Teil sechs von "Mythos Stadthalle" behandelt die KAC-Saisonen 1984/85 bis 1988/89: Vier Meistertitel unter William "Bill" Gilligan in Folge und der Abschied vom legendären Torjäger Rudolf König.

In der Artikelserie Mythos Stadthalle beleuchtet kac.at bis zum Bezug der Heidi Goëss-Horten Arena im Herbst 2022 die reichhaltige Geschichte jener Spielstätte, die der KAC bzw. EC-KAC mehr als sechs Jahrzehnte lang seine Heimat nennen konnte. Im wöchentlichen Abstand werden 63 Schlaglichter auf die 63 Stadthalle-Saisonen der Rotjacken geworfen: Große Triumphe und bittere Niederlagen, denkwürdige Spiele und Persönlichkeiten – jeweils eine Anekdote pro Spielzeit.

Rückkehr auf den Meisterthron

15.02.1985 / Klagenfurter AC – EHC Lustenau (5:3)

Im Sommer 1984 setzte der KAC einen neuen Mann auf die Kommandobrücke: William „Bill“ Gilligan, von 1979 bis 1983 brandgefährlicher Stürmer in der Bundesliga (insgesamt unglaubliche 215 Tore in 143 Spielen für den Wiener EV und WAT Stadlau) war gerade erst 31 Jahre alt geworden, als er die Rotjacken erstmals als Trainer in ein Spiel führte. Seine Mannschaft beendete den Karawankencup im September als ungeschlagener Sieger, in der Meisterschaft stotterte der Motor jedoch über Monate: Nach der ersten Grunddurchgangsphase lag Klagenfurt hinter Innsbruck und Lustenau auf Rang drei, in der Zwischenrunde reichte es zu nur drei Siegen in zehn Partien, weil zwei der vollen Erfolge jedoch gegen Villach eingefahren wurden (3:2 und 7:6), schaffte der KAC als Tabellenvierter dennoch den Einzug in die (im Format „Best-of-Three“ ausgetragenen) Playoffs. Im Halbfinale stand den Rotjacken damit der bärenstarke Aufsteiger EHC Lustenau gegenüber, in dieser Saison ein sprichwörtlicher Angstgegner der Kärntner, hatten doch sämtliche drei Auftritte in der Rheinhalle mit klaren Siegen der Vorarlberger geendet (10:1, 7:4 und 11:3). Im ersten Playoff-Duell hielt die Gilligan-Truppe wesentlich besser dagegen, ein Hattrick von Steven Stockman zwischen der 54. und 60. Minute führte dennoch zu einem 6:2-Erfolg der Hausherren. Damit bestand die Gefahr, dass das Halbfinal-Rückspiel zur bereits letzten Saisonpartie des KAC werden könnte. Tatsächlich wurde die Begegnung aber zum positiven Wendepunkt des Spieljahres aus Klagenfurter Sicht: Vor 3.600 Zuschauern lag Rot-Weiß zur Hälfte des Spiels mit 0:2 im Hintertreffen, dann folgte die Entfesselung. Ernest Gooden mit drei sowie Edward Lebler und Herbert Pöck mit jeweils einem Treffer sorgten für einen umjubelten 5:3-Sieg. Drei Tage später bezwangen die Klagenfurter in der Fremde schließlich das „Lustenau-Gespenst“: Ein famoser Schlussabschnitt mit fünf erzielten Toren ließ den KAC als Sieger und somit auch Finalisten dastehen. In der Endspielserie war die Mannschaft auch vom großen Favoriten aus Innsbruck nicht zu stoppen: Von 8.000 Zuschauern in der Olympiahalle setzte sich das Gilligan-Team mit 6:2 durch, zwei Tage später bezwang man die Tiroler in der selbstredend ausverkauften Stadthalle mit 5:2 und avancierte damit erstmals seit 1980 wieder zum Meister – und das obwohl in dieser Saison Stammkräfte wie Rudolf König (bis Oktober), Walter Schneider (Oktober bis Dezember) und Thomas Cijan (ab Januar) mit längerfristigen Verletzungen ausgefallen waren.

Ungeschlagen durch die Playoffs

21.02.1986 / Klagenfurter AC – VEU Feldkirch (11:5)

Seinen durchaus überraschenden Meistertitel im ersten der vier „Gilligan-Jahre“ verteidigte der KAC in der zweiten Saison unter Führung des jungen US-Amerikaners sehr souverän: Die Rotjacken belegten sowohl nach dem Grunddurchgang als auch nach der Zwischenrunde Tabellenplatz eins und waren mit 5,38 erzielten Toren pro Partie auch die treffsicherste Mannschaft im Grunddurchgang. Zur Nervenschlacht wurde allerdings der Playoff-Auftakt, die erste Begegnung mit dem EC Innsbruck im „Best-of-Three“-Halbfinale: Nach Drittel eins lagen die Tiroler in der Stadthalle mit 3:0 voran, Klagenfurt ging im letzten Abschnitt sogar mit 5:4 in Führung. Weil die Gäste noch ausgleichen konnten, folgte eine Verlängerung, die 20 Minuten lang torlos blieb und somit im Penaltyschießen mündete. Dort trafen mit Edward Lebler, Rudolf König und Thomas Cijan alle drei KAC-Schützen – Sieg für den Rekordmeister. Den Aufstieg ins Finale sicherten sich die Rotjacken mit einem klaren Auswärtserfolg in der Olympiahalle, sodass es am 21. Februar 1986 zum ersten der maximal drei Endspiele gegen die VEU Feldkirch kam. In dieser Partie demonstrierten die Kärntner jene Dominanz, die sie über weite Strecken der Spielzeit ausgezeichnet hatte: Die Vorarlberger wurden mit 11:5 bezwungen, im 22. und letzten Heimspiel der Saison gelang auf eindrucksvolle Weise der 20. Sieg. Vor mit 5.500 Zuschauern ausverkauftem Haus sorgte Rudolf König schon im ersten Shift für die KAC-Führung, die bis zur elften Spielminute auf 5:0 angewachsen war. Am Ende des ersten Finalduells hatten sich Edward Lebler und Günther Koren jeweils drei Mal sowie Rudolf König, Erich Solderer, Thomas Cijan, Herbert Pöck und Werner Kerth jeweils ein Mal in die Schützenliste eingetragen – sämtliche KAC-Tore wurden also von österreichischen Cracks erzielt. Dies war insofern wenig verwunderlich, als dass damals nur zwei Legionäre eingesetzt werden durfte, Stürmer Tony Collard jedoch bereits seit Anfang Februar verletzt ausfiel und daher mit David Shand nur ein Import im rot-weißen Aufgebot stand. Auch das zweite Endspiel entschieden die Klagenfurter auswärts in Feldkirch klar für sich, beim 6:1-Sieg zum 22. Titelgewinn der Klubgeschichte steuerte Lebler erneut drei Treffer bei. Der Austro-Kanadier, der in 44 Bundesligaspielen ebenso oft anschrieb, übersprang damit auch in seiner vierten Saison beim KAC die 40-Tore-Marke.

Knapp an der Sensation vorbei

06.02.1987 / Klagenfurter AC – Färjestad BK (4:6 n.V.)

Die Saison 1986/87 war die letzte, in welcher der Europacup bis zum Finalturnier durchgängig in KO-Runden ausgetragen wurde, die Rotjacken spielten in diesem Jahr zum insgesamt 16. Mal auf internationaler Ebene. Dort wurden die Klagenfurter automatisch für die zweite Runde gesetzt, in der es gegen Italiens Champion HC Meran/o zu einem wahren Torfestival kam, als in Hin- und Rückspiel (11:9 und 8:4) zusammen nicht weniger als 32 Treffer zu verzeichnen waren. Der KAC stand damit im Viertelfinale, dessen vier Sieger sich für das Finalturnier qualifizierten, als Gegner wurde ihm dabei niemand Geringerer als der schwedische Meister Färjestad BK zugelost. Die Skandinavier kamen mit einer bärenstarken Mannschaft nach Kärnten, gleich sieben Akteure im Kader bestritten in dieser Saison Länderspiele für Schwedens Nationalteam. Darunter der in den 1990er-Jahren im Trikot der VEU Feldkirch gefürchtete Thomas Rundqvist oder der spätere KAC-Nachwuchstrainer Staffan Lund. Die Klagenfurter Vereinsführung spekulierte angesichts des prominenten Gegners mit einer Wiederbelebung der Europacup-Euphorie des Publikums aus den 1960er-Jahren und erwarb von Färjestad daher für eine sechsstellige Schillingsumme auch das Heimrecht für das Rückspiel. Dieser Schuss ging jedoch gehörig nach hinten los: Insgesamt nur 2.200 Zuschauer wollten die beiden Duelle mit den Schweden, ausgetragen am 5. und 6. Februar 1987, in der Stadthalle sehen. Die zahlreichen Daheimgebliebenen verpassten zwei denkwürdige Auftritte der Rotjacken am internationalen Parkett: Dank fünf Treffern von Eigenbauspielern gelang es dem KAC, das Hinspiel sensationell mit 6:5 für sich zu entscheiden. Auch in der zweiten Begegnung, 24 Stunden später, gaben die Klagenfurter eine ausgezeichnete Figur ab: Defizite von 0:2, 1:3 und 3:4 vermochten sie auszugleichen, doch Claes-Henrik Silfver schoss die Gäste in Minute 54 mit 4:5 in Front und damit in die Verlängerung. Dort ereilte die Rotjacken der „plötzliche Tod“: Der Finne Erkki Laine, der einzige Legionär in Färjestads Aufgebot, sendete nach 63:02 gespielten Minuten im Powerplay ein und buchte damit das Finalturnier-Ticket für sein Team. Dort avancierten die Schweden zum ersten Team seit zehn Jahren, das Seriensieger CSKA Moskva einen Punkt abnehmen konnte. Für den KAC, der das Europacup-Finalturnier nur hauchdünn und um einen Treffer verpasste, brachte diese Saison auf internationaler Ebene zwei Erkenntnisse: Dass er sportlich auch gegen große Gegner wieder kompetitiv war, aber auch dass die große Europacup-Euphorie des Klagenfurter Publikums der Vergangenheit angehörte.

Krönender Abschluss der Gilligan-Ära

21.01.1988 / Klagenfurter AC – Wiener EV (4:1)

Auch im vierten und letzten Spieljahr unter der Führung von Head Coach Gilligan schnitten die Rotjacken erfolgreich ab: In der aufgrund der Olympischen Winterspiele in Calgary stark komprimierten Bundesliga-Saison belegten die Klagenfurter nach dem Grunddurchgang Tabellenplatz eins. Während die in den Jahren zuvor noch so starken Klubs aus Vorarlberg schwächelten und die beiden letzten Ränge im Siebenerfeld belegten, avancierte in dieser Spielzeit der erst im Sommer 1985 in die höchste Spielklasse zurückkehrte Wiener EV zum härtesten Konkurrenten für den KAC. Der Hauptstadt-Klub, nach dem ersten Abschnitt der Meisterschaft punktegleich mit den Rotjacken, schoss sich zur Hälfte der Meisterrunde mit einem 7:3-Heimsieg gegen die Rotjacken endgültig selbst in den Titelkampf. Dieser spitzte sich am letzten Spieltag in Form eines die finale Entscheidung bringenden WEV-Gastspiels in der Stadthalle zu. Vor 5.500 begeisterten Fans bog der KAC bereits früh auf die Siegerstraße ein, Herbert Pöck, dem in dieser Partie letztlich ein Doppelpack gelingen sollte, stellte nach nur 43 gespielten Sekunden auf 1:0. Nach einem Kompajn-Treffer vermochte Wiens Kanadier Ray Côté zwar in der Schlussminute des zweiten Durchgangs zu verkürzen, ein rot-weißer Doppelschlag sorgte jedoch für die Entscheidung. Nach Pöcks zweitem Treffer (49.) setzte Helmut Koren – in seiner 13. von 19 aufeinanderfolgenden Saisonen in der Kampfmannschaft – den Schlusspunkt zum 4:1 (50.). In den verbleibenden gut zehn Spielminuten wurde auf den Rängen bereits das 24. Championat der Klubgeschichte gefeiert, insbesondere galten die Akklamationen des Publikums dem Trainer des KAC: William „Bill“ Gilligan, obwohl erst 33 Jahre alt, führte die Klagenfurter auch im vierten Jahr seines Wirkens am Wörthersee zum Titel und verabschiedete sich damit aus Kärnten. Der US-Amerikaner schloss sich dem Spitzenklub SC Bern an, wo er fast nahtlos an seine Erfolge bei den Rotjacken anknüpfen konnte. In vier Jahren beim Klub aus der Hauptstadt der Schweiz holte Gilligan drei Meister- und einen Vizemeistertitel. Die von ihm geführten Mannschaften gewannen in den acht Jahren zwischen 1985 und 1992 also sieben Championate und verfügten über eine herausragende Playoff-Bilanz von 17:1 gewonnenen Serien (bzw. 46:12 gewonnenen Spielen).

Ein König dankt ab

10.02.1989 / Klagenfurter AC – EHC Lustenau (9:2)

Nach vier Meistertiteln in Folge gestaltete sich die Saison 1988/89 aus rot-weißer Sicht wieder durchwachsen: Zwar wurde am 6. November 1988 der bis dahin in elf Runden ungeschlagene Lokalrivale aus Villach mit 7:2 in die Schranken gewiesen, richtig ins Rollen kamen die Klagenfurter in diesem Jahr jedoch nur selten. Einen Monat nach dem Derbysieg wurde Gilligan-Nachfolger Roger Lamoureux vom Dienst freigestellt, bis Mitte Januar agierte der verletzte Kapitän Hebert Pöck als Trainer, dann übernahm der als Spieler dreifache Weltmeister Viktor Shalimov das Ruder. Die Wechsel auf der Kommandobrücke hatten allerdings nicht den gewünschten Erfolg: 24 von 40 möglichen Punkten im Grunddurchgang, 22 von 40 potenziellen Zählern in der Zwischenrunde – die Ergebnisse des Titelverteidigers blieben das gesamte Spieljahr hindurch mittelmäßig. Der retrospektiv betrachtet wohl denkwürdigte Tag dieser Saison war ein damals eher unscheinbarer: Nur 600 Fans waren am 10. Februar 1989 zum Heimspiel gegen Schlusslicht Lustenau gekommen, erst ein Hattrick des in dieser Partie als Verteidiger aufgebotenen Stürmers Tony Collard in den Minuten 31 bis 38 brachte die Rotjacken auf die Anzeigetafel. Weil der KAC im Schlussdrittel doch noch rasant aufdrehte, verließ er das heimische Eis letztlich als 9:2-Sieger, wobei die beiden finalen Treffer aus einem Doppelschlag von Rudolf König (57. und 58. Minute) resultierten. Da der legendäre Stürmer bei seinen verbleibenden neun Saisoneinsätzen nur noch ein Mal (und das auswärts) anschreiben konnte, gingen die beiden späten Torerfolge gegen die Vorarlberger als die letzten in die Geschichte ein, die König im KAC-Trikot am Eis der Stadthalle verbuchen konnte. Damit endete die rot-weiße Historie des erfolgreichsten Goalgetters der Klubgeschichte: In seinen 16 Saisonen in der Kampfmannschaft von 1973 bis 1989 gelangen Rudolf König unglaubliche 532 Treffer in Bewerbsspielen, 470 davon in der Bundesliga, 19 im Europacup und weitere 43 im Karawanken- bzw. Alpe-Adria-Cup. Bezieht man auch Freundschaftsspiele mit ein, ergeben sich 565 König-Tore im Trikot der Kampfmannschaft. Sein Debüt im Profiteam gab der Flügelstürmer am 3. Oktober 1973 im Europacup gegen CSKA Sofia, seine letzte Partie war das Ligaspiel gegen die VEU Feldkirch am 10. März 1989.