KAC unterliegt in Schlussminute der Overtime

Der EC-KAC holte im zweiten Viertelfinalspiel in Linz zwei Mal einen Rückstand auf, musste sich letztlich aber nach einem Gegentreffer in der 80. Spielminute geschlagen geben.

Foto: EHC Linz/Eisenbauer

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC musste sich im ersten Viertelfinalduell am Mittwoch zu Hause mit 3:6 geschlagen geben und verlor damit seinen Heimvorteil in dieser Play-Off-Konfrontation. Ein 0:1-Serienrückstand war für die Rotjacken im EBEL-Zeitalter allerdings häufig keine allzu große Bürde, von den elf „Best-of-Seven“-Duellen, in denen die Klagenfurter Spiel eins verloren hatten, konnten sie mit sechs mehr als die Hälfte anschließend noch zu ihren Gunsten entscheiden. Dazu ist nun allerdings zumindest ein Auswärtserfolg in Oberösterreich nötig und auf fremdem Eis hatten die Klagenfurter in der jüngeren Vergangenheit einen eher schweren Stand: Nur eine der letzten sieben Auswärtspartien, jene in Graz am 21. Februar (5:2), konnte Rot-Weiß gewinnen.

Der EHC Linz konnte zur Wochenmitte in Klagenfurt erstmals seit drei Jahren wieder mit einem Sieg in eine Play-Off-Serie starten, was allerdings nicht zwingend einem guten Omen entsprechen muss: Die Black Wings verloren drei der letzten vier Post Season-Konfrontationen, in denen sie das erste Team waren, das anschreiben konnte. Der im Lager der Oberösterreicher dennoch große Optimismus wurde nicht zuletzt vom Auftritt in der Stadthalle am Mittwoch befeuert, bei dem der EHC einerseits enorme Effizienz im Angriff und andererseits starke Special Team-Bilanzen vorweisen konnte. Im bisherigen Saisonverlauf hat Linz vier der fünf Duelle mit dem EC-KAC gewonnen, nur ein Mal - Ende Oktober an der Donaulände und erst im Penaltyschießen - setzte sich der amtierende Meister durch.

 

Die Personalien:

Im 22-Mann-Aufgebot der Rotjacken kam es zu nur einer Veränderung gegenüber dem ersten Viertelfinalspiel am Mittwoch: Der wiedergenesene Niki Kraus rückte an Stelle von Dennis Sticha in das Team auf und bildete mit Siim Liivik und Marcel Witting wieder die in den letztjährigen Play-Offs so erfolgreiche Angriffsformation. Unverändert nicht zur Verfügung standen Nick Petersen und Rok Tičar, beide nehmen aber bereits wieder am Eistraining teil und werden in Kürze zurück im Spielkader erwartet. Innerhalb des Lineups kam es zu zahlreichen Veränderungen: David Madlener löste Jhonas Enroth als Starting Goalie ab, Michael Kernberger nahm den Platz von Patrick Harand ein und alle vier Sturmlinien agierten in neuer personeller Zusammensetzung.

 

Der Spielverlauf:

In einem ausgeglichenen Startdrittel war der EC-KAC das marginal aktivere Team, nach bereits elf Sekunden kam Thomas Koch zur ersten Gelegenheit, sein Wristshot von halblinks nach „Zwei-gegen-Eins“-Vorstoß landete aber an der Schulter von Linz-Goalie Jeff Glass. Auf der Gegenseite kam der aus der Ecke angespielte Justin Florek zur ersten Chance, scheiterte vom Torraum aus aber zwei Mal an David Madlener (1.). Nach gut sechs Minuten gingen die Gastgeber in Führung: Von neben dem Kasten aus legte Dragan Umičević an den linken Faceoff-Punkt zurück, Verteidiger Matt Finn rauschte heran und bezwang Madlener mit einem satten Onetimer über den Beinschoner in der kurzen Ecke hinweg (7.). Bei einem Rebound nach Kozek-Schlenzer von links waren im Getümmel am Crease Johannes Bischofberger und Thomas Hundertpfund im Pech, sie erreichten den Abpraller knapp nicht (7.). Ein 40-Meter-Antritt von Adam Comrie leitete dann den Klagenfurter Ausgleich ein: Sein Fernschuss wurde abgefälscht und sprang dann von der Bande aus so vor das Gehäuse zurück, dass Glass den Puck nicht unter Kontrolle bringen konnte, Andrew Kozek stand richtig und schob das Spielgerät zwischen zwei Gegenspielern hindurch über die Linie (12.). Einen Schlagschuss von rechts, abgegeben von Matthew Neal, parierte der Black Wings-Goalie sicher (14.), als sich Marcel Witting aus der rechten Ecke vor den Kasten schob, gab es dort kein Durchkommen und schließlich den Block (17.). Finn wischte in ganz ähnlicher Position wie bei seinem ersten Treffer bei einer versuchten Direktabnahme nach Querpass über die Scheibe (18.), nach einem verdeckten Comrie-Schlagschuss verpasste Manuel Geier einen erneuten Rebound (20.).

Im zweiten Drittel kamen die Oberösterreicher zum ersten Powerplay überhaupt in der Begegnung, die besten Möglichkeiten dieser Phase hatten aber die Rotjacken: Bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Konter spielte Manuel Geier spät den Querpass auf Thomas Hundertpfund, der direkt übernahm, aber den Kasten verfehlte, noch näher an einem Unterzahltreffer schrammte in der gleichen Spielminute Manuel Ganahl vorbei, als er vom linken Faceoff-Kreis aus nur die Stange traf (jeweils 24.). Der gebürtige Vorarlberger kam dann auch im ersten KAC-Überzahlspiel zu zwei guten Möglichkeiten: Nach feiner Pass-Kombination über Neal und Haudum wurde er am Torraum noch im letzten Moment am Abschluss gehindert (27.), bei seiner Deflection nach Bischofberger-Diagonalpass bekam Glass die Beinschoner zusammen (28.). Danach gingen die Gastgeber erneut in Führung: Andreas Kristler erwischte Michael Kernberger am falschen Fuß, ermöglichte sich damit selbst ein Solo und schloss dieses mit der Vorhand halbhoch in die linke Ecke ab (33.). Seinen provozierenden Torjubel in Richtung Auswärtssektor bestraften die Rotjacken nur 28 Sekunden später: David Fischer schlenzte aus der Distanz, der Puck wurde von Leblers Schlittschuh leicht abgefälscht und schlug oberhalb der Fanghand des Linzer Torhüters ein (33.). Als ein Wristshot von Moritz Matzka in die Gefahrenzone zurücksprang, kickte Kristler die Scheibe knapp am Pfosten vorbei (35.), ehe sich die Klagenfurter eine Minute vor der zweiten Pause über ihre erstmalige Führung freuen konnten: Ganahl und Kozek versuchten im Slot vergeblich, das Spielgerät zu erreichen, Thomas Koch erfasste die Situation als erster und chippte es mit der Rückhand in die lange Kreuzecke - sein 200. Treffer für den EC-KAC in Österreichs höchster Spielklasse (39.)!

Die erste Großchance im Schlussabschnitt fand der EHC Linz vor: Nach Kragls Drive zum Tor kam an den rechten Hashmarks Marco Brucker völlig frei zum Abschluss, David Madlener machte sich breit und rettete (43.). Dann hatte Rot-Weiß zwei Mal großes Pech: Als Koch in halbrechter und verdeckter Position mit der Backhand auf einen Abpraller klopfte, flog der Puck nur an die Kreuzecklatte (44.), einen leicht abgefälschten Ganahl-Wristshot aus der Halbdistanz wehrte Jeff Glass ebenso noch ans Metall ab (46.). Im zweiten KAC-Powerplay des Abends flog eine Kozek-Deflection nur knapp am Kasten vorbei (50.), ehe Siim Liivik für ein Foul und die folgende Kritik an der Entscheidung für gleich vier Minuten ausgeschlossen wurde. Die Rotjacken verteidigten sich in dieser Phase bravourös, gleich sechs Mal brachten sie die Scheibe aus der eigenen Zone, als die zweite Hälfte der Liivik-Strafe anbrach, wurde auch Kristler für unsportliches Verhalten in die Kühlbox geschickt. Bei „Vier-gegen-Vier“ hatte Linz dann die bis dahin größte Ausgleichschance: Umičević drang über rechts in das Angriffsdrittel ein, steckte auf Hunter Fejes durch, der sich den Puck mit dem Schlittschuh mitnahm und sofort abzog, Madlener rettete ebenso mit der Schulter wie beim Nachschuss von Umičević (jeweils 54.). Gut vier Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit stellte der EHC Linz dann doch noch auf 3:3: Steve Oleksy brachte einen in den hohen Slot zurückspringenden Rebound umgehend wieder aufs Tor, von Andrew Kozek leicht abgefälscht fand der Puck den Weg in die Maschen (56.). In der Schlussphase hatten beide Teams die Entscheidung am Schläger: Im Fallen brachte Manuel Ganahl das Spielgerät nach hinten zu Clemens Unterweger, dessen Schuss über das Tor flog (59.), auf der Gegenseite fuhr der bereits am Boden liegende David Madlener bei einem Lebler-Schuss noch sehenswert die Fanghand aus (60.).

In der fällig gewordenen Verlängerung erspielte sich der EC-KAC - beginnend mit Neal, dessen unter die Achseln platzierten Wristshot von rechts Jeff Glass gerade noch am Tor vorbei ablenken konnte (64.) - Chance um Chance. Die größte Gelegenheit war ein Comrie-Schuss von links, den der Torhüter nicht bändigen konnte, der Puck sprang seitlich vom Schlussman weg, im Hechtsprung klopfte ihn Lukas Haudum um Zentimeter am halbleeren Gehäuse vorbei (69.). Nach einem gewonnenen Offensivzonen-Faceoff stieß Thomas Hundertpfund nach, mit einem Haken auf die Vorhand umkurve er den ausgefahrenen Beinschoner von Glass, verpasste es dann jedoch in Bedrängnis, die Scheibe über die Linie zu schieben (70.). Eine der wenigen Gelegenheiten der Black Wings ließ Justin Florek liegen, der von Kristler bedient aus kurzer Distanz am Tor vorbeischoss (71.). Als Petter Hansson auf Linksaußen zu Thomas Hundertpfund ablegte, kam dessen Abschluss zu zentral auf Glass (76.), in der Schlussminute der ersten Verlängerung entschied Linz die Partie dann zu seinen Gunsten: Stefan Gaffal gewann knapp innerhalb der blauen Linie den Zweikampf an der Bande, zog diagonal durch den Faceoff-Kreis und schoss halbhoch in die kurze Ecke ein (80.). (HB)

 

Der Kommentar:

„Wir haben heute ein sehr gutes Spiel gemacht und uns im Vergleich zur ersten Partie in allen Belangen gesteigert. In den entscheidenden Momenten wollte der Puck nicht ins Tor, aber wie wir spielerisch und kämpferisch aufgetreten sind, das hat gezeigt, dass wir jetzt in dieser Play-Off-Serie angekommen sind. Es ist bitter, dass es am Ende nicht gereicht hat und wir jetzt mit 0:2 zurückliegen, aber wir nehmen unseren Schwung von heute mit, um diesen großen Berg, der jetzt vor uns liegt, zu erklimmen. Dass uns das gelingen kann, daran zweifle ich keine Sekunde.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Nach der Overtime-Niederlage in Linz liegt der EC-KAC im „Best-of-Seven“-Viertelfinalduell mit den Black Wings mit 0:2 im Hintertreffen. Halbieren können die Rotjacken diesen Rückstand bereits am Sonntagabend auf eigenem Eis, dann empfangen sie die Oberösterreicher zur dritten Begegnung wieder in Klagenfurt (Spielbeginn: 17.30 Uhr, live aus servushockeynight.com). Für dieses Spiel sind Sitzplätze bereits ausverkauft, die letzten 420 Stehplatzkarten (für sämtliche Bereiche ausgenommen den Auswärtssektor) können über den Online-Ticketshop des EC-KAC bezogen werden.