Klarer Verlust in Finnland

Ein knapper Rückstand früh im dritten Drittel mutierte für den EC-KAC am Freitagabend noch zu einer deutlichen Niederlage, die Rotjacken unterlagen bei Tappara Tampere mit 3:8.

Foto: CHL/Hämäläinen

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC legte einen famosen Start in die Champions Hockey League hin, Heimerfolge gegen Tappara Tampere (3:2) und Frisk Asker (3:0) in der Vorwoche sorgten dafür, dass die Klagenfurter als eines von nur drei CHL-Teams (neben dem EHC Biel-Bienne und Djurgården Stockholm), die bisher im Bewerb noch ohne Punktverlust dastanden, in die freitägige Partie gingen. In ihrer Historie in die Königsklasse blieben die Rotjacken auswärts bislang jedoch mäßig erfolgreich, in fünf Partien in der Fremde (2015 und 2017) gelang lediglich ein Sieg.

Tappara Tampere, das sich bisher bei jeder seiner fünf CHL-Teilnahmen für die KO-Phase qualifiziert hatte, empfing den EC-KAC noch punktelos in der Hakametsä: Der finnische Spitzenklub unterlag am vergangenen Wochenende sowohl in Klagenfurt als auch in Biel mit jeweils einem Treffer Differenz. Auf eigenem Eis brillierte Tappara in der jüngeren Vergangenheit auf europäischer Ebene jedoch: Die letzte Heimniederlage in der Champions Hockey League lag knapp drei Jahre zurück, seither endeten acht Begegnungen mit einem Sieg und ein Spiel unentschieden.

 

Die Personalien:

Die Rotjacken traten den CHL-Round Trip durch Nordeuropa ohne Niki Kraus (verletzt), Lukas Haudum (angeschlagen) und Johannes Bischofberger (krank) an. Der Trainerstab brachte im Auswärtsspiel in Tampere acht Verteidiger (mit Ramón Schnetzer und Christoph Duller als viertem Pairing) und zwölf Stürmer zum Einsatz: Während die Formationen mit den Mittelstürmern Thomas Koch und Daniel Obersteiner gegenüber dem Heimsieg gegen Asker unverändert blieben, flankierten Marco Richter und Marcel Witting Center Thomas Hundertpfund, Siim Liivik spielte mit Manuel und Stefan Geier an den Flügeln. Im Tor des EC-KAC stand David Madlener, der zu seinem ersten Start in einem Bewerbsspiel seit der Auftaktpartie der letztjährigen EBEL-Viertelfinalserie gegen den HCB Südtirol kam.

 

Der Spielverlauf:

Die Anfangsphase der Partie war arm an Torszenen, das galt auch für das erste Powerplay der Rotjacken. Die Finnen konnten ihre erste numerische Überlegenheit hingegen ausnutzen, knapp nach der blauen Linie legte Tyler Morley per Diagonalpass auf Olavi Vauhkonen, der Goalie David Madlener mit einem Haken auf die Rückhand verladen und zur Führung einschießen konnte (7.). Weil fast unmittelbar danach der EC-KAC zu einem zweiten Überzahlspiel kam, ließ der Ausgleich nicht lange auf sich warten: Nick Petersen hatte aus idealer Position noch verzogen (7.), bei seinem nächsten Versuch, einem Schlenzer von halblinks, sprang der Puck dann aber via Matthew Neals Schlittschuh ins Tor (8.). Nur 71 Sekunden später konnten die Klagenfurter ein weiteres Mal anschreiben: Petersen hielt akrobatisch die blaue Linie und spielte steil auf Manuel Ganahl, der knapp neben dem Pfosten stehend Torhüter Michael Garteig im zweiten Versuch in der kurzen Ecke bezwingen konnte (10.). Tappara Tampere brauchte einige Zeit, um wieder zu einem geordneten Spiel zurückzufinden, in den Minuten 15 und 16 kamen die Gastgeber dann jedoch zu zwei „Zwei-gegen-Eins“-Konter: Beim ersten verunmöglichte gutes Positionsspiel von Martin Schumnig einen verwertbaren Querpass, beim zweiten wurde der finale Morley-Schlenzer geblockt. Der Kanadier stand wenig später erneut im Mittelpunkt: Seine Deflection am Torraum konnte David Madlener mit dem Beinschoner stark parieren (17.). Die Finnen kamen knapp 13 Sekunden vor der ersten Sirene aber doch noch zum Ausgleich: Nachdem die Rotjacken über einen langen Wechsel hinweg in der eigenen Zone festgeschnürt waren, umkurvte Charles Bertrand das Gehäuse in weitem Bogen, ehe er die Scheibe mit der Rückhand unter Madlener hindurch zum 2:2 über die Linie brachte.

Im zweiten Abschnitt entwickelten die Gastgeber eine deutliche spielerische Überlegenheit, die sich zunächst allerdings nicht am Scoreboard niederschlug: Als Martin Schumnig mit einem nötigen Foulspiel einen „Zwei-gegen-Null“-Angriff Tapparas unterband, kamen die Finnen zu ihrem zweiten Überzahlspiel des Abends. Während dieses Powerplays chippte der umtriebige Tyler Morley den Puck aus kurzer Distanz über die Querlatte (30.), einige weitere brenzlige Situationen vermochte David Madlener zu entschärfen. Die Rotjacken überstanden eine zusätzliche Unterzahlsituation, gegen den aus der Ecke energisch vors Tor drängenden Tuukka Mäntylä war der KAC-Goalie wieder zur Stelle (34.). Eine der wenigen Möglichkeiten der Rotjacken im zweiten Durchgang ging auf das Konto von Clemens Unterweger, der nach guter Rotation Manuel Geiers in der Ecke aus der Halbdistanz per Wristshot abschloss, Torhüter Garteig packte übertrieben spektakulär mit der Fanghand zu (36.). Innerhalb von nur 32 Sekunden sorgten die Hausherren dann für eine Vorentscheidung: Sami Moilanen fing einen KAC-Querpass hinter dem eigenen Tor ab und bediente umgehend den halblinks wartenden Jere Karjalainen, der trocken einschoss (37.). Gleich im nächsten Shift traf Tampere zum vierten Mal, ein von Charles Bertrand vom rechten Faceoff-Kreis aus abgegebener Schuss schlug in der kurzen Ecke ein (37.). Knapp vor der zweiten Pause entgingen die Rotjacken einem weiteren Verlusttreffer: Von den rechten Hashmarks aus hob Morley das Spielgerät hauchdünn an der langen Torecke vorbei (40.). 

In der ersten Minute des dritten Drittels keimte im rot-weißen Lager noch einmal Hoffnung auf: Matthew Neal eroberte tief in der Angriffszone das Spielgerät, scheiterte in zwei Versuchen, dieses auch im Kasten unterzubringen, ehe es von Andrew Kozek über die Linie gedrückt wurde. Auf den Anschlusstreffer folgte eine bärenstarke Phase der Gastgeber, die in gut sechs Minuten vier Mal anschreiben konnten. Klatschte ein verdeckter Schlenzer von Ben Blood noch an den Außenpfosten (44.), so erhöhte Tappara gleich im nächsten Angriff das Score: Ein strammer Ytterell-Schuss prallte an die Maske von Madlener, Niko Ojamäki kehrte den Rebound ein (45.). Das 6:3 für die Finnen resultierte aus einem weiteren Aufbaufehler der Klagenfurter: Morley fing die Scheibe ab, brachte sie auf das Gehäuse, Weltmeister Kristian Kuusela setzte sie letztlich auch in die Maschen (46.). Nach einem Querlattentreffer Tamperes (47.) fand ein Steilpass von Juhani Jasu den enteilenden Vauhkonen, der das Solo mit seinem zweiten Treffer der Partie erfolgreich abschließen konnte (48.). Tapparas Torhunger war damit noch nicht gestillt: Vier Sekunden vor dem Ende einer Phase numerischer Überlegenheit legte Kuusela im Slot noch einmal quer, Charles Bertrand traf den Puck am linken Pfosten stehend nicht richtig, dennoch fand er den Weg über die Linie, wodurch der Franzose seinen Hattrick komplettierte (51.). Eine letzte gute KAC-Möglichkeit folgte spät im Spiel, als die mitgereisten Anhänger der Rotjacken das finnische Publikum schon zur Welle animiert hatten, die durch die Hakametsä schwappte: Siim Liivik fälschte im Zentrum einen Schumig-Schlagschuss gefährlich ab, Goalie Garteig rettete mit der Spitze seines Schlittschuhs (59.). (HB)

 

Der Kommentar:

„Wir haben 30 Minuten lang ein ausgezeichnetes Spiel gemacht. Der zweite Gegentreffer so spät im ersten Abschnitt hat uns weh getan, im zweiten Drittel verloren wir dann in Unterzahl unseren Drive und auch ein wenig Energie. Dadurch wurden Tapparas Angriffssequenzen immer länger, auch kassierten wir einige unnötige Gegentreffer, die aus Eigenfehlern resultierten. Das Resultat war am Ende kein schönes, aber wir haben heute sehr viele positive Dinge von unserer Mannschaft gesehen. Mir gefiel insgesamt durchaus, wie wir aufgetreten sind, aber wir schafften es heute nicht, mit schwierigen Situationen umzugehen, was ein sehr effizienter und treffsicherer Gegner zu acht Toren genutzt hat.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Durch die Niederlage in Tampere, die erste für den EC-KAC in der laufenden Champions Hockey League-Saison, verloren die Rotjacken ihre Tabellenführung an den EHC Biel-Bienne, der sich in Asker knapp mit 3:2 durchsetzen konnte und nun beim Maximum von neun Zählern hält. Die Klagenfurter absolvieren am Samstag noch ein Eistraining in Finnland und reisen dann nach Norwegen weiter, wo sie am Sonntagabend (Spielbeginn: 18.30 Uhr) gegen den amtierenden Champion Frisk Asker zu ihrem vierten Gruppenspiel antreten werden.