Niederlage in Bolzano

Zwei Gegentreffer innerhalb von nur sechs Sekunden in Drittel eins leiteten am Freitagabend den 1:3-Verlust der Rotjacken beim HCB Südtirol ein. 

Foto: HCB Südtirol/Antonello

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC legte mit einem 3:2-Heimerfolg gegen die Vienna Capitals einen Start nach Maß in die Pick Round hin, musste am Mittwochabend im ersten Spiel nach dem International Break jedoch einen Dämpfer hinnehmen: Zu Hause holten die Rotjacken gegen die Graz 99ers zwar zwei Mal einen Rückstand auf, unterlagen letztlich aber (mit 3:4) nach Verlängerung. Damit halten die Klagenfurter aktuell bei fünf Zählern - gleich vielen wie Wien, das aber bereits eine Partie mehr bestritten hat. In Bolzano war die Erfolgsquote der Kärntner in der jüngeren Vergangenheit eher überschaubar: Nur bei zwei der letzten neun Auftritte in der PalaOnda punktete Rot-Weiß voll, darunter auch beim jüngsten Gastspiel, einem 3:0 Shutout-Sieg Anfang Dezember.

Der HCB Südtirol spielte bisher eine sehr ansehnliche Saison, die Füchse erreichten in der ersten Phase des Grunddurchgangs die höchste Winning Percentage ihrer EBEL-Historie. In der Pick Round ließen sie auf einen knappen 1:2-Verlust bei Leader Salzburg zum Auftakt am Dienstag einen überzeugenden 5:2-Heimerfolg gegen Wien folgen. Der italienische Rekordmeister wies in den vergangenen Wochen auch insgesamt gute Form auf: In acht der elf im Kalenderjahr 2020 ausgetragenen Partien vermochte der HCB zu punkten. Gleich drei Zähler holte man dabei im letzten Duell mit dem EC-KAC: Anfang Januar siegten die Südtiroler in der Stadthalle trotz deutlicher Unterlegenheit hinsichtlich der Torschüsse knapp mit 1:0.

 

Die Personalien:

Der EC-KAC reiste bereits am Donnerstag nach Südtirol, wo er im Duell mit dem letztjährigen Viertelfinalgegner das nahezu exakt gleiche Lineup aufbot wie bei der 3:4-Overtime-Niederlage gegen Graz am Mittwoch. Die einzige Veränderung betraf die Backup-Position, auf der Jakob Holzer zum Einsatz kam. Florian Vorauer verstärkte am Freitagabend im Parallelspiel in der Alps Hockey League wie Verteidiger Michael Kernberger und Stürmer Marcel Witting (Comeback nach mehr als 18 Wochen Verletzungspause) das Farmteam. Unverändert nicht dabei waren Lars Haugen (vorzeitiges, verletzungsbedingtes Saisonende) sowie Nick Petersen und Lukas Haudum.

 

Der Spielverlauf:

Die erste Gelegenheit in dieser Partie ergab sich für den EC-KAC: Von der rechten Halfwall aus spielte Manuel Ganahl scharf an den Torraum, wo Johannes Bischofberger lauerte und abfälschte, Goalie Justin Fazio machte sich aber breit und stoppte den Puck somit (2.). Ein sehr später Check gegen den Kopf von Ganahl führte zu einer vierminütigen Hinausstellung von Dante Hannoun, weil ihm wenig später aber auch Johannes Bischofberger in die Kühlbox folgen musste, wurde „Vier-gegen-Vier“ gespielt und in dieser Phase kamen die Gastgeber zu zwei Treffern innerhalb von nur sechs Sekunden. Zunächst zog Ivan Tauferer von der blauen Linie aus ab, David Madlener parierte mit den Beinschonern, die Scheibe sprang aber genau zum am rechten Flügel aufgerückten Patrick Wiercioch, der sie direkt übernahm und in die Maschen wuchtete (6.). Direkt vom Faceoff weg stocherte Jamie Arniel das Spielgerät nach vorne, Stefano Giliato stürmte nach und überrumpelte mit dem Antritt David Fischer und mit dem Schuss kurz nach Überschreiten der blauen Linie auch David Madlener - 2:0 (6.). Keine zwei Minuten später, Bischofberger war gerade zurück aufs Eis gekommen, schrieb auch der EC-KAC an: Vom rechten Flügel aus spielte Manuel Geier den am Crease ungedeckten Andrew Kozek an, der mit seinem ersten Versuch an Fazio scheiterte, den Rebound dann aber mit der Rückhand unters Tordach lupfte (8.). Danach passierte im ersten Abschnitt nicht mehr viel: Ein Abpraller, den Madlener nach Marchetti-Schlenzer hergegeben hatte, wurde noch rechtzeitig aus der Gefahrenzone befördert (9.), ein erstes Unterzahlspiel (ab 14.) überstanden die Rotjacken ohne gröbere Probleme. Um ein Haar hätten die Füchse aber vor der ersten Pause doch noch erhöht: Bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Konter verhinderte Adam Comrie den Querpass, der zweite Versuch erreichte den am Torraum freien Neuzugang Markus Poukkula jedoch, sein Abschluss fiel aber zu wenig genau aus, sodass David Madlener den Puck noch vor der Linie aufhalten konnte (17.). 

Zwei Direktabnahmen aus der Distanz, eine von Wiercioch (21.) und eine von seinem Abwehrpartner Tauferer (22.), eröffneten den zweiten Durchgang, in beiden Fällen parierte der KAC-Goalie mit seinen Pads. Als die Rotjacken zu ihrem dritten Überzahlspiel kamen, kreierten sie gleich drei große Gelegenheiten: Einen gezogenen Wristshot von Daniel Obersteiner vom rechten Faceoff-Kreis aus wehrte Fazio noch an die Außenstange (28.), ehe er auch einen Onetimer von Rok Tičar von der gleichen Position aus parierte und anschließend auch gegen Matthew Neal aus kurzer Distanz Sieger blieb (jeweils 29.). Auf der Gegenseite steckte Hannoun diagonal auf Poukkula durch, der frei vor dem KAC-Kasten noch seinen Schläger an den Puck brachte, David Madlener war jedoch mit seiner Schulter zur Stelle (31.). Danach verflachte die Partie wieder: Einen satten Direktschuss von Marco Insam im Powerplay hielt David Madlener stark (35.), mit der zweiten Pausensirene vergab der von Bischofberger in Szene gesetzte Hundertpfund aus halbrechter Position (40.).

Im dritten Drittel kam Dante Hannoun im Slot völlig frei zum Abschluss, sein Schuss flog am Goalie vorbei, traf jedoch den auf der Torlinie stehenden Petter Hansson (43.). Danach setzte sich die im Schlussabschnitt neu formierte Angriffsformation mit Tičar, Neal und Bischofberger über eine längere Sequenz hinweg in der Offensivzone fest, bei zwei Fernschüssen von Adam Comrie war Torhüter Fazio aber auf dem Pfosten (jeweils 45.). Diese Linie kam dann auch zur größten Ausgleichschance für den EC-KAC: Matthew Neal legte nach dem Überschreiten der blauen Linie auf halblinks zu Johannes Bischofberger, der noch einige Meter machte und dann aus dem Handgelenk abzog, die Scheibe prallte von der Innenseite der langen Stange in das Spielfeld zurück (49.). In der Folge nutzte der HCB Südtirol die sich bietenden Räume zu gefährlichen Kontern: Einen Sololauf von Arniel stoppte Madlener (51.), bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Angriff schloss Flemming selbst und weit über das Gehäuse ab (52.). Justin Fazio las einen Bischofberger-Onetimer von den linken Hashmarks aus gut (55.), auf der Gegenseite blieb Madlener bei einem Wrap-Around von Arniel und einem Fernschuss von Daly Sieger (jeweils 57.). Nur Sekunden nachdem der KAC-Schlussmann durch einen sechsten Feldspieler ersetzt wurde, fixierten die Füchse den Heimsieg: Patrick Wiercioch schickte mit einem Steilpass Luca Frigo auf die Reise, dieser umkurve Comrie und schoss zum 3:1 ein. Den Rotjacken war auch bei einer „Sechs-gegen-Vier“-Überlegenheit in der Schlussminute kein Treffer mehr vergönnt: David Fischer schoss von der blauen Linie aus daneben, Daniel Obersteiners Schlenzer von rechts wurde noch geblockt. (60.). (HB)

 

Der Kommentar:

„Das war ein schlechtes Spiel von uns. Bolzano hat gekämpft und gearbeitet, wir hingegen waren von der ersten bis zur letzten Minute mies, wirkten kraftlos. Gestern und heute Vormittag hatten wir zwei sehr gute Trainings, fast nichts davon konnten wir in diese Partie mitbringen. Wir werden dem auf den Grund gehen, warum das passiert ist und wie wir Derartiges in Zukunft verhindern können. Der HCB hat sich den Sieg heute verdient, Gratulation.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Mit der ersten Niederlage in regulärer Spielzeit im Rahmen der Pick Round rutschten die Rotjacken in der Tabelle auf den vierten Rang ab, allerdings liegen sie nur einen Zähler hinter dem nun zweitplatzierten HCB Südtirol. Der nächste Gegner des EC-KAC feierte hingegen seinen dritten Sieg im dritten Zwischenrundenspiel, der EC Salzburg setzte sich bei den Vienna Capitals mit 4:2 durch. Beim überlegenen Leader gastieren die Klagenfurter übermorgen Sonntag (Spielbeginn: 16.00 Uhr).