeit auf das Eis gebracht haben. Daraus werden wir lernen, das soll uns im weiteren Saisonverlauf nicht mehr passieren.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Für den EC-KAC endeten in Bolzano zwei starke Serien: Erstmals nach sechs Siegen am Stück mussten die Rotjacken wieder eine Niederlage hinnehmen, zudem blieben sie zum ersten Mal im Verlauf der letzten elf Auswärtsspiele ohne Punkt. Der Rückstand auf die Füchse vergrößerte sich damit auf fünf Zähler, dem HCB reicht in den verbleibenden zwei Runden damit ein Punkt, um sich Platz eins und damit auch das erste der drei ICE-Tickets für die Champions Hockey League zu sichern. Der Dienstagabend brachte für die Klagenfurter aber auch gute Nachrichten: Aufgrund Salzburgs Niederlage steht fest, dass der EC-KAC die erste Phase des Grunddurchgangs im schlechtesten Fall auf Rang drei beenden wird, zumindest ein Bonuspunkt für die Pick Round ist Rot-Weiß damit sicher. In den beiden noch ausständigen Partien vor der kurzen Ligapause tritt der Rekordmeister am Freitagabend (19.15 Uhr, live auf Sky Sport Austria) bei den Vienna Capitals an, ehe er am Sonntagnachmittag (16.30 Uhr, live.ice.hockey) das aktuell punktegleiche Team von Fehérvár AV19 in der Stadthalle empfängt.