Siegesserie endet in Tirol

Nachdem die Rotjacken am Freitagabend in Innsbruck einen neuen Liga-Rekord in Sachen Torsperre erreicht hatten, besiegelten vier unbeantwortete Haie-Treffer das Ende der rot-weißen Siegesserie.

Foto: HC Innsbruck/Pauli

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC legte zuletzt eine Serie von sechs Siegen am Stück hin, während der er Spitzenklubs wie den EC Salzburg, den HCB Südtirol (jeweils zwei Mal) oder die Vienna Capitals bezwingen konnte und lediglich einen Gegentreffer kassierte. Ihre jüngste Niederlage mussten die Rotjacken ausgerechnet gegen den HC Innsbruck hinnehmen. In ihrem Gastspiel in Tirol versuchten die Klagenfurter den Haien auch den Rekord für die längste Torsperre der Ligageschichte abzujagen: Der HCI war im November 2007 über 250:18 Spielminuten hinweg ohne Gegentreffer geblieben, der EC-KAC ging mit einem Stand von 247:40 Minuten in die freitägige Begegnung. In Angriff nahm Rot-Weiß dieses Auswärtsspiel vom zweiten Tabellenplatz hinter dem punktegleichen Leader Salzburg aus.

Der HC Innsbruck konnte den EC-KAC beim letzten Aufeinandertreffen Mitte November in Klagenfurt mit 3:2 besiegen, musste sich seither jedoch in sämtlichen seiner sechs Ligapartien in regulärer Spielzeit geschlagen geben. Kein Team in der Erste Bak Eishockey Liga hat heuer bislang mehr Gegentore kassiert als die Haie, welche die rot-weißen 42 Verlusttreffer um mehr als das Doppelte (106) übertrafen. Auf heimischem Eis verloren die Tiroler jedes ihrer letzten drei Duelle mit dem amtierenden Meister, historisch betrachtet endeten seit Innsbrucks Aufstieg in die höchste Spielklasse (2000) aber mehr Konfrontationen in der Olympiastadt mit einem HCI- (31) als mit einem KAC-Erfolg (22). Mit 21 von 75 möglichen Zählern belegten die Haie vor dem Spiel gegen Klagenfurt den zehnten Tabellenrang.

 

Die Personalien:

Die Rotjacken mussten in Innsbruck auf eine ganze Reihe von Stammspielern verzichten: Zu den bereits vorab feststehenden Ausfällen von Marcel Witting (verletzt), Michael Kernberger, Stefan Geier (beide gesperrt) und Nick Petersen (angeschlagen) kam am Morgen des Spieltags auch noch Matthew Neal, der ebenfalls leicht verletzt ist. Gleichzeitig kehrten mit dem zuletzt erkrankten Daniel Obersteiner, dem in den vergangenen Wochen angeschlagenen Philipp Kreuzer und dem langzeitverletzten Niki Kraus (Saisondebüt) drei junge Kräfte in die Aufstellung zurück. Auf der Torhüterposition wurde turnusmäßig gewechselt, in Innsbruck startete David Madlener. Insgesamt umfasste das Lineup des EC-KAC in dieser Begegnung nur 48,0 (der 60,0 möglichen) Kaderpunkte.

 

Der Spielverlauf:

Die nahezu komplett angetretenen Hausherren waren in den Anfangsminuten die spielbestimmende Kraft: Der über rechts durchgebrochene Jan Lattner wurde von David Madlener gestoppt, ein scharfer Wristshot von Tyler Spurgeon aus dem hohen Slot flog knapp über die Querlatte (jeweils 2.). Erst nach dem Erreichen des neuen Ligarekords für die längste Torsperre der Geschichte in Minute drei wurden die Rotjacken auch offensiv gefährlicher: Nach einem Unterweger-Schlenzer klopfte der bedrängte Andrew Kozek den Abpraller neben den Kasten (7.), der halblinks aufgerückte Hansson schloss scharf aus dem Handgelenk ab, traf jedoch nur Metall (8.). Dann gingen die Klagenfurter doch in Führung: Während Goalie Scott Darling schon zur Seitwärtsbewegung ansetzte, legte Philipp Kreuzer den Puck von hinter dem Kasten aus an den Torraum, wo ihn Andrew Kozek in der nun offenen kurzen Ecke unterbrachte (10.). Mit Undiszipliniertheiten brachte sich der EC-KAC danach selbst in die Bredouille: Bei doppeltem numerischem Nachteil konnte sich David Madlener noch zwei Mal bei Direktabnahmen auszeichnen, dann schlug Innsbruck aber zu. Daniel Wachter spielte von tief am rechten Flügel quer, Caleb Herbert setzte seinen Onetimer aus halblinker Position in die kurze Ecke (15.). Nur 16 Sekunden später, nun bei einfachem Powerplay, drehte der HCI das Score komplett: Nach einem standardisierten Breakout brach Lammers zentral durch und legte auf den links mitgelaufenen Spurgeon ab, der Ex-KAC-Crack erspähte den am Torraum freien Broda, der den Puck nur noch in die Maschen abtropfen lassen musste (15.). Bei einem Lattner-Schlagschuss, der Madlener durchrutschte, klärte ein Klagenfurter Verteidiger (16.), als Innsbruck zum vierten Mal in Überzahl agierte, parierte der Rotjacken-Schlussmann eine Lammers-Direktabnahme mit dem Catcher (17.). In der Endphase des ersten Abschnitts ließen Kreuzer, Hundertpfund und Bischofberger noch Halbchancen aus, sodass der Meister mit einem Rückstand - seinem überhaupt ersten seit Mitte November - in die Pause ging. 

In den zweiten Durchgang starteten die Klagenfurter aktiver: Kozek wurde am Rebound nach Fischer-Schlenzer noch im letzten Moment entscheidend gestört (21.), einen Bischofberger-Querpass von außen vermochte Ganahl nicht zu verwerten (22.). So gelang den Hausherren ein dritter unbeantworteter Treffer: Tyler Spurgeon spitzelte in der neutralen Zone den Puck von Patrick Harands Schläger, schickte John Lammers steil und dieser ließ David Madlener beim hoch und mit der Vorhand abgeschlossenen Solo keine Abwehrchance (25.). Der EC-KAC konnte in seinem ersten Powerplay des Abends nicht anschreiben, brachte fast unmittelbar danach aber ein starkes Penalty Killing aufs Eis, in dem Thomas Hundertpfund sogar zu einem Alleingang kam, bei dem er jedoch zu lange zögerte, um Scott Darling bezwingen zu können (31.). Im zweiten Überzahlspiel für Rot-Weiß parierte der HCI-Goalie einen Wristshot Bischofbergers vom rechten Faceoff-Punkt aus mit der Schulter (33.), dann gelang Innsbruck - erneut aus einem Konter heraus - sein viertes Tor: Ein Steilpass von Clemens Unterweger an der offensiven blauen Linie verfing sich in Caleb Herbert Beinen, der US-Amerikaner schickte Joel Broda auf die Reise und dieser beschloss seinen Sololauf mit einem harten Schlenzer unter Madleners Blocker hindurch (37.). Johannes Bischofberger verzog von den rechten Hashmarks aus knapp an der kurzen Ecke vorbei (38.), dann war auch der zweite Abschnitt Geschichte.

Im dritten Drittel blieb ein Aufbäumen der Klagenfurter aus, zwar dominierten sie das Spielgeschehen, nachhaltige Druckphasen konnten sie allerdings nicht aufbauen. Der steil vorgestoßene Adam Comrie fälschte ein Ganahl-Zuspiel am Pfosten vorbei ab (45.), bei einem „Drei-gegen-Zwei“-Angriff traf Ganahl am Torraum den springenden Puck nicht richtig (48.). An den Abpraller nach Harand-Fernschuss kam kein KAC-Angreifer heran (50.), am Ende einer feinen Kombination seiner Sturmlinie scheiterte Manuel Ganahl erneut an Torhüter Darling (52.). Weil der letztjährige NHL-Goalie auch im vierten Klagenfurter Powerplay bei einem Bischofberger-Onetimer von rechts auf dem Posten war (55.) und sich die Haie in den verbleibenden Minuten mit aller Kraft und gekonnt gegen einen zweiten Gegentreffer stemmten, blieb der dritte Abschnitt torlos, wodurch zum dritten Mal in Folge eine Sechs-Spiele-Siegesserie der Rotjacken in der siebten Partie endete. (HB)

 

Der Kommentar:

„Das war zweifellos ein schwieriger Abend für uns. Wir wurden vom HC Innsbruck eisläuferisch und hinsichtlich der Arbeitsleistung am Eis überflügelt, wir ermöglichten dem Gegner außerdem zu einfache Tore. In erster Linie entscheidend war jedoch, dass wir heute niemals jenes emotionale Level erreichten, das wir benötigen, um gutes und erfolgreiches Eishockey zu spielen. Das war der Hauptgrund für den Ausgang und daher gibt es an dieser Niederlage auch gar nichts zu rütteln.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Durch die erste KAC-Niederlage seit dem 17. November - auch damals gegen Innsbruck - zog der EC Salzburg in der Tabelle wieder auf drei Punkte Vorsprung davon, mit ebenfalls drei Zählern Distanz zum neuen Dritten, den EHC Linz, bleiben die Rotjacken aber auf einem vorerst gut abgesicherten zweiten Rang. Die Oberösterreicher, die sieben ihrer jüngsten neun Partien gewinnen konnten, sind am Sonntag (17.30 Uhr, live auf servushockeynight.com) auch der nächste Gast des EC-KAC in der Stadthalle. Vor Weihnachten stehen für die Klagenfurter dann noch das Auswärtsspiel in Znojmo am kommenden Freitag und zwei Tage später das Teddy Bear Toss-Heimspiel gegen Fehérvár AV19 am Programm.