KAC zieht in irrem Finalspiel den Kürzeren

Die Vienna Capitals und der EC-KAC lieferten sich am Dienstagabend ein packendes drittes Finalspiel, in dem sich am Ende die Wiener mit 7:5 durchsetzen konnten. Der Hauptstadtklub liegt in der Finalserie nun mit 3:0 in Front.

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Die Ausgangssituation:

Nach dem 1:4 zum Serienauftakt in Wien mussten die Rotjacken am Sonntag vor heimischer Kulisse einen dramatischen 4:5-Verlust nach Verlängerung hinnehmen, obwohl sie zwischenzeitlich schon mit 3:0 und 4:1 geführt hatten. Damit fand sich der EC-KAC vor dem dritten Finalduell in einer ähnlichen Situation wie schon im Halbfinale wieder, auch gegen Salzburg lag Rot-Weiß mit 0:2 Siegen im Hintertreffen, um dann vier Erfolge am Stück zu feiern.
Die Vienna Capitals marschierten unterdessen weiter auf dem scheinbar direkten Weg zu ihrem zweiten Meistertitel nach 2005. Die Wiener verließen das Eis in sämtlichen bisher zehn Play-Off-Spielen gegen Innsbruck, Bolzano und Klagenfurt als Sieger, insgesamt hielten sie vor der dritten Begegnung mit dem EC-KAC bei bereits 49 Erfolgen in 64 Saisonspielen. Vor eigenem Publikum fuhr das Team von Serge Aubin und Craig Streu jüngst neun Siege in Serie ein, ausgerechnet die Rotjacken waren es, die (am 20. Januar) als letzte Gastmannschaft in der Albert Schultz-Halle voll punkten konnten.

 

Die Personalien:

Steven Strong saß beim EC-KAC das letzte seiner drei Spiele umfassenden Sperre ab, auch Johannes Bischofberger fehlte weiterhin verletzt. Gegenüber der zweiten Finalpartie am Sonntag kam es im Lineup der Rotjacken zu zwei Veränderungen: Kevin Kapstad kehrte nach seiner Abwesenheit zurück in die Mannschaft und nahm den Platz von Ramón Schnetzer ein. Kurzfristig aufgrund einer Verletzung nicht zur Verfügung stand Mark Hurtubise, der von Kevin Schettina ersetzt wurde.

 

Der Spielverlauf:

Die Partie begann mit einem negativen Ausrufezeichnen aus rot-weißer Sicht: Nur 65 Sekunden waren gespielt, als Jonathan Ferland die Capitals in Führung brachte. Nikolaus Hartl hatte sich hinter dem Tor den Puck erkämpft, MacGregor Sharp den im Slot völlig freien Kapitän der Wiener bedient. In ihrem ersten Überzahlspiel hatten die Klagenfurter aber schon die richtige Antwort parat: Nachdem Žiga Pance noch aus kurzer Distanz gescheitert war, klingelte es wenig später, Martin Schumnig fälschte einen Schuss von Thomas Koch wunderbar in die Maschen ab (4.). Noch in der gleichen Spielminute ging der EC-KAC dann auch erstmals in Front: Thomas Hundertpfund erarbeitete sich hinter dem Gehäuse die Scheibe und legte sie auf Patrick Harand ins Zentrum, der mit einem präzisen Schlenzer Goalie J.-P. Lamoureux erneut bezwang. Es folgte ein wilder Sturmlauf der Hausherren. Zunächst hatte Kelsey Tessier noch Pech, als er aus spitzem Winkel nur den Außenpfosten traf (7.), in ihrem ersten Powerplay der Partie schlugen die Capitals dann aber zu: Von halbrechts schlenzte Ryan McKiernan ins Zentrum, MacGregor Sharp verlieh dem Puck die entscheidende Richtungsänderung - 2:2 (9.). Im nächsten Überzahlspiel für Wien zeichnete sich dann Torhüter David Madlener aus, als er mit einer feinen Seitwärtsbewegung den Onetimer von Tessier parierte (10.). Der nächste Treffer der Capitals war damit aber nur verschoben: In Minute 15 profitierte Taylor Vause von einem schlechten Spielaufbau der Rotjacken, im daraus resultierenden "Zwei-gegen-Eins" bediente er Rafael Rotter, der zum 3:2 einschoss. 71 Sekunden später jubelte erneut die Heimmannschaft: Kelsey Tessier sprintete einem Pass in die Tiefe nach, gewann den Zweikampf in der Ecke und tankte sich vors Tor durch. Seinen Versuch konnte Madlener noch stoppen, im Nachstochern sorgte Riley Holzapfel aber für das 4:2 (16.). Die Klagenfurter wirkten in dieser Phase konsterniert, fingen sich aber in einem starken Penalty Killing - David Fischer saß in der Kühlbox - wieder. Sieben Sekunden vor der ersten Sirene war es dann Manuel Ganahl, der mit seinem ersten Play-Off-Treffer der Saison für den so wichtigen Anschluss sorgte. Am Ende eines famosen Wrap-Arounds drückte er den Puck zum 3:4 aus rot-weißer Sicht über die Linie (20.).

Durchgang zwei startete mit einer großen Möglichkeit für den EC-KAC: Jamie Lundmark brachte tief in der Offensivzone einen Querpass auf Matthew Neal an, der Lamoureux jedoch weder im ersten noch im zweiten Versuch bezwingen konnte (21.). Pech für die Rotjacken dann beim nächsten Wiener Angriff: Gleich zwei Klagenfurter verloren in Zweikämpfen ihre Stöcke, Taylor Vause nutzte die Konfusion, um einen Abpraller in die Maschen zu setzen - der zur ersten Pause eingewechselte Tomáš Duba war erstmals bezwungen (24.). Gleich im nächsten Vorstoß schrammten die Capitals sogar nur knapp an ihrem sechsten Treffer vorbei: Jerry Pollastrone kam an seinen eigenen Rebound, legte den Puck aber neben das halbleere Gehäuse (24.). Es war für mehrere Minuten die letzte Wiener Möglichkeit, fortan übernahm der EC-KAC das Kommando. Bei einem Kapstad-Schlenzer konnte Lamoureux noch mit der Schulter retten (27.), dann legte im allerdings Manuel Geier einen Wristshot vom rechten Flügel aus zum Anschlusstreffer in den Kasten (28.). Damit endete auch der Arbeitstag des Wiener Starting Goalies, er wurde durch David Kickert ersetzt. Dieser konnte sich gegen Manuel Geier aus spitzem Winkel auszeichnen (30.) und stoppte einen energischen Antritt von Jamie Lundmark, der zuvor gleich vier Gegenspieler aussteigen hatte lassen (33.). Im Glück war der eingewechselte Torhüter bei einem Schlenzer von Žiga Pance im Powerplay, der knapp am Pfosten vorbeiflog (35.). Im nächsten Überzahlspiel - Holzapfel hatte den durchbrechenden Ganahl gehalten - schlugen die Rotjacken dann aber zu: Mit einem Wristshot von der blauen Linie aus besorgte Kevin Kapstad das umjubelte 5:5 (37.). Erst gegen Ende des zweiten Abschnitts konnten auch die Gastgeber wieder offensive Akzente setzen: Rafael Rotter übernahm einen Abpraller in der Luft, klopfte den Puck aber neben den Kasten, einen Onetimer von Collin Bowman bei numerischer Überlegenheit parierte Duba (jeweils 38.).

Nach Vorteilen für Wien im ersten und Klagenfurt im zweiten Drittel gestaltete sich der dritte Durchgang sehr ausgeglichen. Auf der einen Seite scheiterte Thomas Hundertpfund nach feinem "Zwei-gegen-Eins" mit Manuel Ganahl mit der Rückhand an Kickert (43.), auf der anderen wischte Rafael Rotter in einer chaotischen Situation vor dem rot-weißen Gehäuse in aussichtsreicher Position über den Puck (44.). Es ging weiter hin und her, zunächst parierte Kickert einen abgefälschten Kapstad-Schlagschuss (45.), dann rettete Duba gegen den frei vor ihm zum Abschluss gekommenen Ferland (46.). Als nach Hinausstellungen auf beiden Seiten "Vier-gegen-Vier" gespielt wurde, kippte die Partie zu Gunsten der Capitals: Žiga Pance verpasste einen Wiener Querpass in der KAC-Zone um Haaresbreite, wodurch sich für Collin Bowman plötzlich Platz bot. Der Verteidiger zog mit der Scheibe vom rechten Flügel ins Zentrum und setzte sie aus kurzer Distanz unter die Querlatte - 6:5 (49.). Für die Klagenfurter ergab sich die Chance auf den direkten Gegenschlag, Martin Schumnig knallte seine Direktabnahme bei numerischer Überlegenheit aber neben das Tor (50.). Zwei weitere Wiener Angriffe endeten bei Tomáš Duba: Der Goalie der Rotjacken hielt einen Schlagschuss von Kelsey Tessier aus dem Slot (53.) und parierte auch einen Versuch von Ryan McKiernan vom linken Faceoff-Kreis (54.). Schon mehr als vier Minuten vor dem Ende verließ der Tscheche dann seinen Arbeitsplatz, um den rot-weißen numerischen Vorteil dieser Phase zu verdoppeln. Die vier Capitals-Cracks verteidigten sich gegen sechs Klagenfurter aber sehr geschickt, die Gäste fanden keine Räume für erfolgsversprechende Abschlüsse. In der Schlussminute sprintete Taylor Vause einem Wiener Befreiungsschlag nach, er legte den eroberten Puck ins Zentrum, wo ihn Riley Holzapfel ins verwaiste KAC-Tor schieben konnte. Die Vienna Capitals gewannen ein an der Grenze zum Verrückten wandelndes, äußerst packendes Eishockeyspiel mit 7:5 und stellten in der Finalserie damit bereits auf 3:0. (HB)

 

Der Kommentar:

"Nach dem schlechten Start hat sich unsere Mannschaft ganz toll zurückgekämpft, dafür gebührt den Jungs großes Lob. Wenn man auswärts fünf Treffer erzielt, muss man das Spiel auch gewinnen, das muss man klar sagen. Fünf der Gegentore kassierten wir aus unmittelbarer Nähe zu unserem Kasten, das ist ärgerlich. Aber noch einmal: Der Kampfgeist, die Moral, der Charakter unserer Truppe waren stark. Für die Zuseher war das sicher ein spektakulärer Abend, für uns Trainer eher nicht. In der Serie steht's jetzt 0:3, Wien braucht aber einen vierten Sieg und diesen werden wir mit aller Macht versuchen zu verhindern." (Mike Pellegrims, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Die Vienna Capitals haben jedes der ersten drei Finalspiele für sich entschieden und sind damit nur noch einen Sieg vom zweiten Meistertitel ihrer Klubgeschichte entfernt. Diesen wollen die Rotjacken in einem ersten Schritt im nächsten Heimspiel am kommenden Freitag (Spielbeginn: 20.15 Uhr, live bei ServusTV und Sky Sport Austria) verhindern. Tickets für diese Partie sind bereits seit der Vorwoche vergriffen.