Nach fünf KAC-Siegen am Stück gewann Villach am Dienstag erstmals wieder ein Kärntner Derby, allerdings erst nach Verlängerung, in die sich die Rotjacken mit stark ausgedünntem Lineup gekämpft hatten.

Die durch die kurzfristigen Ausfälle von Matt Fraser und Rok Tičar weiter dezimierten Rotjacken, die ohne einen einzigen Importstürmer angetreten waren, hielten den EC VSV in der Anfangsphase der Partie gut aus den gefährlichen Zonen fern, erst aus einem Sololauf von Joel Broda heraus gingen die Hausherren in Führung (17.). Auch im zweiten Abschnitt ermöglichte ein KAC-Fehler einen Villacher Alleingang, John Hughes verdoppelte den blau-weißen Vorsprung (28.). Auf den Anschlusstreffer durch Lukas Haudum im Powerplay (31.) fanden die Gastgeber eine rasche Antwort, Maximilian Rebernig sendete von zwischen den Hashmarks aus zum 3:1 ein (34.). Die Klagenfurter steckten aber nicht auf und wurden dafür im Schlussdrittel mit zwei Treffern durch Eigenbauspieler und damit auch einem Punkt belohnt: Daniel Obersteiner traf aus dem Slot mit der Rückhand (44.) und Martin Schumnig klopfte im dritten Versuch einen Rebound in die Maschen (57.). In der Overtime vergaben die Rotjacken eine Überzahlgelegenheit, zwölf Sekunden vor dem Penaltyschießen bezwang Renārs Krastenbergs Sebastian Dahm aus kurzer Distanz. Villach gewann erstmals heuer ein Kärntner Derby, Klagenfurt behauptete mit dem Zähler aber Tabellenplatz sechs.

Drittel 1

Die Rotjacken starteten stabil in die Partie und ließen in der Anfangsphase kaum gefährliche Möglichkeiten des EC VSV zu. Erste KAC-Gelegenheiten wie ein Haudum-Snapshot vom rechten Faceoff-Kreis aus (2.) oder der Ganahl-Abschluss eines flink vorgetragenen Angriffs aus der Halbdistanz (8.) hatte Goalie Andreas Bernard jeweils mit der Fanghand. Die ersten guten Chancen für die Gastgeber ergaben sich erst im Zuge des ersten Überzahlspiels: Scott Kosmachuk brachte den Puck aus der Drehung aufs halbleere Gehäuse, doch ein KAC-Crack konnte noch blocken (9.), eine Direktabnahme Benjamin Lanzingers von den rechten Hashmarks aus parierte Sebastian Dahm mit den Pads (10.). Als wieder bei Even Strength agiert wurde, schlenzte Felix Maxa die Scheibe von hinter dem Kasten aus an den Crase, vom Schlittschuh eines Klagenfurters aus spritzte sie nur um Zentimeter an der kurzen Stange vorbei (11.).

Die beste Möglichkeit der Rotjacken im Startdrittel leitete Paul Postma ein, der in der neutralen Zone John Hughes den Puck abnahm und steil auf David Maier durchsteckte: Der für diesen Abend zum Stürmer umfunktionierte Verteidiger legte im „Zwei-gegen-Eins“ ideal auf Marcel Witting quer, der von der rechten Seite aus flach abschloss, Bernard machte die Lateralbewegung mit und war mit den Pads zur Stelle (16.). Quasi im Gegenzug kam der EC VSV zum Führungstreffer: Thomas Vallant verlor den Puck an der offensiven blauen Linie an Joel Broda, der somit zur Solochance kam und Dahm letztlich mit der Vorhand durch die Beine bezwingen konnte (17.). Wenig später fing der Goalie einen Kosmachuk-Onetimer aus der Distanz sicher (18.), sein Gegenüber zeichnete sich mit dem Blocker aus, als er einen Hundertpfund-Schuss aus der Drehung, abgegeben von den rechten Hashmarks aus, parieren konnte (19.).

Drittel 2

Auch im zweiten Durchgang kam der EC-KAC zur ersten Gelegenheit, bei einem tiefen „Zwei-gegen-Eins“ entschied sich Lukas Haudum auf der rechten Seite selbst für den Abschluss, setzte diesen aber an der langen Ecke vorbei (22.). Auf der Gegenseite wurde John Hughes am Torraum bedient, er drückte den Puck mit der Rückhand jedoch an der Stange vorbei (25.). Dann traf der kanadische Topscorer zum 2:0 für Villach: Ähnlich wie beim ersten VSV-Tor verloren die Rotjacken die Scheibe an der offensiven blauen Linie, nun verfehlte Andrej Tavželj den Puck,, Hughes bezwang Dahm nach Alleingang mit der Vorhand halbhoch in die lange Ecke (28.). Als Thomas Vallant mit einem Linienrichter kollidierte, ergab sich daraus ein „Zwei-gegen-Eins“-Konter der Hausherren, Joel Broda konnte aus spitzem Winkel aber nicht anschreiben (30.). Nach nur 34 Sekunden im ersten KAC-Powerplay der Partie stand auch Rot-Weiß auf der Anzeigetafel:

Niklas Würschl zog von links aus ab, vom Skate von Manuel Geier sprang der Puck auf die rechte Seite zu Lukas Haudum, der noch zur Mitte zog und dann aus dem Handgelenk hoch in die lange Ecke einsendete (31.). Gleich im nächsten Angriff ergab sich die große Gelegenheit auf den Ausgleichstreffer: Thomas Hundertpfund fand vom linken Flügel aus mit einem Diagonalpass Manuel Ganahl am rechten Anspielpunkt, der Kapitän scheiterte aber am den Winkel gut verkürzenden VSV-Goalie (32.). Stattdessen schrieb Villach wieder an: Yannic Pilloni kam aus der Rundung, tippte von der Halfwall aus ins Zentrum und Maximilian Rebernig bezwang Sebastian Dahm mit einem Schlenzer aus halbrechter Position (34.). Im zweiten KAC-Powerplay der Partie wurde ein Postma-Wristshot aus der Distanz noch geblockt, mit Ablauf der Strafzeit gegen Kosmachuck schoss Thomas Hundertpfund von der linken Seite aus knapp an der langen Ecke vorbei (jeweils 38.).

Drittel 3

In der zweiten Drittelpause nahmen die Klagenfurter Trainer eine wesentliche Änderung am taktischen Konzept vor, die sich letztlich auch bezahlt machen sollte. Zunächst wischte der noch bedrängte Thomas Hundertpfund den Puck von den linken Hashmarks aus an das Außengestänge, dann setzte Niki Kraus den Rebound nach starkem Push von Stefan Geier über rechts zum Tor aus kurzer Distanz zu mittig auf Bernard (jeweils 41.). Bei einem Pilloni-Schlenzer aus dem Slot brachte Dahm seine Fanghand zum Einsatz (43.), wenig später verkürzten die Klagenfurter ihren Rückstand: Ein Verlegenheitsschuss von Postma sprang vom Schlittschuh von Clemens Unterweger günstig zu Daniel Obersteiner, der an den linken Hashmarks nicht zögerte und aus der Drehung einschoss (44.). Im nächsten VSV-Powerplay war Sebastian Dahm bei einem Rauchenwald-Abschluss von links mit der Schulter zur Stelle (47.), als die Rotjacken zur (letztlich recht dürftigen) Überzahlmöglichkeit kamen, hatte Villach in Form eines Solos von Marco Richter die beste Gelegenheit, der KAC-Goalie vermochte die Scheibe aber gerade noch zwischen seinen Pads einzuklemmen (48.).

Die Chancen auf die Vorentscheidung ließen Broda (aus spitzem Winkel ins Außennetz) und Maxa (Onetimer aufs halbleere Tor mit zu wenig Richtung) aus (jeweils 52.), in der Schlussphase konnte Klagenfurt demnach ausgleichen: Manuel Ganahl traf halbrechts den Puck nicht richtig, der mit aufgerückte Martin Schumnig klopfte ihn vom Torraum aus und im dritten Nachstocher-Versuchaber über die Linie (57.). Als Lukas Haudum von links abzog und Andreas Bernard prallen lassen musste, konnte der Torhüter die Scheibe gerade noch vorm einschussbereiten Ganahl einfrieren (58.), auf der Gegenseite traf Derek Joslin, der über halbrechts tief gegangen war, mit der Rückhand nur das Außennetz (58.).

Verlängerung

In die fällig gewordene Verlängerung gingen die Rotjacken mit numerischem Vorteil, da Scott Kosmachuk ein drittes Mal in dieser Partie in der Kühlbox platznehmen musste, dieses Powerplay legte der EC-KAC aber einen Tick zu hektisch und unstrukturiert an. Als wieder Even Strength-Eishockey gespielt wurde, verfehlte auf Seiten Villachs John Hughes nach „Zwei-gegen-Eins“-Angriff das sprichwörtlich leere Gehäuse (63.), zwölf Sekunden vor dem Ende der Verlängerung entschied Blau-Weiß die Partie dann doch noch zu seinen Gunsten: Collins verlängerte einen Joslin-Pass an den langen Pfosten, wo sich Renārs Krastenbergs den Puck von der Vor- auf die Rückhand legte, ehe er ihn über Dahms Schoner hinweg in die kurze Ecke lupfte (65.). (HB)

Post Game-Kommentar von Head Coach Petri Matikainen:

„Wir haben ein insgesamt solides und gutes Spiel gemacht. In der zweiten Pause haben wir unser System noch einmal wesentlich umgestellt, auch das hat funktioniert, wir konnten den Zwei-Tore-Rückstand aufholen. Wir Trainer waren sehr glücklich damit, welchen Einsatz unsere Mannschaft gezeigt hat, vom Kämpferischen her haben wir das stark gemacht. Natürlich ist es eine Herausforderung, wenn so viele Stammkräfte fehlen oder plötzlich Verteidiger im Sturm auflaufen müssen, aber unser Team hat diese Aufgabe gut gelöst. Am Ende war auch der Sieg für uns möglich, leider waren wir im Powerplay am Übergang zur Verlängerung aber etwas zu zaghaft. Niederlagen sind nie angenehm, aber wir nehmen aus dieser Partie viel Positives mit, denn es zeigt sich einmal mehr, dass sich die kontinuierliche Arbeit, die wir hier mit jungen wie alten Spielern, mit Schlüsselkräften wie ergänzenden Akteuren, machen, am Ende bezahlt machen wird.“

bet-at-home ICE Hockey League, 35. Spieltag
04.01.2022 / 19.15 Uhr
EC VSV – EC-KAC 4:3 n.V. (1:0,2:1,0:2)
Merkur Eisstadion Graz, 1.145 Zuschauer
Schiedsrichter: Groznik (SLO), Trilar (SLO)

Aufstellung EC-KAC:
Dahm (Holzer) | Tavželj-Schumnig, Unterweger-Postma, Steffler-Vallant | Ganahl-Hundertpfund-Obersteiner, S.Geier-M.Geier-Kraus, Hochegger-Haudum-S.Witting, Maier-Würschl-M.Witting

Es fehlten:
Petersen, Koch, Tičar, Sticha, Bischofberger (alle verletzt), Strong (gesperrt), Fraser (krank)

Torfolge:
1:0 Joel Broda (16:45)
2:0 John Hughes (27:40/Chris Collins, Scott Kosmachuk)
2:1 Lukas Haudum (30:43/Manuel Geier, Niklas Würschl/PP1)
3:1 Maximilian Rebernig (33:15/Yannic Pilloni, Scott Kosmachuk)
3:2 Daniel Obersteiner (43:56/Clemens Unterweger, Paul Postma)
3:3 Martin Schumnig (56:36/Manuel Ganahl, Daniel Obersteiner)
4:3 Renārs Krastenbergs (64:48/Chris Colling, Derek Joslin)