Rotjacken verpatzen Viertelfinalauftakt

Der EC-KAC musste sich dem EHC Linz zum Play-Off-Start vor eigenem Publikum nach vier Gegentreffern im Schlussdrittel mit 3:6 geschlagen geben. 

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC startete im vierten Jahr in Folge mit einem Heimspiel in die Play-Offs, in der vergangenen Spielzeit konnten die Klagenfurter am Weg zum Meistertitel jede ihrer acht vor eigenem Publikum ausgetragenen Partien für sich entscheiden. Mit dem EHC Linz duellierten sich die Rotjacken im bisherigen Saisonverlauf vier Mal, drei dieser Konfrontationen gingen an die Black Wings, die sich insbesondere bei ihren beiden Auftritten in Klagenfurt, als sie jeweils als wesentlich effektiveres Team den Sieg davontrugen, auszeichnen konnten. Die am vergangenen Samstag zu Ende gegangene Pick Round brachte für den Titelverteidiger lediglich zwei Siege in acht Begegnungen, allerdings kassierten die Rotjacken dabei in regulärer Spielzeit nie mehr als drei Gegentreffer.

Der EHC Linz qualifizierte sich zum zweiten Mal hintereinander erst über den Umweg Qualifikationsrunde für die Play-Offs, insgesamt schafften die Black Wings damit zum 14. Mal in Folge den Sprung in die KO-Phase der Meisterschaft. Play-Off-Auswärtsspiele lagen den Oberösterreichern in der jüngeren Vergangenheit nicht sonderlich: Seit ihren „Back-to-Back“-Siegen in Zagreb im Viertelfinale 2018 unterlagen die Linzer in fünf ihrer letzten sechs Partien in der Fremde. Während der EHC mit „Lebler-Schofield-Umičević“ über eine der effektivsten Angriffslinien der Erste Bank Eishockey Liga verfügt, fehlte es seiner Abwehr im bisherigen Saisonverlauf häufig an Stabilität: Bereits 164 Verlusttreffer stehen zu Buche, noch nie in seinen zuvor 19 Spielzeiten in der höchsten Spielklasse des Landes hatte Linz einen höheren Gegentorschnitt zu verzeichnen (nach dem Grunddurchgang: 3,28).

 

Die Personalien:

Beim EC-KAC kehrten gegenüber dem letzten Grunddurchgangsspiel in Wien am vergangenen Samstag gleich sechs Akteure (David Madlener, David Fischer, Martin Schumnig, Manuel Geier, Johannes Bischofberger und Siim Liivik) zurück in das Lineup. Allerdings erhielten Nick Petersen und Niki Kraus (beide verletzt) auf der Liste der Ausfälle auch Gesellschaft: Rok Tičar erkrankte in der Nacht zum Dienstag leicht und verpasste damit den Viertelfinalauftakt. Die Rotjacken boten im ersten Play-Off-Spiel also insgesamt gleich 15 österreichische Cracks auf, im Tor der Klagenfurter stand Jhonas Enroth.

 

Der Spielverlauf:

Die ersten guten Torchancen der Partie gehörten den Gästen aus Oberösterreich: Bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Angriff über Alexander Cijan wischte Andreas Kristler über den Querpass (2.), als Matt Finn nach Torumrundung von Umičević von den linken Hashmarks aus zum Direktschuss kam, wehrte KAC-Goalie Jhonas Enroth ab (6.). Danach erspielten sich die Rotjacken ein offensives Übergewicht, Andrew Kozek stopfte den Rebound nach einem Fischer-Schuss am Pfosten vorbei (6.), als nach einem Unterweger-Schuss der Puck einschussbereit am Crease lag, tat er dies außerhalb des Sichtfeldes des unmittelbar daneben postierten Johannes Bischofberger (7.). Auf der Gegenseite ging Mark McNeill über die rechte Seite steil und brachte einen guten Querpass auf Dan DaSilva an, Enroth parierte dessen jedoch Onetimer stark (11.). Im ersten Powerplay für die Hausherren wurde eine Direktabnahme von Obersteiner vom rechten Faceoff-Punkt aus zur Beute von Torhüter Jeff Glass (15.), der danach auch bei einem langen Haken auf die Rückhand von Siim Liivik Sieger blieb (16.). Die Black Wings machten es im Zuge ihrer ersten numerischen Überlegenheit besser: Ein diagonaler Pass von hinter dem Tor aus in den Slot fand in Dan DaSilva seinen Abnehmer, er pfefferte den Puck unter die Querlatte (17.).

Im zweiten Abschnitt wurde ein aussichtsreicher Ganahl-Abschluss von zwischen den Hashmarks aus noch geblockt (21.), ein zweites rot-weißes Überzahlspiel blieb ungefährlich. So war es die vierte Formation, die für den Ausgleich sorgte: Manuel Geier schob sich aus der rechten Ecke kommend vor den Kasten, den im Getümmel kurz freiliegenden Puck drückte Marcel Witting über die Linie (25.). Bei einem scharfen Steilpass von David Fischer war Thomas Hundertpfunds Stock nur knapp zu kurz für die Deflection (30.), danach brachten die Rotjacken ihr bestes Penalty Killing des Abends auf das Eis. Als wieder „Fünf-gegen-Fünf“ gespielt wurde, ging der EC-KAC in Führung: Ein flaches Neal-Zuspiel von der rechten Halfwall aus fälschte Lukas Haudum an der langen Stange lauernd mit dem Schlittschuh zur 2:1-Führung in den Kasten ab (34.). Der Vorsprung hielt jedoch nicht lange: Der zuvor zwei Mal am Rande der Regelkonformität attackierte Petter Hansson musste selbst in die Kühlbox, als ihm Hundertpfund dorthin folgte, schrieb Linz erneut an: DaSilva hielt die blaue Linie, indem er die Scheibe artistisch aus der Luft klopfte, seinen Wristshot in Richtung Gehäuse fälschte Rick Schofield in die Maschen ab (37.).

Den dritten Durchgang eröffnete ein erneut ineffektives KAC-Powerplay, danach brachte Brian Lebler die Gäste in Führung: Von den linken Hashmarks aus sendete er einen Wristshot via Unterkante der Querlatte ins Tor (42.). Die Klagenfurter reagierten auf den erneuten Rückstand zunächst gut, ein Schlagschuss von Clemens Unterweger flog nur um Zentimeter am Kasten vorbei, Lukas Haudum schlug bei einer aussichtsreichen Direktabnahme von halbrechts über das Spielgerät (jeweils 44.). Den Nackenschlag verpasste den Klagenfurtern wenig später Hunter Fejes: Der flinke Angreifer brach über den linken Flügel durch und setzte den Puck via Innenstange in die lange Ecke (46.). Nachdem Lukas Haudum einen Onetimer nach Neal-Zuspiel neben das Gehäuse gesetzt hatte (48.), hauchte Andrew Kozek seiner Mannschaft wieder Leben ein: Er fing einen Aufbaupass der Black Wings in deren Zone ab und setzte die Scheibe aus schier unmöglichem Winkel unter das Tordach (49.). Als sich Schofield am Crease eindrehte und mit der Rückhand abschloss, war Enroth mit den Pads zur Stelle (51.), wenig später erwischte ihn Hunter Fejes aber aus ganz ähnlicher Position wie beim vierten Treffer, zusätzlich aber bei numerischer Unterlegenheit, in der langen Ecke (54.). Als die Rotjacken im Zuge ihres sechsten Überzahlspiels der Begegnung alles riskierten und mit sechs Feldspielern anrannten, nutzten die Gäste dies zur endgültigen Entscheidung: Rick Schofield zog aus der neutralen Zone ab und bugsierte schließlich seinen eigenen, von der Bande zurückspringenden Rebound aus kurzer Distanz über die Linie (57.). Wie schon bei seinen ersten beiden Auftritten in Klagenfurt in diesem Spieljahr setzte sich der EHC Linz als das wesentlich effektivere Team durch und holte sich somit den Heimvorteil in dieser Viertelfinalserie. (HB)

 

Der Kommentar:

„Das war eine sehr softe Vorstellung von uns. Wir werden herausfinden, warum wir heute kein Play-Off-Eishockey gezeigt haben und was uns hemmte, denn im Endeffekt mangelte es in unserem Spiel an vielen Dingen. Wir waren nicht kämpferisch genug, unsere Einstellung zu dieser Aufgabe hat nicht gepasst. Was vor der Partie besprochen wurde, konnten wir heute nicht umsetzen, und daher hat Linz völlig verdient gewonnen. Aber: Wir werden uns steigern.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC musste sich zum vierten Mal im Verlauf seiner jüngsten sechs Play-Off-Teilnahmen im ersten Heimspiel der Post Season geschlagen geben. Die Rotjacken haben damit vier der fünf Saisonduelle mit dem EHC Linz verloren. Ihre Fortsetzung findet die Viertelfinalserie am Freitag (Spielbeginn: 19.15 Uhr, live bei Sky Sport Austria) in Oberösterreich, die nächste Heimpartie, für die via tickets.kac.at noch sowohl Sitz- als auch Stehplatzkarten erhältlich sind, folgt dann am Sonntag (17.30 Uhr).