Rotjacken drehen Derby im Schlussdrittel

Ein später Treffer von Nick Petersen bescherte dem EC-KAC am Sonntagabend den dritten Sieg im vierten Kärntner Derby der Saison, die Rotjacken gewannen gegen Villach mit 4:3.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Die Rotjacken punkteten zuletzt kontinuierlich, in neun ihrer letzten elf Spiele vermochten sie ihren Zählerstand zu erhöhen. Die erste Begegnung im neuen Kalenderjahr gewannen die Klagenfurter am Freitag bei den Graz 99ers klar mit 6:2, zwei Tage zuvor waren sie den Steirern auf eigenem Eis noch mit 1:2 nach Verlängerung unterlegen. In das Kärntner Derby ging der EC-KAC auf Tabellenplatz vier liegend und eine starke Serie verteidigend: Seit 2. Februar 2016 ging kein Heimspiel gegen Villach mehr verloren, Rot-Weiß setzte sich neun Mal in Folge durch. Die erste zu Hause ausgetragene Saisonbegegnung mit den Adlern gewannen die Rotjacken Anfang Oktober trotz frühem 0:1-Rückstand mit 3:1. Auch das jüngste Aufeinandertreffen, das erst am Montag in der Draustadt über die Bühne ging, entschied Klagenfurt (mit 4:0) für sich.

Der EC VSV kam in guter Form in die Landeshauptstadt: Mit Ausnahme des Derbys vor sechs Tagen konnte Villach jedes seiner letzten vier Spiele gewinnen. Damit schloss das Team von Head Coach Rob Daum nach Punkten zum Neuntplatzierten aus Bratislava auf. Weil Blau-Weiß bei noch 13 ausständigen Partien allerdings 14 Zähler Rückstand auf den aktuellen Fünften aus Dornbirn aufweist, dürfte die Pick Round wohl auch im sechsten Jahr in Serie ohne Villacher Beteiligung über die Bühne gehen. Mit den Rotjacken lieferte sich der EC VSV in den vergangenen Jahren dem Ergebnis nach meist recht enge Duelle, die letztlich aber in der Regel mit einem rot-weißen Erfolg endeten: Die Adler konnten nur drei der jüngsten 17 Konfrontationen für sich entscheiden.

 

Die Personalien:

Beim EC-KAC kehrte nach kurzer und leichter Erkrankung Stefan Geier in das Lineup zurück. Kurzfristig verzichten mussten die Rotjacken hingegen auf den formstarken Johannes Bischofberger, bei dem sich die medizinische Abteilung am Spieltagmorgen aufgrund einer leichten Unterkörperverletzung gegen einen Einsatz entschied. Dieser Wechsel stellte die einzige Veränderung im Aufgebot gegenüber dem Auswärtssieg in Graz am Neujahrstag dar. Nicht zur Verfügung standen demnach weiterhin David Fischer, Niki Kraus und Valentin Hammerle. Im Tor der Klagenfurter kam Sebastian Dahm zu seinem achten Start in Folge.

 

Der Spielverlauf:

Die Rotjacken kamen früh in der Partie zu ihrem ersten Powerplay, doch die beste Möglichkeit in dieser Phase ging auf das Konto der Villacher: Paul Postma sprang die Scheibe an der blauen Linie über den Schläger und Sahir Gill machte sich auf den Weg in Richtung Klagenfurter Tor, Sebastian Dahm war aber hellwach und machte die Beine rechtzeitig zu (2.). Mit Ablauf der Strafzeit gegen Chris Collins fälschte Manuel Geier einen Gregorc-Schuss vor dem Kasten stehend gefährlich ab, doch Torhüter Alexander Schmidt war auf dem Posten und konnte parieren (3.). In der sechsten Minute spielte Nico Brunner den Puck aus der Rundung an den Torraum zum dort lauernden Philipp Kreuzer, der aber scheiterte an Sebastian Dahm. Die Problematik eines ersten Unterzahlspiels lösten die Rotjacken souverän, gleich sechs Mal brachten sie die Scheibe aus der eigenen Zone. Danach erhöhte der EC-KAC die Schlagzahl: Von Lukas Haudum bedient setzte Thomas Koch einen Onetimer aus dem Slot am Kasten vorbei (11.), als Nick Petersen von der Halfwall aus auf Rok Tičar durchsteckte, scheiterte dieser aus kurzer Distanz am VSV-Schlussmann (13.). Im nächsten Wechsel kamen die Hausherren schließlich zum verdienten Führungstreffer: Lukas Haudum legte am rechten Flügel zurück auf Paul Postma, der direkt abzog und der Puck schlug - von Thomas Koch mit der Hose entscheidend abgefälscht - hinter Schmidt ein (14.). Die Adler erzielten knapp zweieinhalb Minuten später den in seiner Entstehungsgeschichte sehenswerten Ausgleich: Mit vier Doppelpässen spielten sich Collins/Kosmachuk von der eigenen Zone aus bis an den Torraum, den finalen Querpass fälschte Blaž Gregorc ins eigene Tor ab (17.). In Überzahl kamen die Klagenfurter zu einer guten Möglichkeit durch Rok Tičar, der einen Postma-Schuss abfälschte, Schmidt ließ prallen, aber der Slowene gelangte nicht mehr an den Rebound (19.). Von der Strafbank kommend setzte Jordan Caron aus der Rundung Frédéric Allard im Slot in Szene, sein Abschluss war aber zu zentral, um Dahm in Bredouille zu bringen (20.).

Den zweiten Abschnitt eröffnete ein „Zwei-gegen-Null“-Konter der Gäste, bei dem Collins von den zurückeilenden Klagenfurtern aber noch so abgedrängt werden konnte, dass er weder Schuss noch Pass anbrachte (21.). Auf der Gegenseite legte Manuel Ganahl im Zentrum noch einmal auf Manuel Geier quer, der zwar das halbleere Gehäuse vor sich hatte, dem aber noch der Schläger blockiert wurde (22.). In ihrem zweiten Überzahlspiel wurden die Adler nur durch Fernschüsse mäßig gefährlich, als dann der EC-KAC mit einem Mann mehr am Eis stand, traf Villach per Shorthander: Im „Drei-gegen-Eins“-Konter spielte Chris Collins zur Mitte auf Kevin Schmidt, der kurz verzögerte und die Scheibe dann in die lange Kreuzecke schlenzte (30.). Es folgte das nächste VSV-Powerplay, in dem ein verdeckter Allard-Wristshot von links nur den Außenpfosten streifte (33.). Knapp am Ausgleich vorbei schrammte dann Nick Petersen, der über rechts nach innen zog, sich den Puck entgegen der Bewegungsrichtung auf die Rückhand legte, ihn letztlich jedoch nur ins Außennetz lupfte (36.). Noch im gleichen Angriff schrieben die Rotjacken dann zum zweiten Mal an diesem Abend an: Aus der Ecke bediente Rok Tičar Manuel Ganahl am Crease und der Kapitän ließ in die Maschen abtropfen (36.). In der Schlussphase des zweiten Durchgangs erhöhten die Klagenfurter die Schlagzahl, powerplayartig schnürten sie die Gäste nun in deren Zone ein: Michael Kernberger klopfte einen tiefen Hundertpfund-Querpass um Zentimeter an der Stange vorbei (38.), Manuel Ganahl setzte eine Direktabnahme aus kurzer Distanz ebenso neben den Kasten (39.) und Nick Petersen traf aus dem hohen Slot nur Goalie Schmidts Maske (40.). 

In Spielminute 45 wischte Lukas Haudum in der Vorwärtsbewegung über die Scheibe, was in einem erneuten Breakaway für Chris Collins resultierte, der Villacher scheiterte aber einmal mehr an Sebastian Dahm. Kurz darauf machte es Frédéric Allard besser und brachte Blau-Weiß wieder in Führung: Im Zweikampf an der Halfwall schüttelte er seinen Gegenspieler ab, zog zur Mitte und schlenzte den Puck dann präzise in die lange Kreuzecke (46.). Die Rotjacken hatten aber die passende Antwort parat und glichen im Powerplay neuerlich aus: Paul Postma spielte quer an den rechten Anspielpunkt zu Thomas Koch, der Alexander Schmidt durch die Beine bezwang (48.). Nachdem Sebastian Dahm eine Kosmachuk-Deflection aus kurzer Distanz mit dem Schoner entschärft hatte, parierte er auch einen Rebound  von Sahir Gill an der kurzen Ecke nach einem Blueliner von Matt Mangene (48. bzw. 50.). Über den rechten Flügel kommend ließ Nick Petersen in der nächsten Szene gleich zwei Villacher sehenswert aussteigen, blieb mit seinem anschließenden Schuss aus dem Slot aber erfolglos (52.). Als der Kanadier in der Schlussphase auf links mit seinem Sturmpartner Manuel Ganahl kreuzte, setzte der Letztgenannte seinen Wrister knapp über die Querlatte (57.), umgehend kam Villach zu einem „Zwei-gegen-Eins“-Gegenstoß, bei dem Sebastian Dahm einmal mehr grandios gegen Collins rettete (58.). Für die Entscheidung im 333. Kärntner Derby der Geschichte sorge schließlich KAC-Topscorer Nick Petersen, als er 89 Sekunden vor dem Ende von der verlängerten Torlinie aus einen scharfen Querpass auf Ganahl anbrachte, den sich Villachs Schlussmann mit dem Schläger selbst ins Tor abfälschte (59.). (NB)

 

Der Kommentar:

„Ich freue mich sehr über die drei heutigen Punkte, denn es fühlt sich ein wenig so an, als hätten wir sie dank des späten Treffers von Nick Petersen gestohlen. Es war ein weiterer schwieriger Abend für uns auf eigenem Eis, im großen Bild betrachtet macht es mir etwas Sorgen, dass wir es nicht schaffen, hier in unserer Halle genügend Energie aufs Eis zu bringen und richtig ins Rollen zu kommen. Daran werden wir arbeiten. Am Ende steht jedoch der Sieg im Vordergrund, auch wenn wir mit und ohne Scheibe heute nicht sehr diszipliniert agiert haben. Villach hat aus seinen Möglichkeiten viel gemacht, war gefährlich, doch wir konnten ohne gut zu spielen drei Punkte einzufahren - und das sagt auch etwas über unsere Mannschaft aus.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Mit seinem saisonübergreifend zehnten Heimsieg gegen den EC VSV hintereinander konnte der EC-KAC sein Punktekonto auf 51 Zähler nach oben schrauben. Die Rotjacken sind damit weiterhin Tabellenvierter und klar auf Kurs in Richtung Pick Round. Nach einer intensiven Woche mit gleich vier Spielen können die Klagenfurter nun etwas durchschnaufen, ihre nächste Begegnung steht erst am kommenden Freitag (Spielbeginn: 19.15 Uhr, live.ice.hockey) am Programm, wenn sie bei den Black Wings 1992 gastieren. Zwei Tage später wartet dann das nächste Heimspiel aus Rot-Weiß, Gegner werden dann die Bratislava Capitals sein.