Überzeugende Rotjacken schlagen Graz

Mit einer über 60 Minuten defensiv wie offensiv starken Leistung besiegte der EC-KAC am Sonntagabend vor über 4.000 Fans die Graz 99ers deutlich mit 5:1.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC nahm die „Neuauflage“ des letztjährigen Halbfinalduells von Tabellenposition sechs aus in Angriff. Die Rotjacken verloren zwar ihr vorangegangenes Heimspiel gegen Linz (2:4), gingen aber dennoch mit einem Erfolgserlebnis im Rücken in die Konfrontation mit Graz: Am Freitag siegten die Klagenfurter trotz eines 0:3-Rückstands nach 40 Minuten bei Orli Znojmo mit 4:3 nach Penaltyschießen. Es war dies in der noch jungen EBEL-Saison zum bereits zweiten Mal, dass der Titelverteidiger nach einem Drei-Tore-Defizit noch punktete.

Die Graz 99ers reisten als Tabellenzweiter nach Kärnten, sie gewannen fünf ihrer bislang sechs Ligaspiele und wurden nur auswärts beim Leader EC Salzburg bezwungen. Gegen den EC-KAC mussten sich die Steirer zuletzt fünf Mal am Stück geschlagen geben, die ersten fünf Duelle der vergangenen Saison hatten sie hingegen alle für sich entschieden. Mit der Stadthalle verbanden die 99ers die Erinnerung an die beiden letztjährigen Semifinal-Verluste, davor hatten sie in Klagenfurt allerdings eine beeindruckende, von November 2016 bis Februar 2019 anhaltende Serie von sieben Siegen hintereinander vorzuweisen.

 

Die Personalien:

Auch im Spiel gegen Graz musste der EC-KAC auf die Langzeitverletzten Steven Strong und Niki Kraus verzichten. Auf der Liste der Ausfälle fand sich zudem Manuel Ganahl, der nach einem ungeahndeten Check gegen den Kopf in der Partie gegen Znojmo vorzeitig ausschied und auch gegen die Steirer geschont wurde. Nick Petersen und Adam Comrie, auf die der Trainerstab am Freitag noch verzichtete, kehrten wie vorgesehen in das Lineup zurück, nicht mit dabei war diesmal Petter Hansson. Dadurch kam es in der Abwehr zum neuen Pairing Comrie/Unterweger, im Angriff stürmten Petersen/Haudum an der Seite von Daniel Obersteiner, zudem tauschten Stefan und Manuel Geier ihre Plätze. Zwischen den Pfosten stand erneut Lars Haugen.

 

Der Spielverlauf:

Die erste gute Gelegenheit der Partie hatten die Gäste: Einen Hamilton-Wristshot fälschte Greg Squires knapp vor dem Kasten ab, mehr reflexartig denn koordiniert schnellte Lars Haugens Fanghand nach oben (2.). Doch es waren die Rotjacken, die früh und innerhalb von nur 25 Sekunden zu einer 2:0-Führung kamen: Einen tollen Steilpass von David Fischer klopfte Thomas Koch aus der Luft und in seinen eigenen Lauf, er beendete sein Solo mit einem Handgelenksschuss flach ins Tor. Und der Evergreen legte gleich darauf seinen bereits 321. Treffer in Österreichs höchster Spielklasse nach: Von Matthew Neal aus der Ecke bedient, hämmerte Koch den Puck aus dem Slot zum 2:0 in die Maschen (jeweils 4.). Kurz nach Ablauf der ersten Strafzeit der Partie, ausgesprochen gegen Graz, erhöhten die Rotjacken auf 3:0: Siim Liivik legte von der Halfwall zurück an die blaue Linie, Patrick Harand zog sofort ab und von 99ers-Stürmer Ken Ograjenšek abgefälscht schlitterte die Scheibe ins Gehäuse (13.). Nachdem Andrew Kozek das Spielgerät mit der Rückhand nur hauchdünn über die Querlatte setzte, und somit am vierten KAC-Treffer vorbeischrammte (14.), mussten die Klagenfurter in der 18. Spielminute - trotz eines zwischenzeitlichen Überzahlspiels - den ersten Gegentreffer hinnehmen: Greg Squires zog über rechts kommend zur Mitte, brachte den Haken auf die Backhand an und schob am Schoner von Haugen vorbei zum sehenswerten 1:3 aus Sicht der Gäste ein. Kurz vor Ende des ersten Abschnitts kamen die Rotjacken noch zu einer Offensivaktion über Adam Comrie, der auf den am Torraum positionierten Nick Petersen spielte, doch dessen Schuss aus der Drehung wurde von Torhüter Christopher Nihlstorp pariert (20.).

Die erste Szene nach Wiederbeginn kreierte Patrick Harand mit einem Pass an den Torraum auf Lukas Haudum, der Schlussmann der 99ers war zur Stelle (21.). Durch einen Fehlpass des EC-KAC in der eigenen Zone eröffnete sich wenig später die Schussmöglichkeit für Dominik Grafenthin, Lars Haugen konnte aber mit der Fanghand parieren, ehe ein Blueliner von Philipp Lindner knapp am langen Pfosten vorbei ging (jeweils 22.). In der 25. Minute vermochte sich der Torhüter der Steirer mit einem tollen Save auszuzeichnen: Nach Vorlage von Nick Petersen visierte Clemens Unterweger die lange Kreuzecke an, doch Nihlstorp pflückte den Puck mit dem Catcher aus der Luft. Ein schneller „Drei-gegen-Eins“-Vorstoß der Grazer, welcher von Ograjenšek abgeschlossen wurde, endete dank Lars Haugen ebenso in einem Misserfolg, wie ein Koch-Schuss aus der Drehung vom rechten Faceoff-Kreis aus, der Rebound von Andrew Kozek wurde von Christopher Nihlstorp gehalten (26.). In der 28. Minute hatte Patrick Harand den vierten rot-weißen Treffer auf dem Schläger, als er über rechts energisch ins Zentrum stürmte, letztlich aber nur die Maske des Goalies traf. Nachdem die Steirer ihr erstes Überzahlspiel an diesem Abend nicht nutzen konnten, chippte Squires das Spielgerät kurz darauf an den Torraum, wo Trevor Hamilton an Lars Haugen scheiterte, ehe Neal im Gegenzug bei einem Alleingang alles richtig machte, den Puck jedoch am Ende direkt an die Stange knallte (jeweils 37.). 

Zu Beginn des Schlussabschnittes scheiterte der aufgerückte Adam Comrie aus kurzer Distanz (42.), danach bekamen die Rotjacken ein neuerliches Powerplay zugesprochen, in dem man sich auch zahlreiche hochkarätige Chancen herausspielte. Die beste Einschussmöglichkeit hatte Neal am langen Pfosten, doch er verpasste die Scheibe hauchdünn (45.). Comrie versuchte es kurz darauf mit einem Snapshot aus der Halbdistanz, dieser landete allerdings genau in der Fanghand von Nihlstorp (48.). In der 50. Minute legte Neal das Spielgerät zur Mitte auf Thomas Koch, der gut abfälschte, doch der 99ers-Schlussmann war zur Stelle und stoppte in der Folge auch Andrew Kozek am Nachschuss. Kurz nachdem Ken Ograjenšek mit einer Deflection an Lars Haugen gescheitert war (51.), gelang den Rotjacken der längst überfällige vierte Treffer: Nach einem wuchtigen Vorstoß tief in die Angriffszone legte der sehr auffällige Clemens Unterweger den Puck zurück vor das Tor, Thomas Hundertpfund erreichte diesen nicht ganz, die Scheibe landete jedoch unmittelbar bei Johannes Bischofberger, der nur mehr ins halbleere Tor einschieben musste (52.). Lediglich 57 Sekunden später durften sich die Klagenfurter auch noch über das 5:1 freuen: Nachdem Patrick Harand in der neutralen und Martin Schumnig in der offensiven Zone jeweils Übersicht und Gefühl mit der Backhand bewiesen hatten, traf Andrew Kozek vom rechten Faceoff-Kreis aus per Direktabnahme perfekt in die Kreuzecke. In der Schlussphase konnten die Gäste nicht mehr zulegen, Rebounds von Liivik und Witting parierte Nihlstorp (56.), Petersen schob den Puck nach kraftvollem Antritt um Zentimeter am Tor vorbei (58.). Beides änderte weder das Endresultat von 5:1 noch die stehenden Ovationen des Klagenfurter Publikums. (NB)

 

Der Kommentar:

„Das war ein großartiges Spiel unserer Mannschaft, die sich heute Abend für die harte Arbeit, die sie in dieser Woche abgeliefert hat, belohnt hat. Wir waren an beiden Enden des Spielfelds sehr eng am Mann und bissig. Die Disziplin im System war durch die Bank von allen Spielern sehr gut. Man hat heute gesehen, wie wir Eishockey spielen können, wenn wir fokussiert und konzentriert sind und alle gemeinsam einen kollektiven Plan verfolgen, in dem jeder seine Rolle erfüllt.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Mit seinem vierten Sieg im achten Saisonspiel schraubte der EC-KAC sein Punktekonto auf 13 Zähler nach oben. Zwar liegen die Klagenfurter damit unverändert auf Tabellenposition sechs, der Abstand zum Zweiten, den Vienna Capitals, beträgt jedoch nur noch einen Punkt. Für die Rotjacken wartet nun ein Schlagerspiel auf europäischer Ebene: Am Mittwochabend (Spielbeginn: 19.30 Uhr) empfängt man in der heimischen Stadthalle im Rahmen der Champions Hockey League den EHC Biel-Bienne aus der Schweiz. Tickets für diese vielleicht schon vorentscheidende Partie um den Aufstieg in die KO-Phase der Königsklasse sind an allen Vorverkaufsstellen sowie durchgehend im Online-Ticketshop des EC-KAC erhältlich. Stehplätze kosten nur 15, Sitzplätze 25 Euro. In der Erste Bank Eishockey Liga ist Rot-Weiß erst am kommenden Sonntag wieder im Einsatz, dann geht es auswärts gegen das aktuelle Tabellenschlusslicht Dornbirn.