Bei elektrisierender Atmosphäre in der Heidi Horten-Arena verwandelte der EC-KAC am Dienstagabend einen 0:2-Rückstand nach dem ersten Abschnitt noch in einen 4:2-Erfolg, den ersten Heimsieg der laufenden Finalserie.

Der EC Salzburg erwischte den besseren Start in die Partie, ein Wraparound von Kapitän Raffl sprang vom Schlittschuh Muršaks zur frühen Führung über die Linie, Bourke verdoppelte den Vorsprung des Titelverteidigers noch vor der ersten Pause, indem er in einem Konter Dahm in der kurzen Ecke erwischte. Die Rotjacken ließen auf den durchwachsenen ersten einen famosen zweiten Abschnitt folgen, zwei Powerplay-Treffer leiteten das Comeback ein: Haudum nutzte aus dem rechten Rückraum den Screen und Ganahl verwertete via Herburgers Skate einen Abpraller nach Jensen Aabo-Schuss. Die Wende am Scoreboard finalisierte Muršak, als er bei einem Alleingang auch von drei Bullen nicht abgefangen werden konnte und Tolvanen unter der Fanghand hindurch bezwang. Im dritten Durchgang drängten die Gäste vehement auf den Ausgleich, die beste Gelegenheit dazu vereitelte Dahm mit dem ausgefahrenen Schlittschuh gegen Rymsha. Nach wunderbarer Hundertpfund-Scheibenbehauptung in der neutralen Zone sorgte Bischofberger mit seinem Schuss in den verwaisten Kasten für den 4:2-Endstand.

Drittel 1

Wie bereits im ersten Spiel der Serie waren Torszenen in der Anfangsphase Mangelware, nach einem misslungenen Versuch von Thomas Raffl, der es von rechts aus der Drehung versucht hatte (4.), gingen die Salzburger wenige Sekunden später in Führung: Peter Schneider spielte die Scheibe aus der neutralen Zone tief, der Kapitän der Gäste ging nach, setzte sich in der Rundung durch, zog hinter den Kasten und versuchte es per Wraparound, der Puck wurde von Jan Muršaks Schlittschuh unglücklich in die Maschen abgelenkt (4.). Nach Vorarbeit von Thomas Hundertpfund setzte auf Seiten der Klagenfurter Steven Strong einen Handgelenksschuss von links aus knapp über das Ziel (6.), ehe Raffl in der eigenen Defensivzone den Puck an Lukas Haudum verlor: Dieser hatte das Auge für den am linken Pfosten lauernden Niki Kraus, aber Atte Tolvanen war mit dem Blocker zur Stelle (8.). In der 15. Spielminute kam Raphael Herburger über den linken Flügel in das Angriffsdrittel und brachte einen scharfen Schuss auf die kurze Ecke an, der Bullen-Keeper war jedoch auf dem Posten.

Folgend wurde die erste Hinausstellung der Partie wegen Haltens gegen Thomas Hundertpfund ausgesprochen, die Chance auf den Treffer hatten aber die Klagenfurter während einer anschließend gegen Salzburg angezeigten Strafe: Lukas Haudum konnte unter Bedrängnis von halbrechts aus Raphael Herburger bedienen, Atte Tolvanen parierte einmal mehr stark mit der Stockhand (17.). Bei einer Spielstärke von „Vier-gegen-Vier“ erhöhte der Titelverteidiger auf 2:0: Troy Bourke startete an der eigenen blauen Linie, ließ zwei Klagenfurter aussteigen und brachte den Puck dann durch die Beine von Steven Strong aufs Tor, das Spielgerät rutschte Sebastian Dahm über den Catcher und kullerte über die Linie (17.). Während einer kurzfristigen Rotjacken-Überzahl konnten sich die Klagenfurter in der Offensivzone festsetzen, Jan Muršak wartete den idealen Moment ab, um den Querpass auf Lukas Haudum anzubringen, der rot-weiße Playoff-Topscorer vermochte Atte Tolvanen per Onetimer vom rechten Faceoff-Kreis aus jedoch (noch) nicht zu überwinden (19.).

Drittel 2

Zu Beginn des Mitteldrittels durfte der EC-KAC erneut im Powerplay ran, nachdem Lucas Thaler zwei Hits von Paul Postma eingesteckt hatte, musste er für ein Beinstellen in der neutralen Zone in die Kühlbox. Nach lediglich 22 Sekunden bei numerischer Überlegenheit konnte Rot-Weiß den Anschlusstreffer bejubeln: Paul Postma bediente im Rückraum rechts Lukas Haudum, der den Puck mit einem satten Onetimer am Petersen-Screen vorbei in der langen Kreuzecke versenkte (23.). Nur kurz darauf ließ Jan Muršak für Nick Petersen abtropfen, der unter Bedrängnis von Chay Genoway steil über die linke Seite zum Tor zog, Atte Tolvanen aber aus kurzer Distanz nicht überwinden konnte (24.). Auch die nächste Szene gehörte den Rotjacken, Johannes Bischofberger tankte sich alleine durch, ließ dann im Zentrum für Paul Postma liegen, der aus dem Slot am Schlussmann der Mozartstädter scheiterte, für den an sich aussichtsreichen Rebound fand sich kein Abnehmer (25.). Anschließend folgte das nächste Überzahlspiel der Klagenfurter: Jesper Jensen Aabo setzte rechts Clemens Unterweger in Szene, der die Scheibe an der langen Ecke vorbeilegte, ehe der Verteidiger auch aus dem hohen Slot von Atte Tolvanen verneint wurde (26.). Wenig später blieb Matt Fraser per Tip-In im Slot nach Postma-Blueliner erfolglos und mit Ablauf der Strafe nahm Nick Petersen nach Haudum-Zuspiel den Onetimer vom rechten Flügel aus: Der Bullen-Keeper war mit dem Schoner dran, ließ aber nach vorne abprallen, Fraser konnte den Rebound nicht über die Linie drücken (28.).

Am Rush bediente Drake Rymsha links Nicolai Meyer, Sebastian Dahm war gegen seinen Landsmann auf dem Posten (32.). Abermals mit einem Mann mehr auf dem Eis gelang dem Team von Kirk Furey und David Fischer der Ausgleich: Jesper Jensen Aabo nahm den Onetimer von der blauen Linie aus, Atte Tolvanen war mit dem Schoner zur Stelle, diesmal stand aber Manuel Ganahl am linken Faceoff-Kreis goldrichtig und beförderte den Nachschuss durch die Beine des Torhüters in die Maschen, weil der Schuss vom Schlittschuh Raphael Herburgers noch minimal abgelenkt wurde, wurde der Treffer nachträglich dem Mittelstürmer zugeschrieben (33.). In der 35. Spielminute entschärfte Sebastian Dahm einen Nissner-Blueliner, Mario Huber kam am Crease an den Rebound, konnte diesen aber aus kurzer Distanz nicht im Kasten unterbringen. 105 Sekunden vor Drittelende komplettierten die Rotjacken ihr Comeback und gingen zum ersten Mal in dieser Partie in Führung: Nicolai Meyer wollte aus der Tiefe an die blaue Linie zurücklegen, verpasste aber seine Mitspieler, Jan Muršak war am Breakaway auf und davon, konnte auch von drei nacheilenden Bullen nicht gestellt werden und bezwang Atte Tolvanen halbhoch auf der Fanghandseite via Innenstange (39.). Die letzte Möglichkeit im zweiten Durchgang gehörte dann den Gästen: Mit einem Mann mehr auf dem Eis versuchte es Peter Schneider per Wraparound, Sebastian Dahm machte unten alles zu, ehe seine Vorderleute im letzten Moment klären konnten (40.).

Drittel 3

Während des in den Schlussabschnitt mitgenommenen Powerplays feuerte Chay Genoway von der blauen Linie aus, Sebastian Dahm war die Sicht verstellt, er konnte aber dennoch parieren. Der Abpraller landete beinahe bei einem Salzburger am rechten Flügel, Raphael Herburger konnte die Situation aber mit dem langen Schläger per Hechtsprung entschärfen (42.). Am Rush spielte Manuel Ganahl kurz darauf von links aus nach innen zu Thomas Hundertpfund, der Kapitän verzog jedoch an der kurzen Ecke (42.), bevor Lukas Haudum mit einem scharfen Handgelenksschuss von der rechten Halfwall aus am Blocker von Atte Tolvanen scheiterte (44.). Auf der Gegenseite eroberte Cameron Schilling an der rechten Bande das Spielgerät, zog nach innen und per Schlagschuss ab, der KAC-Goalie wehrte mit der Schulter ab (46.). Ali Wukovits spielte kurz darauf aus der Tiefe für Tyler Lewington auf, dessen Schuss vom rechten Faceoff-Kreis aus aber nur an der Maske von Sebastian Dahm landete (47.). Nachdem auch Peter Schneider per Handgelenksschuss von knapp oberhalb des linken Anspielkreises aus erfolglos geblieben war (49.), legte Niki Kraus von hinter dem Kasten aus an den Crease für Raphael Herburger, der auf die Scheibe klopfte, diese damit aber nur auf Tolvanens Pads lenkte (49.).

Gegen Drittelmitte kam Dennis Robertson im Slot an den Puck, sein Schuss touchierte Metall, ehe die Bullen erneut im Powerplay ran durften (52.): Die Salzburger kamen in dieser Phase aufgrund von fünf Zonenbefreiungen der Gastgeber lediglich zu einer Möglichkeit durch Chay Genoway, der von der blauen Linie aus draufhielt, Peter Hochkofler lauerte am Crease auf den Rebound, blieb aber erfolglos (53.). In der Schlussphase kamen die Roten Bullen zu zwei Großchancen auf den Ausgleich: Zuerst nahm Ali Wukovits den Handgelenksschuss aus dem hohen Slot und der Drehung, die Scheibe schlitterte um Zentimeter am Kasten vorbei (58.), dann wurde der Puck am Torraum quer gespielt, Drake Rymsha kehrte vermeintlich ein, doch Sebastian Dahm ließ mit einem famosen Reflex sein rechtes Bein nach außen schnellen und kickte das Spielgerät sprichwörtlich von der Linie (59.). Der Titelverteidiger nahm in der Schlussminute seinen Torhüter vom Eis, kam dem Ausgleichstreffer aber nicht mehr näher: Thomas Hundertpfund bewies in der neutralen Zone herausragendes Stickhandling, steckte letztlich an der linken Halfwall zu Johannes Bischofberger durch und der fixierte aus schon recht spitzem Winkel den ersten Heimsieg der Finalserie 2024. (NP)

Post Game-Kommentar von Assistant Coach David Fischer:

„Manchmal muss man einen sehr tiefen Atemzug machen – welch ein Spiel! Es bringt so viel Spaß, unserer Mannschaft dabei zuzusehen, wie sie ihr letztes Hemd gibt. Nach einem für uns brutalen Start hat kein einziger Spieler in unserem Team geblinzelt, jeder kehrte einfach zur Arbeit zurück und konnte sich dabei auf seinen Nebenmann verlassen. Unsere Truppe blieb ohne zu wackeln auf ihrem Pfad, das war einfach nur cool. Das ist, warum wir Sport machen, warum wir Sport zu unserem Beruf gemacht haben, warum Sport so großartig ist. Der heutige war ein toller Sieg, aber letztlich haben wir bloß Spiel drei gewonnen, wenngleich es wichtig war, in dieser Finalserie auch zu Hause anzuschreiben. Jetzt ruhen wir uns morgen gut aus, das brauchen wir, und dann, ab Donnerstag, machen wir weiter damit, von einem Moment zum nächsten, von einem Tag zum nächsten, zu denken. Wir kehren dann mit neuem Fokus nach Salzburg zurück.“

ICE Hockey League, Finale, 3. Spieltag
09. April 2024 / 19:30 Uhr
Heidi Horten-Arena, Klagenfurt, AUT, 4.397 Zuschauer
ICE
EC-KAC
4
:
2
(0:2, 3:0, 1:0)
EC Salzburg
Schiedsrichter
Sternat (AUT), Zrnić (SLO)
Aufstellung EC-KAC
Dahm (Vorauer) Postma-Strong, Jensen Aabo-Unterweger, Maier-Vallant, Preiml Petersen-Muršak-Ganahl, Fraser-Hundertpfund-Bischofberger, Haudum-Herburger-Kraus, Schwinger-Obersteiner-Witting, Hochegger
Fehlende Spieler
Sablattnig (verletzt), van Ee (krank)
Torfolge
0:1 Thomas Raffl (03:49/Peter Schneider, Phillip Sinn) 0:2 Troy Bourke (16:56/Mario Huber, Chay Genoway) 1:2 Lukas Haudum (22:37/Paul Postma, Jan Muršak/PP1) 2:2 Raphael Herburger (32:49/Manuel Ganahl, Jesper Jensen Aabo/PP1) 3:2 Jan Muršak (38:15) 4:2 Johannes Bischofberger (59:43/Thomas Hundertpfund/EN)