KAC gewinnt längstes Spiel der Ligageschichte

In der vierten Verlängerung, exakt nach 120 Minuten und 51 Sekunden, entschied Johannes Bischofberger das zweite Viertelfinalduell zwischen dem HCB Südtirol und dem EC-KAC für die Rotjacken, die in der Serie nun mit 2:0 voranliegen.

Foto: HCB Südtirol/Antonello

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC konnte im ersten Viertelfinalspiel am Mittwoch in der heimischen Stadthalle gleich drei Mal einen Rückstand egalisieren und sich letztlich mit 5:4 nach Verlängerung durchsetzen. Damit haben die Rotjacken sechs der sieben Saisonduelle mit dem HCB Südtirol gewonnen, sie reisten mit einer 1:0-Serienführung nach Bolzano. Entschieden die Klagenfurter das erste Duell einer Play-Off-Konfrontation für sich, so gingen sie seit der Finalserie 2012 gegen den EHC Linz stets siegreich aus der jeweiligen Serie hervor. In der Fremde agierte der EC-KAC zuletzt recht erfolgreich, gleich neun der jüngsten zwölf Auswärtsspiele konnte die Truppe von Petri Matikainen und Jarno Mensonen für sich entscheiden.

Der HCB Südtirol empfing den österreichischen Rekordmeister bei der Heimpremiere des am Montag dieser Woche neu bestellten Head Coaches Clayton Beddoes, zudem gab die im vergangenen Sommer in den Ruhestand gewechselte Vereinslegende Alexander Egger (in der Funktion als Co-Trainer) sein Comeback in der PalaOnda. Sowohl 2017 (gegen Linz) als auch 2018 (gegen Wien) konnten die Füchse Play-Off-Serien, in denen sie die erste Begegnung verloren hatten, noch (jeweils mit 4:1) für sich entscheiden. Allerdings verlor der HCB jedes seiner jüngsten sechs Ligaspiele, seit Anfang Februar gab es in 13 Partien nur zwei Erfolge, einen davon gegen die Rotjacken (2:1).

 

Die Personalien:

Den Rotjacken standen in dieser Begegnung die exakt gleichen Feldspieler zur Verfügung wie beim Serienauftakt am vergangenen Mittwoch: Unverändert fehlten die langfristig Verletzten Manuel Geier und Marco Richter, der angeschlagene Robin Gartner sowie der kranke Christoph Duller. In das Lineup zurück kehrte nach seiner Wiedergenesung und drei Spielen Pause Torhüter Lars Haugen, der in diesem zweiten Viertelfinalspiel auch den Start erhielt.

 

Der Spielverlauf:

Die Rotjacken gingen gleich mit ihrer ersten Torchance in Führung: Nach einem Wrap-Around konnte Andrew Kozek Goalie Jake Smith mit der Rückhand durch die Beine bezwingen (4.). Im wenig später folgenden ersten Powerplay für den amtierenden Meister wurde ein Nordlund-Blueliner geblockt (6.), Catenacci traf am rechten Flügel die Scheibe nicht richtig (7.). Die beste Möglichkeit dieser Phase hatten allerdings trotz numerischer Unterlegenheit die Klagenfurter, der Flip-Pass von Siim Liivik auf Stefan Geier beim „Zwei-gegen-Eins“-Konter sprang jedoch über die Schlägerschaufel des Empfängers (5.). Als der EC-KAC zu seiner ersten Überzahlgelegenheit kam, hatte er viel Pech: Ein Schlagschuss von Thomas Koch vom rechten Faceoff-Kreis aus, bei dem Bolzanos Goalie wohl zu spät gekommen wäre, klatschte an die Stange (9.). Die Rotjacken verteidigten sich in der Folge auch während des zweiten HCB-Powerplays des Abends sehr gut, als sie wieder vollzählig waren, schlitterten in einem Angriff innert weniger Sekunden ein Koch-Schlenzer und ein Petersen-Chip nur knapp am Kasten vorbei (13.). Durchaus überraschend kamen die Gastgeber dann jedoch zum Ausgleich: Ein Verlegenheitsschuss von Daniel Glira von Rechtsaußen wurde an den Hashmarks noch leicht abgefälscht, sodass der Puck hoch in der langen Ecke einschlug (15.). In der Schlussphase des ersten Abschnitts standen die Gäste wieder mit einem Mann mehr am Eis: Bei einem Wristshot Nick Petersens aus halbrechter Position schnappte Smith mit der Fanghand zu (19.), einen Koch-Slapshot aus ähnlicher Position wie beim vorangegangenen Stangenschuss blockte Paul Geiger stark (20.).

Die spielerischen Vorteile Klagenfurts im ersten Drittel verlagerten sich in der Anfangsphase des zweiten Durchgangs auf die Seite der Gastgeber: Alex Petan zog vom linken Flügel bis an die Hashmarks durch, setzte seinen Abschluss jedoch am langen Pfosten vorbei (21.). In Führung gingen die Füchse im Zuge ihres dritten Powerplays der Partie, als Tim Campbell, von hinter der verlängerten Torlinie aus durch Catenacci bedient, einen Onetimer unter Lars Haugen hindurch ins Tor brachte (26.). Wenig später kam auch der EC-KAC zu seinem dritten Überzahlspiel des Abends und dabei zum Ausgleich: Nachdem Kozek gleich doppelt aus kürzester Distanz (jeweils 31.) und Hundertpfund vom rechten Wing aus (32.) vergaben, sendete Patrick Harand vier Sekunden vor Ablauf der Strafe gegen den HCB einen Schlenzer von der blauen Linie aus halbhoch neben die Stange (32.). Dann waren wieder die Hausherren am Drücker: Marco Insam tauchte im unmittelbar folgenden Angriff völlig frei vor Lars Haugen auf, schoss aber über die Querlatte (33.), der aus der Ecke von Nordlund bediente Petan scheiterte am langen Pfosten am KAC-Goalie (35.). Bei numerischer Unterlegenheit brillierte der Norweger auch gegen Blunden (von den linken Hashmarks aus/37.), es folgte ein Handgemenge, das mit mehreren Strafen auf beiden Seiten sanktioniert wurde. Dramatisch dann die Schlussminute des zweiten Drittels: Für einen Bandencheck gegen Nick Petersen wurde Mike Blunden in die Kühlbox geschickt, der KAC-Topscorer bestrafte ihn nur sechs Sekunden später doppelt, begünstigt durch den idealen Screen von Liivik landete der Schlagschuss des Kanadiers von der blauen Linie aus in den Maschen. Doch noch vor der zweiten Pause glich der HCB Südtirol zum 3:3 aus: Einen Schlenzer von Daniel Glira aus der Distanz fälschte Angelo Miceli, der sich in den Rücken der KAC-Abwehr geschlichen hatte, am Torraum zum 3:3 ab.

Die erste dicke Gelegenheit im dritten Durchgang hatte Bolzanos Mike Blunden, der einen scharfen Querpass Micelis noch in Richtung Gehäuse abfälschte, Lars Haugen war aber auf dem Posten (43.). Die Gastgeber überstanden dann ein KAC-Powerplay recht solide, als sie wieder vollzählig am Eis standen, scheiterte Insam mit einem Tip-In am Rotjacken-Goalie (48.). Auf der Gegenseite fälschte Petersen einen Schlenzer Comries sehenswert ab, Torhüter Smith rettete aber mit einem spektakulären Fanghand-Save (49.). Weil ein Ellenbogencheck Nordlunds gegen Geier ungeahndet blieb, gehörte das nächste Überzahlspiel dem HCB: Die Klagenfurter verteidigten sich in dieser Phase geschickt, die beste Möglichkeit ließ Luca Frigo liegen, der am Crease nicht an einen Abpraller gelangte (53.). Die Italiener waren dem vierten Treffer nun näher: Nach einem Getümmel vor dem KAC-Kasten sprang die Scheibe zurück in den hohen Slot zu Nordlund, der allerdings verzog (54.), der Abschluss eines Konters bei numerischer Unterlegenheit durch Insam flog nur knapp an der langen Ecke vorbei (56.). Als sich in der Schlussminute der regulären Spielzeit ein Gewirr an Körpern und Schlägern vor dem Tor der Rotjacken aufbaute, behielt David Fischer die Übersicht und spitzelte den Puck aus der Gefahrenzone, sodass die Partie in die Verlängerung ging. 

In der (ersten) Overtime waren beide Teams zunächst darauf bedacht, keine Fehler zu begehen. Aus einem irregulären Wechsel der Rotjacken resultierte eine Hinausstellung und damit eine prekäre Unterzahlsituation, während der sich Klagenfurt erneut gut verteidigten, aber auch im Glück waren: Marco Insam brach beim Onetimer aus halblinker Position mit freier Schussbahn der Schläger (67.). Das gleiche Schicksal ereilte später auf der Gegenseite auch dem von Johannes Bischofberger freigespielten Mitch Wahl in guter Position (74.). Nach einem knapp neben die Stange gesetzten Schlagschuss von Adam Comrie (76.) und aufmerksamen Reaktionen Lars Haugens auf einen Catenacci-Versuch von rechts sowie die beiden Rebounds (77.) ergab sich für den EC-KAC die goldene Möglichkeit, für die Entscheidung zu sorgen: Bei einem „Drei-gegen-Eins“-Angriff schloss Thomas Koch selbst ab, setzte den Puck mit der Rückhand allerdings nur an die Unterkante der Querlatte (78.).

Auch im fünften Spielabschnitt hatten zunächst die Klagenfurter die besseren Gelegenheiten: Petersen schob sich von hinter dem Kasten an den Crease, Smith rettete im Spagat (83.), während des nächsten KAC-Powerplays war der HCB-Schlussmann bei Fernschüssen von Petersen (88.) und Wahl am Posten, Koch setzte einen gezogenen Wristshot knapp an der kurzen Kreuzecke vorbei (jeweils 89.). Gegen den im Slot völlig unbedrängten Paul Geiger parierte Lars Haugen (93.), sein Gegenüber entschärfte den Abschluss eines „Zwei-gegen-Eins“-Angriffs vom in die Mitte ziehenden Nick Petersen (94.). Auch in der zweiten Overtime-Periode trafen die Rotjacken Metall: David Fischer knallte von der blauen Linie aus an das Quergestänge, Smith wäre bereits geschlagen gewesen (96.). 

Weil bei einem „Drei-gegen-Eins“-Konter des HCB Südtirol in den finalen Zügen des fünften Durchgangs Bischofberger zur Notbremse greifen musste, nahmen die Italiener nahezu ein komplettes Powerplay mit in den sechsten Abschnitt, eine Entscheidung konnten sie mit numerischem Vorteil jedoch nicht herbeiführen. Diese hatte in der 106. Spielminute Johannes Bischofberger am Schläger, als er im Solo auf Jake Smith zulief, allerdings am Goalie scheiterte. Lars Haugen hielt nach „Drei-gegen-Zwei“-Vorstoß Bolzanos gegen Campbell (107.) und war auch gegen Frigo zur Stelle, der einen von der Bande zurückspringenden Puck auf die kurze Ecke abfeuerte (108.). Einen Blueliner von Petan fälschte Riley Brace im Slot so ab, dass die Scheibe förmlich im Zeitlupentempo und um Haaresbreite am Pfosten vorbeikullerte (113.), gegen den an den rechten Hashmarks gut verzögernden Anton Bernard brillierte wieder der KAC-Schlussmann (116.). Vor der fünften Pause folgten noch zwei große Gelegenheiten für die Rotjacken: Thomas Koch chippte einen Rebound nach Comrie-Schuss aus spitzem Winkel über das Gehäuse (117.) und Torhüter Smith packte mit der Fanghand bei einem Schlagschuss Patrick Harands aus der Distanz spektakulär zu (120.).

Der siebte Abschnitt im zu diesem Zeitpunkt bereits längsten Spiel der österreichischen Eishockeygeschichte fand dann ein jähes Ende: Noch nicht, als nach 37 Sekunden der aufgerückte Campbell in das Sichtfeld von Lars Haugen schnitt, sodass dem Goalie ein Schlenzer von Angelo Miceli durch die Beine und hauchdünn am Pfosten vorbeirutschte, aber, als der EC-KAC aus dieser Szene heraus sofort umschaltete: Mitch Wahl schoss, Thomas Hundertpfund konnte den Rebound mit der Rückhand noch vor das Tor heben, wo Johannes Bischofberger goldrichtig stand und das Spielgerät in Baseball-Manier zur Entscheidung ins Tor bugsierte. Nach 120:51 nervenaufreibenden und enorm an die Substanz gehenden Netto-Spielminuten konnten sich die Rotjacken doch noch über die 2:0-Serienführung freuen. (HB)

 

Der Kommentar:

„Ein unglaubliches Spiel zweiter großartiger Mannschaften. Beide Teams haben heute alles gegeben, die sonst häufig verwendete Floskel, dass sich beide den Sieg verdient hätten, war wohl selten passender und wahrer als an diesem Abend. Wir wurden am Ende belohnt, weil wir unseren Weg nie verlassen und einfach immer weitergemacht haben. Schon am Sonntag geht’s weiter, dann stehen wir wieder einem exzellenten Gegner gegenüber.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Von den neun bereits absolvierten kompletten Spieldritteln in diesem Viertelfinal-Duell zwischen dem EC-KAC und dem HCB Südtirol endeten sämtliche neun unentschieden, was die Ausgeglichenheit dieser Konfrontation unterstreicht. In den Verlängerungen beider Partien hatten aber jeweils die Rotjacken das bessere Ende für sich, die damit als einziges Team im Viertelfinale der Erste Bank Eishockey Liga mit 2:0 Siegen in Front liegen. Die dritte Begegnung mit dem Titelverteidiger findet bereits am Sonntag in Klagenfurt statt, dieses um 17.30 Uhr beginnende Spiel wird nicht im TV übertragen. Die Nachfrage nach Eintrittskarten ist groß, aktuell sind nur noch rund 145 Sitz- und 850 Stehplätze verfügbar. Bezogen werden können diese über den Online-Ticketshop des EC-KAC oder am Spieltag ab 16.00 Uhr an der Abendkassa.