Overtime-Heimsieg zur Serienführung

Drei Mal holte der EC-KAC zum Play-Off-Auftakt gegen Meister HCB Südtirol am Mittwochabend einen Rückstand auf, letztlich siegten die Rotjacken mit 5:4 nach Verlängerung.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC beendete den Grunddurchgang der Erste Bank Eishockey Liga mit 34 Siegen aus 54 Begegnungen und damit auf dem dritten Tabellenplatz. Dementsprechend konnten die Rotjacken ihren Erstrundengegner in den Play-Offs aus den beiden noch verbliebenen Klubs, den letztjährigen Finalisten, wählen, dabei entschieden sie sich für Titelverteidiger HCB Südtirol. An den Füchsen waren die Klagenfurter im vergangenen Jahr im Viertelfinale gescheitert, fünf der sechs direkten Duelle in der laufenden Saison konnten sie jedoch gewinnen. In seiner langen Historie ging der EC-KAC erst drei Mal von Rang drei aus in die Play-Offs, in jedem dieser Jahre (2002, 2013, 2017) überstand er das Viertelfinale.

Der HCB Südtirol konnte nur zwei seiner zehn Pick Round-Spiele für sich entscheiden und trennte sich daher nach dem Grunddurchgangsende und nur zwei Tage vor dem ersten Play-Off-Spiel von seinem Head Coach: Kai Suikkanen wurde durch Italiens Nationaltrainer Clayton Beddoes ersetzt, der in Klagenfurt debütierte. In der Fremde hatten die Füchse in der jüngeren Vergangenheit nur wenig Erfolgserlebnisse, seit einem Sieg in Graz Ende Januar verloren sie sieben Auswärtsspiele in Folge. In der Post Season stellte der HCB Südtirol seine Qualitäten in seinen fünf Jahren in der EBEL allerdings bereits mehrfach eindrucksvoll unter Beweis, nach Klagenfurt kam man als amtierender Meister, der acht seiner jüngsten elf Play-Off-Spiele gewonnen hatte.

 

Die Personalien:

Der EC-KAC musste zum Play-Off-Auftakt auf fünf Stammkräfte verzichten: Neben dem langzeitverletzten Manuel Geier fehlten gegen den HCB Südtirol wie schon im letzten Grunddurchgangsspiel am Sonntag Lars Haugen (krank) und Robin Gartner (angeschlagen). Ebenfalls nicht zur Verfügung standen Christoph Duller (krank) und Marco Richter, der sich nach einer in der Partie gegen Fehérvár AV19 erlittenen Verletzung einer Operation unterziehen muss und für mehrere Wochen ausfällt. Zurück ins Lineup kehrten hingegen die zuletzt geschonten Matthew Neal und Siim Liivik, zudem ersetzte Philipp Kreuzer Dennis Sticha. Patrick Harand wurde in der Abwehr aufgeboten, Daniel Obersteiner nahm die angestammte Position Marco Richters ein. Im Tor des EC-KAC stand zum dritten Mal in Folge David Madlener, Backup war wieder Jakob Holzer.

 

Der Spielverlauf:

Der EC KAC startete aktiv in den ersten Abschnitt und konnte bereits in der Anfangsphase einige Torchancen kreieren: Gleich in der ersten Minute legte David Fischer auf Adam Comrie quer, der abzog, jedoch an den Beinschonern von HCB-Goalie Jake Smith scheiterte. Nachdem Niki Kraus einen Fischer-Schuss gefährlich abgefälscht hatte, dabei aber ebenfalls am Schoner des Bozener Schlussmannes hängengeblieben war (4.), kamen die Gäste zu ihrer ersten guten Möglichkeit: Angelo Miceli umkurvte das Tor und legte auf Markus Nordlund ab, dessen Direktabnahme nur knapp am Pfosten vorbeiflog (5.). Die nächste Situation vor dem KAC-Kasten, an der wieder Miceli beteiligt war, führte dann zum 1:0 für den HCB Südtirol: Gemeinsam mit Anton Bernard bearbeitete der Stürmer den unter dem Schoner David Madleners im Torraum liegenden Puck, der schließlich um wenige Zentimeter hinter die Linie rutschte (8.). Der Mann des Abends aus Klagenfurter Sicht sorgte in Minute 13 für den Ausgleich: Andrew Kozek setzte vom Crease aus einen Abpraller nach Fernschuss von David Fischer mit der Rückhand in die Maschen - 1:1. Im Glück waren die Gastgeber keine zwei Minuten später: Nach „Drei-gegen-Zwei“-Angriff des HCB wurde ein Schlagschuss Massimo Carozzas vor dem Gehäuse noch abgefälscht, die Scheibe klatschte aber an den Pfosten (14.). Auf der Gegenseite scheiterte nach guter Obersteiner-Arbeit an der Bande Matthew Neal mit einem Onetimer aus dem Zentrum an Smith (18.).

Auch im zweiten Abschnitt legten die Gäste vor, sie nutzen gleich ihr erstes Überzahlspiel der Partie zur neuerlichen Führung: Ein trockener Schlagschuss von Nordlund schlug in der rechten Kreuzecke ein (22.). Nur 58 Sekunden später glich Clemens Unterweger wieder aus, sein Slapshot aus der Halbdistanz schlug in der kurzen Ecke ein (23.). Kurios: Zum dritten Mal in der Partie resultierte ein Treffer aus einem Offensivzonen-Faceoff nach unerlaubtem Weitschuss des Gegners. Bei numerischem Vorteil legte der Titelverteidiger auch ein drittes Mal vor: Erneut schoss Nordlund, nun fälschte vor dem Kasten Mike Blunden mit dem Schienbeindeckel ab, sodass der Puck durch die Beine von David Madlener rutschte (29.). Eine Deflection von Luca Frigo segelte nur geringfügig am Tor vorbei (30.), auf der Gegenseite setzte der nach innen ziehende Siim Liivik einen Schlenzer um Haaresbreite über die kurze Kreuzecke (31.). In Klagenfurts zweitem Powerplay des Abends parierte Jake Smith mit dem Blocker stark gegen Andrew Kozek (35.), Augenblicke später scheiterte der Kanadier innerhalb weniger Sekunden gleich zwei Mal am Metall (36.). Bei Even Strength stellten die Rotjacken dann aber wieder den Gleichstand her: In Bedrängnis brachte Thomas Hundertpfund ein öffnendes Diagonalzuspiel auf Mitch Wahl an, der aus der neutralen Zone exakt in den Lauf von Johannes Bischofberger passte, der sein Solo erfolgreich abschloss (37.). Dass es mit einem Unentschieden in die zweite Pause ging, war David Madlener zu verdanken, der bei einem Abfälscher von Marco Insam aus kürzester Distanz noch toll reagierte (40.)

Nach einem Wechselfehler Bolzanos früh im dritten Abschnitt kam der EC-KAC zu seinem dritten Überzahlspiel, das er auch in die erstmalige Führung in dieser Begegnung konvertieren konnte: Thomas Koch sendete von den Hashmarks aus einen Onetimer, den ihm Nick Petersen mustergültig aufgelegt hatte, in die Maschen (43.). Mike Blunden wurde im letzten Moment am Einkehren eines Petan-Querpasses am Torraum gehindert (44.), dann gelang dem HCB aber das 4:4: Kapitän Anton Bernard zog über links ins Zentrum und überlistete Madlener aus spitzem Winkel hoch in der kurzen Ecke (48.). Nachdem eine Deflection von Luca Frigo nur ganz knapp am Pfosten vorbeigeflogen war (54.), erhöhten die Klagenfurter den Druck, gleich mehrfach hatten sie Gelegenheiten auf einen fünften Treffer: Mitch Wahl schoss aus dem Slot drüber (55.), Nick Petersen setzte einen Flip-Pass Kochs aus schlechtem Winkel an den Außenpfosten, bei Thomas Hundertpfunds Direktabnahme aus dem Slot bekam Jake Smith die Beine gerade noch zusammen (jeweils 58.) und Andrew Kozek setzte seinen Abschluss zum vierten Mal in dieser Begegnung an die Torumrandung (59.).

Somit wurde eine Overtime fällig, in der die Rotjacken nach nur 41 Sekunden für die Entscheidung sorgten: Einmal mehr gewann Thomas Koch ein Faceoff in der Angriffszone, Nick Petersen legte mit der Rückhand an die linken Hashmarks ab, von wo aus Andrew Kozek seinen hochverdienten Doppelpack schnüren und den EC-KAC somit die Serienführung in diesem Viertelfinale sichern konnte. (NB/HB)

 

Der Kommentar:

„Ich denke, wir haben heute ein gutes Spiel gemacht. Positiv war, dass wir keineswegs nervös waren, sondern speziell in den beiden ersten Abschnitten unser Ding durchgezogen haben. Zur Mitte des dritten Drittels hatten wir einen Hänger, wurden etwas passiv, haben vielleicht ein wenig gezweifelt. Doch nach ein paar Minuten hatten wir das überwunden und dann haben wir diese Partie auch zu unseren Gunsten entschieden. Das genießen wir jetzt für ungefähr fünf Minuten, dann widmen wir uns dem weiteren Weg in dieser Serie.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC reist am Donnerstag mit einer 1:0-Serienführung nach Bolzano, wo am Freitagabend (Spielbeginn: 19.15 Uhr, live auf servushockeynight.com) die zweite Begegnung im Viertelfinalduell mit dem HCB Südtirol ansteht. Die Rotjacken haben jede ihrer letzten vier Play-Off-Serien, in denen sie Spiel eins für sich entscheiden konnten, gewonnen, zuletzt nach einem Auftaktsieg eine Serie verloren haben die Klagenfurter im Finale 2012 gegen den EHC Linz.