Viele Wechsel auf der Trainerbank, der unvergleichliche Run vom Tabellenende zum Meistertitel und die Einführung der Alpenliga: Teil sieben von "Mythos Stadthalle" behandelt die Saisonen 1989/90 bis 1993/94.

In der Artikelserie Mythos Stadthalle beleuchtet kac.at bis zum Bezug der Heidi Goëss-Horten Arena im Herbst 2022 die reichhaltige Geschichte jener Spielstätte, die der KAC bzw. EC-KAC mehr als sechs Jahrzehnte lang seine Heimat nennen konnte. Im wöchentlichen Abstand werden 63 Schlaglichter auf die 63 Stadthalle-Saisonen der Rotjacken geworfen: Große Triumphe und bittere Niederlagen, denkwürdige Spiele und Persönlichkeiten – jeweils eine Anekdote pro Spielzeit.

17-Jähriger entscheidet Playoff-Serie

02.02.1990 / Klagenfurter AC – ATSE Graz (12:7)

Auch in der Spielzeit 1989/90 erlebte Klagenfurt einen Trainerwechsel: Nachdem die Rotjacken am dritten Wochenende im November zunächst zu Hause gegen Innsbruck eine 4:0-Führung aus der Hand gaben und letztlich mit 6:7 unterlagen und zwei Tage später in Kapfenberg nach 5:1-Vorsprung nur 6:6 spielten, kam Jozef Čapla einer bevorstehenden Entlassung mit seinem Rücktritt zuvor. Sein Nachfolger wurde mit Herbert Pöck ein langgedienter Spieler aus dem aktuellen Kader. Damit endete mitten in der Saison die illustre aktive Laufbahn des Mittelstürmers, der als Spieler nie einen anderen Klub repräsentierte und mit 698 Scorerpunkten in exakt 500 Bundesligapartien zu einem der herausragendsten Akteure der Klubgeschichte avancierte. Vom vierten Tabellenplatz, den er zum Zeitpunkt des Wechsels auf der Kommandobrücke innehatte, konnte sich der KAC im weiteren Verlauf des Grunddurchgangs allerdings nicht mehr verbessern, sodass es im Viertelfinale zum Duell mit dem ATSE Graz kam. In dieser Konfrontation zwischen Trainerneuling Herbert Pöck und Coaching-Urgestein Walter Znenahlik sen. vermochten beide Teams jeweils zwei Mal den Heimvorteil zu nützen, sodass es am 2. Februar 1990 in der Stadthalle zum fünften und entscheidenden Spiel um den Einzug ins Halbfinale kam. Der medial zum Eishockey-Krimi stilisierte Schlagabtausch sorgte für ein mit 5.500 Zuschauern ausverkauftes Haus, sie erlebten eine rauschende rot-weiße Nacht: Ein Doppelschlag von Richard Laycock und Johann Sulzer in der dritten Minute brachte die Klagenfurter früh auf die Siegerstraße. Dann folgte der große Auftritt von Andreas Puschnig: Der damals erst 17-jährige Gymnasiast, der seit seinem Bundesliga-Debüt im Oktober 1988 bereits 17 Ligatreffer erzielt hatte, verbuchte in den Minuten 5 bis 14 einen lupenreinen Hattrick. Nach einem überwältigenden Startdrittel in diesem Entscheidungsspiel, das der KAC mit 6:1 für sich entscheiden konnte, schrieb Puschnig auch im zweiten Abschnitt noch einmal an, am Ende der Partie hatte seine Linie mit Günther Koren und Manfred Mühr insgesamt sieben Tore erzielt und damit wesentlichen Anteil am 12:7-Erfolg der Rotjacken. Im Semifinale beendete dann jedoch der spätere Meister aus Feldkirch die Saison der Klagenfurter. Nach der Auftaktniederlage in Vorarlberg schlug der KAC zwar auf eigenem Eis – Siegestor in der Verlängerung erneut von Andreas Puschnig – zurück, Spiel drei holte sich in der Verlängerung aber ebenso die VEU wie das vierte Duell, in dem Richard Nasheim seine Mannschaft mit vier Treffern im Schlussdrittel fast im Alleingang zum 5:3-Erfolg und damit ins Finale schoss.

Vom Tabellenende aus zum Titel

23.10.1990 / Klagenfurter AC – EV Innsbruck (3:5)

Im Sommer 1990 ging KAC-Ikone Herbert Pöck nach seinem Intermezzo als Interimstrainer eineinhalb Jahre zuvor und seiner endgültigen Übernahme der Cheftrainer-Position in der vorangegangenen Saison in sein erstes komplettes Spieljahr als Head Coach. Diese sollte sich als eine der denkwürdigsten Saisonen der Vereinsgeschichte erweisen: Nach zwei Auftaktsiegen und fünf Niederlagen in Folge wohnten dem Heimspiel gegen den EV Innsbruck am 23. Oktober 1990 nur noch 800 Unentwegte bei. Die Rotjacken verloren die Partie im Schlussdrittel, nach dem 3:5 bewahrte sie nur noch das bessere Torverhältnis gegenüber den Tirolern vom letzten Tabellenplatz. Noch am gleichen Abend wurden mit Gary Emmons und Richard Zemlak zwei der drei Legionäre entlassen – skurril: Beide kamen in ihrem weiteren Karriereverlauf noch zu NHL-Auftritten. Ersetzt wurden die beiden Imports durch Kraig Nienhuis und Iiro Järvi, den Umschwung konnten zunächst aber auch sie nicht einleiten: Nachdem von 13 aufeinanderfolgenden Partien gleich zwölf verloren gegangen waren, stand Herbert Pöck kurz vor der Ablöse, ein überraschender Auswärtssieg im Kärntner Derby in Villach rettete ihm Ende November jedoch den Job. Im weiteren Verlauf des Grunddurchgangs hielten sich gewonnene und verlorene Spiele annähernd die Waage, als Fünfter unter sechs Teams ging der KAC ohne große Erwartungen in die Playoffs. Diese nahmen einen in der österreichischen Eishockeygeschichte einzigartigen Verlauf, denn in Ermangelung eines siebten und achten Bundesligateilnehmers wurde unter den drei Viertelfinalverlierern eine Hoffnungsrunde ausgetragen, deren Sieger doch noch ins Halbfinale aufrücken durfte. Diesen Umweg brauchten die Klagenfurter jedoch nicht zu gehen: Gestützt auf einen famosen Michael Puschacher im Tor und im Angriff auf die Treffsicherheit von Nienhuis (vier Tore in drei Partien), Puschnig und Järvi (beide mit zumindest einem Tor in jedem Viertelfinalspiel) vertrauend gelang dem KAC ein 3:0-„Sweep“ gegen den Lokalrivalen aus der Draustadt. Weil die Rotjacken auch die Halbfinalhürde Wien übersprangen und sich der VSV in der Hoffnungsrunde wie auch im Semifinale gegen Feldkirch durchsetzen konnte, kam es im Finale zum erneuten Aufeinandertreffen der beiden Kärntner Spitzenklubs. Die durchgehend hart, über weite Strecken sogar brutal geführte Endspielserie schlug medial hohe Wellen, selbst im Hauptabendprogramm des ORF wurde das rüde Geschehen am Eis breit diskutiert. Weil der KAC aus drei der vier Begegnungen dieser denkwürdigen Konfrontation als Sieger hervorging, krönte er sich zum 25. Mal zum österreichischen Meister – und das, nachdem er nur elf seiner 30 Grunddurchgangsspiele hatte gewinnen können.

Grenzübergreifend in der Alpenliga

17.09.1991 / Klagenfurter AC – Asiago Hockey (4:3)

Die Monate nach dem durchaus überraschenden Jubiläumstitel von 1991 brachten für den KAC einschneidende Veränderungen im sportlichen Umfeld, in dem man sich bewegte: Die über Jahre forcierte Idee einer grenzübergreifenden Meisterschaft in Form der Alpenliga wurde zur Realität, in der Premierensaison matchten sich von Mitte September bis Ende November 20 Klubs aus Italien, Österreich und Slowenien um Punkte auf internationaler Ebene. Zu ihrem ersten Heimspiel im neuen Bewerb hatten die Rotjacken am 17. September 1991 mit Asiago einen der Mittelständler im damaligen Gefüge des italienischen Klubeishockeys in der Stadthalle zu Gast. Während das Vorprogramm zur Partie mit der sizilianischen Sängerin Etta Scollo und einer slowenischen Showtanz-Gruppe nur wenige Zuschauer anlockte, waren die Ränge beim Spiel selbst mit rund 2.600 Fans recht gut gefüllt. Die Hausherren, gehemmt von einer 1:5-Auftaktniederlage in Feldkirch, brauchten lange, ehe sie auf Betriebstemperatur kamen: Nachdem sie ein ums andere Mal am ehemaligen NHL-Goalie Mario Brunetta im Tor der Gäste gescheitert waren, sorgten erst drei Treffer binnen vier Minuten rund um die zweite Drittelpause, erzielt von Erich Solderer, Kraig Nienhuis und Thomas Cijan, für einen letztlich knappen 4:3-Heimerfolg. Im weiteren Verlauf des Alpenliga-Bewerbs entsprachen die Leistungen der Rotjacken den Erwartungen, letztlich fehlten dem KAC als Tabellenvierter in seiner Zehnergruppe aber zwei Zähler zur Qualifikation für das Finalturnier der Top-Vier. Für die Ende November beginnende Bundesliga-Saison verstärkte sich Klagenfurt mit Doug Wickenheiser, erster (und bisher einzige) „First Overall“-Pick aus dem NHL-Draft, der je das rot-weiße Trikot überstreifte, dessen Erfolge am Wörthersee jedoch überschaubar blieben. Wie schon die Alpenliga schloss der KAC auch die heimische Meisterschaft auf Rang vier ab, nur das bessere Torverhältnis gegenüber der VEU Feldkirch sicherte das Halbfinalticket. Dort traf der KAC auf den überlegenen Grunddurchgangssieger aus Villach, der in 24 Regular Season-Partien nur drei Mal als Verlierer vom Eis musste. Die erste Begegnung in der „Best-of-Three“-Serie, ausgetragen in der Draustadt, entschied der spätere KAC-Spieler und -Trainer Emanuel Viveiros erst in der Verlängerung zu Gunsten der Adler, das zweite Duell, zwei Tage später in der Stadthalle ausgetragen, wurde zu einer traumatischen Erfahrung für die Rotjacken: Hatte begeisterndes Eishockey eine rot-weiße 5:2-Führung nach zwei Abschnitten bedeutet, kollabierten die Klagenfurter im Schlussdrittel und fingen sich fünf Gegentore ein. Für den Rekordmeister war die Saison damit zu Ende, der Lokalrivale bezwang später auch den EC Graz und sicherte sich sein zweites Championat der Klubgeschichte.

Nach 20 Partien fehlten drei Treffer

28.02.1993 / Klagenfurter AC – EK Zell am See (10:5)

Das Halfinal-Aus gegen den Lokalrivalen 1992 beendete nach zweieinhalb Jahren und 106 Ligaspielen die zweite von drei Regentschaften Herberts Pöcks als KAC-Trainer, zu seinem Nachfolger wurde ausgerechnet Villachs aktueller Meistermacher Barton Crashley gekürt. Dessen Engagement in Klagenfurt verlief jedoch für alle Beteiligten äußerst unbefriedigend: Nachdem sie in neun von 15 Heimpartien Punkte abgegeben hatten, beendeten die Rotjacken die Alpenliga nur auf dem zehnten Rang, auch in der ab Weihnachten ausgespielten Bundesliga war der Weg ein sehr holpriger. Schon im Oktober trennte sich der Klub – in dessen 16. Saison in der Kampfmannschaft – von Eigenbauspieler und Urgestein Johann Sulzer, auch Legionär Steven Gotaas wurde nach nur elf Spielen abgemeldet. Als Anfang Dezember Kraig Nienhuis der österreichische Reisepass ausgestellt wurde, verstärkte man die Defensive mit Randall Hillier, dessen Stanley Cup-Sieg mit Pittsburgh keine zwei Jahre zurücklag. Eine wesentliche Verbesserung der Leistungen der Mannschaft bewirkten all diese personellen Rochaden allerdings nicht, die Rotjacken bewegten sich bis zum Saisonende rund um den sprichwörtlichen „Strich“, der Playoff-Teilnehmer von vorzeitig Urlaubsberechtigten trennen sollte. In der 20. und letzten Runde des Grunddurchgangs kam es am 28. Februar 1993 zum Fernduell der Klagenfurter mit Innsbruck, beide Teams hielten bei jeweils sieben Siegen und Niederlagen sowie fünf Unentschieden, rangierten also punktegleich auf den Plätzen vier und fünf. Der KAC erfüllte seine Hausaufgabe am letzten Spieltag, besiegte den in diesem Jahr bärenstarken EK Zell am See, der noch um Tabellenplatz zwei kämpfte, klar mit 10:5. Vor 3.800 Zuschauern in der Stadthalle hatten sich acht verschiedene Rotjacken-Cracks in die Schützenliste eingetragen. Gejubelt wurde nach Spielende aber nicht: Der bereits als Grunddurchgangssieger feststehende VSV hatte in der Tiroler Landeshauptstadt mit Gus Morschauser, Kenneth Strong und Kim Issel drei seiner Schlüsselkräfte pausieren lassen und war daher mit 3:8 unterlegen. Damit hielten Innsbruck und Klagenfurt bei jeweils 21 Zählern, weil die Kärntner aber das um drei Treffer schlechtere Torverhältnis aufwiesen, endete ihre Saison (zum ersten Mal seit der Einführung von Playoffs in Österreichs höchster Spielklasse) ohne Halbfinalteilnahme. Das dürftige Abschneiden beendete nach 14 Spielzeiten als Aktiver, Spielertrainer und Trainer in Österreich auch die Laufbahn von Head Coach Crashley im Profieishockey.

Italienische Millionen

21.11.1993 / Klagenfurter AC – AC Milan (4:4)

Einen glänzenden Einstand in Klagenfurt erlebte im Spätsommer 1993 der erste finnische Trainer in der KAC-Geschichte, Rauno Korpi: Die Rotjacken blieben in den ersten sieben Alpenliga-Partien unbesiegt und hielten sich auch in der Folge über Wochen im Rennen um die erstmalige Teilnahme am Finalturnier in diesem Bewerb. Entgegen den Erwartungen, die hinter der Verpflichtung eines nordeuropäischen Coaches standen, überzeugte Rot-Weiß vor allem in der Offensive, in den 28 Alpenliga-Partien verbuchte das neue Import-Duo Sami Wahlsten und François Guay satte 49 Treffer, 56 weitere steuerten die Eigenbau-Stürmer Andreas Puschnig, Günther Koren und Dieter Kalt bei. In der 22. Runde, ausgetragen am 21. November 1993, empfingen die drittplatzierten Kärntner den zwei Zähler vor ihnen liegenden Leader, die ehemaligen Devils Milano. Diese firmierten in dieser Saison, von Silvio Berlusconi mit einem Fabelbudget ausgestattet, unter der Bezeichnung AC Milan, also gleichlautend mit dem Namen des traditionsreichen Fußballklubs, bei dem der Gönner seit Jahren das Präsidentenamt innehatte. Vor der Begegnung hielten beide Teams bei jeweils 134 Saisontreffern, die übrigen 13 Alpenliga-Klubs hatten zu diesem Zeitpunkt im Schnitt 81 Tore erzielt. Das prognostizierte Torfestival lockte 4.900 Fans in die Stadthalle, die ihr Kommen nicht bereuen mussten, da sie ein Eishockeyspiel auf höchstem Niveau geboten bekamen. Die Führung wechselte rasant, der KAC lag mit 1:0 und 4:3 in Front, die Gäste mit 1:2 und 2:3, auch (übertriebene) Härte hatte die Partie zu bieten: Mailands Anthony Iob, eine Dekade später Torjäger der Rotjacken, fasste bereits im Mittelabschnitt eine Spieldauer-Disziplinarstrafe. Das in der 34. Spielminute erzielte 4:4 der Italiener bildete bereits den Endstand, auch wenn in den finalen 26 Minuten der Begegnung keine Treffer mehr fielen, frohlockte das Publikum ob der gezeigten Leistung. Allerdings drehte sich die Formkurve der Klagenfurter in den kommenden Wochen nach unten, die Qualifikation für das Alpenliga-Halbfinale wurde als Sechster um vier Punkte verpasst, im Bundesliga-Grunddurchgang stolperte der KAC endgültig in eine Formkrise. Die offensive Feuerkraft aus der ersten Saisonhälfte – in den 18 Ligaspielen gelangen keinem Kaderspieler mehr als neun Treffer – ging verloren, weil lediglich fünf Bundesligaerfolge auf das rot-weiße Konto wanderten, beendete man die Regular Season auf dem vierten und letzten Rang. Im Halbfinale boten die Klagenfurter dem damaligen Krösus der heimischen Meisterschaft, den Grazer Elefanten, Paroli, das fünfte und entscheidende Spiel ging auswärts nach 70 torlosen Minuten in Regulation und Overtime jedoch mit 0:1 nach Penaltyschießen verloren. Weil parallel auch der Lokalrivale aus Villach (an Feldkirch) scheiterte, erlebte Österreichs Eishockey erstmals seit der Einführung von Playoffs im Spieljahr 1973/74 eine Finalpaarung ohne Kärntner Beteiligung.