Rotjacken müssen sich mit einem Punkt begnügen

Nur einen Zähler holte der EC-KAC in seinem letzten Spiel im Jahr 2020, die Rotjacken mussten sich den Graz 99ers zu Hause mit 1:2 nach Verlängerung geschlagen geben.

Foto: QSpictures

 

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC feierte rund um Weihnachten zwei volle Erfolge: Gegen die Vienna Capitals gelang ein knapper 5:3-Heimsieg, im Kärntner Derby beim EC VSV siegte man mit 4:0. Die Rotjacken gingen demnach unverändert auf Tabellenplatz vier der bet-at-home ICE Hockey League liegend in ihr letztes Bewerbsspiel im Kalenderjahr 2020. Auf eigenem Eis lief es für die Klagenfurter im bisherigen Saisonverlauf insgesamt noch nicht sonderlich gut, lediglich 17 ihrer 44 Zähler konnten sie in der Stadthalle einfahren. Auch das erste Saisonheimspiel gegen die Graz 99ers ging (Anfang Oktober mit 0:2) verloren. Historisch betrachtet agierte der EC-KAC in Duellen mit den Steirern aber sehr erfolgreich, von 133 Begegnungen konnte Rot-Weiß 88 für sich entscheiden, gegen keinen anderen aktuellen ICE-Klub siegte man relativ betrachtet häufiger.

Die Graz 99ers durchlebten zuletzt wenig erbauliche Wochen: Ende November noch Tabellenführer, gingen sie seither in elf ihrer zwölf Partien als Verlierer vom Eis. Das führte einerseits zum Rückfall auf Rang acht und andererseits am vergangenen Wochenende zur Trennung von Head Coach Doug Mason. In Klagenfurt gab damit Jens Gustafsson (bisher Assistant Coach) sein Debüt als Cheftrainer, ihm zur Seite stand mit Patrick Harand ein langjähriger KAC-Crack. Auswärts mussten die Steirer zuletzt (in Salzburg, Wien, Székesfehérvár und Dornbirn) vier Niederlagen in Folge hinnehmen, in Klagenfurt agierten sie in der jüngeren Vergangenheit jedoch äußerst erfolgreich: Nur bei zwei ihrer letzten 13 Auftritte in der Stadthalle traten die 99ers die Rückreise ohne Punkt an.

 

Die Personalien:

Der EC-KAC bot im Heimspiel gegen Graz die exakt gleichen 22 Spieler auf, die am Montagabend im Kärntner Derby beim EC VSV zum Einsatz gekommen waren. Auch an den Zusammenstellungen der Formationen änderte sich nichts, bei den Rotjacken kamen vier volle Sturmlinien und vier komplette Verteidigungspaare zum Einsatz. Nicht dabei waren demnach unverändert David Madlener, David Fischer, Niki Kraus (alle verletzt bzw. krank), Valentin Hammerle (persönliche Gründe) und Marcel Witting (Healthy Scratch). Routinier Thomas Koch bestritt am Mittwoch sein 1.100. Karrierespiel in Österreichs höchster Spielklasse.

 

Der Spielverlauf:

Gleich zu Beginn der Partie hatten die Rotjacken Pech, als Manuel Ganahl die Scheibe von Rok Tičar perfekt in den Slot serviert bekam, von dort aus aber lediglich die Stange traf (2.). Auf der Gegenseite suchte Johan Porsberger von links und aus spitzem Winkel den Abschluss, der aber nur am Außenpfosten landete (3.). In der nächsten Szene bot sich den Gästen ein „Zwei-gegen-Eins“-Konter über Adis Alagić und Dominik Grafenthin, der Letztgenannte entschied sich für den Schuss und scheiterte damit an der Schulter von Sebastian Dahm (4.). Bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Angriff der Rotjacken kam der Sticha-Querpass auf den mitgelaufenen Clemens Unterweger nicht an (10.), bei einem Rebound von Nick Petersen nach Gregorc-Schlenzer aus der Distanz bekam 99ers-Goalie Felix Nussbacher im letzten Moment den Arm nach oben und parierte (13.). Ein erstes Unterzahlspiel überstanden die Klagenfurter mit vier Befreiungen problemlos, trotz einem Mann weniger kamen sie sogar zur großen Möglichkeit zum Führungstreffer, bei einem „Zwei-gegen-Eins“-Gegenstoß blockierte der einsame Grazer jedoch den finalen Querpass (17.) Im anschließenden ersten KAC-Powerplay landete der Puck nach schönem Touch-Pass von Manuel Geier bei Thomas Hundertpfund, der mit einem Haken zum Tor zog, in weiterer Folge aber mit einem Backhander an Felix Nussbacher scheiterte (19.). Wenige Sekunden vor Drittelende kamen die Grazer noch zu einer guten Möglichkeit: Anton Mylläris erster Schuss aus dem Slot wurde von Rok Tičar geblockt, den zweiten hämmerte der Schwede hauchdünn über den Kasten (jeweils 20.).

Zu Beginn des Mittelabschnittes durften die Hausherren erneut im Powerplay ran: Paul Postma zog zwei Mal von der blauen Linie aus ab, Nussbacher konnte beide Male parieren und war trotz fehlender Sicht und in dieser Situation durchaus glücklich auch bei einem scharfen Handgelenksschuss von Lukas Haudum aus der Halbdistanz zur Stelle (jeweils 23.). Auf der anderen Seite entschärfte Sebastian Dahm zunächst einen Setzinger-Schuss vom linken Flügel aus mit dem Blocker (25.), dann schnitt er Mylläri, der freie Schussbahn hatte, gekonnt den Winkel ab (27.). Ein Dodero-Fernschuss, der im Zentrum noch abgefälscht wurde, landete lediglich am Außenpfosten (29.). Aus einem „Drei-gegen-Zwei“-Angriff heraus gingen die Gäste dann in Führung: Hunter Fejes schlenzte den Puck von links auf den Kasten, von Dahms Schoner sprang er genau zum aufgerückten Kevin Moderer, der aus kurzer Distanz einschoss (31.). In der 32. Minute ließen beide Teams jeweils eine Solo-Chance aus: Daniel Obersteiner scheiterte mit einem flach angetragenen Abschluss am Grazer Schlussmann, Hunter Fejes brachte die Scheibe vom zurückeilenden Strong noch bedrängt nur zu zentral auf Dahm. Eine Deflection von Thomas Koch nach feinem Haudum-Steilpass segelte wenig später hauchdünn an der langen Ecke vorbei (33.). Nach einer Druckphase der 99ers, in der sie zu Möglichkeiten durch Dominik Grafenthin, der einen Altmann-Schuss direkt vor dem Kasten abgefälscht hatte (35.), und Anton Mylläri, der aus dem Slot gescheitert war (36.), gekommen waren, folgte auch noch ein Powerplay für die Gäste. Hier ging die beste Möglichkeit aber auf das Konto der Klagenfurter: Thomas Hundertpfund sicherte sich an der eigenen blauen Linie die Scheibe und schickte Johannes Bischofberger auf die Reise, dessen versuchter Beinschuss gegen Felix Nussbacher in dessen Pads hängenblieb (37.). In der 40. Minute kamen die Steirer noch zu einem Odd Man Rush über Sointu, Cameranesi und schließlich Ograjenšek, dessen Deflection Dahm jedoch parieren konnte. 

In der 43. Spielminute setzte Paul Postma den im Slot positionierten Johannes Bischofberger in Szene, Nussbacher ließ die Scheibe prallen, aber Postma konnte sie am Pfosten stehend nicht im Tor unterbringen. Auf der Gegenseite bediente Fejes von hinter dem Kasten aus Dominik Grafenthin, der das halbleere Tor vor sich hatte, doch Sebastian Dahm glänzte mit einem starken Fanghand-Save, der von den Referees nach dem Videostudium auch bestätigt wurde (44.). Nach schönem Haudum-Zuspiel scheiterte Thomas Koch mit einem Onetimer aus zentraler Position (45.), einen abgefälschten Gregorc-Schuss konnte der Torhüter der Steirer mit dem Schoner entschärfen (46.). In der 51. Minute war der Bann dann endlich gebrochen: Eine Hundertpfund-Direktabnahme aus dem Slot wurde von Grafenthin geblockt, den Rebound beförderte Johannes Bischofberger mit der Rückhand und aus der Luft in die Maschen. Graz ließ in der Folge zwei gute Möglichkeiten ungenutzt: Der umtriebige Grafenthin schloss einen „Drei-gegen-Zwei“-Angriff zu mittig auf Dahm ab (52.), einen präzisen Setzinger-Diagonalpass verpasste der am langen Pfosten freistehende Broda (54.). Weil auf der Gegenseite nach einem Offensivzonen-Faceoff ein verdeckter Postma-Schlenzer erneut nur Metall streifte (57.), ging die Partie beim Stand von 1:1 in die Verlängerung.

Dort kamen zunächst beide Teams zu je einer guten Gelegenheit: Thomas Koch traf im Zentrum einen Haudum-Pass nicht richtig, Cameranesi schoss am Ende eines Solos über den Kasten (jeweils 61.). Weil wenig später Koch auf die Strafbank musste, konnten sich die 99ers bei numerischer Überlegenheit den Zusatzpunkt sichern: Johan Porsberger setzte vom linken Faceoff-Punkt aus eine Direktabnahme in den Kasten (62.). (NB)

 

Der Kommentar:

„Unsere Mannschaft hat es heute nicht geschafft, ihren Fokus völlig auf diese Partie zu lenken, das ist betrüblich. Die ersten beiden Abschnitte waren überhaupt nicht gut, wir kamen nicht zu unserem Spiel und haben Graz völlig in die Hände gespielt. Der Gegner hatte zuletzt oft verloren, war daher sehr passiv und zurückhaltend, wir konnten daraus kein Kapital schlagen. Das dritte Drittel war dann besser, da konnten wir zumindest noch ausgleichen. Langfristig betrachtet kann das ein wichtiger Punkt für uns werden, kurzfristig betrachtet war das aber natürlich zu wenig und sowohl spielerisch als auch vom Ergebnis her eine Enttäuschung.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

 

Der Ausblick:

Der EC-KAC musste auch im zweiten Saisonheimspiel gegen die Graz 99ers eine Niederlage akzeptieren, die Rotjacken halten nun bei 45 Zählern aus 26 Spielen und liegen unverändert auf dem vierten Tabellenplatz der bet-at-home ICE Hockey League. Die Möglichkeit zur Revanche gegen die Steirer bietet sich bereits übermorgen Freitag, am Neujahrstag (Spielbeginn: 17.30 Uhr). Dann gastieren die Klagenfurter zum „Rückspiel“ in Graz-Liebenau, Sky Sport Austria überträgt diese Begegnung live. Zwei Tage später genießt der EC-KAC wieder Heimrecht, dann im vierten Kärntner Derby der Saison.