Rotjacken bezwingen Bullen

In einem temporeichen und über weite Strecken ausgeglichenen Spiel setzte sich der EC-KAC gegen den EC Salzburg dank eines guten Schlussdrittels mit 6:3 durch.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Nachdem der EC-KAC zuvor sieben Mal in Folge gepunktet und vier Mal hintereinander gewonnen hatte, mussten die Klagenfurter am Dienstag eine knappe Heimniederlage hinnehmen: Gegen den Tabellenführer HCB Südtirol zogen die Rotjacken nach einem schwachen Auftaktdrittel, auf das zwei starke weitere Abschnitte folgten, mit 2:3 den Kürzeren. Das dritte Saisonduell mit dem EC Salzburg nahm Rot-Weiß daher vom vierten Tabellenrang aus in Angriff, das erste Heimspiel 2020/21 gegen die Bullen konnte Klagenfurt Ende November klar mit 4:1 für sich entscheiden. Trotz ihrer großen Spielstärke waren die Mozartstädter in der jüngeren Vergangenheit ein recht gern gesehener Gast in der Stadthalle, der EC-KAC konnte in acht der letzten zehn Heimspiele gegen Salzburg anschreiben.

Der EC Salzburg legte in den vergangenen Wochen eine zu jener des EC-KAC symmetrische Formkurve hin: Auch die Bullen mussten am Dienstag eine Heimniederlage (1:4 gegen die Vienna Capitals) hinnehmen, nachdem sie zuvor in sieben Spielen stets gepunktet und in sechs davon auch gesiegt hatten. In der Fremde gewann der aktuelle Tabellenfünfte bei jedem seiner jüngsten drei Auftritte: Auf einen 3:1-Erfolg in Innsbruck folgten knappe 3:2-Siege in Dornbirn und Bolzano. Die Red Bulls bereisten Klagenfurt als die klare Nummer eins der Liga in den Special Teams, sowohl das Powerplay als auch das Penalty Killing Salzburgs wies im bisherigen Saisonverlauf Erfolgsquoten auf, die von keinem anderen Team im Bewerb erreicht werden konnten.

 

Die Personalien:

Neben David Fischer und Blaž Gregorc musste der EC-KAC kurzfristig auch auf Lukas Haudum verzichten, der sich außerhalb des Spiel- und Trainingsbetriebs verletzte. Dadurch rückte Dennis Sticha in die Angriffsformation mit Thomas Koch und Matt Fraser auf, an der Seite der Geier-Zwillinge Manuel und Stefan stürmte Valentin Hammerle. Gewechselt wurde bei den Rotjacken außerdem im Tor, wo gegen Salzburg wieder Sebastian Dahm den Vorzug erhielt.

 

Der Spielverlauf:

Nach nur 39 gespielten Sekunden brachte Kilian Zündel Rok Tičar zu Boden, was den Rotjacken ihr erstes Powerplay bescherte. Dieses konnte man auch gleich in einen Treffer ummünzen: Thomas Koch spielte die Scheibe vom rechten Faceoff-Kreis aus in den hohen Slot zu Paul Postma, dessen Onetimer kurz darauf in den Maschen zappelte (3.). In der siebten Spielminute gewann Manuel Ganahl das Battle hinter dem Kasten von J.-P. Lamoureux und setzte im Slot Rok Tičar in Szene, dieser scheiterte aber am Salzburger Schlussmann. Auf der Gegenseite profitierte Jack Skille von einem Fehler des EC-KAC hinter dem eigenen Tor und schob sich dem Crease entlang, als er nach weitem Haken auf die Rückhand die Einschussposition vorfand, fuhr Sebastian Dahm seinen Beinschoner aus. Noch in der gleichen Minute stoppte der Goalie auch einen Wrap-Around-Versuch von Taylor Chorney (jeweils 7.). Ein erstes Unterzahlspiel überstand Klagenfurt unbeschadet, dann drückte Salzburg auf den Ausgleich: Jack Skille konnte ein Zuspiel von David McIntyre im Slot mit der Rückhand gefährlich abfälschen, doch Dahm war auf dem Posten (14.). Kurz darauf visierte Mario Huber von Rechtsaußen die kurze Ecke an, verzog aber knapp, Thomas Raffl scheiterte anschließend aus spitzem Winkel am rot-weißen Keeper (jeweils 16.). Die nächste Chance der Mozartstädter ging auf das Konto von Derek Joslin, der es mit dem Bauerntrick versuchte, erneut war Sebastian Dahm mit den Pads zur Stelle (18.). Gegen Drittelende kreierten die Rotjacken dann wieder Offensivaktionen: Nick Petersen visierte mit einem scharfen Wrister aus halblinker Position die kurze Kreuzecke an, wo aber der Blocker von Lamoureux wartete, ehe der Keeper einen von Rok Tičar abfälschten Postma-Schuss mit dem Schoner parierte und seine Vorderleute den Rebound im letzten Moment wegräumen konnten (18. bzw. 19.).

Gleich zu Beginn des Mittelabschnitts bot sich den Gästen eine Großchance über David McIntyre, der den Puck aus der Rundung an den Crease zu Jack Skille beförderte, dieser fälschte die Scheibe hauchdünn am langen Pfosten vorbei ab (21.). Als sich Thomas Raffl von hinter dem Gehäuse aus vor den Kasten schob und bereits kniend noch einen überraschenden Backhander anbrachte, war Dahm zur Stelle, Jack Skille traf mit einem Schuss aus der Drehung nur das Außennetz (jeweils 23.). Salzburgs Druck mündete in Minute 25 im verdienten Ausgleich: Einen Pallestrang-Schlenzer von der blauen Linie aus  fälschte Thomas Raffl im Slot gekonnt und unhaltbar ab. Wenige Sekunden später brachte John Hughes die Bullen dann beinahe in Front, aber Sebastian Dahm vereitelte dessen Versuch aus kurzer Distanz mit einem wundervollen Pad-Save (25.). Der Führungstreffer sollte den Mozartstädtern etwas später doch gelingen: Austin Ortega spielte den Querpass vom linken an den rechten Faceoff-Kreis, von wo aus Dominique Heinrich direkt abzog, Dahm machte die Bewegung zwar mit, der Puck rutschte ihm aber dennoch durch (32.). Die Rotjacken hatten jedoch nur 16 Sekunden später die passende Antwort parat: Paul Postma hielt den Puck im Offensivdrittel, marschierte zum rechten Anspielpunkt und versenkte ihn von dort aus flach in der langen Ecke (33.). Gegen Drittelende durften die Klagenfurter erneut im Powerplay ran und erarbeiteten sich weitere Möglichkeiten: Nachdem Taylor Chorney einen Postma-Schuss vor dem Kasten geblockt hatte, bekam Thomas Koch einen schönen Steilpass direkt aufs Blatt serviert – sein Abschluss wurde aber vom Catcher des Torhüters über die Querlatte hinweg abgelenkt (38.). Thomas Hundertpfund scheiterte anschließend noch mit einem Schlagschuss aus halbrechter Position an Lamoureux (39.). 

Den Schlussabschnitt eröffneten die Gastgeber mit einer Großchance über Manuel Ganahl, der den Puck von hinter dem Kasten aus seitlich an den Torraum zu Nick Petersen beförderte, der gleich drei Mal auf das Spielgerät klopfte, dabei aber immer an J.-P. Lamoureux hängenblieb (41.). Auch in ihrem zweiten Unterzahlspiel verteidigten sich die Rotjacken gegen das statistisch beste Powerplay der Liga gut, als der EC-KAC wieder komplett war, und Manuel Geier mit einem Steilpass Matt Fraser auf die Reise schickte, wurde dieser von Alexander Pallestrang gelegt. Den fälligen Penalty Shot verwandelte Manuel Ganahl sehenswert: Nach feinem Vorhand-Rückhand-Move schob der die Scheibe flach ins Tor. Die neuerliche Führung beflügelte Rot-Weiß und lediglich 41 Sekunden später erzielte Matt Fraser den vierten Treffer für die Klagenfurter: Von Rok Tičar steil geschickt, nahm er sich am KAC-Kapitän ein Vorbild und vollendete seinen Alleingang mit der Rückhand durch die Beine von Lamoureux hindurch (45.). Ein Überzahlspiel für die Rotjacken verlief recht ereignislos, im nächsten Salzburger Powerplay kam Klagenfurt zur besten Gelegenheit, als Johannes Bischofberger einen „Zwei-gegen-Eins“-Angriff über links abschloss: Die Scheibe rutschte unter dem Bullen-Torhüter hindurch, jedoch auch am Gehäuse vorbei (49.). Der flinke Stürmer schrieb aber nur zwei Minuten später tatsächlich an: Einen Schlenzer von Steven Strong fälschte er mit dem Knie zum 5:2 in die Maschen ab (51.). Mehr als fünf Minuten vor dem Ende nahm Salzburg bei numerischem Vorteil seinen Goalie vom Eis und wurde für diesen Mut belohnt: Bei „Sechs-gegen-Vier“ spielte Dominique Heinrich vom rechten Rückraum aus diagonal und scharf vors Tor, Thomas Raffl setzte eine erfolgreiche Deflection (55.). Weil wenig später erneut eine Strafe gegen Klagenfurt ausgesprochen wurde, spielten die Gäste wieder mit zwei Feldspielern mehr, nun hatte aber der EC-KAC die beste Möglichkeit: Thomas Koch traf mit einem Empty Net-Versuch aus gut 45 Metern Entfernung nur die Stange (56.). Weil Dahm gegen Harnisch von rechts parierte (57.) und ein Skille-Zuspiel am langen Pfosten von Raffl verpasst wurde (58.), setzten die Rotjacken den Schlusspunkt: Von der rechten Halfwall in der eigenen Zone aus traf Matt Fraser zwei Sekunden vor dem Ende mit der Rückhand und via Bande ins verwaiste Gehäuse - Endstand 6:3 für den EC-KAC! (NB)

 

Der Kommentar:

„Das erwartet schwere Spiel. Ich fand, dass Salzburg in den ersten beiden Abschnitten immer einen kleinen Schritt voraus war, in den Zweikämpfen und auch eisläuferisch. Wir haben lange nach einem Weg gesucht, zu unserem Spiel zu finden, diesen dann aber im dritten Drittel gefunden. Da waren wir aggressiv, mutig und haben exzellente Treffer erzielt. Als unser Kapitän Manuel Ganahl in solch einer Situation einen Penalty Shot so eiskalt verwertete, schlug das Pendel zu unseren Gunsten aus, dieser Moment hat unser Mindset geändert. Ich freue mich sehr über diesen Sieg.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC erzielte im sechsten Spiel im Kalenderjahr 2021 zum vierten Mal sechs Treffer und schob sich mit dem Heimsieg gegen den EC Salzburg wieder an den Vienna Capitals vorbei auf Rang drei der Tabelle der bet-at-home ICE Hockey League. Deren Leader empfangen die Rotjacken bereits am Sonntag (Spielbeginn: 16.30 Uhr) wieder in der Stadthalle, zum zweiten Mal in der laufenden Woche trifft Klagenfurt zu Hause auf den HCB Südtirol. Diese Begegnung wird von Puls24 live im Free-TV übertragen.