Rotjacken unterliegen nach Verlängerung

Der EC-KAC vermochte im Heimspiel gegen Graz am Mittwoch zwar zwei Mal einen Rückstand aufzuholen, unterlag letztlich aber in der Overtime und musste sich daher mit einem Zähler begnügen.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC bestritt bislang erst ein Spiel in der Pick Round, dieses konnte er erfolgreich gestalten: Unmittelbar vor dem International Break besiegten die Rotjacken die Vienna Capitals zu Hause nach einem Comeback im Schlussabschnitt mit 3:2. Weil die Wiener auch am Dienstag in Bolzano unterlagen, hatten die Klagenfurter im Heimspiel gegen Graz die Chance, erstmals seit Mitte Dezember wieder auf Tabellenrang zwei nach vor zu stoßen. Vor eigenem Publikum lief es für den amtierenden Meister zuletzt sehr gut: Sechs der jüngsten sieben in der Stadthalle ausgetragenen Partien wurden gewonnen, dabei kassierte Rot-Weiß insgesamt nur sechs Gegentreffer.

Die Graz 99ers schafften mit starken Resultaten im Monat Januar den Sprung von Rang neun auf Platz vier und damit zum dritten Mal in der Klubgeschichte auch jenen in die obere Gruppe der Zwischenrunde. In die Pick Round starteten die Steirer allerdings mit zwei Niederlagen in Wien (2:5) und gegen Salzburg (2:3 nach Verlängerung). Den Rotjacken standen die Murstädter heuer bislang vier Mal gegenüber, in jedem Duell setzte sich das jeweils gastgebende Team durch.

 

Die Personalien:

Die Rotjacken mussten unverändert auf Lars Haugen, Nick Petersen und Lukas Haudum (alle verletzt) verzichten. Damit kam nahezu exakt das gleiche Lineup zum Einsatz wie beim Auftaktsieg in der Pick Round gegen die Vienna Capitals unmittelbar vor dem International Break: Die einzige Veränderung betraf die Abwehr, wo Steven Strong anstelle von Michael Kernberger (Healthy Scratch) aufgeboten wurde. Vorerst noch nicht in der Aufstellung vertreten war außerdem der kürzlich wiedergenesene und ins Mannschaftstraining zurückgekehrte Marcel Witting (Conditioning).

 

Der Spielverlauf:

Trotz eines eher mäßigen Starts in die Partie ging die erste gute Torchance auf das Konto der Rotjacken: Johannes Bischofberger legte die Scheibe im Zentrum auf Thomas Hundertpfund quer, der aus spitzem Winkel jedoch gleich doppelt an Cristopher Nihlstorp scheiterte (2.). Den ersten Treffer erzielten dann wenig später die Grazer in Person von Travis Oleksuk, der David Madlener aus halblinker Position in der kurzen Ecke bezwingen konnte, Matt Garbowsky hatte aus der neutralen Zone schön durchgesteckt und somit die Gelegenheit überhaupt erst ermöglicht (3.). Die Klagenfurter hatten aber die passende Antwort parat und kamen keine zwei Minuten später zum Ausgleich: Andrew Kozek fing den Puck in der Offensivzone ab und setzte ihn aus der Halbdistanz per Wristshot halbhoch in die von ihm aus gesehen linke Ecke (4.). In Spielminute acht holten sich die Steirer ihre Führung zurück: Defensive Unordnung beim EC-KAC ermöglichte einen „Drei-gegen-Eins“-Angriff, Daniel Oberkofler verwertete den Querpass von Ken Ograjenšek sicher. In der zweiten Hälfte des Startdrittels rissen die Rotjacken das Spielgeschehen immer mehr an sich und setzten die 99ers unter Druck. Nachdem Manuel Ganahl innerhalb von Sekunden zwei gute Gelegenheiten (Deflection und Schuss aus der Drehung/jeweils 15.) ausgelassen hatte, gelang den Klagenfurtern der neuerliche und auch verdiente Ausgleich: Als sein Schuss von halblinks geblockt worden war, ging Adam Comrie tief, umkurvte das Tor und stopfte die Scheibe letztlich in die kurze Ecke (16.). Lediglich 72 Sekunden später gingen die Hausherren dann auch zum ersten Mal an diesem Abend in Front: Matthew Neal nahm einen von der Bande zurückspringenden Puck geistesgegenwärtig an, legte auf Rok Tičar quer, der von der Torraumgrenze aus zum 3:2 einschießen konnte (17.). In der Schlussminute des trefferreichen Startdrittels schrammte Rot-Weiß nur knapp an seinem vierten Tor vorbei: Ein scharfer Diagonalpass von Martin Schumnig aus dem Rückraum fand am Crease Thomas Koch, der jedoch sowohl mit dem Abfälscher als auch mit dem Nachschuss an Nihlstorp scheiterte (20.)

Im Mittelabschnitt bekamen die Rotjacken das erste Powerplay der Partie zugesprochen: Daniel Obersteiner legte von der rechten Seite aus auf den am langen Pfosten postierten Johannes Bischofberger quer, der aber nur das Außennetz traf (25.). Als direkt danach Graz zu seiner ersten numerischen Überlegenheit kam, konnte sich David Madlener auszeichnen, als er gegen den halbrechts völlig freien Robin Weihager mit einem spektakulären Fanghand-Save rettete (26.). Auf der Gegenseite, noch in Unterzahl, tauchte Manuel Geier frei vor dem Grazer Kasten auf, traf den Schlussmann der 99ers aber nur an der Schulter (26.). Ein Steal eröffnete dann die gute Gelegenheit für Obersteiner, in Bedrängnis schob er die Scheibe jedoch aus kurzer Distanz an der Stange vorbei (31.). Auch eine schön herausgespielte Kombination über Koch, Neal und schließlich Tičar führte nicht zum neuerlichen Torerfolg, Nihlstorp war gegen den Slowenen mit der Fanghand zur Stelle (34.). Kurz darauf bejubelten die Steirer den Ausgleich durch Ken Ograjensek: Ein zunächst angezeigtes Abseits wurde wieder revidiert, die für einen Moment passiven Klagenfurter ließen dem Grazer Stürmer jenen Raum, den er benötigte, um aus dem Slot mit der Rückhand einzusenden (35.).

Nach Halbchancen auf beiden Seiten (Onetimer Harand/41., verpasster Querpass Oberkofler/44.) kam für die Gäste Kevin Moderer zur ersten großen Gelegenheit im Schlussdrittel, seinen Schuss aus dem Slot parierte Madlener jedoch mit den Pads (44.). Auf Seiten der Klagenfurter kam Thomas Hundertpfund zur nächsten Gelegenheit: Er tankte sich zwischen zwei Gegenspielern hindurch, scheiterte dann aber am Torhüter (46.). Das zweite Powerplay der 99ers killten die Rotjacken bravourös und vom Publikum lautstark gefeiert, der EC-KAC kam in dieser Phase numerischen Nachteils sogar zur größten Möglichkeit, als Thomas Koch zwei Kontrahenten band, Andrew Kozek den Puck sehenswert mitnahm, Cristopher Nihlstorp sich in der kurzen Ecke aber als hellwach präsentierte (49.). Gegen den völlig frei am Crease aufgetauchten Charlie Dodero rettete kurz danach Madlener stark (50.). Die große Chance, das Pendel zu ihren Gunsten ausschlagen zu lassen, vergaben die Hausherren dann in einem späten vierminütigen Überzahlspiel, in dem sie kaum in gute Positionen fanden. Als bereits alles mit einer Overtime rechnete, kam Rot-Weiß doch noch zum sprichwörtlichen Matchpuck: Mit viel Übersicht fand David Fischer den am Torraum lauernden Johannes Bischofberger, der 99ers-Goalie brillierte aber mit einem Pad-Save im Spagat (60.).

In der fällig gewordenen Verlängerung verweigerten die Referees einem Koch-Treffer auch nach Video-Review die Anerkennung, weil Manuel Ganahl für ihren Geschmack zu wenig Gegenwehr gezeigt hatte, als er von einem Gegenspieler in den Torhüter geschoben wurde (62.). Nachdem David Madlener einen Garbowsky-Schuss aus der Nahdistanz über die Querlatte gedreht (63.) und einen Johansson-Abschluss mit der Spitze seiner Beinschoner pariert hatte, wurde er 38 Sekunden vor dem Ende der Overtime doch noch bezwungen: Dominik Grafenthin nahm das Spielgerät beim Rebound eines Garbowsky-Schusses auf, umkurvte den KAC-Goalie und sicherte Graz somit den Zusatzpunkt (65.). (HB/NB)

 

Der Kommentar:

„Nach einer Pause weiß man nie ganz genau, wo man steht, das von uns heute Gezeigte hat einfach nicht gereicht. In der ersten Hälfte der Partie hat mir unser Auftreten gefallen, danach wurden wir zu passiv und haben uns zu sehr zurückgelehnt. Wir kreierten viele Torchancen, schienen aber zu sehr das Gefühl zu haben, dass die Treffer wohl automatisch folgen würden, dem war nicht so. Wir hätten die Begegnung im Powerplay zu unseren Gunsten entscheiden können, aber unsere Überzahl funktioniert aktuell nicht gut, wir kommen zu selten in Abschlusspositionen, daran müssen wir sicherlich arbeiten. Unterm Strich war das heute ein strenger Klaps auf unsere Finger, der uns lehren sollte, dass wir über 60 Minuten hinweg mehr investieren müssen, um erfolgreich zu sein.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Die Rotjacken punkteten auch in ihrem zweiten Spiel in der Pick Round und schlossen damit nach Zählern zu den Vienna Capitals auf, die bereits eine Partie mehr absolviert haben. Für die Klagenfurter folgen nun Begegnungen im Zwei-Tages-Rhythmus: Am Freitagabend (Spielbeginn: 19.45 Uhr) gastieren sie beim HCB Südtirol, am Sonntagnachmittag (16.00 Uhr) beim EC Salzburg. Der aktuelle Tabellenführer wird dann zum Start in die zweite Hälfte der Zwischenrunde am kommenden Dienstag (19.15 Uhr) auch der nächste Gast in der Stadthalle Klagenfurt sein.