Rotjacken holen Punkt in Graz

Der EC-KAC egalisierte am Neujahrstag im Auswärtsspiel in Graz im dritten Abschnitt einen Rückstand, musste sich den 99ers letztlich aber im Penaltyschießen geschlagen geben.

Foto: Graz 99ers

 

Die Ausgangssituation:

Nach zwei Siegen hintereinander - zu Hause 3:2 nach Penaltyschießen gegen Graz, auswärts 2:1 nach Verlängerung in Villach - kehrte der EC-KAC wieder auf den dritten Tabellenplatz der Erste Bank Eishockey Liga zurück. Auswärts haben die Rotjacken heuer knapp mehr als die Hälfte ihrer Partien gewonnen, beim ersten Auftritt in der Steiermark zogen sie Mitte November mit 2:3 allerdings knapp den Kürzeren. Dies blieb im Verlauf der jüngsten acht Begegnungen mit den 99ers allerdings Klagenfurts einzige Niederlage. Auch die historische Bilanz aus Duellen mit den Murstädtern (86 Siege in 128 Konfrontationen) konnte sich durchaus sehen lassen.

Die Graz 99ers gingen auf Position acht im Ranking liegend in ihr Heimspiel gegen den EC-KAC, bewiesen zuletzt aber eine durchaus gute Form: In jeder der jüngsten sechs Partien vermochte Graz zu punkten, wenngleich es nach Weihnachten knappe Niederlagen gegen die beiden Kärntner Klubs (2:3 nach Verlängerung gegen Villach, 2:3 im Penaltyschießen in Klagenfurt) zu verbuchten galt. Im bisherigen Saisonverlauf agierten die Steirer auf eigenem Eis recht souverän, in der Heim-Tabelle der EBEL belegten sie vor dem Spiel gegen die Rotjacken den guten vierten Rang, nur drei Zähler hinter dem die Liga in dieser Wertung anführenden EC-KAC.

 

Die Personalien:

Der EC-KAC trat in Graz mit lediglich vier Importspielern im Aufgebot an. Adam Comrie fehlte (letztmals) gesperrt, Lars Haugen ist verletzt, Nick Petersen und Siim Liivik sind angeschlagen, zudem stand der langzeitverletzte Marcel Witting nicht zur Verfügung. Die Rotjacken brachten daher nur 42,0 der zulässigen 60,0 Kaderpunkte auf den Spielberichtsbogen, auch war das Lineup das jüngste der bisherigen Saison (Durchschnittsalter: 27,4 Jahre). Gegenüber dem Derbysieg am Montag ersetzte Jakob Holzer auf der Position des Backup-Torhüters Florian Vorauer, Patrick Harand wechselte (wie schon in der Schlussphase der Partie in Villach) in den Angriff und agierte als Mittelstürmer zwischen den Geier-Zwillingen Manuel und Stefan.

 

Der Spielverlauf:

Gleich in der ersten Spielminute ergab sich die erste Großchance für die Hausherren: Ein von hinter dem Tor vor den Kasten spritzender Puck landete genau beim völlig freistehenden Matt Garbowsky, der von den linken Hashmarks aus aber an Torhüter David Madlener scheiterte (1.). Ein Offensivzonen-Foul von Manuel Geier brachte den 99ers die erste Powerplaymöglichkeit und damit gleich zwei weitere große Gelegenheiten auf den Führungstreffer: Madlener parierte herausragend gegen den am Torraum quer angespielten Ken Ograjenšek, die in den Slot zurückspringende Scheibe brachte Daniel Oberkofler mit der Rückhand erneut auf das Gehäuse, doch wieder war der KAC-Goalie zur Stelle (10.). Gleiches galt auch für einen Onetimer von Joakim Hillding, der ein gutes erstes Überzahlspiel der Grazer beendete (10.). Erst in Minute zwölf kamen auch die Rotjacken zu einer guten Torchance: Der von Johannes Bischofberger bei einem „Drei-gegen-Zwei“-Konter von außen bediente Thomas Hundertpfund schloss aus den Zentrum jedoch zu zentral ab. Die Klagenfurter ließen danach ein 32-sekündiges doppeltes Powerplay ungenutzt, konnten in der anschließenden einfachen Überzahl jedoch anschreiben: Nach einem Grazer Klärungsversuch sprang der Puck direkt vor das Tor zu Matthew Neal, der das Spielgerät zu Manuel Geier weiterschob, der es schließlich im zweiten Versuch in der kurzen Ecke unterbringen konnte (16.). Zwei Gelegenheiten auf den Ausgleich hatten die Steirer vor der ersten Pause noch: Der aufgerückte Kevin Moderer setzte einen Wristshot aus dem Slot neben den Kasten (16.) und bei numerischer Überlegenheit feuerte Hillding eine Direktabnahme von rechts am langen Pfosten vorbei (20.). 

Im zweiten Abschnitt entwickelte sich zunächst ein intensiver Schlagabtausch, allerdings kamen beide Mannschaften kaum zu konkreten Torchancen. Die beste Gelegenheit dieser Phase hatte der EC-KAC: Nach einem Fernschuss von David Fischer, den Goalie Nihlstorp prallen ließ, scheiterte Marco Richter im Versuch, den Rebound mit der Rückhand über die Linie zu drücken (26.). Nach einem erfolglosen Powerplay für die Rotjacken hielt David Madlener die Führung fest: Bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Vorstoß tauchte Alexander Reichenberg frei vor ihm auf, brachte noch den Haken auf die Rückhand an, doch der Torhüter blockierte mit dem Beinschoner am Eis den Weg der Scheibe ins Tor (31.). Dann zwei dicke Chancen für die Gäste: Von Hundertpfund auf die Reise geschickt, versuchte Bischofberger im Alleingang Nihlstorp zu tunneln, der Puck rutschte gebremst durch, sodass ein Abwehrspieler klären konnte. Noch im gleichen Angriff wurde Petter Hansson in Mittelstürmer-Position freigespielt, scheiterte aber am Grazer Schlussmann (32.). Es folgte der Ausgleich für die 99ers: Collberg steckte an der blauen Linie so auf Oberkofler durch, dass dieser frei auf Madlener zulaufen konnte, mit einem Haken auf die Vorhand verlud er den KAC-Goalie und schoss im Fallen zum 1:1 ein (34.). Die Hausherren hatten in den folgenden Minuten mehr vom Spiel und wurden dafür in den finalen Zügen des zweiten Abschnitts auch belohnt: Nach einem Icing Klagenfurts gewann Travis Oleksuk das Faceoff in der Grazer Angriffszone, der fünf Meter diagonal neben ihm lauernde Charlie Dodero zog sofort ab und der Puck fand den weg via Innenstange in die Maschen (40.). 

Ein kraftvoller Antritt von Michael Kernberger wurde früh im dritten Drittel mit einem Stockschlag gestoppt, im folgenden Powerplay vergab Neal nach idealem Koch-Diagonalpass aus spitzem Winkel (42.). Doch im nächsten Shift glichen die Rotjacken aus und konvertierten damit ihr viertes Überzahlspiel in ihren zweiten Treffer: Manuel Ganahls Schuss aus dem Slot sprang vom Rücken Lukas Haudums genau zum rechts lauernden Johannes Bischofberger, der zum 2:2 einsendete (43.). Ein guter Forecheck von Petter Hansson brachte den EC-KAC wenig später im Angriffsdrittel in Scheibenbesitz, der abschließende Hammer von David Fischer von der blauen Linie aus streifte noch den Pfosten (46.). Im dritten Überzahlspiel der 99ers an diesem Abend wurde es dann mehrfach sehr gefährlich: Einen Onetimer von Reichenberg parierte Madlener mit etwas Glück (52.), gegen Ograjenšek, der sich bis vor ihn durchgetankt hatte, rettete der Goalie mit der Schiene am Eis, Oleksuk von den linken und Oberkofler von den rechten Hashmarks aus setzten Direktabnahmen über den Kasten (jeweils 53.).

Weil in den letzten Minuten der regulären Spielzeit kaum noch aussichtsreiche Chancen herausgespielt wurden, ging es beim Spielstand von 2:2 in die Verlängerung, in der die Rotjacken dann deutlich dominierten: Bischofberger verzog über rechts kommend bei freier Schussbahn (61.), Unterweger schloss einen „Zwei-gegen-Eins“-Angriff mit Neal selbst ab, scheiterte aber am Torhüter (62.). Die beiden größten Gelegenheiten fand Lukas Haudum vor: Von Martin Schumnig per Querpass eingesetzt, schoss er vom Crease aus mit der Rückhand vorbei und scheiterte Sekunden später aus ähnlicher Position und nach Koch-Pass aus der Ecke mit der Vorhand an Nihlstorp (jeweils 64.). Damit ging es ins Penaltyschießen und dort hatten die Steirer das bessere Ende für Sich: Oliver Setzinger und Sebastian Collberg trafen, Manuel Ganahl und Andrew Kozek vergaben, der Zusatzpunkt ging an die Graz 99ers. (HB)

 

Der Kommentar:

„Partien gegen Graz waren im letzten Jahr und auch heuer meist sehr enge Angelegenheiten mit offenem Ausgang, so auch die heutige. Mir hat der Auftritt unserer Mannschaft sehr gut gefallen, wir haben derzeit viele Ausfälle, aber das hat man dem Team nicht angemerkt. Zweifellos begleiten uns Probleme in der Chancenverwertung durch die letzten Wochen, aber das kompensieren wir mit guter Defensivarbeit. David Madlener hat toll gehalten, Lukas Haudum hat den nächsten Schritt nach vorne gemacht und findet von Spiel zu Spiel besser in unser System und unsere spielerischen Wertvorstellungen. Unterm Stich war das ein guter Auftritt von und ein wichtiger Punktgewinn für uns.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC punktete in Graz im dritten Spiel in Folge, musste jedoch in der Tabelle Orli Znojmo (7:2-Heimsieg gegen Linz) wieder vorbeiziehen lassen. Allerdings haben die Tschechen bereits eine Partie mehr absolviert als die Rotjacken. Der amtierende Meister ist am kommenden Freitag spielfrei, dann warten innerhalb von knapp 50 Stunden gleich zwei brisante Heimspiele auf Rot-Weiß: Am Sonntag (17.30 Uhr, live auf servushockeynight.com) ist der EC VSV zum Kärntner Derby in der Stadthalle zu Gast, am Dienstag (19.15 Uhr, live bei Sky Sport Austria) kommt es zum Duell mit dem HCB Südtirol. Während für die Begegnung mit Villach bereits alle Sitz- und Stehplatzkarten restlos vergriffen sind, gibt es für das Spiel gegen den letztjährigen Viertelfinalgegner noch Tickets in allen Kategorien.